Bahia Reiseführer

Veröffentlicht am 24. März 2013

“Terra da Felicidade“ – frei übersetzt “Land der Glückseligkeit“ – nennt der brasilianische Komponist Ary Barroso den Bundesstaat Bahia in seiner Musik “Na Baixa do Sapateiro“. Das gilt zumindest für die vielen Besucher aus den anderen Regionen Brasiliens, auch für die wachsende Zahl internationaler Touristen und vor allem für die vielen Einwanderer aus allen Ecken unseres Planeten, die sich in und um die Hauptstadt Salvador herum definitiv niedergelassen haben.

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In die Glückseligkeit der Bahianer selbst fallen zwar regelmässig einige bittere Wermutstropfen, die, wie sollte es anders sein, natürlich durch die leeren Versprechungen der Politiker, die damit verbundene Arbeitslosigkeit und persönliche Geldsorgen ausgelöst werden, jedoch wird man als Besucher von diesem stets lächelnden, lebensbejahenden Volk und seiner vibrierenden Ausstrahlung unwillkürlich in eine so glückselige Euphorie versetzt, dass man das Hinterfragen vergisst, sämtliche Vorurteile verfliegen und sich jenes beglückende Gefühl vom “Nie-mehr-weg-wollen“ einstellt.

Aber wieso eigentlich? Ich meine, warum fasziniert Bahia so viele Menschen aus allen Erdteilen? Wahrscheinlich kann diese Frage am besten von jemandem beantwortet werden, der Bahia schon länger kennt, von einem der dort gelebt hat und seine Naturschönheiten, seine Kultur und vor allem seine einmaligen Bewohner kennengelernt hat – hervorgegangen aus einer Mischung von Indios, Europäern und Afrikanern – hier in Bahia haben sie sich in beispielhafter Harmonie gemischt und eine geradezu magische Energie hervorgebracht, die auf die Besucher überspringt und sie augenblicklich fesselt. Ich möchte mal versuchen, Ihnen, liebe Leser, die unvergleichlichen “Baianos“ (Bahianer) vorzustellen:

“Sie sind in ganz Brasilien bekannt als Bürger eines Bundesstaates, in dem das Leben einer anderen Gangart unterliegt. Das Wort “preguiça“ (Müssiggang) wird sich unweigerlich in eine Unterhaltung zwischen “Paulistas“ (Bürger aus São Paulo) und “Cariocas“ (Bürger aus Rio) einschleichen, wenn von Salvador, der Hauptstadt der Bahianer, die Rede sein sollte. Diese etwas maliziöse Anspielung von Seiten der Südbrasilianer wird allerdings ihre Anerkennung des künstlerischen Talents, der ansteckenden Lebensfreude und der sensuellen Ausstrahlung der “Baianas“ (Bahianerinnen) kaum beeinträchtigen. Anerkannt ist auch ihr unvergleichliches Potenzial zum Feiern – es gibt einen populären Karnevalssong, der besagt, dass jeder Tag in Bahia ein Festtag sei – der bahianische Jahreszyklus ausgiebiger Strassenfeste scheint das zu beweisen. Es gibt auch keinen Zweifel daran, dass Bahianer eine ganz besondere Art von Zeitgefühl haben. Deshalb hat man dort die Uhr im zentralen Busbahnhof offiziell zehn Minuten vorgestellt, denn Bahianer kommen grundsätzlich zu spät.

carnaval_salvador2_Fabio Rodrigues PozzebomABrDas Wochenende und der Karneval dagegen, sind unter den wenigen Events, die früh anfangen: das Wochenende bereits am Donnerstagabend und der Karneval vier Tage vor allen andern im Land. Sollten Sie sich mit jemandem aus Bahia verabreden, dürfen Sie nicht vergessen hervorzuheben, dass Sie ihn zur “horário britânico“ (britannische Zeit) erwarten. Ein populäres (bahianisches) Sprichwort lautet: Es hat neun Monate gedauert, die Gebärmutter zu verlassen – warum also jetzt die Eile? Obwohl diese bahianische Eigenart ziemlich frustrierend sein kann, wird man von den vielen positiven Eigenschaften der Bahianer sicherlich sofort getröstet: Sie sind sehr offene, warmherzige, gastfreundliche und einfach liebenswerte Zeitgenossen, mit denen es Spass macht, die Zeit zu verbringen, sie sind stets gewillt zu verstehen – ob in Worten oder Gesten. Und sie haben stets Zeit, ein bisschen miteinander zu plaudern.“

Viele haben versucht, Bahias Magie zu erklären – Dichter und Schriftsteller in Worten, bildende Künstler in Malerei und Skulpturen, Komponisten in ihrer Musik – und einigen von ihnen ist das so gut gelungen, dass ihre Werke Bahias Magie und Mystik in die weite Welt hinaus getragen haben, um den Baianos einen internationalen Besucherstrom zu bescheren, durch den sie inzwischen auch der persönlichen Glückseligkeit ein ganzes Stück näher gekommen sind.

Das grosse Interesse der Besucher aus dem In- und Ausland lässt sich vielleicht auch durch die unvergleichliche ethnische und kulturelle Vielfalt Bahias erklären, wobei ich natürlich der herrlichen Natur, den tropischen Traumstränden und dem angenehmen Klima während des ganzen Jahres, den Spitzenplatz nicht nehmen will, den sie sich besonders unter den Touristen aus Europa erobert haben. Bahia ist geprägt von Indios, Schwarzen, Weissen, Mulatten und Mestizen. Bahia ist katholisch und evangelisch, mit 365 Kathedralen, Kirchen und Kapellen, eine für jeden Tag des Jahres – und Bahia ist geprägt von afro-brasilianischen Glaubensrichtungen, wie dem “Candomblé“ – mit ebenso vielen so genannten “Terreiros“ (Kultstätten). Bahias Musik, das sind Pop, Reggae, Rock und Axé – seine Hauptstadt Salvador ist barock, neoklassisch und modern. Die Landschaft ist Meer, Sand, Palmen und “Sertão“ (halbtrockenes Interior). Bahia hat ideale Gebiete für Rappel, aber auch für Golf, Canyoning, Kanutouren und Tauchgänge . . .

Bahia ist all das und noch viel, sehr viel mehr! Der symbolische Vers aus einem Song von Dorival Caymmi sagt alles: “Você já foi a Bahia, nega? Não? Então vá, então vá, então vá… (Warst du schon in Bahia, mein Schatz? Nein? Dann geh’ hin, geh’ hin, geh’ hin . . .

salvador1Und das sollten Sie sich unbedingt auch vornehmen, falls Sie eine Brasilienreise planen: unbedingt Bahia einplanen! Dieser Bundesstaat hat auch die schönsten Strände Brasiliens zu bieten – einer schöner als der andere – und endlos viele davon, und alle von Palmen begrenzt. Bahia ist der Bundesstaat Brasiliens mit dem längsten Küstenabschnitt – insgesamt 932 Kilometer! Die Hauptstadt des Bundesstaates, “Salvador da Bahia de Todos os Santos” – Kurzform “Salvador” – präsentiert alljährlich einen Karneval, der 2,7 Millionen Einheimische und Touristen in einem sechs Tage dauernden Festtagstaumel vereint.

Unter den sehenswerten Sehenswürdigkeiten sind zum Beispiel die “Baia de Todos os Santos“ – die Allerheiligenbucht mit ihren zahlreichen Inseln, “Farol da Barra“ – ein historischer Leuchtturm, der “Elevador Lacerda“ – ein historischer Aufzug von der modernen Unter- in die historische Oberstadt – letztere ist ein detailliert restauriertes, phantastisches Relikt aus kolonialer Epoche, der “Pelourinho“ ist ein historischer Marktplatz in der Oberstadt, auf dem die Sklaven verkauft und bei Aufsässigkeit an den Pranger gestellt wurden. Der gesamte Altstadt-Komplex wurde inzwischen von der Unesco als “Weltkulturerbe“ unter Denkmalschutz gestellt.

Praia do Forte, Bahia, BrazilAn der bahianischen Küste befindet sich unter anderem auch der Distrikt “Costa do Sauípe“, grösster touristischer Komplex Brasiliens – er wurde extra für den Komfort-Tourismus projektiert und vereint in sich Hotels und Resorts von bestem internationalem Standard. Der Abrolhos-Archipel ist besonders erlebenswert durch seine fantastischen Tauchgründe, ausserdem zwischen Juli und August wegen der Buckelwale, die sich dort zur Reproduktion einfinden. Viele weitere Orte an der Küste sind einen Besuch wert: “Praia do Forte, Guarajuba, Itacimirim, Prado, Itacaré, Santa Cruz Cabrália, Camamu, Ituberá, Alcobaça, Morro de São Paulo, Ilha de Itaparica, und viele andere.

Innerhalb der metropolitanen Region der Stadt Salvador sollte man sich die “Baía de Aratu“ (Aratu-Bucht) ansehen, eine enorme Meeresbucht, in der der Hafen von Aratu untergebracht ist, mit einer Schiffswerft und zwei der luxuriösesten Yachthäfen Lateinamerikas, sowie die “Base Naval de Aratu“, ein Marine-Stützpunkt. Besonders markant ist auch die “Baía de Camamu“ (Meeresbucht), die drittgrösste Bucht Brasiliens. Die bahianische Küste bietet seinen Besuchern viele weitere interessante und landschaftlich aussergewöhnlich schöne Plätze, wie zum Beispiel “Arraial d’Ajuda“ – ein Strand in Porto Seguro, Südbahia, wo die portugiesischen Entdecker erstmals an Land gingen.

Nach einer Untersuchung zum Thema “Konsumgewohnheiten des brasilianischen Tourismus 2011“, durchgeführt von “Vox Populi“ im November 2011, ist Bahia auch das bevorzugte Reiseziel der Brasilianer – 21,4% der Menschen, die in den nächsten zwei Jahren zu verreisen gedenken, nannten diesen Bundesstaat als Destination. Auch für andere Bundesstaaten Brasiliens stehen die Chancen nicht schlecht: Pernambuco erreichte 11,9% und São Paulo 10,9% – damit stehen sie an zweiter und dritter Stelle in dieser Befragung. Bahia ist ausserdem fünffacher Champion mit dem Titel des “besten brasilianischen Bundesstaates als Tourismus-Destination“, verliehen von der Zeitschrift “Viagem e Turismo“ – mit fünf Siegen in nur sieben Ausgaben.

Geografische und klimatische Aspekte

Bahia besetzt eine Fläche von 6,64% des nationalen Territoriums. Von 564.692,67 km² Gesamtfläche befinden sich zirka 68,7% in halbtrockenem Gebiet, während der Küstenstreifen 1.183 km lang ist und damit der längste aller brasilianischen Bundesstaaten. Das weiträumige Territorium beherbergt eine Vielzahl unterschiedlicher Ökosysteme. Das tropische Klima herrscht im gesamten Bundesstaat vor, geringe Unterschiede hängen von den jeweiligen Niederschlägen in den einzelnen Regionen ab. An der Küste ist das Klima mild und feuchter, hier findet man sporadische Überreste des originalen Atlantischen Regenwaldes. In der Umgebung von Ilhéus, zum Beispiel, ist die relative Luftfeuchtigkeit grösser und die Niederschläge können jährliche 1.500 mm übersteigen. Im halbtrockenen Interior, der Region des “Sertão“, herrschen dagegen besonders heisse Temperaturen, und die dominierende Vegetation besteht aus “Caatinga“, während das Klima im Westen trocken ist und von einer typischen “Cerrado“-Vegetation bedeckt.

Relief

An der brasilianischen Atlantikküste gelegen, besteht das Bodenrelief aus Ebenen, Hochebenen und dazwischen gelegenen Senken. Die Höhen sind nicht besonders markant – der höchste Punkt Bahias liegt auf dem “Pico das Almas“, einem Berg innerhalb der so genannten “Serra das Almas“, mit 1.958 Metern Höhe. Die Hochebenen mit den Tafelbergen dazwischen, erstrecken sich fast über den gesamten Bundesstaat, sie präsentieren eine Reihe von Unterbrechungen, durch die sich die Flüsse schlängeln, die von der “Chapada Diamantina und der “Serra do Espinhaço“ herunterkommen – erstere ist ein Tafelgebirge, das sich von Norden nach Osten erstreckt, und die zweite Gebirgsformation beginnt im Zentrum des Nachbarstaates Minas Gerais. Die halbtrockenen Hochebenen werden vom brasilianischen “Sertão“ beherrscht“ – die Ebenen liegen im Küstenbereich, und deren Höhen bewegen sich unterhalb 200 Metern. Dort finden sich Sandstrände, Dünen, Restingas und sogar Sümpfe. Je mehr man sich in Richtung Inland bewegt, umso fruchtbarer wird der Boden – mit Hügeln, die sich vereinzelt bis zum Ozean ausbreiten.

Vegetation

Der Bundesstaat Bahia präsentiert drei dominante Vegetationsarten – wobei die “Caatinga” der halbtrockenen Gebiete die Cerrado-Vegetation und den Atlantischen Regenwald bei weitem übertrifft. Sie nimmt den gesamten nördlichen Teil des Bundesstaates ein – die Senke des Rio São Francisco und den bahianischen Teil der Serra do Espinhaço – für den Cerrado bleibt nur der östliche Bereich und für den Regenwald nur der Süden. Im Landesinnern sind die Trockenperioden besonders ausgeprägt – mit Ausnahme der Senke um den Rio São Francisco. In der Serra do Espinhaço sind die Temperaturen gemässigter und angenehmer. Lange Dürreperioden sind besonders im “Sertão“ die Regel – hier betragen die jährlichen Niederschlagsmengen oft weniger als 500 mm.

Naturschönheiten

Bahia ist eine Bühne verschiedenster Landschaftsimpressionen von seltener Schönheit. Hier führt die Natur ein noch wenig beeinträchtigtes Regiment, überrascht und begeistert ihre Besucher, die sich vor allem wegen der spektakulären Naturschönheiten dort eingefunden haben und auch mal mit bescheideneren Unterkünften zufrieden sind – der Fünf-Sterne-Landschaft zuliebe. Von Norden bis Süden, von Osten bis Westen ist Bahia auch von seiner Landschaft her ganz aussergewöhnlich.

Aus dem Inhalt:
» Salvador da Bahia für 5 Sinne
» Bahia und die Bahianer
» Kultur Bahias
» Bahias Kunsthandwerk
» Capoeira – Fusskampf
» Salvadors Museen & Paläste
» Volksfeste in Bahia
» Gastronomie Bahias
» Bahias touristische Regionen
» Tagesausflüge in und um Salvador
» Der Westen Bahias
» Touren im Westen Bahias
» Der Sertão von Bahia
» Ausflüge im Sertão Bahias
» Chapada Diamantina
» Tour in der Chapada Diamantina
» Der Norden Bahias
» Touren im Norden Bahias
» Der Süden Bahias
» Touren im Süden Bahias
» Costa do Cacau
» Touren Kakao-Küste
» Entdecker-Küste
» Touren Entdecker-Küste
» Costa das Baleias
» Tour Küste der Wale
» Bahias Strände
» Bahias Strände in der Übersicht
» Bahias Inseln
» Bahias Inseln in der Übersicht
» Bahias Flüsse
» Bahias Flüsse in der Übersicht
» Bahias Wasserfälle
» Bahias Wasserfälle in der Übersicht
» Bahias Höhlen – oder Grotten
» Bahias Höhlen in der Übersicht