Der Mittelwesten Brasiliens

Veröffentlicht am 16. Oktober 2009

Der im Herzen Südamerikas gelegene Mittelwesten Brasiliens umfasst die Bundesstaaten von Goiás, Mato Grosso und Mato Grosso do Sul. Von Goiás hat sich der Expräsident „Juscelino Kubitschek“, im Jahr 1956 den neuen Regierungsdistrikt mit der Hauptstadt Brasília abgezwackt, die heute innerhalb des Bundesstaates Goiás knapp 10% der Fläche beanspruchen. In Anerkennung ihres avantgardistischen städtebaulichen Konzepts wurde Brasília am 7. September 1987 von der UNESCO in den Stand eines „Weltkulturdenkmals der Menschheit“ erhoben. Sie ist die einzige Stadt des 20. Jahrhunderts mit diesem Prädikat!

Die überraschenden Kontraste Brasiliens erfahren hier im Mittelwesten eher noch eine Steigerung. Zum Beispiel dann, wenn man von der hypermodernen Hauptstadt Brasília ins Tierparadies Pantanal hinüberfliegt. In dieser Urnaturlandschaft glaubt man sich auf einem anderen Planeten – die vielen Tiere in der Luft, auf dem Land und im Wasser, denen man hier in freier Wildbahn und am helllichten Tag begegnet, versetzen einen in eine Art paradiesischen Traum, in dem man als Adam und Eva noch mit den Tieren sprechen konnte. Und noch grösser wird der Kontrast, mit einem Besuch im „Nationalpark der Indianer vom Xingú“ – vom 21. Jahrhundert direkt in die Steinzeit sozusagen (allerdings braucht man dazu eine Sondergenehmigung der Indianerbehörde). Mit ein bisschen Glück kann man auch in Brasília die Ureinwohner in den Ministerien ein und ausgehen sehen – mit Federschmuck und in voller Kriegsbemalung – um so ihren Anliegen den würdigen Nachdruck zu verleihen. „Indianer in Kriegsbemalung vor einem Regierungspalast in Brasília“ – ist das genug Kontrast für Ihren Geschmack?

Der Mittelwesten ist relativ dünn besiedelt – die Statistik gibt eine demografische Dichte von 7,2 Bewohner / km² an. Aber das ist eben nur Durchschnitts-Statistik. In der Hauptstadt von Mato Grosso, Cuiabá, zum Beispiel, hat man eine Bevölkerungsdichte von 100 Einwohnern pro km², während man im Landesinnern eher von einer demografischen Ausdünnung sprechen kann – mit 2 Bewohnern pro km²! Die wilden Tiere sind hier noch weit in der Überzahl – auch die halbwilden Haustiere – allen voran die Rinder. Der Mittelwesten hat über 12 Millionen Einwohner und eine Rinderherde von gut 57 Millionen Stück – rund 5 Tiere pro Einwohner. Hier grast Brasiliens wertvollstes Export-Rindfleisch.

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BrasilienPortal Podcast: Der Mittelwesten Brasiliens

Viel Natur, Millionen Rinder und eine futuristische Stadt – dies kennzeichnet den Mittelwesten Brasiliens. Die exklusiv für das BrasilienPortal produzierte Sendung taucht tief ein in die Weiten des Mato Grosso, beschreibt die unglaubliche Faszination des Pantanal und erzählt von Vergangenheit und Gegenwart der brasilianischen Hauptstadt Brasília.

Es hat lange gedauert, bis Touristen aus dem Ausland auch den Mittelwesten Brasiliens etwas zögernd betreten haben. Das Pantanal mit seinen registrierten 690 Vogelarten, 90 Säugetierarten, 110 Reptilienarten und 260 Fischarten, hat diesen Durchbruch nach Jahren der Bewerbung endlich geschafft. Inzwischen sind unter den Besuchern des Gebiets mehr Ausländer als Einheimische, welche die rustikalen Unterkünfte spezialisierter Lodges nutzen, um mit versierten Führern auf Beobachtungs-Touren die artenreiche Fauna kennen zu lernen.

Das Überschwemmungsgebiet Pantanal erstreckt sich über zwei brasilianische Bundesstaaten: Mato Grosso und Mato Grosso do Sul – letzterer wurde im Jahr 1977 vom Riesen Mato Grosso abgetrennt und dieser Schnitt läuft, von West nach Ost, quer durch das Pantanal. Das Pantanal hat sich also als touristisches Fernziel endlich durchgesetzt – aber auch als einziges im Mittelwesten. Brasília kann man da eher als Durchgangsziel bezeichnen: man fliegt morgens rein und, nach einer Stadtbesichtigung, abends wieder raus. Die Seele verlangt nach Natur – das Pantanal bringt’s.

Aber eben nicht nur das Pantanal. Der Mittelwesten, mit einer Gesamtfläche von 1.606.445,5 km², hält so unglaublich viel mehr an Begegnungen mit Menschen, Tieren, einer üppigen Flora und vor allem, dem Abenteuer, bereit, dass es schade wäre, wenn man mit dem Pantanal nicht wenigstens ein paar dieser ebenbürtigen Sehenswürdigkeiten verbinden könnte. Schuld an dem Dilemma sind wahrscheinlich in erster Linie die fehlenden Informationen. Und das ist eine Frage, die wir mit unserem BrasilienPortal umfassend und detailliert beantworten wollen – nicht nur im Mittelwesten, sondern in allen 26 Bundesstaaten und für jeden, der dieses wunderbare Land etwas näher kennen lernen möchte.

Die folgende „Stippvisite“ in den einzelnen Bundesstaaten des Mittelwestens möchte Ihnen die Vorauswahl ein bisschen leichter machen. Ausführliche Beschreibungen finden Sie dann unter dem von Ihnen bevorzugten Bundesstaat.

nach obenDISTRITO FEDERAL

mittelwesten_distrito-federalDie vom Bundesstaat Goiás an den Regierungsdistrikt abgetretene Fläche ist 5.822 km² gross und liegt im Osten des Bundesstaates, auf dem so genannten „Planalto Central“ (Zentral-Plateau) inmitten des „Cerrado“, auf 1.100 m Höhe, dicht an der Grenze zum Nachbarstaat Minas Gerais. Auch hier wird das Klima durch zwei deutlich voneinander abgegrenzte Jahreszeiten bestimmt: die Trocken- und die Regenzeit. Der Regen fällt in den Monaten Oktober bis März. Danach gehen die Temperaturen herunter bis auf 13º C im Juli. Während der Trockenzeit erreicht die Luftfeuchtigkeit ein kritisches Stadium – besonders während der heissesten Stunden des Tages. Mit 40 km² und 500 Millionen m³ Wasser mildert die Verdunstung des künstlichen Sees „Lago Paranoá“ dieses Problem.

Die Einwohnerzahl des Regierungsdistrikts ist inzwischen auf 2.570.160 (Stand 11/2010) Personen angewachsen – mit mehr als 420 Menschen pro km² die grösste Bevölkerungsdichte des Landes. Die Stadt wurde in 41 Monaten auf dem so genannten „Planalto Central“ von 30.000 Arbeitern aus allen Teilen des Landes (1956 – 1960) erbaut und am 21. April 1960 eingeweiht. Im gleichen Jahr ihrer Einweihung zählte die neue Hauptstadt bereits 150.000 Einwohner – hauptsächlich von Rio de Janeiro herbeorderte Staatsbeamte. Im Lauf von 30 Jahren erreichte der Distrikt eine Zahl von 1,7 Millionen Einwohnern – eine der höchsten demografischen Wachstumsraten des Landes.

Der Regierungsdistrikt stellt eine atypische Einheit innerhalb der Staatengemeinschaft dar. Er ist kein Bundesstaat und besitzt keine Distrikte (Municípios), sondern besteht aus einem autonomen Territorium, welches in administrative Regionen unterteilt ist. Mit Ausnahme von Brasília, der Hauptstadt der Union und Sitz der föderativen Regierung, nennt man die anderen administrativen Regionen „Satelliten-Städte“ – es sind insgesamt achtzehn. Diese besitzen eine gewisse administrative Autonomie, aber ihre wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten werden von Brasília aus gesteuert. Zentrum der Macht und der Bürokratie, empfängt die Stadt einen kontinuierlichen Fluss von Personen aus allen Teilen des Landes und aus anderen Nationen. Sie hat durch ihre geografische Lage sogar Mystiker aus aller Welt angelockt, die in ihrem Umkreis Tempel und Kultstätten diverser Religionen und Sekten konstruiert haben, „in Erwartung einer neuen Zivilisation, die an dieser Stelle entstehen soll“. Diese kulturelle Vielfalt hat zur Folge, dass man in Brasília die unterschiedlichsten Sprachen, Sitten und Gebräuche, kulturellen Manifeste und folkloristischen Präsentationen antrifft – und das äussert sich auch in einer interessanten Gastronomie.

Ein sanfter, steter Wind dreht kleine rote Staubspiralen in der gesündesten Luft Brasiliens – klar, kühl und in der einen Jahreshälfte so trocken wie in der Sahara. In der Regenzeit warm aber nie klebrig oder unangenehm. Eine herbe, stolze Landschaft, in der man den Blick bis zum dunstigen Übergang zwischen Himmel und Erde schweifen lassen kann. Das Meer liegt 1.200 km weit im Osten – hier in Brasília befindet sich der Mittelpunkt einer imaginären Linie die Belém, im Norden, mit Porto Alegre, im Süden, verbindet. Und hier liegt auch die Wasserscheide zwischen den drei gewaltigsten hydrografischen Becken Südamerikas. „Águas Emendadas“ heisst der naturgeschützte Ort, an dem drei Bächlein aus derselben Quelle entspringen und, bedingt durch die Bodenformation, in drei völlig verschiedene Richtungen abfliessen: Zum „Amazonas“, zum „La Plata“ und zum „São Francisco“.

Überhaupt: sicher haben Sie nicht gewusst, das es innerhalb des Regierungsdistrikts 35 verschiedene Parks und Naturreservate gibt?

Kein Grund also, dass man sich in Brasília nur die schönen Gebäude ansieht – oder in Mato Grosso nur das Pantanal! Wir haben Ihnen hoffentlich mit diesem einleitenden Querschnitt ein bisschen Appetit gemacht auf die vielen überraschenden Einzelheiten, die Sie in unseren Informationen des BrasilienPortals erwarten.

nach obenBUNDESSTAAT GOIÁS

mittelwesten_gioasEtwa gleich gross wie Mato Grosso do Sul – 341.289 km² – hat der Bundesstaat eine Gesamt-Einwohnerzahl von 5.647.035 (Stand 11/2007). Also etwa die doppelte Bevölkerungsdichte von Mato Grosso do Sul und die fünffache von Mato Grosso – von denen rund 1.200.00 in der Hauptstadt Goiânia leben. Zuerst von den Gold suchenden „Bandeirantes“ erforscht, entwickelten sich deren damals angelegte Schürfer-Camps zu prosperierenden Kleinstädten, wie „Goiás Velho, Pirenópolis“ oder „Pilar de Goiás“, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts zirka 20% der gesamten Kolonie-Produktion an Gold über Rio de Janeiro exportierten, was einer mittleren Jahresproduktion von „500 Arrobas“ entspricht – zwischen 6 – 7,5 Tonnen!

Nun, der Goldstrom ist längst versiegt, und die Nachkommen jener Abenteurer betreiben heute Viehzucht in grossem Stil – 19 Millionen Rinder, die drittgrösste Herde Brasiliens.

Leider fügt diese rücksichtslose Ausweitung der Herden aber auch hier der Natur unwiderrufliche Schäden zu: Galeriewälder werden zerstört, biologische Reserven unter Naturschutz werden abgebrannt, um als Grasflächen für die Rinder genutzt oder in Agrarflächen verwandelt zu werden. Das Land ist gross und die Regierung in Brasília weit – in ihrer Ignoranz sägen die Menschen an ihrem eigenen Ast, denn die profunde Erosion, als Folge dieser Zerstörung der Natur, erreicht an manchen Stellen schon den Grundwasserspiegel.

Der Bundesstaat Goiás besteht in seinem Relief aus ausgedehnten Hochebenen und Tafelgebirgen. Die vorherrschende Vegetation ist der „Cerrado“, unterbrochen von Grassavannen und Wäldern in den feuchteren Talgebieten. Wie im gesamten Mittelwesten, präsentiert die Region eine deutliche Trennung zwischen Trocken- und Regenperiode. In den trockensten Monaten, zwischen Juni und September, sind die 2.000 km weissen, feinsandigen Flussstrände des Rio Araguaia eine ganz besondere touristische Attraktion. Die historischen Städtchen aus der Zeit der Goldsucher – „Goiás Velho, Pilar de Goiás, Corumbá de Goiás, Pirenópolis“ und andere – sind mit ihrer kolonialen Architektur und ihrer Folklore jede Anreise wert.

Im schönen „Caldas Novas“ mit seinen heissen Quellen lässt sich’s herrlich entspannen. Spannend wird’s im „Parque Nacional das Emas„, im Südosten auf 840 Metern Höhe, in dem man die typische Tierwelt des Cerrado beobachten kann.

Und ein ganz besonderes Terrain für Höhlen-Fans tut sich im extremen Nordosten des Bundesstaates auf, wo man bei „São Domingos“ den grössten Höhlenkomplex Südamerikas erleben kann – Höhlen und Grotten zwischen 8 km und 20 km Ausdehnung gibt es hier zuhauf! Und vergessen wir nicht den reizvollen Nationalpark „Chapada dos Veadeiros“ und dem netten Ort mit Namen „Alto do Paraiso“ – die unzähligen Wasserfälle, Canyons, Höhlen, Flüsse und Natur-Pools zum Baden sind ein paradiesisches Gebiet zum Wandern.

Die Hauptstadt Goiânia ist bekannt und beliebt wegen ihrer Open-Air-Cafes, der vielen Bars mit Live-Musik und vor allem, der schönsten Frauen Brasiliens (wobei in diesem Fall nicht nur Körper sondern auch Inhalt gemeint sind). Im Herzen Brasiliens gelegen, nur 209 km von der Hauptstadt Brasília entfernt und 926 km von São Paulo, ist Goiânia heute eine der vielversprechendsten und gesündesten Metropolen des Landes. Mit 1.056.330 besetzt die Stadt 789 km² urbanisierte Fläche, von der etwa ein Drittel für Grünflächen genutzt wird, die in Parks, öffentliche Plätze und Gärten verwandelt wurden. Die Stadt liegt auf 749 m über Meer und hat eine mittlere Jahrestemperatur von 23º C.

nach obenBUNDESSTAAT MATO GROSSO

mittelwesten_mato-grossoIst der grösste Bundesstaat des Mittelwestens und mit 906.807 km² auch der drittgrösste Bundesstaat Brasiliens – er hat 2.854.642 (Stand 11/2007), gut 526.000 davon leben in der Hauptstadt Cuiabá, einer ehemaligen Goldschürfer-Siedlung (1748) am Ufer des Flusses gleichen Namens. Als die Goldvorkommen zur Neige gingen, sank die Region über mehr als ein Jahrhundert in Vergessenheit und Dekadenz, bis Ende des 19. Jahrhunderts ein gewisser „Marechal Rondon“ sie mit dem Anschluss an das Telegrafennetz und dem Bau einiger Verbindungsstrassen aus der Isoliertheit befreite und ihr neue Emigranten bescherte. Mit dem Bau der Hauptstadt Brasília schliesslich (1960) und kräftigen Investitionen der Regierung in die Erschliessung des Mittelwestens, bekam auch die stagnierende Wirtschaft in Mato Grosso wieder neuen Auftrieb und die Bevölkerung neuen Zuwachs.

1977 teilte die Regierung dann Mato Grosso, aus Verwaltungsgründen, in zwei unabhängige Bundesstaaten. Etwas mehr als ein Drittel seiner Gesamtfläche im Süden bekam den Namen „Mato Grosso do Sul“ (Süd-Mato-Grosso), und damit entfielen etwa zwei Drittel des 180.000 km² grossen, brasilianischen Teils des „Pantanal“ auf den neuen Bundesstaat.

Wir sagten es bereits in der Einleitung: es hat lange gedauert, bis man auch das internationale touristische Interesse für dieses Tierparadies wecken konnte, das sich heute als eines der interessantesten Reiseziele in Brasilien durchgesetzt hat – denn, wer die Beobachtung von Tieren zur Lieblingsbeschäftigung während seiner Ferien erkoren hat, der findet wohl auf der ganzen Welt kein Gebiet mehr wie dieses! In unseren Aufzeichnungen im BrasilienPortal erfahren Sie alles über das Pantanal, seine Menschen, seine Tiere, seine Natur.

Der „Parque Nacional da Chapada dos Guimarães“ hat einen langen Namen und noch viel mehr Sehenswürdigkeiten. Auf 33.000 Hektar findet man eine wundervolle Cerrado-Landschaft mit Tafelbergen, unzähligen Wasserfällen, Höhlen, archäologischen Fundstätten und einer typischen Cerrado-Flora und Fauna, die sich wunderbar mit einem Besuch im Pantanal verbinden lässt, denn sie beginnt nur 60 km von der Hauptstadt Cuiabá, als ein Teilstück der gebirgigen Pantanal-Einfassung.

Mato Grosso liegt, durch seine immense Grösse, im Bereich von drei unterschiedlichen Ökosystemen – und zwar, von Süd nach Nord: das Pantanal (10%), der Cerrado (40%) und der Amazonas-Regenwald (50%). Sein Relief präsentiert im mittleren Teil, dem so genannten „Planalto de Mato Grosso“ eine durch Tafelgebirge besetzte Hochebene (400 – 800 m), die im Süden von der Pantanal-Tiefebene umgeben und im Norden in das Amazonas-Becken übergeht. Im Norden, schon im Übergangsgebiet zwischen Cerrado und Regenwald, befindet sich der „Parque Indigena do Xingú„, ein Nationalpark, der in diesem Fall den Ureinwohnern gewidmet ist. Hier leben innerhalb eines Gebiets von 30.000 km² 17 verschiedene Indianerstämme Brasiliens, unterschiedlich in Sprache und Kultur, in friedlicher Eintracht zusammen. Dieser ungestörte Lebensraum von beachtlichen Dimensionen erlaubt den Indianern ihr Leben nach traditioneller Art und Weise zu gestalten, während die Regierung in Brasília, vertreten durch ihre Indianerbehörde FUNAI, regelmässige Gesundheitskontrollen durchführt und darüber wacht, dass die Grenzen des Indianer-Territoriums respektiert werden. Inzwischen sind aus den Reihen der Indianer selbst junge Leute hervorgegangen, welche die Interessen ihrer Stammesgenossen innerhalb der Ministerien als Abgeordnete vertreten oder in der Selbstverwaltung des Indianer-Parks tätig sind.

(Lesen Sie dazu auch unseren ausführlichen Bericht über die Indianer Brasiliens)

Mato Grosso ist, mit einer Rinderherde von rund 14,5 Millionen Stück, Brasiliens viertgrösster Produzent an Rindfleisch für den Export – der drittgrösste des Mittelwestens.

Leider fügen verantwortungslose Grossgrundbesitzer, vertreten durch ihre ignoranten Viehtreiber, der Natur irreparablen Schaden zu, indem sie die Vegetation des Cerrado und ganze Wälder abbrennen, um für den wachsenden Viehbestand neue Weideflächen zu gewinnen. Diese unverantwortliche Handlungsweise ist im gesamten Mittelwesten die grösste Bedrohung für die Natur. So wurden zwischen 1996 und 1999 annähernd 900.000 Hektar Wald vernichtet – 40% aller in Brasilien 1999 registrierten Waldbrände gingen auf das Konto von Mato Grosso (Auskunft IBAMA, die brasilianische Umweltschutz-Behörde).

Mehr als 20 Jahre nach der Trennung der beiden Bundesstaaten – bei der Mato Grosso zwar die grössere Fläche, aber der bei weitem unterentwickeltere Landesteil verblieb – präsentiert der Bundesstaat ein expressives Wirtschaftswachstum, dessen bedeutendster Faktor in der Landwirtschaft liegt – und zwar in Rekord-Ernten von Soja und Baumwolle. Seit der Trennung hat sich die Agrarfläche vervierfacht und die Produktion ist um 760% gestiegen. Diese Agrarexplosion hat viele Emigranten aus dem brasilianischen Süden angezogen. Heute sind zum Beispiel von der halben Million Einwohner Cuiabás rund die Hälfte Südbrasilianer, die ihre Folklore, ihre Sitten und Gebräuche mitgebracht haben – und ihre Küche.

Die Hauptstadt Cuiabá entstand aus einem Goldschürfer-Camp der Bandeirantes, aus dem Jahr 1719, am Fluss gleichen Namens. Im Gegensatz zu anderen historischen Orten, gibt es in Cuiabá nur sehr wenige Remineszensen aus jener Zeit zu besichtigen. Wer Cuiabá anfliegt, der kommt wegen seiner Naturparadiese – dem Pantanal oder der Chapada dos Guimarães. Die Stadt hat 435.647 Einwohner. Auf der anderen Seite des Rio Cuiabá liegt die Schwesterstadt „Várzea Grande“. Heute verbinden verschiedene Brücken die beiden, und der moderne Flughafen der Hauptstadt befindet sich auf dem Gelände der Schwesterstadt.

Cuiabá ist eine der heissesten Städte Brasiliens – 26º C ist ein mittlerer Wert, aber wenn man von einer Mindest-Temperatur von 10º C (nachts, Juli/August) und einem Maximum von 42º C (am Tag Dezember/Februar) spricht, dann sollte man sich auf diese Gegend in punkto Kleidung sorgfältig vorbereiten. Es regnet in Cuiabá ausgiebig und oft in den Monaten Januar bis April – Jahresdurchschnitt sind um die 1.750 mm Niederschlag. Dafür ist es zwischen Mai bis fast Oktober vollkommen trocken.

Der selbst zugestandene Begriff „Cidade Verde“ (Grüne Stadt) erscheint ziemlich weit hergeholt und die wenigen Grünanlagen der Stadt sind in der Regel, besonders während der trockenen Monate, staubbedeckt. Dann bietet die Stadt einen schmuddeligen, lehmfarbenen Anblick.

nach obenBUNDESSTAAT MATO GROSSO DO SUL

mittelwesten_mato-grosso-sulBesitzt nur etwa ein Drittel der Fläche des grossen Bruders – 358.158 km² – und hat eine Gesamt-Einwohnerzahl von 2.449.024 (Stand 11/2010), von denen rund 725.000 in der Hauptstadt Campo Grande leben. Schon die Relation Fläche/Einwohner lässt vermuten, dass Mato Grosso do Sul im Verhältnis zu seinem grossen Bruder Mato Grosso wirtschaftlich weiter entwickelt ist – und das stimmt. Die grossen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unterschiede waren letztlich die treibende Kraft für die Trennung der beiden Bundesstaaten: während zwei Drittel des grünen Riesen damals vom Amazonas-Regenwald bedeckt und seine Gesellschaft sich in erster Linie aus Grossgrundbesitzern, Viehzüchtern und deren Personal zusammensetzte, hatte der Süden – nicht zuletzt auch wegen seiner privilegierten geografischen Lage und besseren Verkehrsanbindung zu den Metropolen des fortschrittlichen Südost- und Südbrasiliens – eine gemischtere Gesellschaft von Kleinbauern, Farmern, Technikern, Industriellen und Dienstleistern hervorgebracht, die sich sehr am Nachbarstaat São Paulo orientierten, ganz anders lebten und vor allem schneller zu denken gewohnt waren, als ihre nördlichen Landsleute. Zum Beispiel hatten die Bewohner von Mato Grosso do Sul schon damals Konzepte zum Schutz ihrer Umwelt nicht nur entwickelt, sondern bereits realisiert.

Mato Grosso do Sul liegt in seinem extremen Süden auf dem Wendekreis des Steinbocks. Seine Nähe zu Bolivien und Paraguay erklärt die Beliebtheit einiger Menus dieser Länder. Aus der täglichen Küche kommt sowohl Fisch aus den zahlreichen Flüssen, als auch Fleisch von den grossen Rinderherden, auf den Tisch – die zweitgrösste Herde Brasiliens, mit 20.5 Millionen Stück, steht in diesem Bundesstaat. Im Westen des Bundesstaates liegen zwei Drittel des schon erwähnten Pantanal, und hier befinden sich auch die komfortabelsten Lodges für die Tierbeobachtung – allerdings auch die teuersten Etablissements der Kategorie. Ansonsten finden sich im Süden die gleichen Tierarten wie im Norden. Es gibt allerdings Stimmen, die sagen, dass sich im Nordteil, als dem weniger touristisch frequentierten, mehr Tiere aufhalten.

Ein Erlebnis der besonderen Art ist die „Serra da Bodoquena„, deren touristisches Potential man erst vor wenigen Jahren entdeckt hat – touristisches Auffanglager ist die kleine Stadt „Bonito„, am Fuss des Gebirges mit dem „Parque Nacional da Bodoquena“. In dem kleinen Städtchen von 17.200 Einwohnern haben sich inzwischen viele kleine Pousadas, Mittelklassehotels und sogar ein Fünf-Sterner etabliert, denn neben dem Pantanal gehören die Attraktionen rund um „Bonito“ zum Besten, was der Mittelwesten für den Naturliebhaber zu bieten hat: eine wunderschöne Cerrado-Landschaft mit prähistorischen Höhlen und archäologischen Fundstätten, kristallklare Flüsse mit unzähligen Wasserfällen, Natur-Pools, in denen man, umgeben von einem grünen Paradies, die schnöde Welt vergessen kann.
Mit Abstand das phantastischste Erlebnis ist eine so genannte „Flutuação“: Ausgerüstet mit Neopren-Anzug und Schnorchelmaske treibt man einen der kristallklaren Flüsse hinunter, um die Unterwasser-Fauna zu beobachten – man fühlt sich wie ein Fisch unter Fischen, die auf Reichweite neugierig heranschwimmen – wie in einem riesigen Aquarium – die Sicht ist unbeschreiblich! (Lesen Sie unseren Bericht über „Bonito“).

Die Hauptstadt Campo Grande ist eine plane Stadt, mit breiten Avenidas und dichtem Verkehr. Sie wurde am 26. August 1899 gegründet und 1979 zur Hauptstadt des neuen Bundesstaates Mato Grosso do Sul gewählt. 1.088 km von Brasília und 687 km von Cuiabá, hat sie eigentlich nichts zu bieten, was andere Städte nicht auch haben – für den Touristen eine reine Durchgangsstadt – aber mit einigen guten Hotels. Die Temperaturen fallen im Winter – zwischen Juni und August liegen sie bei 15º C.


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