Nationalpark das Emas

Veröffentlicht am 16. Oktober 2009

Lage: Im Bundesstaat Goiás, im Distrikt von „Mineiros“
Koordinaten: 17º 50′ und 18° 15′ südlicher Breite, 52º 39′ und 53º 10′ westlicher Länge
Gesamtfläche: 131.868 ha, äusserer Umfang: 150 km
Klima: subtropisch warm und feucht
Mittlere Jahrestemperaturen: 22º bis 24º C, Maximum 36º bis 38° C, Minimum 4º bis 0º C.
Niederschlagsmenge: zwischen 1.500 bis 1.750 mm pro Jahr
Relief: leicht gewellt, Höhen um 1.000 Meter

Eine der sensibelsten Naturschutz-Einheiten Brasiliens, der Nationalpark „das Emas“, wurde 1961 geschaffen, um einen Teil des Biotops „Cerrado“ – vor dem grossen Marsch nach Westen, der mit der Einweihung von Brasília einsetzte – in seiner Originalität zu bewahren, bevor es zu spät war.

Der Nationalpark, an der Grenze zum Bundesstaat Mato Grosso do Sul, schützt auch den grössten Vogel Brasiliens, den „Ema“ (Rhea americana), eine südamerikanische Straussenart, nach der das Schutzgebiet benannt wurde (nicht zu verwechseln mit dem australischen „Emu“).

Heute ist der Park umgeben von Soja und Maisfeldern, und die sind sein Hauptproblem: Immer wieder, mit einer gewissen zyklischen Regelmässigkeit zwischen Juni und September, der trockensten Zeit des Jahres, entstehen Flächenbrände, in ihrer Mehrheit verursacht von Landbesitzern, deren Grundstücke an den Nationalpark grenzen. Felder abzubrennen, anstatt mit Hacke und Schaufel zu bearbeiten, ist eine weit verbreitete brasilianische Unsitte, die Jahr für Jahr unschätzbaren Schaden unter der Flora und Fauna des Landes anrichtet. Die IBAMA (brasilianische Naturschutzbehörde) bemüht sich zwar, mit aufklärenden Schriften, TV-Spots und drastischen Strafen, diese Umwelt-Kriminalität zu bekämpfen, aber die Erfolge sind bisher eher mässig.

Flora
Im Park kommen praktisch alle Arten von Cerrado-Vegetation vor, die in Brasilien innerhalb ihrer typischen Lebensgemeinschaften heimisch sind. Zum Beispiel dem „Campo-Limpo“, dem „Campo-Sujo“, dem „Cerradão“ und dem „Mata-Ciliar“ (Galeriewald).
Neben den Gramineae sind besonders häufig: Dalbergia, Campomanesia, Bowdichia, Qualea, Voshysia und Anacardium. Auf dem „Campo-Limpo“ dominieren die Gräser, dazwischen findet man jedoch krüppelwüchsige Bäume, zwischen 5-6 Metern Höhe, einige mit Früchten, wie zum Beispiel der „Fruta-de-Ema“, der „Caju“ (Anacardium occidentalis, Lin.) oder dem „Murici“ (Byrsonima sericea.D.C.). Die immergrünen „Buritís“ (Mauritia vinifera, Mart.) und „Copaíbas“ (Copaifera officinalis, Lin.) fallen in den Galeriewäldern besonders auf.

Eine besondere Eigenheit dieser Savannenlandschaft sind die enormen Termitenhügel aus in der Sonne steinhart getrocknetem Lehm, die bis zu 2 Meter hoch werden können. In den feucht-warmen Sommernächten, zwischen Oktober und November, leuchten diese Termitenhügel in einem blaugrünen phosphorisierendem Licht zwischen dem dunklen Gras – eine fantastische Erscheinung – die von den Millionen von Termitenlarven produziert wird.

Termitenhügel
Ein Termitenhügel ist ein raffiniert angelegtes Labyrinth aus Korridoren und Kammern, perfekt klimatisiert durch Kühle bringende Windkanäle und dämmende Isolationsschichten. Geschützt von den stabilen Mauern wimmeln tief im Inneren des Baus Hunderttausende von Termiten. Soldaten und Arbeiter sorgen rund um die Uhr für das Wohl der Kolonie. Sie sind blind, können sich aber durch Geruchssignale verständigen. Ihre Königin, Mutter jeder einzelnen Termite der riesigen Sippe, legt etwa alle drei Sekunden ein Ei und das viele Jahre lang.

Doch selbst in ihren Festungen sind die Termiten nicht sicher vor ihrem grössten Feind, dem Ameisenbär. Sein Geruchssinn ist 40-mal stärker als der des Menschen, und er kann seine bevorzugte Beute, Ameisen und Termiten, kilometerweit riechen. Hat er ein Nest aufgespürt, gräbt er mit seinen langen, starken Klauen ein Loch in die steinharten Mauern des Termitenbaus. Mit seiner klebrigen Zunge kann der Räuber bis zu 30.000 Tiere am Tag verschlingen. Sobald der Angriff vorüber ist, machen sich die Termiten an die aufwendige Reparatur des Nestes. Mit einer Mischung aus Erde, Kot und Speichel verschließen sie ihren beschädigten Bau. Dabei verständigen sie sich ausschliesslich über Pheromone, Geruchsstoffe mit Kommunikationsfunktion.

Fauna
Das eigentliche Erlebnis im Park sind natürlich die typischen Tierarten der Cerrado-Landschaft und die Beobachtung ihrer Lebensgewohnheiten. Allen voran entdeckt man Gruppen von „Emas“ (Rhea americana), die eine Körperhöhe von fast 1,5 Metern erreichen und auch im höheren Gras leicht auszumachen sind.

Es ist auch nicht schwer, den „Tamanduá-Bandeira“ (Myrmecophaga tridactila), den grossen Ameisenbären bei seiner Lieblingsbeschäftigung zu beobachten: dem Aufbrechen von Termitenhügeln, um an die Larven zu gelangen, die er mit seiner langen klebrigen Zunge dann herausholt.

Leicht zu entdecken im Park sind: die „Suçuarana“ (Puma concolor) – der gelb-braune Puma, das „Tatu-Galinha“ (Dasypus sexcinctus), die Wildente „Pato-Selvagem“, den sonst so seltenen Königsgeier „Urubu-Rei“ (Sarcoramphus papa), den fast ausgestorbenen „Arara-Canindé“ (Ara araranna) und den Fasan „Perdiz“ (Rhynchotus rufescens). In den Galeriewäldern an den Ufern der Flüsse leben „Macaco-Prego“, der Kapuziner-Affe, und „Bugio“, der Brüll-Affe.

Und wenn man ein bisschen Geduld hat, entdeckt man die andern: zum Beispiel den scheuen „Lobo-Guará“ (Chrysocyon brachyurus), den südamerikanischen Mähnenwolf, den „Cachorro-do-Mato“ (Cedocyon), einen Wildhund, verschiedene Hirsche (Blastocerus dichotomus), „Siriemas“ (Cariana), grau-blaue Laufvögel von 80-100 cm Höhe, mit orangeroten Beinen, und viele, sehr viele tropische Vogelarten.

Unter den Reptilien finden sich „Jacarés“ (Caiman palpebrosus) Brillenkaimane, „Sucuris“ (Eunectes murinus) Anaconda-Riesenschlangen und Giftschlangen, wie zum Beispiel die „Jararáca“ (Bothrops jararaca).

Unter den Flüssen sind zu nennen: der „Rio Formoso“ – wenn man von dem Ort „Chapadão do Céu“ anfährt, und der „Rio Jacuba“, wenn man von „Mimoso“ kommt. Ersterer ist besonders wegen seines kristallklaren Wassers erwähnenswert.

Empfehlenswerte Sehenswürdigkeiten sind ausserdem: der „Lago das Capivaras“, ein schöner See, der nach den Wasserschweinen benannt ist, der „Corrego do Burití Torto“ – ein Bächlein für ein herrlich erfrischendes Bad und der „Mirante do Avoador“, eine interessante Aussichtplattform.

Die Infrastruktur des Parks besteht aus einem „Centro de Visitantes“ (Besucher-Zentrum), mit Refektorium und Übernachtungsmöglichkeit für Wissenschaftler.

Die Öffnungszeiten: Täglich von 8:00 bis 18:00, der Eintritt liegt bei 1 USD.

Noch ein paar Worte über die Anfahrt zum Park
Es gibt zwei Eingänge: „Portão 1“ an der Westgrenze des Parks und „Portão 2“ an seiner Südgrenze. Eingang 1 kann man von dem 80 km entfernten „Mineiros“, im Nordosten, anfahren – die Bundesstrasse BR-060 ist durchgehend asphaltiert. Eingang 2 erreicht man von dem bereits beschriebenen „Chapadão do Céu“, das in 27 km Entfernung liegt – allerdings über eine Erdpiste. Beide Orte sind von Goiânia aus auf asphaltierter Strasse erreichbar. Alles in allem, wenn es nur um den Besuch des Nationalparks geht, ist die Anfahrt über „Mineiros“ die unkompliziertere!


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