Chapada dos Veadeiros

Veröffentlicht am 16. Oktober 2009

Gegründet: 11. Mai 1972, verkleinert am 17. November 1981
Fläche: 66.000 ha
Länge: Peripherie 160 km, auf Höhen zwischen 1.400 und 1.500 m
Wasserscheide: der Becken des „Rio Maranhão“ und des „Rio Paraná“
Plateau: Höchstes Plateau von „Brasil Central“ (Zentralbrasilien)
Koordinaten: 13º 51′ und 14º 10′ südlicher Breite, 47º 25′ und 47º 42′ westlicher Länge
Klima: Tropisch, halb-feucht, mit 4 bis 5 Monaten Trockenzeit
Temperaturen: Jahresmittelwert 24 – 26° C, Maximum 40 – 42º C und Minimum 4 – 8º C.
Niederschlagsmenge pro Jahr: 1.500 – 1.750 mm.
Infrastruktur: Besucher-Zentrum. Besuche werden von Guides begleitet
Besuchszeiten: täglich zwischen 8:00 und 17:00

Die Landschaft der „Chapada dos Veadeiros“ liegt ausgebreitet auf einer immensen Quarzkristall-Platte, die, so sagen die Esoteriker der Region, ihresgleichen aus allen Teilen des Planeten an diesem mystischen Treffpunkt vereint hat. Sie alle bestätigen, hier ein übernatürliches Energiefeld zu spüren, das sie alle erfüllt und zusammenhält. Auf jeden Fall ein schöner Gedanke!

Der Park wurde ursprünglich unter dem Namen „Parque Nacional do Tocantins“ gegründet, nach ersten der Einweihungseuphorie der neuen Hauptstadt Brasília. Dann, fast 10 Jahre später, verkleinerte ihn ein neuer Erlass auf fast ein Zehntel der damals zugestandenen Fläche und änderte den Namen um in „Parque Nacional da Chapada dos Veadeiros“.

Eine Wanderung durch diese Landschaft gleicht einer Reise in eine längst vorübergegangene geologische Ära des Planeten. Ich denke an Riesensaurier, die jetzt aus einer dieser Höhlengänge auftauchen könnten – stattdessen erscheint ein Trupp schnatternder Touristen aus dem Halbdunkel und blinzelt in die grelle Sonne des Cerrado.

Die von ihnen bevorzugten Attraktionen sind die Badefreuden im dunklen, sauberen Wasser der Natur-Pools und unter den zahlreichen Wasserfällen. Die dunkle, kastanienbraune Tönung des Wassers kommt vom eisenoxydhaltigen Gestein und seinen Quellen.

Höhepunkte sind zum Beispiel die beiden imponenten Fälle des „Rio Preto“ – der erste, mit zirka 80 Metern, verbreitert sich fächerartig nach unten und fällt in einen von steilen Felsen umgebenen Kessel von gigantischen Ausmassen. Der zweite, gleich neben dran, mit 120 Metern Höhe, hat kein Becken, sondern flieht sofort in einer starken Strömung, ohne Bademöglichkeit. Dafür bietet er eine interessante Aussichtsplattform. Die vielen Möglichkeiten, von einem erhöhten Standpunkt aus die herrliche Landschaft betrachten zu können, sind eine Attraktion für sich.

Unter der lokalen Fauna sind vier Vertreter, die auf der schwarzen Liste der gefährdeten Tierarten stehen:
Der „Cervo-do-Pantanal“ (Blastocerus dichotomus), der sich am liebsten in der Nähe von Flussläufen aufhält, der „Veado-Campeiro“ (Hippocamelus bezoarcticus), der die offenen Grassavannen bevorzugt, der gefleckte Jaguar (Panthera onca), der am liebsten „Veados Campeiros“ erbeutet, und der „Lobo-Guará“ (Chrysocyon brachyuros), der südamerikanische Mähnenwolf, grösster Vertreter der Canidae beider Amerikas. Andere Bewohner des Parks sind die zahlreichen „Tapitís“ (Lepus brasiliensis), ähnlich wie Hasen, von gelbbräunlicher Farbe, das „Tatu-Canastra“ (Dasypus novemcinctus) Gürteltier, der „Tamanduá-Bandeira“ (Myrmecophaga tridactila) Ameisenbär, das „Capivara“ (Hydrochurus capibara) Wasserschwein und der „Anta“ (Tapirus terrestris Briss.) Tapir.

Unter den zahlreichen Vogelarten sind der „Tucano-de-bico-verde“ (Ramphastus), der „Urubu-rei“ (Sarcoramphus papa) und die agilen „Emas“ (Rhea americana) besonders auffällige Vertreter.

Die dominierende Vegetation im Park ist der Cerrado mit allen seinen charakteristischen Spezies von Gräsern. Man kann sich regelrecht entzücken an der endlos scheinenden Ausdehnung der Gras-Savannen, der „Campos“, auf denen herrlich dekorative Formationen von „Burití-Palmen“ die feuchteren Tieflagen andeuten.

Dichte Galeriewälder drängen sich an den Ufern der Wasserläufe und begleiten ihren Kurs – dunkle Arterien, die sich durch die sonnendurchflutete Ebene schlängeln, um schliesslich am Horizont zu verschwinden. Ein relativ häufiger Strauch auf den „Campos“ des Parks ist die „Mangabeira“ (Hancornea speciosa, Gomes), deren kleine Früchtchen eine wichtige Rolle in der Ernährung der Fauna spielen. Auf den felsigen Erhebungen ist die „Canela-de-ema“ (Lauraceae) häufig und andere Kletterpflanzen, besonders viele Bromelienarten und Orchideen.

Unter den anderen Pflanzenarten fallen auf:
der „Pau-de-Lixa“ (Lippia urticoides, Stend.), der „Murici-rói-rói“ (Byrsonima sericea,D.C.), der „Caju-do-campo“ (Anacardiaceae) und die „Mandioqueira“ (Manihot utilissima, Pohl).

In den Galeriewäldern, an den Ufern der Flüsse, findet man:
den „Ipé-roxo“ (Bignoniaceae), den „Pau-d’arco-roxo“ (Tecoma heptaphylla, Mart.), den „Copaíba“ (Copaifera officinalis, Lin.) und den „Aroeira“ (Schinus molle, Lin).

In den Talsenken haben sich vorwiegend die Spezies „Jerivá“ (Arecastrum romanzoffianum), „Burití“ (Mauritia flexuosa) und „Babaçu“ (Orbignya martiana) ausgebreitet.

Im Park gibt es eigentlich nur zwei Wege, die für den Besucher offen sind. Der eine führt zu den „Canions 1 e 2 do Rio Preto“, eine leichte Wanderung von 6 Kilometern zu den Canyons (20 m) und zum Wasserfall „Cachoeira das Cariocas“ (10 m). Der Zugang zum Canyon 1 ist bei Regenwetter gesperrt. Der andere Weg führt zu den „Cachoeiras 1 e 2 do Rio Preto“, die zuvor schon beschrieben wurden – auch etwa 6 Kilometer Wanderung. Die Hitze während der Wanderung auf den Wegen verlangt eine leichte, resistente Kleidung, Turnschuhe oder spezielle Wanderschuhe, Sonnencreme und Sonnenhut. Nehmen Sie Badezeug mit, um die Natur-Pools zu nutzen, Mineralwasser und einen Imbiss, denn hier gibt es keine Struktur für Verpflegung!

Pro Tag ist maximal 300 Personen der Aufenthalt gestattet, begleitet durch offiziell von der IBAMA akkreditierte Guides (die finden Sie in „Alto Paraíso“).

Wer alle Attraktionen des Parks kennen lernen möchte, sollte dafür wenigstens 2 Tage reservieren, denn es ist nur 1 Weg pro Tag möglich – 8:00 bis 12:00, Schliessung 17:00). Montags geschlossen.

Beste Jahreszeit: die Trockenzeit, April bis September.
Anfahrt: Zum Distrikt „São Jorge“ auf einer Erdstrasse, in Richtung „Colinas do Sul“ – bis zum Park-Eingang sind es 37 Kilometer.


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