Karneval Salvador da Bahia

Veröffentlicht am 26. Oktober 2009

CARNAVAL IN BRASILIENS NORDOSTEN

Der Karneval Salvador da Bahia und der Carnaval in Brasiliens Nordosten ist spektakulär, ungewöhnlich und mitreissend zugleich. Der BrasilienPortal Podcast Spezial erklärt, was es mit den Blocos auf sich hat, unternimmt einen Streifzug durch die Geschichte und taucht ein in die pure Lebensfreude der Nordestinos, die Einwohner der Millionenmetropolen Salvador da Bahia und Recife. Axé, Frevo, Galo da Madrugada, Bonecas gigantes.

Er ist das grösste Volksfest unseres Planeten. Gegründet und erhalten vom einfachen Volk selbst, handelt es sich in diesem Fall um ein spontanes und freies Manifest, einen Strassenkarneval im wahrsten Sinne des Wortes, bei dem sich Fleischliches, Spontanes und Psychisches mit der Emotion und der Kunst der Bahianer mischt, mit der sie dieses Fest jedes Jahr ein bisschen anders gestalten.

Der elektrisierende Sound der Trios Elétricos verwandelt die Menschen auf den drei Veranstaltungs-Kreisen “Osmar“ auf der Avenida – “Dodô“ zwischen Barra und Ondina – “Batatinha“ im Centro Histórico, in eine einzige Explosion der Freude. Die Afro-Blocks, mit ihren Trommeln, und der orientalische Sound der “Afoxés“ bilden einen Kontrapunkt zu diesem Fest der Massen – weil sie besonders kreativ im Rhythmus und künstlerischen Ausdruck daherkommen – sie sind einzigartig.

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BrasilienPortal Podcast Spezial: Carnaval im Nordosten

Der Karneval von Salvador lockt Massen von Touristen in die bahianische Hauptstadt. Es kommen dann mehr als zwei Millionen närrische Anhänger zusammen – Bahianer und Angereiste, sowie zirka 227 verschiedene “Blocks“ (16 Afoxés, 41 Afros, 15 Alternative, 45 Trio-Blocks, 3 Spezielle, 2 Indianer, 7 Kinder-Blocks, 17 kleinere Gruppen, 33 Percussion-Blocks, 6 Orchester, 12 Gay-Blocks und 30 unabhängige Blocks) – alle ordentlich registriert bei der EMTURSA (Empresa de Turismo S/A) die das Fest organisiert.

Die “Cidade do Carnaval“ (Stadt des Karnevals) belegt ein Areal von 25 Kilometern, mit Zuschauerkabinen, Tribünenplätzen, Erste-Hilfe-Stationen, Polizeiposten, ausserdem die gesamte Infrastruktur der diversen städtischen, bundesstaatlichen und landesweiten Organe. Während dieser tollen sechs Tage empfängt Salvador Besucher aus dem gesamten bahianischen Bundesstaat, aus ganz Brasilien und aus den vier Ecken der Welt, die sich alle in einem einzigen emotionalen Jubel zusammenfinden. Und der Slogan des bahianischen Karnevals verwirklicht sich: “Das Herz de Welt schlägt hier!“

Im Jahr 2007 präsentierten sich die bahianischen Karnevalisten mit einer besonderen Ehrung des Samba – offizieller Beginn war der 15. Februar (Donnerstag), im Stadtteil Liberdade, wo der Präfekt João Henrique die Schlüssel der Stadt an den “Rei Momo“, sowie seine Königin und die Prinzessinnen, übergab. Anschliessend bewegte sich der königliche Zug nach Cajazeiras, dem grössten Stadtteil der Hauptstadt, der seinen eigenen Karneval feiert – so wie auch die Stadtteile Itapoã, Periperi und Pau de Lima.

nach obenCIDADE DO CARNAVAL

Projektiert um das grösste Volksfest der Welt aufzunehmen, besteht die “Stadt des Karnevals“ aus einem Komplex von Tribühnen, Kabinen, Avenidas für Paraden und aller nötigen Infrastruktur zur Versorgung von mehr als zwei Millionen Festgästen, die sich dort täglich aufhalten, innerhalb der paradierenden Blocks Spass haben, von den Kabinen aus zusehen oder im Fahrwasser eines Trio Elétrico herumhüpfen – ihnen allen steht ein Netz von Dienstleistungen zur Verfügung, angefangen von beweglichen Latrinen, medizinische und polizeiliche Stationen, Informationsposten und Pressekabinen.

Die “Stadt des Karnevals“ hat eine Ausdehnung von 25 Kilometern und beschäftigt 200.000 Arbeiter – nur die “Cordeiros“ (Block-Begrenzer) sind bereits 86.000 Personen – sie halten die Blocks mittels eines langen Seils zusammen und ungebetene Gäste draussen. Alle administrativen Organe der Stadt agieren mit den staatlichen in perfekter Abstimmung – eine Leistung, die bereits als Referenz für Mega-Events gilt.

Salvador erfindet den Karneval jedes Jahr neu, und der Narr ist der grosse Künstler dieses magischen Festes überschäumener Freude. Wir aus der “Stadt des Karnevals“ warten auf dich. Gib dir einen Ruck und besuch’ uns!

nach obenHERKUNFT DES KARNEVALS

Darüber gibt es ganz unterschiedliche Meinungen und Versionen. Im Dialekt von Milano/Italien bezeichnete “CARNEVALE“ die Zeit, in der man auf Fleisch verzichtete. Die Herkunft des Karnevals kann man auf ein volkstümliches Manifest in vorchristlicher Zeit zurückführen, welches im römischen Reich unter dem Namen “Saturnalias“ bekannt war – ein Fest zu Ehren des Gottes Saturn. Die Gottheiten der griechischen Mythologie, Bachus und Momo, teilten sich die Ehre eines Festes, welches in den Monaten November und Dezember gefeiert wurde.

In Brasilien ist der Event das grösste Manifest der Volkskultur – neben dem Fussball. Eine Mischung aus Narretei, Fest und theatralischem Spektakel, das Kunst und Folklore gleichermassen envolviert. Er hat seine Wurzeln in den Volsfesten der Strasse. Inzwischen jedoch, findet er in den meisten Hauptstädten innerhalb geschlossener Veranstaltungsorte stat, wie Clubs ode Sambadrome.

DER GROSSE KARNEVAL VON 1884
Das Jahr 1884 ist ein entscheidender Abschnitt für den Karneval von Bahia. Obwohl das Fest damals bereits eine bemerkenswerte Bedeutung besass – besonders in den Salons – begann man in diesem Jahr mit der Organisation des Karnevals auf der Strasse und den Paraden der Clubs mit allegorischen Wagen und vielen populären Persönlichkeiten. Von da an begann auch die Beteiligung des einfachen Volkes am Karneval – an einem Strassenkarneval, der bis heute diesen Event in Bahia charakterisiert.
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ERSTER AFOXÉ
Im Jahr 1890 organisierten die Nagô-Neger den ersten “Afoxé“, genannt “Afrikanische Botschaft“, die Mitglieder paradierten mit aus Afrika importierten Kleidern und Objekten.
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ERSTES TRIO ELÉTRICO
Im Jahr 1950 erschien estmals das berühmte elektrische Doppel beim Karneval – Adolfo Antônio Nascimento, genannt Dodô, und Osmar Álvares de Macêdo. Osmar hatte die Idee, einen alten Ford von 1929 zu überholen, der bei ihm in der Garage dahindämmerte. Beim Karneval desselben Jahres fuhren die beiden das Vehikel auf die Strasse und präsentierten ihre “paus elétricos“ von der Ladefläche des Wagens aus – wo riesige Lautsprecher montiert waren, die den fetzigen Sound ohrenbetäubend verstärkten. Diese Präsentation fand um 17:00 Uhr am Sonntagnachmittag statt und hinter dem Wagen zog eine wachsende Menge singend und tanzend durch die Strassen der Innenstadt von Salvador.

CHRONOLOGIE TRIO ELÉTRICO
In Salvador gab es damals eine Musikgruppe, gegründet von Dorival Caymmi, die bei einigen Festen und Wochenend-Versammlungen als Animateure auftraten – ausserdem präsentierten sie sich dann und wann auch im Radio. Sie nannte sich “Três e Meio“ und bestand aus Caymmi, Alberto Costa, Zezinho Rodrigues und Adolfo Nascimento – dem “Dodô“. 1938, nachdem Dorival Caymmi ausgeschieden war, strukturierte sich die Gruppe neu – jetzt mit sieben Komponenten, inklusive Osmar Macêdo.
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DIE 70ER JAHRE
Mittelpunkt des an Besuchern zunehmenden Karnevals von Salvador wurde jetzt der Platz “Castro Alves“ auf dem man sich traf, und wo alles erlaubt war. Dies war die Epoche der kulturellen, gesellschaftlichen und sexuellen Befreiung.
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DIE 80ER JAHRE
Am Anfang der 80er Jahre nahm die Verwandlung des Karnevals von Salvador noch zu, und der Block “Traz Os Montes“ wurde damit beauftragt, verschiedene Neuerungen einzuführen, wie zum Beispiel die Montage eines Trio Elétrico mit transistorisiertem Equipment, der Installation einer Klimaanlage für die Kühlung der Ausrüstung, die Demontage der Lautsprecher-Abdeckungen, Montage von Lautsprechern mit rechteckiger Form, Eliminierung der traditionellen Percussion, die an der Seite des LKW mitmarschierte – und dafür die Unterbringung einer Band, mit Schlagzeug, Sänger und anderen Musikern, auf der Ladefläche des LKWs.
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DIE AXÉ-MUSIK – 20 JAHRE LANG ERFOLGREICH!
Alles begann mit dem Sound der Trommeln jener karnevalistischen Vereine afrikanischer Herkunft in der Mitte der 70er Jahre. Zu jener Zeit entstanden die Afro-Blocks “Ilê Ayiê“ und der “Afoxé Badauê“, ausserdem erlebte Bahia die Auferstehung des Afoxé “Filhos de Gandhy“ – die Blocks “Olodum“ und “Muzenza“ zogen nach.
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