Kulturistisches

Veröffentlicht am 22. Dezember 2009

…dass der Brasilianer wenig liest?
Warum? Von Haus aus bringt er keine Lesetradition mit – und die Schule behindert ihn mehr, als dass sie ihm hilft. Wir schliessen uns in diesem Fall der weltgrössten Autorität auf diesem Gebiet, der UNESCO, an – ihr Sektor UNO, der sich für Erziehung und Kultur einsetzt, hat dazu folgendes zu sagen:

1. Lesen ist eine nationale Tradition
2. Die Gewohnheit des Lesens kommt von zuhause und
3. werden neue Leser durch die Schule gewonnen.

Das Problem in Brasilien ist alt: Viele Brasilianer gingen vom Analphabethismus direkt zum Fernsehen über, ohne je eine Bibliothek betreten zu haben. Und die Spezialisten beschuldigen die Schulen hinsichtlich dem Fehlen von Lesern.

“Die Lehrer pflegen ihren Schülern Buch-Klassiker des 19. Jahrhunderts zu empfehlen – herrliche Werke – aber sie entsprechen nicht dem Interesse eines heutigen Jugendlichen von 15 Jahren“, sagt Zoara Failla vom Institut PRO-LÍVRO.

“Wen er nur mit Werken bekannt gemacht wird, die er persönlich als langweilig empfindet, so bemüht er sich auch nicht, es weiterzulesen, wenn er die Schule verlassen hat.“ Viele Erzieher verteidigen die These, dass Brasilien das angelsächsische Schema übernehmen solle, in dem die Klassiker sich etwas näher an der Gegenwart bewegen – etwa in den 50er und 60er Jahren – mit weniger Büchern, die bis in ihre Grundkonzeption analysiert werden müssen. Aber in diesem Fall müsste man das gesamte Abschlussprüfungs-System ändern – und das ist eine weitere problematische Geschichte.

Brasilien und seine Nachbarn
Brasilien ist das Schlusslicht unter denen, die in Südamerika lesen und schreiben können.

Land Analphabeten Ø Preis pro Buch Bücher pro 100.000 Einwohner
Brasilianer 15% 40 R$ 1,25
Chilenen 4% 25 R$ 3,33
Argentinier 3% 30 R$ 2,5
Uruguayer 2% 25 R$ 3,33


…dass immer weniger Brasilianer die Museen besuchen?

Die Brasilianische Regierung meint, die nationalen Museen hätten zu wenig Publikum. Um diesem Umstand abzuhelfen und die Besucherzahlen zu erhöhen, hat sie die finanziellen Zuwendungen dieser Institutionen auf 43 Millionen Real verdoppelt. Brasilien fährt, im Gegensatz zur übrigen Welt, gegen eine Einbahnstrasse. Im Ausland bekommen die Museen immer weniger Regierungszuschüsse und immer mehr private Zuwendungen.

Besucherzahlen pro Jahr in Brasiliens Museen
Museu Ipiranga in São Paulo
350.000

Museu Imperial in Petrópolis
Rio de Janeiro) – 270.000

MASP Museu de Arte in São Paulo
230.000

MAM Museu de Arte in São Paulo
210.000

Museu dos Inconfidentes in Ouro Preto (Minas Gerais)
100.000

TIPP!
Die brasilianischen Museen finden Sie unter dem jeweiligen Bundesstaat zusammengefasst!
Besucherzahlen pro Jahr in ausländischen Museen
Louvre in Paris – 6 Millionen
Metropolitan in New York – 5 Millionen
British Museum in London – 5 Millionen
Moma in New York – 3 Millionen
Prado in Madrid – 2 Millionen