Schlangenhaut

Veröffentlicht am 10. April 2010

Wenn man eine Schlange anfasst, bemerkt man, dass ihr Körper kalt ist – Schlangen können ihre Körpertemperatur nicht kontrollieren. Ihre Haut kann glatt oder rau erscheinen, matt oder glänzend, je nach der Art von Schuppen, welche ihren Körper bedecken. Diese sind im Einzelnen durch eine extrem elastische Haut miteinander verbunden, welche man Verbindungshaut nennt. Diese Haut erlaubt dem Tier, seinen Körperdurchmesser bei der Nahrungsaufnahme bis auf das 6-fache zu erweitern.

Die Schuppen sind „keratinisiert“ (Keratin ist eine Substanz, die sich auch auf den Schuppen von Fischen, den Federn von Vögeln und der Haut von Säugetieren befindet) und können entweder einen matten oder glänzenden Aspekt aufweisen.

Schlangen präsentieren unterschiedliche Arten von Schuppen an den verschiedenen Teilen ihres Körpers. Form, Anordnung und Anzahl der Schuppen, sowie das Vorhandensein oder Fehlen bestimmter Schuppen, gehören zu den Charakteristika jeder Spezies. Jede Schuppenart dient einem spezifischen Zweck und verändert sich je nach den Lebensgewohnheiten des Tieres.

Die Schuppen der Schlangen fallen nicht aus, wie zum Beispiel jene der Fische. Sie sitzen fest, sind dünn und transparent. Sie bilden ein Netz, welches als „Stratum corneum“ bezeichnet wird, es bedeckt auch die Augen der Schlangen und wird periodisch gewechselt.

Die Funktion der Schuppen ist es, die Schlangenhaut zu schützen, die Abnutzung des Körpers zu mindern, welche durch das Kriechen auf rauhem Untergrund bewirkt wird, ihn gegen die Angriffe von Parasiten und Insekten zu schützen, das auftreffende Licht zu verteilen und die eindringende Sonnenbestrahlung zu mindern – zu verhindern, dass ihr Körper durch den Verlust von Wasser durch die Haut austrocknet.

nach obenRückenschuppen

Die Schuppen auf dem Rücken und an den Seiten der Schlange sind in der Regel geradlinig angelegt. Die Anzahl dieser Linien kann zur Identifikation der Spezies benutzt werden.

Es gibt drei Arten von Rückenschuppen:

Glatt

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In Rautenform und flach – bewirkt eine glatte und glänzende Oberfläche

Gefurcht

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Länglich, mit einer oder zwei Furchen in Längsrichtung, in eine Spitze auslaufend – bewirkt eine rauhe, matte Oberfläche

Gekörnt

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Klein, von konischer Form und mit rauher Oberfläche – bewirkt eine gekörnte Oberfläche (kommt nur bei wenigen Arten vor – und bei einigen Wasserschlangen)

nach obenKopfschuppen

Diese Schuppen sind bei den meisten Schlangen verhältnismässig gross, in Blattform, man nennt sie Platten. Einige Arten der Familie Boiadae und Viperidae präsentieren eine grosse Anzahl von kleinen, gleichgrossen Schuppen, die den Oberkopf bedecken. Wahrscheinlich sind diese aus grossen Schuppen entstanden, welche mit der Zeit der Evolution fragmentierten. Unterschiedliche Schuppen bedecken die Maulpartien, die Teile unter den Augen und begrenzen das Maul. Einige Arten der Familie Boiadae besitzen sehr grosse labiale Schuppen.

nach obenBauchschuppen

Sie sind an der Unteseite des Körpers angeordnet – vom Kinn bis zum After – sie sind glatt und flach, um die Fortbewegung nicht zu behindern. Breiter als die übrigen Schuppen, bilden sie nur jeweils gerade Querlinien, die durch Muskeln mit den Rippen verbunden sind. Die letzte Linie, genannt „pre-anal“, kann eventuell nur aus einer einzigen oder höchstens einem Paar Schuppen bestehen. Fast alle Wasserschlangen besitzen geradlinige Bauchschuppen, manchmal nur sichtbar als eine Linie längs des Bauches. Weil diese Schlangen kaum je ihren Körper in Kontakt mit rauen und unregelmässigen Oberflächen bringen.

nach obenSchuppen an der Schwanzunterseite

Hinter dem After der Schlange angeordnet, ähneln die Schuppen denen der Bauchseite. Sie können breit sein und eine einzige Linie bilden, oder paarweise angeordnet sein.

nach obenMuster und Farbe der Haut

Farbe und Muster der Schlangenhaut werden durch die Pigmentierung ihrer Hautschuppen bestimmt, und sie sind abhängig von ihrem Lebensraum. Sie können dazu dienen, die Körpertemperatur zu kontrollieren oder die Schlange vor optisch orientierten Beutemachern zu schützen. Gefleckte oder gepunktete Individuen schützen sich am besten, wenn sie bei Gefahr bewegungslos auf der Stelle verharren, während einfarbige oder getreifte Individuen in der Regel ihr Heil in der Flucht suchen.

Warnfarbe

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In der Regel gut sichtbare bis grelle Hautfarbe, die Beutemacher vor dem Risiko warnen soll, die Schlange anzugreifen, da sie giftig ist (Micrurus decoratus = Korallenschlange).

Mimikry

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Farbe und Muster sind eine genaue Kopie der giftigen Spezies – sie täuschen Beutemacher und halten sie fern (Oxyrhopus guibei = falsche Korallenschlange).

Tarnfarbe

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Farbe und Muster sind dem Lebensraum angepasst – die Schlange wird dadurch fast unsichtbar für Beutemacher (Bothrops leucurus).

Es können Farbvariationen zwischen den einzelnen Exemplaren derselben Spezies auftreten, die sind altersbedingt. Es kann ein Fehlen der Melanin-Pigmentierung vorkommen. Und es können Exzesse der Melanin-Pigmentierung vorkommen.

nach obenDas Wechseln der Haut

Schlangen wachsen immerzu während ihres Lebenszyklus. Und weil die äussere Schuppenhülle starr und hart ist, durch das Keratin, müssen die Tiere von Zeit zu Zeit ihre Haut wechseln, um wachsen zu können. Junge Schlangen wechseln ihre Haut bis zu zehnmal pro Jahr, denn sie wachsen schneller bis zum zweiten Lebensjahr. Dieser Hautwechselprozess hängt von den endokrinen Drüsen ab – je älter die Schlange, desto grösser sind die zeitlichen Abstände eines Hautwechsels. Ausgewachsene Tiere wechseln ihre Haut nur noch ein bis viermal pro Jahr. Diese Hautwechselfrequenz hängt vom physiologischen Zustand ab, von der Ernährung, dem Gesundheitszustand und dem Alter der Schlange.

Unter der Aussenhaut wächst eine neue heran, sie ist etwas grösser, und wenn sie ausgereift ist, verfärben sich die Augen und die Haut der Schlange ins Weissliche, sie werden matt von der Maulspitze bis zum Schwanzende, hervorgerufen durch eine milchige Flüssigkeit zwischen der neuen und der alten Haut, welche als Gleitmittel dient, um die Entfernung der alten Haut zu erleichtern.

Die sich häutende Schlange reibt ihre Maulspitze nun an rauen Oberflächen, bis die alte Haut anfängt, aufzuplatzen – die Häutung vollzieht sich in der Regel vom Kopf angefangen bis zur Schwanzspitze, und die alte Haut pellt sich ab und bleibt normalerweise mit ihrer Inneseite nach aussen gekehrt auf dem Boden zurück. Während der Zeit ihrer Häutung ist die Schlange sehr verletzlich, ihre Sicht ist behindert, sie nimmt keine Nahrung zu sich und bewegt sich kaum.

Die Klapperschlange ist die einzige Spezies, welche ihre alte Haut nicht vollkommen abstreift, sondern Teile davon um den Schwanz gewickelt zurück behält – als einen groben, grauen Ring. Im Laufe der verschiedenen Häutungen formen jene ausgetrockneten Hautstücke die Teilchen der Rassel, welche jenes gefürchtete Warngeräusch produzieren, wenn die Schlange ihren Schwanz vibrieren lässt. Die Menge der Rasselelemente ist nicht proportional zum Alter der Schlange, zumal Klapperschlangen bis zu viermal pro Jahr ihre Haut wechseln und bei diesem Prozess auch Teile der Schwanzrassel zerbrechen.