Pflanzen und Pilze in Brasilien

Veröffentlicht am 1. Oktober 2011

Eine vom Botanischen Garten in Rio de Janeiro erarbeitete Aufstellung erfasst 41.000 Arten Pflanzen und Pilze aus Brasilien – eine Zahl, die noch grösser wäre, wenn es eine intensivere Forschung gäbe.

Abutilon megapotamicum. Brazilian Bell FlowerGegenwärtig kennt man in Brasilien 41.006 Arten von Pflanzen und Pilzen – das heisst, diese Anzahl ist klassifiziert und registriert und geht aus einer Arbeit hervor, welche vom Botanischen Garten in Rio de Janeiro durchgeführt wurde, dessen Wissenschaftler seit dem Jahr 1906 – seit der ersten Publikation “Flora Brasiliensis“ – für diese Katalogisierung verantwortlich sind.

Das am meisten bedrohte Biom des Landes, der Atlantische Regenwald, ist auch das am meisten diversifizierte, mit 19.355 bekannten Spezies (deshalb die Dringlichkeit zum Schutz der restlichen 8%, die vom Originalbestand noch übrig sind). Es folgt Amazonien (mit 13.317 Pflanzenarten), dann der Cerrado (mit 12.669), die Caatinga (mit 5.218), die Pampa oder Südliche Savanne (mit 1.964) und das Pantanal (mit 1.240).

Vom Gesamt der aufgezählten Arten sind 18.932 endemisch (sie existieren nur in der jeweiligen Region, in der sie gefunden wurden). Und dies stellt eine der höchsten Quoten an Endemismus unseres Planeten dar (46%) – geht aus der Publikation hervor. Zwischen 1990 und 2006 wurden 2.875 neue Spezies in Brasilien klassifiziert – ein Durchschnitt von 169 pro Jahr!

“Und es gibt noch viele Pflanzen zu entdecken. Wir arbeiten gegen die Zeit und gegen die Schnelligkeit der Zerstörung“, sagt die Biologin Rafaela Forzza, Koordinatorin der “Aufstellung der Pflanzenarten Brasiliens“ – die erste Aktualisierung des Katalogs der im Land existierenden Pflanzen und Pilze, seit einhundert Jahren. Sie macht darauf aufmerksam, dass diese Aufstellung sowohl Arten erfasst, die gegenwärtig existieren, als auch solche, die existiert haben – “ob letztere erhalten worden sind, ist eine andere Frage“.

Die Vielfalt Amazoniens ist immer noch unbekannt.

Die Biologin Rafaela Forzza nimmt an, dass mit einer verstärkten Forschung auch die Zahl der Spezies des Bioms Amazonien ansteigen wird. “Weil das legale Amazonien sich fast über die Hälfte unseres Territoriums erstreckt, hatten wir angenommen, dass die Zahl der Pflanzenarten grösser ausfallen würde. Aber die meisten Forschungen konzentrieren sich auf den Atlantischen Regenwald, und das erklärt die grössere Artenzahl in diesem Biom“, bemerkt die Biologin. Ziel der Wissenschaftler ist es, diese Aufstellung nun Jahr für Jahr zu ergänzen. “Die Taxonomie ist eine dynamische Wissenschaft“.

Die genannte Publikation ist das Ergebnis aus der Arbeit von mehr als 400 Wissenschaftlern Brasiliens und des Auslands unter der Koordination des Botanischen Gartens. “Während Martius und seine Mitarbeiter 66 Jahre gebraucht haben, um die “Flora Brasiliensis“ (von 1840 bis 1906) herauszubringen, haben wir für die Publikation der “Lista da Flora online“ und ihrer gedruckten Version “Catálogo de Plantas e Fungos do Brasil“ weniger als zwei Jahre gebraucht“, sagt die Biologin.

Die erwähnte Liste kann im Internet eingesehen werden. In ihr enthalten sind auch Bilder und Statistiken, wie zum Beispiel die Verteilung der Spezies nach Bundesstaaten, Regionen und Schutzgebieten, sowie weitere Informationen. Um sie einzusehen, einfach » hier klicken.

“Die Publikation stellt die Erfüllung einer von der “Globalen Strategie zur Konservierung der Pflanzen“ (GSPC) und der “Konvention über die Biologische Diversifikation“ (CDB) verlangten Aufgabe dar – die Brasilien unterzeichnet hat. Übergeordnetes Ziel ist eine “funktionelle, jedem zugängliche Liste der bekannten Pflanzenarten eines jeden Landes, als ein Schritt zur Erarbeitung einer kompletten Aufstellung der Welt-Flora“.

Diese Arbeit entstand mit Unterstützung des Umweltministeriums, des “Centro Nacional de Conservação da Flora“ (Nationales Zentrum zur Erhaltung der Flora) und des “Conselho Nacional de Desenvolvimento Científico e Tecnológico (Nationalrat der Wissenschaftlichen und Technischen Entwicklung).