Fledermäuse – die kaum bekannten Wesen der Nacht

Veröffentlicht am 1. März 2015

Fledermäuse (oder Morcegos wie sie in Brasilien heissen) gehören wissenschaftlich zur Kategorie “Mammalia“ – Säugetiere. Es sind Wirbeltiere, die einen mit Haaren bedeckten Körper besitzen. Die weiblichen Tiere ernähren ihre Jungen zu Beginn der Entwicklung durch zwei Zitzen im Brustbereich. In der Regel kommt jeweils nur ein Junges pro Jahr zur Welt. Die Kategorie ist unterteilt in 19 Ordnungen, unter denen wir auch die Ordnung der “Chiroptera“ finden, zu denen die Fledermäuse gehören. Einige dieser Spezies sind bereits vom Aussterben bedroht.

Fledermäuse 02

Die Bezeichnung “Chiroptera“ leitet sich ab vom griechischen “Cheir“ = Hand und “Pteron“ = Flügel und betrifft Tiere, deren Hände oder Arme sich im Lauf der Evolution zu Flügeln entwickelt haben – man bezeichnet sie auch als “Fleder- oder Flattertiere“. Die “Chiroptera“ ist die zweitgrösste Ordnung hinsichtlich der Anzahl ihrer Spezies – mit zirka 1.000 identifizierter Arten. In Brasilien sind 178 Arten registriert, die auf das gesamte Territorium verteilt sind. Es gibt kleine und leichte Fledermäuse, aber auch grosse, schwere, schwarze, braune und sogar rote Spezies.

Sie sind die einzigen Säugetiere, die tatsächlich richtig fliegen können, was ihnen mittels einer Membran gelingt, die vier von fünf Fingern des vorderen Beins verbindet und damit einen Flügel bildet. Andere Tierarten, wie zum Beispiel das Flughörnchen, gleiten lediglich durch die Luft, wenn sie von einem erhöhten Standpunkt aus abspringen.

Fledermäuse kommen in allen fünf Kontinenten vor, man findet sie nur nicht in besonders kalten Gegenden, wie zum Beispiel an den Polen. Im allgemeinen sind sie von kleiner Gestalt, und sie werden auch kaum schwerer als 100 Gramm.

Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv, und ein signifikanter Teil der Spezies orientiert sich mittels Echolot, indem sie Hochfrequenzrufe aussenden – unhörbar für den Menschen – die, wenn sie auf ein Hindernis treffen, als Echo reflektiert werden.

Eine besondere Kategorie sind die Blut saugenden Vampirfledermäuse (Desmodontinae), sie kommen nur in Mittel- und Südamerika vor.

Fledermäuse bewohnen vorzugsweise:

  • Unsere Häuser – Wandverkleidungen, Keller und Dachböden, Wandspalten und Marquisen
  • verlassene Bauruinen
  • Türme und dunkle Winkel in Kirchen
  • Höhlen und Grotten
  • Tunnel, Abflusskanäle und Unterführungen
  • Silos
  • Brücken
  • Zisternen und Brunnen
  • Baumkronen und Blattwerk von Bäumen und Büschen
  • Baumhöhlen
  • Aufzugsschächte
  • Ställe
  • Hohlräume hinter Wasserfällen

Fledermaus 04Die fast 1.000 Fledermausarten dieser Welt ernähren sich ganz unterschiedlich. Jede Spezies hat ihre bevorzugten Leckerbissen – man kann sagen, dass sie recht wählerisch in ihrer Nahrungsaufnahme sind. Und das ist auch ein Grund, warum sie oft in der Nähe des Menschen anzutreffen sind. Und entgegen der Meinung vieler Menschen, sind es sehr nützliche Tiere.

Die Früchte fressenden Fledermäuse oder Fruchtfresser, zum Beispiel, scheiden die Kerne wieder aus und verteilen sie über weite Gebiete – es entwickeln sich neue Büsche und Bäume – und damit leisten die Fledermäuse einen nicht zu verachtenden Beitrag zur Rettung unserer Wälder, die durch Menschenhand zunehmend degradiert werden.

In den Gebieten des Cerrado und Wäldern wie Amazonien und dem Atlantischen Regenwald, wird den Fledermäusen ein grosser Teil der Verantwortung für die Wiederaufforstung zugeschrieben – ohne sie wären diese Waldgebiete schon seit längerer Zeit verloren. Einige Arten sind auf das fressen von Blütenpollen spezialisiert. Indem sie von Blüte zu Blüte fliegen, sorgen sie für deren Befruchtung und schaffen neues Leben. Die Fleischfresser unter ihnen nutzen die Perfektion ihres Echlotes und ihr exzellentes Gehör zum Aufspüren ihrer Beutetiere. Die Fisch fressenden Fledermäuse fangen ihre Nahrung im fliessenden Wasser, wobei ihnen ebenfalls ihre Echoloteinrichtung behilflich ist.

Und die blutsaugenden Fledermäuse finden ihre Opfer unter grossen und kleinen Vögeln, andere unter grösseren Säugetieren, wie Rindern und Pferden. Untersuchungen der die Blutgerinnung verhindernden Substanzen, welche im Speichel jener Fledermäuse vorhanden sind, haben ergeben, dass man damit das Leben von herzkranken Patienten retten könnte.

Wie man sieht, sind Fledermäuse die Ordnung der Säugetiere mit dem grössten Nahrungsspektrum. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung, ernähren sich nur drei von den 1.000 Arten von Blut, und nur eine einzige Spezies saugt Blut bei anderen Säugetieren. Es gibt sowohl Fledermäuse mit einer hohen Spezialisierung auf nur eine Nahrungsquelle, als auch jene, die ein bisschen von den unterschiedlichsten Dingen naschen.

Entsprechend ihrer Ernährungsweise, können wir die Fledermäuse folgendermassen unterteilen:

Allesfresser

Sie bedienen sich verschiedener unten aufgeführter Nahrungsmittel.

Früchtefresser

Sie fressen die verschiedensten Früchte, wie Mangos, Bananen, Mandeln, Feigen, Papayas, Guaven und vor allem wild wachsende Früchte vom Typ “Piper, Solanum, Cecropia“, etc. Häufig sieht man sie in Städten, wie sie sich in Mangobäumen und Mandelbäumen ernähren. Sie sind sehr wichtig für tropische Wälder, weil sie mit den Früchten auch Samen weit weg von der Mutterpflanze tragen und so zur Regenerierung abgeholzter Gebiete beitragen.

Nektarsauger/Pollenfresser

Das sind Fledermäuse, die sich wie die Kolibris vom Nektar und dem Pollen ernähren, die von vielen Blüten – wie der „Maracujá-de-restinga“ und dem “Ipê, unter anderen – produziert werden. Manchmal kann man diese Fledermäuse dabei beobachten, wie sie Zuckerwasser an den für Kolibris aufgehängten Trinkgefässen schlecken.

Blätterfresser

Diese Fledermäuse vertilgen Blätter von verschiedenen Pflanzengattungen, um damit ihre Nahrung abzurunden.

Insektenfresser

Sie ernähren sich von Insekten, inklusive Moskitos, Käfer, Heuschrecken und Nachtfalter. Daher kommt ihnen eine bedeutende Rolle bei der Vertilgung einiger Pflanzenschädlinge zu.

Fleischfresser

Sie jagen kleinere Wirbeltiere, wie Mäuse, Vögel, Eidechsen und auch andere Fledermäuse.

Fischfresser

Sie fressen kleinere Fische, wie Sardinen und Ellritzen.

Blutsauger

Das sind die berüchtigten Vampir-Fledermäuse. Sie ernähren sich tatsächlich exklusiv von Blut – jedoch vorzugsweise von Wirbeltieren, dass sie auch Menschen angreifen ist äusserst selten. Es gibt auf der Welt nur drei Spezies mit dieser Spezialisierung, und die kommen nur auf dem amerikanischen Kontinent vor. Zwei davon greifen Vögel an (Diphylla ecaudata und Diaemus youngii), und eine einzige Art (Desmodus rotundus) greift sowohl Vögel als auch Säugetiere an.

Die Bedeutung der Fledermäuse

Sie sind von grosser Bedeutung für unsere Umwelt, denn sie fressen pro Jahr Tonnen an Schadinsekten. Eine Fledermaus, die auf Insekten spezialisiert ist, verschlingt mehr als 600 Moskitos pro Stunde und ist deshalb enorm wichtig für die Dezimierung dieser Plage.

Die Früchtefresser verbreiten die Samen von Hunderten Baumarten und tragen dazu bei, unsere Wälder wieder aufzuforsten. Eine enorme Vielfalt an Pflanzen hängt exklusiv von der Verbreitung ihrer Samen durch die Fledermäuse ab. Mindestens seit 40 Millionen Jahren ernähren sie sich von Pollen und Nektar der Blüten. Diese Art der Ernährung, die eventuell einmal ganz zufällig ihren Anfang genommen hat, hat nun schon seit Jahrhunderten zur Regeneration der Natur durch die Verbreitung der Samen vielerlei Pflanzen beigetragen.

Heute schätzt man, dass zirka 250 Fledermausarten teilweise oder ganz von pflanzlichen Nahrungsquellen abhängig sind. Um die grosse Bedeutung der Fledermäuse zu begreifen, muss man sich vor Augen halten, dass zirka zwei Drittel der Angiospermata der tropischen Regenwälder unseres Planeten von Fledermäusen befruchtet worden sind.

Lebensweise

Fledermäuse präsentieren eine Tragzeit zwischen zwei und sieben Monaten nach der Befruchtung – je nach Spezies. Die Insektenfresser haben eine Tragzeit von zwei bis drei Monaten, während sie bei den Früchte- und Pollenfressern zwischen drei und fünf Monaten dauert. Die längste Tragezeit ist die der Blutsauger – um die sieben Monate. Die Jungen (in der Regel nur ein Einziges pro Wurf) werden nackt oder nur mit ein wenig Flaum bedeckt geboren.

Die Organisation der Fledermäuse richtet sich bei vielen Arten nach einem dominanten Männchen, der eine Gruppe weiblicher Tiere anführt. Die Monogamie ist bei wenigen Arten üblich. Die Lebenserwartung bei den blutsaugenden Arten kann bis zu zwanzig Jahre reichen – bei den Insektenfressern sogar bis zu 30 Jahre.

Fledermäuse suchen Verstecke auf, wo sie die notwendigen Temperaturbedingungen und Feuchtigkeit zum Verschlafen des Tages und zur Reproduktion vorfinden. Deshalb besetzen sie Höhlen, Felsspalten, Keller und Dachböden, Ruinen, Baum- und Palmenkronen.

Die Stadtgebiete stellen in ihren unterschiedlichen Gebäuden hervorragende Verstecke zur Verfügung von vielen Insektenvertilgern und Früchtefressern. Die urbanen Parks und Grünanlagen bieten Schutz in den Kronen und den Hohlräumen der Bäume, ausserdem Nahrung durch Blumen und Früchte. Die Beleuchtung der Stadt lockt eine Unzahl an Insekten unter die Leuchtkörper, wo sie von den Fledermäusen leicht erbeutet werden können.

Viele Baumarten in den Stadtparks bieten auch den Nektar- und Pollenfressern reichlich Nahrung, wie zum Beispiel der Avocado-Baum, die Bananenstaude, der Kaffeebusch, der Feigen-, Mango- oder Guaven-Baum, und viele andere.

Blutsaugende Fledermäuse verlassen ihre Verstecke in der Abenddämmerung auf der Suche nach warmblütigen Beutetieren, um sich zu ernähren. Ihr Flug findet in einer Höhe zwischen 0,5 bis 10 Metern statt – je nach Spezies und dem entsprechend anvisierten Opfer.

Fledermäuse beissen nur, um sich zu verteidigen. Das Tierchen hat vielmehr Angst vor Ihnen, als Sie vor ihm, da kann man ganz sicher sein. Falls Sie gebissen werden, oder auch nur gekratzt, machen Sie folgendes:

  • Waschen Sie sofort die entsprechende Stelle mit viel Wasser und Seife!
  • Töten Sie das Tier nicht!
  • Wenden Sie sich sofort an einen Arzt oder ein Krankenhaus in der Nähe!
  • Telefonieren Sie mit einem Labor für Gifttiere!
  • Die Fledermaus muss nach Möglichkeit von einem Spezialisten untersucht werden!

Zehn Gründe, um Fledermäuse zu schützen

1. Fledermäuse sind grosse Insektenvertilger. Einige Spezies verschlingen 200 oder mehr Insekten während nur ein paar Minuten Flug.

2. Die Fledermäuse sind verantwortlich für die Entstehung von Wäldern. Mehr als 500 kleine Samenkörner können von einer einzigen Fledermaus in nur einer Nacht transportiert werden.

3. Die Fledermäuse helfen bei der Reproduktion von mehr als 500 Pflanzenarten, indem sie diese Pflanzen besuchen – wie es tagsüber die Kolibris tun – und den Pollen von einer zur anderen Pflanze tragen.

4. Es gibt Fledermäuse, die sich von kleinen Wirbeltieren ernähren, inklusive von Nagern, die den Agrikulturen soviel Schaden zufügen.

5. Fledermäuse werden häufig für Untersuchungen herangezogen, inklusive bei Versuchen mit Medikamenten, die später dem Menschen zugute kommen.

6. Die Exkremente von Fledermäusen enthalten einen exzellenten Dünger, der inzwischen sorgfältig untersucht wird, um zur Entwicklung von synthetischem Dünger beizutragen.

7. Auch das besagte Echolot der Fledermäuse ist Gegenstand technischer Untersuchungen, um die Sonare im Gebrauch des Menschen zu ergänzen und zu verbessern.

8. Der Speichel der Fledermäuse enthält eine starke Substanz gegen die Blutgerinnung – man schätzt, dass sie zur Behandlung bei verschiedenen vaskulären Krankheiten nützlich sein könnte.

9. Fledermäuse sind von grosser Bedeutung in der Nahrungskette.

10. Das Verschwinden der Fledermäuse kann zu einem verschiedenartigen Ungleichgewicht in der Natur führen, dessen Auswirkungen sehr viel schlimmer sein könnten, als es ihre diskrete Anwesenheit es für uns Menschen sein kann.

Fledermäuse sind wild lebende Säugetiere, die in Brasilien durch Gesetz streng geschützt sind. Ihre Verfolgung, Bejagung oder Tötung wird als Verbrechen geahndet.