Fauna und Flora Amazoniens

Veröffentlicht am 17. Dezember 2009

Der Urwald selbst bedeckt mehr als 50% des brasilianischen Territoriums und fasziniert und beflügelt die Sinne all derer, die die Gelegenheit haben, ihn während eines Aufenthalts persönlich kennenzulernen. Hier in dieser grünen Unendlichkeit erscheint uns alles, schon vom ersten Kontakt an, überraschend.

amazonien-teaser Das Amazonasbecken hat sich durch eine Sequenz von verschiedenen geologischen Verschiebungen vor mehr als 420 Millionen Jahren gebildet, als der südamerikanische Kontinent noch mit dem afrikanischen zusammenhing. Die Trennung und die Anhebung der Andenkette kehrten die Strömung der grossen Seen um, welche den Rio Amazonas gebaren.

Inzwischen begünstigten konstante Temperaturen und intensive Regenfälle die Flora des Amazonasbeckens. Feuchtigkeitsschwankungen, Unterschiede des Wasserstands der Flüsse, in der Qualität des Bodens, im Wind und in der Niederschlagsmenge, schufen ein grosses Mosaik an vegetativen Formen, die bis heute eigentlich viel zu wenig bekannt sind. Diese unfassbare Summe aller Spezies ergibt die Biodiversität des Amazonasbeckens.

In Amazonien selbst gibt es keine Blumen – im Sinne der pflanzlichen Assoziation jener Spezies. Aber es gibt viele verschiedene Arten von Blüten, die zu der einen oder anderen Spezies von Baum, Busch oder Palme gehören.

amazonien1-teaser Der weise Alexander von Humboldt hat die immense amazonensische Pflanzenvielfalt mit “Hyleae“ bezeichnet – sie ist die artenreichste unseres Planeten. Zum Beispiel mehr als 10.000 Arten von Orchideen und Seerosen–Gewächsen, mehr als 300 Spezies von Farnen. Darüber hinaus hat die moderne Wissenschaft herausgefunden, dass sich in Amazonien “der Welt grösster Vorrat an Heilpflanzen–Arten verbirgt”!

Im Regenwald herrscht am Tag wie bei Nacht geschäftiges Leben. Man kann es sowohl in den Baumkronen als auch im Schatten des immergrünen Gewölbes entdecken.

Unter einem trockenen Blatt, zwischen den Zweigen eines Gebüsches und selbst in den verstecktesten Winkeln leistet jedes auch noch so kleine Lebewesen seinen wichtigen Beitrag zum perfekten Zyklus des Werdens und Vergehens im Regenwald.

Die Fauna des Regenwaldes ist besonders bemerkenswert wegen ihrer enormen Vielfalt – katalogisiert hat man bis heute zirka 250 Arten von Säugetieren, 2.000 Arten von Fischen und 1.100 Arten von Vögeln. Die kleineren Säuger, die Vögel, Reptilien und exotischen Insekten – besonders die vielen herrlichen Schmetterlinge – kann man stets auf einem Ausflug in den Regenwald antreffen. Per Kanu, zwischen Igapós und Igarapés, wo die Blätter der Bäume oftmals Gesicht und Haar des Besuchers streifen, sind solche Beobachtungen besonders interessant.

amazonien2-teaser Während des Tages entdeckt man hier ganze Schwärme von Papageien und Sittichen, die sich in einem der Fruchtbäume um die besten Plätze balgen und dabei einen Heidenlärm machen. Reiher stehen unbeweglich beim Fischen in einer Wasserrinne. Fasane und Wildhühner sitzen auf niedrigen Ästen über dem Wasser und lassen ihre Rufe herüberwehen. Kleine Teichhühner eilen geschäftig über die riesigen schwimmenden Blätter der Victória Régia und haschen nach Insekten. Und wenn das Boot einen der höheren Bäume am Ufer passiert, kann man sicher die eine oder andere Affenfamilie entdecken, die sich von ihrem Ast aus vor Neugier fast die Hälse ausrenken, um die überraschenden Eindringlinge zu begutachten.

Wenn dann die Sonne, meist in wundervoller Farbigkeit, am Horizont verlischt, stimmen sich die ersten Frösche zum Abenddämmerchor ein – erst ganz vereinzelt und plötzlich, wie eine trommelwirbelnde Woge aus Millionen von Schallblasen, eröffnen sie das allnächtliche Konzert – die Melodie des Regenwaldes, zu der Grillen und Zikaden, Eulen, Ziegenmelker und andere Nachtvögel ihren Solobeitrag leisten – ein raubtierartiges Brüllen dazwischen stammt meist von einem Hochzeit feiernden Kaiman – aber, wenn man Glück hat und viel Geduld, dann gibt auch der grösste Räuber des Regenwaldes, der Jaguar, seinen Beitrag zum Konzert: sein Brüll–Stakkato kann einem schon ein bisschen Adrenalin durch die Adern treiben.

In diesen Stunden der Urwald–Romantik sollte man sich die Legenden und Geschichten der einfachen Waldbewohner anhören – Geschichten, welche die Magie und die Mystik des Regenwaldes neu entfachen.