Handel mit Wildtieren

Veröffentlicht am 18. Oktober 2010

Brasilien ist eins der bedeutendsten Zielländer mit dem Handel von Wildtieren wegen seiner enormen Biodiversifikation. Die Fauna präsentiert bedeutsame Zahlen in Hinsicht auf die Biodiversifikation unseres Planeten. Unter den Wirbeltieren beherbergt Brasilien 517 Arten von Amphibien (davon sind 295 endemisch), 468 Arten von Reptilien (davon sind 172 endemisch), 524 Säugetierarten (davon 131 endemisch), 1.622 Vogelarten (davon 191 endemisch), zirka 3.000 Fischarten des Süsswassers und eine fantastische Vielfalt an Arthropoden: allein die Insekten setzen sich aus zirka 15 Millionen Arten zusammen (Umweltministerium – Aufstellung der nationalen Biodiversifikation, 1998).

Die Verwüstung der Wälder und der Rückzug der Tiere dieser Wälder haben bereits das Aussterben unzähliger Spezies verursacht und folglich zu einem ökologischen Ungleichgewicht geführt. Die exotischeren unter den Tieren, die seltenen und sogar besonders wilden, müssen ihr Leben lassen wegen einer abartigen Freude, die gewisse Personen daran haben, ein wildes Tier bei sich zu Hause einzukerkern.

Wenn man eine grausame Logik verfolgt, welche den Wert einer Tierart nach ihrem Seltenheitsgrad und dem Grad ihrer Bedrohung durch Aussterben beurteilt, dann ist der Handel mit Wildtieren heute einer der bedeutendsten Gründe für das Verschwinden der brasilianischen Fauna.

Brasilien beherbergt mehr als 10% der 1.400.000 lebenden Wesen, die auf unserem Planeten katalogisiert worden sind. In der weltweiten Klassifikation betreffs Diversifikation der Arten, steht Brasilien an erster Stelle bei den Primaten, den Schmetterlingen und den Amphibien. Jedes Jahr wird eine unschätzbare Zahl von Jungtieren aus den Wäldern entfernt, um als Ware verkauft zu werden. Für die gewissenlosen Händler sind die Waldtiere – einige davon in Gefahr auszusterben – nichts weiter als eine Handelsware und die Natur, der brasilianischen Campos und Wälder, nichts weiter als ein grosses Warenlager.

Das Gesetz gegen ambientale Verbrechen, geschaffen im Februar 1998, bezeichnet die Tiere, ihre Nester, Unterschlupfe und natürlichen Kinderstuben als Eigentum des Staates, und betrachtet Kauf und Verkauf, Aufzucht und jedwedes andere Geschäft, welches wilde Tiere involviert, als unentschuldbares Verbrechen.

Die Mehrheit jener Personen, die zuhause Wildtiere halten, sieht sich einer Reihe von Problemen gegenüber. Einige glauben, dass sie auf diese Weise die Tiere beschützen, ohne daran zu denken, welchen Leiden und welchem Stress ein solches Tier ausgesetzt ist. Und wenn sie erst einmal merken, welcher Arbeit und besonderen Pflege diese Tiere bedürfen, geben sie diese in der Regel an einen Zoo ab.

Ein Tier in Gefangenschaft verliert seine Kapazität, seine Beute zu erjagen, sich gegen andere Beutejäger zu verteidigen und sich in den verschiedensten Situationen selbst zu schützen. Wenn man sie schliesslich wieder befreit – selbst in einem ihnen entsprechenden Ambiente – werden sie wahrscheinlich nicht überleben.

Von jeweils 10 geschmuggelten Tieren sterben 9 bevor sie ihre endgültige Destination erreichen. Mit anderen Worten: Um die 38 Millionen Arten werden aus ihren Nestern (Vögel) und ihren Höhlen (Säugetiere) gerissen. Von dieser Zahl erreichen lediglich 1% ihre vorgesehene Destination. Können Sie sich vorstellen, wieviele Jungtiere täglich in den Händen von skrupellosen Tierschmugglern ihr Leben lassen müssen? Sie verlassen das Land über die Grenzen, versteckt in Koffern und Taschen, unter den Augen der Polizei, vollkommen gedopt, betäubt und wahrscheinlich schon tot wegen solcher Behandlungen!

Und als ob die Aktionen jener gewissenlosen Tierhändler nicht genug seien – intensiv, Tag für Tag und gnadenlos – ist das Bild ambientaler Degradierung Brasiliens das Resultat einer jahrelangen, unkontrollierten Ausbeutung unserer natürlichen Ressourcen. Inzwischen weiss es jedes Kind, dass Brasilien seit seiner Entdeckung vor 510 Jahren mehr als 90% seiner ursprünglichen Atlantischen Regenwaldbedeckung verloren hat. Genau deshalb ist die brasilianische Fauna ebenfalls bedroht. Dort, in diesen restlichen 10% des Atlantischen Regenwaldes, konzentrieren sich Hunderte ernstlich vom Aussterben bedrohter Arten, und der Rhythmus jener Zerstörung verstärkt nur die Gefahr für diese Tiere.

In Brasilien sind 218 Tierarten akut vom Aussterben bedroht – davon hat man 7 für bereits ausgestorben betrachtet, weil es von ihnen keinerlei Aufzeichnungen oder Beobachtungen ihrer Präsenz seit mehr als 50 Jahren gab!

Brasilien steht auf Platz 2 in der Welt hinsichtlich bedrohter Vogelarten!!

Die triftigsten Gründe des Rückgangs der Wildtier-Populationen sind:
  • Verkleinerung ihres Lebensraums durch die Zerstörung der vegetativen Primär-Kultur
  • Die wachsende humane Besetzung
  • Die wirtschaftliche Ausbeutung von Waldgebieten, Feuchtgebieten und des Cerrado
  • Illegaler Handel mit Wildtieren
  • Illegale Jagd und Fischfang – ohne adäquate Gesetze, die den Bestand regulieren und kontrollieren.

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Es gibt organisierte und spezialisierte Tierhandels-Banden, die erstaunlich gut strukturiert und ausgerüstet sind. Zirka 70% dieses Kommerzes ist für den internen Konsum bestimmt, der Rest wird exportiert. Dieser Verkehr involviert eine grosse Zahl von Personen, angefangen mit den Fängern und Jägern (in der Regel sehr arme Individuen, welche sich im Habitat der Tiere auskennen).

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Der eigentliche Fang geschieht an Orten mit grosser Biodiversifikation: zum Beispiel dem Norden, dem Pantanal und dem Nordosten – arme Regionen vom wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet. Die bedeutendsten Fanggebiete liegen in den Bundesstaaten Maranhão, Bahia, Mato Grosso do Sul, Mato Grosso, Goiás, Tocantins, Minas Gerais und der Amazonas-Region. Danach geht das Tier durch die Hände (und Käfige) verschiedener Mittelsmänner, bis es bei den grossen Geschäftemachern eintrifft, die auf der Achse zwischen Rio und São Paulo sitzen.

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In diesen Hauptstädten befindet sich das grösste Verkaufsvolumen. Auf die Tiere selbst warten unterschiedliche Destinationen: Viele werden illegal auf offenen Märkten angeboten, andere wechseln zu Züchtern oder in Zuchtanstalten, im Fall eines Exports sind die Destinationen in der Regel Asien, Europa oder die USA. Es ist durchaus häufig, dass man auf dem Markt in Prag brasilianische Aras für 4.000.00 US Dollar angeboten bekommt – ein Tier, welches hierzulande für wenige Reais gefangen wurde und dann für einen tausendfachen Preis weiterverkauft wird.

Es gibt Informationen, dass die Lukrativität dieses ungesetzlichen Geschäfts auch grosse kriminelle Organisationen, wie die russische Mafia zum Beispiel, angelockt hat, die nun ebenfalls vom illegalen Tierhandel partizipiert.

Wenn es der Kontrolle gelingt, solche geschmuggelten Wildtiere zu beschlagnahmen, befinden diese sich in der Regel in schlechtestem Zustand – einige sind bereits tot, andere sind gedopt, malträtiert, hungrig, durstig und unterkühlt. Es sind Jungtiere, Tierbabies, können kaum sehen, ohne Haare und ohne Federn . . . Sie brauchen eine schnelle Unterkunft, müssen gefüttert werden, beschützt und von Ärzten behandelt. Einige Tiere haben eine andere Art von Gewalt erlitten: Man hat ihre Augen durchstochen, damit sie kein Licht mehr sehen und nicht etwa anfangen zu singen – Praxis bei Vögeln, die durch ihre Stimmen den Zoll aufmerksam machen könnten. Alle sind betäubt, damit sie sich zahm verhalten.

In Brasilien ist der illegale Handel mit der „Fauna silvestre“ in zwei Modalitäten unterteilt:

Dem internen Handel

Charakteristisch ist seine Nichtorganisation, denn er wird von LKW-Fahrern, Busfahrern, kleineren und miserablen Geschäftemachern gleichermassen betrieben, die aus ihren Städten abwandern und Wildtiere mit sich führen, um durch sie das Geld für die Reise und die Verpflegung zu garantieren.

Der internationale Handel

Ausgefeilt, schematisiert, geplant von intelligenten Personen, grossen Namen der internationalen Gesellschaft, millionenschweren Künstlern, unzähligen Unternehmen und grossen Labors, welche kreative und originelle Ideen anwenden, Bestechungsgelder verteilen und auf die Diskretion von Funktionären der eigenen Regierung, der Fluggesellschaften und sogar der Politiker zählen können.


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