Der Wildtier-Diebstahl

Veröffentlicht am 18. Oktober 2010

In Brasilien selbst wird der Wildtier-Diebstahl stimuliert von Personen, die bis zu 1.000,00 R$ für einen Ara oder 150,00 R$ für einen Papagei zahlen. Dies ist das kleinere Problem. Wenn dieses Verbrechen allerdings die nationalen Grenzen überschreitet, multiplizieren sich diese Werte vielfach. In den USA, in Europa und in Asien kann man einen Hyazinth-Ara aus dem Pantanal für bis zu 30.000 USD verkaufen!

„Fehlende Polizeikontrollen in reichen Ökosystemen wie dem Pantanal und in Amazonien sind ein Geschenk für diese Schmuggler“, bestätigt der Geograph Marcos Freitas von der Gruppe der Umweltschützer Bahias, einem der Bundesstaaten, der als Schleuse des Tierschmuggels gilt.

Eine Aufstellung von Umweltschützern aus den Registern des bahianischen IBAMA identifizierte 146 unterschiedliche Arten, die in diesem Bundesstaat geschmuggelt werden. Von denen stammen fast zwei Drittel aus anderen Regionen des Landes. Zirka 90% der von bahianischen Händlern beschlagnahmten Tiere sind Vögel, die als Haus- und Schmusetiere verkauft werden sollten. Wenigstens die Hälfte von ihnen war für das Ausland bestimmt – betäubt und als Handgepäck – über die Flughäfen Rio de Janeiro und Curitiba, welche die Schmuggler bevorzugen.

tierhandel_header-ara Nach einem Bericht des Superintendenten der Federal-Polizei in Pará, führt die bedeutendste Route der Schmuggler von lebenden Tieren, wie Aras und Felinos, die in Amazonien gefangen wurden, über die Flüsse, welche Brasilien mit Surinam, Guyana und Kolumbien verbinden. Er sagt weiter, dass viele Schmuggler es vorziehen, die Tiere per Boot in die angrenzenden Länder zu verfrachten, deren Gesetzgebung einen Export erlaubt.

Der Handel mit wilden Tieren, der 1988 von der Verfassung als „inafiançavel“ (nur durch Freiheitsstrafen zu ahnden) erklärt wurde, hat inzwischen eine Lockerung durch das „Gesetz der ambientalen Verbrechen“ von 1998 erfahren – als Delikt, welches auch mit Geldstrafen geahndet werden kann. Obwohl die Bestrafungen zugenommen haben, ist diese Lockerung eines schärferen Gesetzes eine erneute Einladung zu ihrem verwerflichen Tun.

Wenige Menschen wissen, dass mit dem Handel von frei lebenden Tieren, ausser dem Verbrechen an der Natur, auch ein Gesundheitsrisiko für den ahnungslosen Käufer verbunden ist. Der Wald ist ein Reservoir von Mikroorganismen, die der Wissenschaft noch längst nicht alle bekannt sind – das aus seinem natürlichen Habitat entfernte Tier kann eine biologische Bombe in sich tragen. Eine der gefährlichsten Krankheiten, zum Beispiel, ist die Psitakose, übertragen von Papageien und Aras. Sie attackiert das menschliche Nerven- und Atmungssystem und provoziert innere Blutungen. Affen ihrerseits sind Wirtstiere des Gelbfieber-Virus. „Mit der Verpflanzung eines Äffchens oder eines Aras in den Kreis der Familie kann die entsprechende Person die Gesundheit ihrer gesamten Familie aufs Spiel setzen“, warnt der Koordinator von Renctas.