Ökosystem Pantanal

Veröffentlicht am 20. Juni 2010

EINE DER WERTVOLLSTEN ERBSCHAFTEN DER BRASILIANISCHEN NATUR

Das Pantanal ist das grösste kontinentale Feuchtgebiet unseres Planeten – zirka 230.000 Qudratkilometer, davon 140.000 auf brasilianischem Territorium, in den Bundesstaaten Mato Groso und Mato Grosso do Sul. Das Pantanal fällt auf durch seinen unvergleichlichen Reichtum an tropischer Fauna – 263 Arten von Fischen, 122 Arten von Säugetieren, 93 Arten Reptilien, 1.132 Schmetterlingsarten und 656 Vogelarten.

ökosystem-pantanal Periodische starke Regenfälle sind in diesem Gebiet die Regel. Das Terrain, fast insgesamt eben, wird halbjährlich überschwemmt von unzähligen Wasserläufen und Flussarmen, es bilden sich grosse und kleine Lagunen während dieser Regenperiode, die sich verbinden und sich mit dem Wasser des Rio Paraguai mischen, der die gesamte Region befruchtet.

Das Gleichgewicht dieses Ökosystems wird grundlegend vom ein- und ausfliessenden Hochwasser bestimmt, welches seinerseits direkt von der regionalen Niederschlagsmenge abhängig ist. Im Allgemeinen fällt der Regen in höherer Frequenz am Oberlauf der Flüsse, die sich in die Ebene ergiessen. Das regenreiche Trimester beginnt in den höher gelegenen Gebieten (ab November) – die Flüsse schwellen an und verursachen die Überschwemmungen.

Dasselbe geschieht parallel mit dem Rio Paraguai, der anschwillt und das überschüssige Wasser in die Pantanalebene ergiesst, auf der Suche nach einem natürlichen Abfluss, der erst hunderte von Kilometern weiter gefunden wird – an der Mündung in den Rio Paraná, der seinerseits in den Rio da Plata fliesst, und dieser endet im Atlantischen Ozean, ausserhalb des brasilianischen Territoriums. Das Hochwasser bedeckt zwischen Januar und April zirka 2/3 der Pantanalebene.

Ab Mai beginnt der Abfluss – der Wasserspiegel sinkt langsam. Wenn dann die Erde anfängt abzutrocknen, verbleibt auf ihrer Oberfläche eine Mischung aus Sand, tierischen und pflanzlichen Resten, Samen und Humus – sie düngt den Boden und versetzt ihn in einen fruchtbaren Zustand.

Die Natur wiederholt, Jahr um Jahr, jenes Hochwasserspektakel und erlaubt dem Pantanal eine stete Erneuerung der Fauna und Flora. Diese enorme Wassermenge, welche praktisch die gesamte Region bedeckt, bildet ein wahres Meer aus Süsswasser, in dem Tausende von Fischen sich fortpflanzen. Kleinere Fische werden den grösseren zur Nahrung – aber auch den Vögeln und vielen anderen Tierarten.

Wenn dann der Abfluss des Wassers beginnt, verbleibt eine grosse Menge von Fischen in den austrocknenden Lagunen zurück, die ihre Rückkehr in die Flüsse verpasst haben. Monatelang haben so die Vögel und andere Fisch verzehrende Tiere (Kaimane, Fischotter und andere) ein üppiges Bankett zur Verfügung.

Der Wasserspiegel fällt und fällt immer mehr in den Lagunen – schon sind sie so flach, dass der Mensch solche delikaten Fische wie den „Dourado, Pacu und Traíra“ mit den Händen greifen kann. Man sieht grosse und kleine Vögel dicht über die Wasserfläche gleiten, um sich einen ihrer Grösse entsprechenden Fisch zu schnappen – ein herrliches Schauspiel der Natur.

Während der dichte Regenwald Amazoniens die Tiere verbirgt, zeigen sich dem erstaunten Besucher im Pantanal Tapir (Anta), Wasserschwein (Capivara), Ameisenbär (Tamanduá), Fischotter (Ariranha), Brüllaffen (Guaribas), Ozelot (Jaguatirica), Puma (Onça parda) und manchmal sogar der gefleckte Jaguar (Onça pintada) vor seiner Kamera. Alligatoren (Jacarés), Schildkröten (Tracajás), Leguane (Largatos) und die Anakonda (Sucuri) sieht man regelmässig während eines Ausflugs, und die unzähligen Vogelarten : Reiher (Garças), Ibisse (Guarás), Störche (Tuiuius), Kormorane (Mergulhões), Papageien (Papagaios), Hiazynth-Aras (Araras azuis), Tukane (Tucanos) und Strausse (Emas) bieten dem entzückten Bird-Watcher ein unvergessliches Schauspiel, welches man in Amazonien vergeblich suchen wird!

nach obenBedrohungen – Der Mensch und seine Ausbeutungssucht

Obwohl ein grosser Teil der Region weiterhin ungenutzt ist, gibt es viele Bedrohungen wegen des wirtschaftlichen Interesses, das hinsichtlich dieses Gebietes besteht. Die Situation begann sich in den letzten 20 Jahren zu verschärfen, vor allem aufgrund der Einführung von künstlichen Weiden und wegen der Ausbeutung der bewaldeten Areale. Der Pantanal hat während der letzten Jahrzehnte langsame, aber signifikative Veränderungen erfahren. Das Anwachsen der Bevölkerung und das Wachstum der Städte und Dörfer sind eine konstante Bedrohung. Bei der Besetzung der höher gelegenen Gebiete, in denen die Quellen der Flüsse liegen, ist die Bedrohung noch grösser!

Die unkontrollierte Landwirtschaft provoziert die Erosion des Bodens, ausserdem verseucht sie ihn durch die exzessive Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Die Zerstörung des Bodens resultiert in einer Blockierung des Wassers durch die Erde, ein Phänomen, welches das Leben der Region verändert hat : Areale, welche früher in die Regelmässigkeit der Überschwemmungen mit einbezogen waren und komplett abtrockneten, wenn die Niederschläge aufhörten, verbleiben inzwischen permanent überschwemmt. Auch die Goldgräber verursachten einen ambientalen Schock während der letzten Jahre, ebenso die Konstruktion von Wasserkraftwerken, der desorganisierte Tourismus und die illegale Jagd – angeführt von Ex-Angestellten der Fazendas, die, weil ohne Arbeit, sich Wilderergruppen anschlossen, die es auf Kaimanhäute abgesehen hatten.

Nach 1989 wuchs das Risiko eines totalen Kollapses des pantanalen Ökosystems – das Aus für diese unvergleichliche Biodiversität schien traurige Realität zu werden. Grund dieser Bedrohung war ein Megaprojekt zur Konstruktion einer Wasserstrasse von mehr als 3.400 Kilometern Länge in den Flüssen Paraguai (dem bedeutendsten Fluss des Pantanal) und dem Rio Paraná – um Cáceres, in Mato Grosso, mit Nova Palmira, in Uruguay zu verbinden. Obwohl die brasilianische Regierung nach massiven Protesten der Bevölkerung diesen Plan fallen liess, bedeutet die Navigation auf dem Rio Paraguai immer noch eine Bedrohung. Der Galeriewald, die Steilufer, die Meander und das Flussbett selbst, sind gefährdet durch die Art und Weise wie die Schifffahrt gegenwärtig gehandhabt wird – sofortige Massnahmen zu seiner Erhaltung und eine Reglementierung und Kontrolle des Schiffsverkehrs sind überfällig!

nach obenKuriositäten des Pantanal

  • Die grösste Schlange des Pantanal ist die „Sucuri Amarela“ Anakonda (Gelbe Anakonda). Sie ist kleiner als ihre grosse Schwester aus Amazonien – erreicht eine Länge von 4,5 Metern und ernährt sich von Fischen, Vögeln und kleineren Säugetieren.
  • Der Wappenvogel des Pantanal, der „Tuiuiú“ – man nennt ihn auch „Jabiru“ (Jabiru mycteria) ist ein Storchenvogel Amerikas, der von Mexiko bis Argentinien vorkommt. Er ist bis zu 1,20 m gross, seine Flügelspannweite beträgt etwa 2,60 m, der Schnabel ist bis zu 30 cm lang. Er hat ein überwiegend weisses Gefieder, Hals, Kopf und Schnabel sind schwarz.
  • Der Brillenkaiman des Pantanal (Caiman yacare, früher Caiman crocodilus yacara) gehört zu der Familie der Alligatoren (Alligatoridae) und wird bis zu 2,5 Metern lang. Selten verlässt er das Wasser und wenn, dann nur, wenn er durch Trockenheit dazu gezwungen wird, sich im Schlamm einzugraben. Er treibt am Tag an der Oberfläche und wird nachts aktiver. Ausgewachsene Brillenkaimane fressen Fische, andere Reptilien, Amphibien und Wasservögel. Er wird circa 60 Jahre alt, manchmal angeblich sogar 100.
  • Der grösste Fisch des Pantanal ist der „Jaú“ (Zungarowels) – Zungaro zungaro) ein südamerikanischer Riesenwels aus der Familie der Antennenwelse. In Brasilien wird er Jaú und in Argentinien Manguruyú genannt. Er erreicht durchschnittlich ein Gewicht von 50 bis 70 Kilogramm. Es sind jedoch schon Gewichte von bis zu 150 Kilogramm und eine Länge von 1,5 Metern bekannt geworden.
  • Der Pantanal präsentiert eine grosse Vielfalt an höheren Pflanzenarten, wie Bäume und Büsche (1.647 Spezies) sowie eine grosse Vielfalt der Fauna: 263 Fischarten, 122 Säugetiere, 93 Reptilienarten, 1.132 Schmetterlinge und 656 Vogelarten.
  • Die jährlichen Überschwemmungen der Region bedecken etwa 80% der Ebene und verwandeln das Gebiet in eine beeindruckende Wasserfläche, welche einen Teil der Landbevölkerung vertreibt, die vorrübergehend in die umliegenden Städte und Dörfer abwandert.
  • Der Pantanal lockt jährlich zirka 700.000 Touristen in seine Naturidylle – 65% davon sind Sportangler.
  • Die 230.000 Quadratkilometer des Pantanal entsprechen der Fläche von Belgien, Schweiz, Portugal und Holland zusammengenommen!
  • Der gefleckte Jaguar des Pantanal erreicht ein Gewicht von 150 Kilogramm – er ernährt sich von zirka 85 Tierarten derselben Region.
  • Der brasilianische Teil des Pantanal beträgt 144.295 km2 überschwemmbarer Fläche, davon gehören 61,9% (89.318km2) zu Mato Grosso do Sul und 38,1% (54,976km2) zum Bundesstaat Mato Grosso.
  • Das fantastische Ökosystem des Pantanal wurde im Jahr 2000 von der UNESCO als „Reserve der Biosphäre“ anerkannt. Solche von der UNESCO deklarierten „Reserven“ sind Instrumente zur nachhaltigen Handhabung, die unter der Gerichtsbarkeit der Länder verbleiben, in denen sie sich befinden.
  • Die kaum wahrnehmbaren Höhenunterschiede im Bodenrelief des Pantanal fördern die periodische Überschwemmung. Ausserdem bewirkt dieses Relief, dass der Rio Paraguai sehr langsam fliesst. Würde man ein Kanu allein der Strömung des Flusses überlassen, brauchte es zirka 6 Monate, um den Pantanal zu durchqueren!
  • Alle 24 Stunden fliessen zirka 178 Milliarden Liter Wasser in die Pantanalebene hinein.
  • Es existieren mehr Vogelarten im Pantanal (656) als in ganz Nordamerika (ungefähr 500) und mehr Fischarten als in ganz Europa (263 im Pantanal gegen zirka 200 in europäischen Flüssen).
  • Jedes Jahr transportieren die Flüsse zirka 50 Millionen Tonnen Erde und Sand in den Pantanal. Nur etwa ein Drittel der Sedimente verlässt die Region wieder, sodass ihre Anhäufung die Flussbette verändert und die Überschwemmungsfläche vergrössert.

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