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Sie bedeckt fast 10% des brasilianischen Territoriums – 736.833 Quadratkilometer – und erfasst die Bundesstaaten Ceará, Rio Grande do Norte, Paraíba, Pernambuco, Sergipe, Alagoas, Bahia, den Süden und Osten des Bundesstaates Piauí und den Norden von Minas Gerais. Es handelt sich um ein Gebiet mit halbtrockenem Klima und flachem, steinigen Boden, obwohl relativ fruchtbar – ein Ökosystem, reich an genetischen Ressourcen durch eine hohe Biodiversität. Der aggressive Aspekt seiner Vegetation kontrastiert mit dem Bunt der während der Regenperiode aus dem Boden spriessenden Blumen – die Niederschläge variieren zwischen 300 und 800 Millimetern pro Jahr. Die Caatinga präsentiert drei Vegetationsebenen: die "arboreale" – mit zwischen 8 und 12 Meter hohen Bäumen, die "arbustive" – mit 2 bis 5 Meter hohen Büschen und Sträuchern, und die "herbale" – mit Bewuchs von Gräsern und Kräutern unter 2 Metern. Die Vegetation hat sich dem halbtrockenen Klima vollkommen angepasst, um sich vor dem Austrocknen zu schützen. Die Blätter, zum Beispiel, sie sind klein und dünn, manchmal fehlen sie ganz. Einige dieser Pflanzen speichern Wasser, wie die Kakteen, andere zeichnen sich durch ihre Wurzeln dicht unter der Erdoberfläche aus, um so ein Maximum des Regenwassers auffangen zu können. Einige der häufigsten Arten dieser Region sind: "Amburana, Aroeira, Umbu, Baraúna, Maniçoba, Macambira, Mandacaru und Juazeiro". Inmitten von so viel Trockenheit überrascht die Caatinga den Besucher mit ihren "Ilhas de umidade" (Feucht-Inseln, Feuchtgebieten) und fruchtbaren Böden. Dies sind die so genannten "Brejos", welche die physische und geologische Monotonie der "Sertões" (als Sertão bezeichnet man die halbwüstenartigen Landschaften im Binnenland Brasiliens) angenehm unterbrechen. Auf diesen Caatinga-Inseln kann man fast alle Lebensmittel und tropentypischen Früchte anbauen. Solche "Oasen" befinden sich in der Regel am Fuss von Gebirgszügen, wo Regenfälle häufiger sind. Auf unterschiedlichen, verschlungenen Wegen schlängeln sich die regionalen Flüsse von den Gebirgsrändern herab, durchkreuzen ausgedehnte Talebenen zwischen den heissen, trockenen Höhenzügen und erreichen schliesslich das Meer – oder sie ergänzen das Volumen der Ströme São Francisco und Parnaíba (zwei grosse Ströme, welche die Caatinga durchqueren). Von ihrem Oberlauf bis in Meeresnähe trocknen die Flüsse, deren Quellen in diesem Gebiet liegen, über fünf bis sieben Monate lang aus. Nur der Hauptkanal des São Francisco kann sein Wasser auf der Reise durch die "Sertões" halten – er kommt aus einer anderen hydrografischen und klimatischen Zone. Wenn es endlich regnet, am Anfang des Jahres, verändert sich die Landschaft fast über Nacht. Die Bäume bedecken sich mit Blättern, und der Boden verschwindet unter einer grünen Decke kleinerer Pflanzen. Die Fauna ist wieder zahlreicher zu beobachten. In der Caatinga lebt der endemische "Ararinha-azul", eine vom Aussterben bedrohte Papageienart. Das letzte Exemplar dieses Vogels wurde in freier Natur gegen Ende des Jahres 2000 gesichtet. Andere Tiere dieser Region sind "Sapo-cururu, Asa-branca, Cotia, Gambá, Preá, Veado-catingueiro, Tatu-peba und der Sagüi-do-nordeste", unter anderen. Zirka 20 Millionen Brasilianer leben in jener, von der Caatinga vereinnahmten Region – auf einer Fläche von fast 800.000 Quadratkilometern. Wenn es nicht regnet, müssen die Familien im Sertão kilometerweit laufen, um Wasser aus den "Açudes" (Regenwasser-Reservoirs unter freiem Himmel) heranzuschaffen. Die klimatische Unregelmässigkeit ist das grosse Problem der Existenz jener "Sertanejos" (Sertão-Bewohner). Und wenn es endlich regnet, kann der steinige Boden das Regenwasser nicht speichern – und die hohen Temperaturen (Mittelwerte zwischen 25o und 29oC) sorgen für eine schnelle Verdunstung. Durch die lange Trockenperiode haben sich die Sertões in vielen Gegenden in Halbwüsten verwandelt, in denen es, trotz bewölktem Himmel, kaum zum Abregnen kommt.
Fazendas, deren Besitzer sich mit der Rinderzucht beschäftigten, begannen bereits zur Kolonialzeit Brasiliens das Szenario der Caatinga zu besetzen. Diese ersten Bewohner wussten kaum etwas über die Verletzlichkeit dieser Region, deren trockene Erscheinung eine falsche Solidität reflektiert. Im Kampf gegen die Trockenheit konstruierte man die schon erwähnten "Açudes" – lagunenartige Gruben zum Auffangen des Regenwassers, aus denen sich Mensch und Vieh während der trockenen Monate bedienen konnten – ausserdem bewässerte man die Felder damit. Seit der Kaiserzeit Brasiliens, als diese Bewässerungsgruben eingeführt wurden, setzt die Regierung diese Arbeiten fort. |
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