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Biodiversität Brasiliens

Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2010 zum "Internationalen Jahr der Biodiversität" erklärt. Dies ist ein Aktionsjahr zu Ehren des Lebens auf der Erde und der Kostbarkeit ihrer Biodiversität für unsere Existenz. Die ganze Welt ist eingeladen, sich in diesem Jahr 2010 dem Schutz der Vielfalt des Lebens auf der Erde zu widmen: der Biodiversität!>
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Mit dieser Einladung wirbt die UNO (“fünf Minuten vor Zwölf”) erneut für den weltweiten Artenschutz, der eigentlich bereits 1992, anlässlich der Konferenz der Vereinten Nationen zu Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio de Janeiro, unter der Bezeichnung “Convention on Biological Diversity, CBD (Biodiversitäts-Konvention) als internationales Vertragswerk, unterschrieben von 168 Staaten, inklusive der EU, ausgehandelt wurde.     

Aber was versteht man eigentlich unter dem Begriff “BIODIVERSITÄT”? Die Übersetzung “Biologische Vielfalt” mag dem Einen oder Anderen noch nicht schlüssig genug sein – etwas freier interpretiert, ist die “Vielfalt des Lebens” (auf unserem Planeten) oder “Artenvielfalt” dann schon einleuchtender – und zwar sind damit sämtliche Organismen jeglicher Herkunft gemeint, also zu Land und zu Wasser – und alle entsprechenden Ökosysteme und ökologischen Komplexe zu denen sie gehören.  

Die “Artenvielfalt” ist, obwohl immer wieder (und immer noch) nicht nur von einzelnen Personen sondern von ganzen Industriekonzernen ignoriert, für das menschliche Wohlergehen eine der Existenzgrundlagen – ergo müsste ihre Erhaltung von ganz besonderem Interesse für die gesamte Menschheit auf unserem Planeten sein. Ein Rückgang der Artenvielfalt trifft in der Regel zuerst die arme Bevölkerung in unserer Welt, denn die ist am meisten von jenen Erzeugnissen abhängig, die ihnen eine intakte Natur – das heisst: mit einem intakten Ökosystem – garantiert.    

Weil die Menschheit auf diesem Planeten nun mal in erster Linie an der Wirtschaftlichkeit ihrer Aktionen interessiert ist – nach dem Motto: “Was bringt’s mir, wenn ich mich für dies oder jenes entscheide”? – haben sich ihre Wirtschaftsexperten letztendlich auch mit der Frage befasst, wie man wohl den ökonomischen Wert jener biologischen Artenvielfalt einschätzen könnte. Und dazu gibt es eine Untersuchung (sie ist von Robert Constanza und seinem Team), die eine umgerechnete “monetäre Leistung” der Ökosysteme unseres Planeten auf “30 Milliarden Euro pro Jahr” beziffert – ein Vielfaches des weltweiten Sozialprodukts! Ausserdem hat die Biodiversität weltweit eine besondere wirtschaftliche Bedeutung als Reservoir potenzieller Arznei-Wirkstoffe, welche der Wissenschaft in ihrem Gesamt bis heute noch nicht einmal annähernd bekannt sind!

Der Mensch, als einem Individuum das seine Umwelt entscheidend prägt, ist am Aussterben zahlreicher anderer Arten wesentlich beteiligt. Zwar gibt es einige andere Gründe, warum ganze Ökosysteme zusammenbrachen und von der Erde verschwunden sind – wie Naturkatastrophen oder Klimaveränderungen – aber der Einfluss des Menschen auf die Existenz anderer Lebewesen ist unbestritten – zum Beispiel:
  • Die Vernichtung ganzer ökologischer Komplexe durch menschliche Besiedelung und die land- und forstwirtschaftliche Nutzung der Natur
  • Kanalisierung der Flüsse und Wasserkraftwerke
  • Verschmutzung der Umwelt zu Land und zu Wasser
  • Die Zerteilung und Verfremdung der Landschaft
  • Die unkontrollierte Jagd und der extreme Fischfang (Überfischung)
  • Der illegale Handel mit Arten
  • Die biologische Einschleppung von Pflanzen, Tieren und Viren durch See- und Luftverkehr.
Seit der moderne Mensch – man nennt ihn auch (ganz zu Unrecht) “Homo sapiens” (der weise, einsichtsvolle Mensch) – auf diesem Planeten erschienen ist, hat man eine bedeutende Schrumpfung der Artenzahlen registriert. Grössere Landsäugetiere, Vögel, Amphibien, Reptilien und viele Meereslebewesen – besonders endemische Arten – sind aus unserer Welt verschwunden. Inzwischen geht dieses Artensterben mit einer Schnelligkeit und in einem Ausmass vor sich, dass man es bereits mit den aus der Naturgeschichte bekannten Aussterbekatastrophen vergleichen kann! Nach einer Studie des schwedischen Resilience Centre (2009) ist das Aussterben der Arten “das allergrösste ökologische Problem der Menschheit” – noch vor dem Klimawandel!

Wir vom BrasilienPortal möchten unseren interessierten Besuchern mit der neuen ausführlichen Reportage zum “Internationalen Jahr der Biodiversität 2010” einmal vor Augen führen, welche “Biologische Vielfalt” in diesem grössten Land Südamerikas auch heute noch – nach Jahrhunderten des Raubbaus der humaniden Spezies – zu finden ist, und welch unvergleichlichen Schatz die moderne Menschheit zu verlieren droht, durch ihr verwerfliches Streben, sich nur an der Natur bereichern zu wollen, ohne daran zu denken, mit entsprechenden Gegenleistungen ihr Gleichgewicht zu erhalten.

Nicht nur die Brasilianer sind in diesem Fall gemeint – für ihren Eigenbedarf sind sie die geringste Bedrohung der Artenvielfalt ihrer Natur. Wären nicht jene ausländischen Industriekonzerne, die ohne Rücksicht auf besagtes Gleichgewicht, die verschiedensten Rohstoffe ohne offizielle Genehmigung des Herkunftslandes über gewissenlose Geschäftemacher aufkaufen – allen voran die ausländische Edelholz verarbeitende Industrie – dann würden zum Beispiel die bescheidenen brasilianischen Waldbewohner keinen einzigen der jahrhundertealten Urwaldriesen fällen – sondern sich mit seinen abgeworfenen trockenen Zweigen für ihr Herdfeuer begnügen. Solange die “Zerstörung ganzer Ökokomplexe” weiterhin auf internationalen Märkten ihre Käufer findet, solange sägt die Menschheit an einem der bedeutendsten Äste ihrer eigenen Existenz!

nach obenBrasilianische Ökosysteme

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Karte Copyright by IBGE

Brasilien ist ein Land mit einer der reichsten Biodiversitäten der Erde – es besitzt die grössten Süsswasserreserven und verfügt über ein Drittel aller noch existierenden Tropenwälder unseres Planeten. Wissenschaftler schätzen die gesamte biologische Vielfalt unseres Planeten auf  über 10 Millionen Spezies. Brasilien beheimatet 15 bis 20% davon.

Eine  Studie – von der CI do Brasil veröffentlicht – gab bekannt, dass die Summe aller Lebensarten (Biota) in Brasilien (bekannte und unbekannte) auf 1,4 bis 2,4 Millionen Spezies geschätzt wird. Bei den bekannten Arten liegt die Zahl zwischen 170.000 bis 210.000 Spezies. Der Bereich der Pflanzen (Flora) wird auf 40 bis 50.000 Arten und der Tierbereich (Fauna)  auf 100 bis 140.000 Arten geschätzt.

Das Land wie ein Kontinent bedeckt eine Fläche von 8,5 Millionen Quadratkilometern mit verschiedenen Standort- und Klimatypen und unterschiedlichster Ökosystemen, plus 8000 Küstenkilometer und ein Netzwerk hydrographischer Becken aus gigantischen Flüssen.

Kontinentale brasilianische Ökosysteme Ungefähre Fläche in Km2 % an der Gesamtfläche Brasiliens
Ökosystem Amazonia 4.196.943 49.29%
Ökosystem Caatinga 844.453 9.92%
Ökosystem Mata Atlantica 1.110.182 13.04%
Ökosystem Pantanal 150.355 1.76%
Ökosystem Pampa 176.496 2.07%
Gesamtfläche Brasilien 8.514.877

In dieser mehrteiligen Reportage erfahren Sie interessantes und spezielles über die einzelnen Ökosysteme Brasiliens.
» Teil 1: Amazonien – Das artenreichste Ökosystem der Erde
» Teil 2: Caatinga – Eine halbtrockene Strauch- und Steppenlandschaft
» Teil 3: Cerrado – Die zweitgrösste Vegetations-Formation Brasiliens
» Teil 4: Pantanal – Eine der wertvollsten Erbschaften der brasilianischen Natur
» Teil 5: Campos do Sul – Der grüne Teppich der Grassteppe
» Teil 6: Mata Atlântica – Der Atlantische Regenwald
» Teil 7: Zona Costeira – Die brasilianische Küstenlandschaft

nach obenAbschliessend eine kleine Fabel aus Brasilien...

...die mir einst ein Indianer erzählte, und die ein grundsätzliches Problem der Menschheit auf den Punkt bringt:

"Der Wald brannte. In Panik flohen die Tiere vor den verzehrenden Flammen hinaus auf die Ebene und hinunter zum Fluss, wo sie sich in Sicherheit fühlten, weit weg vom Feuer. Und von dort aus verfolgten sie nun mit weit geöffneten Augen die fortschreitende Zerstörung ihres Waldes – fühlten, dass sie nichts tun könnten, denn schon fingen auch die grösseren Bäume an zu brennen – das Feuer war enorm.

Der mächtige Jaguar sass halb im Wasser und kühlte seinen angesengten Schwanz – während dicht neben ihm ein kleiner Kolibri sein Schnäbelchen mit Wasser füllte und zum brennenden Wald zurückflog – verwundert schauten ihm die anderen Tiere nach. Nach kurzer Zeit kam der Winzling zurück und tauchte wieder sein Schnäbelchen ins Wasser – fragte ihn der Jaguar: "Was tust du da"? "Ich versuche das Feuer zu löschen", antwortete der kleine Kerl, füllte seinen Schnabel erneut mit ein paar Wassertropfen und schickte sich an zurückzufliegen. "Da kannst du gar nichts tun" riefen ihm die anderen Tiere zu, "du bist viel zu klein, und das Feuer ist viel zu gross!" Ich tue was ich kann – ich möchte meinen Teil dazu beitragen, den Wald zu retten!" und er flog zum brennenden Wald zurück, um seine paar Tropfen in die Flammen zu sprühen.

Wer weiss, wenn alle ihren Teil dazu beigetragen hätten, das Feuer zu löschen – einige Vögel hatten recht grosse Schnäbel und andere Tiere recht breite Mäuler – wäre der Wald vielleicht gerettet worden?"

“Die Natur braucht uns Menschen nicht – aber wir Menschen brauchen die Natur”!
Darüber sollten wir jedoch nicht nur nachdenken, sondern vielleicht auch mal öfters entsprechend handeln! Wir alle haben unsere Aufgaben in dieser Welt. Mit unserem freien Willen wählen wir unseren Weg – sich nicht zu entscheiden ist ebenfalls eine Entscheidung. Wenn du dich aber dafür engagierst, "das Feuer zu löschen", riskierst du dein Leben für andere – das ist Evolution! Wenn du dich dafür entscheidest, etwas für dich selbst oder zugunsten einer guten Sache zu tun, interagierst du mit den kosmischen Kräften, die stets zu deinen Gunsten arbeiten. Die Passivität – ob im persönlichen Bereich oder im Moment einer eminenten Gefahr, bewirkt, dass deine bedauerliche Entscheidungsträgheit dir eine Zukunft mit Heulen und Zähneklappern bescheren wird.

Wenn du dir für dein Leben eine Verpflichtung auferlegst, wenn du versuchst zu retten, zu bewahren und zu schützen – wenn du also eine bestimmte Haltung vertrittst, dann trägst du deinen Teil zum Leben bei. Wenn du als Jaguar geboren wirst, dann musst du jagen und Fleisch fressen – kommst du als Ameise auf diese Welt, dann musst du hart arbeiten – und wenn du eine Grille bist, dann singst du und stirbst glücklich – aber wenn du dich mit einem Kolibri identifizierst und dich entscheidest, mehr zu tun als deine Funktion dich verpflichtet und sogar mehr als dein Körper aushält – dann kann es wohl geschehen, dass du dein Ziel nicht erreichst, aber du zeigst den anderen, dass man mit vereinten Kräften es hätte schaffen können! Die Lektion der Geschichte ist nicht abzustreiten: "Tu du deinen Teil – auch wenn nicht zum Besten des Ganzen, dann wenigstens für dich selbst und für dein Gewissen"!

Klaus D. Günther für BrasilienPortal
 
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