UV-Blocker und Vitamin D: wie man sich am besten vor Hautkrebs schützt

Veröffentlicht am 11. Oktober 2013

tAlleine in Brasilien wird es in diesem Jahr vermutlich 134.000 Neuerkrankungen an Hautkrebs geben – oft durch übermässigem Sonnengenuss verursacht. Ein natürliche Vorbeugemaßnahme gegen diese Erkrankung ist Vitamin D. Daher sollte jeder wenn möglich eine ausreichende Menge des wichtigen Vitamins stets zu sich nehmen. Und das geht – man glaubt es kaum – am besten in der Sonne!

Dr. Michael Holick, einer der besten Ärzte der Welt und Arzt des Jahres 2013 in den USA, erforscht seit drei Jahrzehnten die Funktion des Vitamin D. Das ist die Substanz, die mittlerweile zum Liebling der Wissenschaft geworden ist und deren Einnahme mit dem Schutz gegen 12 Krankheiten assoziiert wird – darunter sogar Diabetes und Krebs.

Die mit dem Vitamin-D-Mangel verknüpften Erkrankungen

Basierend auf eigenen wissenschaftlichen Entdeckungen – die den Mangel an idealen Dosen dieses Hormons bei 80 Prozent der Weltbevölkerung schon festgestellt haben zögert Holick nicht, den Mangel an Sonnenbestrahlung in dieselbe Gruppe von anderen bekannten Schäden für die Gesundheit, wie Tabak, Bewegungsmangel und Übergewicht einzuordnen. Und dies, weil die Sonne ein natürliches Heilmittel und die Hauptquelle für Vitamin D des menschlichen Körpers ist.

„Der heute vorherrschende Lebensstil hat zur Folge, dass die Menschen in geschlossener Umgebung bleiben, nicht auf den Strassen spielen und auch nicht im Freien spazieren gehen, selbst in tropischen Gegenden“, zeigt sich Holick überzeugt. Der Mediziner nimmt in Brasilien am 17. Kongress für Frauen- und Geburtsheilkunde in São Paulo teil und wirbt dabei gleichzeitig für sein neues Buch mit dem Titel „Vitamin D: Wie eine so einfach Behandlung so wichtige Erkrankungen heilen kann“.

Sonnenschutzfilter und Vitamin D

Für eine gute Körperfunktion sind mindestens 400 UI (internationale Einheit, die für Vitamin D benutzt wird) nötig und es gibt schon Beweise, die 1.000 Einheiten dieser Substanz vorschlagen. Holick zufolge ist es mit Sonnenbädern zwischen 10 und 15 Minuten schon möglich, 1.500 Einheiten Vitamin D zu gewinnen. Ein Eigelb z.B. hat 20 UI und 100g Lachs aus der Konserve haben zwischen 100 und 250 Einheiten (frischer Lachs hat bis zu 600 UI). Das Sonnenbad ist deshalb die beste natürliche Form, die empfohlene Menge zu erreichen.

„Das Problem ist, dass ein Sonnenschutzfilter Faktor 30 die Fähigkeit des Körpers, Vitamin D zu absorbieren um 90 Prozent reduziert. Niemand möchte die schädliche Sonnenexposition fördern und ich bin für Sonnenschutz. Aber ich verteidige auch, dass die Sonne, in gemässigter Dosis, gut tut“ so Holick weiter.

In seinem neuen Buch vergleicht Holick die Sonnenstrahlen unter anderem mit Salz und mit Fett. Dabei betont er, dass kein Mensch ohne die beiden überleben könne. Aber der übertriebene Verbrauch von beiden Substanzen bedrohe allerdings auch die Gesundheit.

„Mein Rat ist, dass die Menschen sich wenigsten 5 Minuten täglich der Sonne ohne Sonnenschutzmittel aussetzen. Wenn sie danach weiter in der Sonne bleiben, sollten sie Sonnenschutz im Gesicht benutzen, um dermatologische Schäden zu vermeiden. Arme und Beine können auf dem Weg zur Arbeit, zum Restaurant in der Mittagspause oder auf dem Weg nach Hause den Sonnenstrahlen ausgesetzt werden.”

Wer an den Strand oder ins Schwimmbad geht, orientiert der Spezialist, kann ebenfalls sein Sonnenbad für einige Minuten ohne Sonnenschutzmittel beginnen und danach auf den Sonnenschutz zurückgreifen. Für dem Hautkrebs gegenüber starker gefährdete Personen wie hauptsächlich hellhäutige oder blauäugige Menschen, schlägt er vor, mit dem Hautarzt über eine zusätzliche Vitamin-Einnahme zu sprechen.

Aber auch die Augen sollten bei einem ausgiebigen Sonnenbad unter tropischer Sonne ausreichend geschützt werden. Wer sich also am Strand der Copacabana oder Ipanema unter anderen Touristen und Einheimischen mischt, sollte auf eine gute Sonnenbrille mit UV-Schutz nicht verzichten. Dabei sollte die Glasgröße stets so gewählt werden, dass auch seitlich kein Licht mehr die Augen erreicht. Denn was auf der Haut so schwere Schäden wie Hautkrebs verursachen kann, kann im Auge schnell zu einer Hornhaut- oder Netzhautentzündung bis hin zum gefürchteten „grauen Star“ oder retinalen Melanom führen.

Die Vielseitigkeit von Vitamin D

Schon seit zahlreichen Studien sind sich die Wissenschaftler einig: es existieren reale Zusammenhänge zwischen Vitamin D und dem Schutz gegen die verschiedensten Krankheiten. Darunter sind neurologische Krankheiten wie Alzheimer, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Übergewicht) sowie Knochenerkrankungen wie die Osteoporose.

Für Michael Holick liegt die Vielseitigkeit von Vitamin D in der Tatsache begründet, dass sie in allen Zellen und Geweben des Körpers vorhanden ist. Entgegen des weit verbreiteten Glaubens, Vitamine könnten nicht vom Körper hergestellt sondern stets von aussen zugeführt werden, wird das Vitamin D in der Haut produziert, nimmt an verschiedenen physiologischen Prozessen wie der Verdauung oder der Atmung teil und hat im Körper eine hormonähnliche Funktion. Die von Holick geführten Studien haben zudem aufgezeigt, dass es selbst mit dem Stoffwechsel und der Funktion von 2.000 menschlichen Genen in Zusammenhang steht.

Übergewichtige und die Aufnahme des Vitamins

Holick zufolge gibt es daher auch einen schädlichen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Vitamin D. Fette im Übermass konzentrieren die ganze Menge des in den Körper gelangenen Vitamins und verhindern dabei, dass es im Organismus gleichmässig verteilt wird. „Unsere Studien zeigen, dass aus diesem Grund Übergewichtige zwischen drei- und fünfmal mehr Vitamin D benötigen als schlanke Menschen“, so der Arzt.

„Allein durch die Ernährung und die Sonnenbestrahlung ist es sehr schwierig, ideale Mengen zu erreichen” erklärt der Mediziner und denkt dabei vermutlich auch an die immer „dicker“ werdende Gesellschaft im größten Land Südamerikas. Daher verteidigt er vehement Nahrungsergänzung mit Vitamin D, sofern dies in angemessener Form und nach einer ärztlichen Beratung erfolge. In seinem neuen Buch zeigt er dabei auch Untersuchungen auf, die falsche Informationen bei Milch und Getreideprodukten feststellten und so den Kunden in Sicherheit wiegten.

„Die Mehrheit davon hatte nicht die auf der Verpackung beschriebene Dosis“, behauptet Holick. „Ich verteidige die Nahrungsergänzung, ich nehme selber Extra-Dosen an Vitamin D (1000 UI). Aber ich gehe auch spazieren, fahre Rad, esse Fisch und nehme Sonnenbäder“ sagt der Mediziner abschliessend.