Österliche Eier-Philosophie

Veröffentlicht am 30. März 2013

Eigentlich findet “Ostern“ in der Natur an jedem Tag statt, den Gott werden lässt – wenn man damit bunte Eier verbindet. Bunte Eier gibt’s überall in der Natur und auf jedem Kontinent, zu Land und im Wasser, und die aus ihnen schlüpfenden Wesen fliegen, schwimmen oder rennen davon – manche nicht sofort, müssen zuerst wachsen und lernen wie man fliegt, schwimmt oder rennt – dagegen fühlen sich andere sofort bereit und fähig, sich dem Leben zu stellen und ihre Existenz zu verteidigen. Allen gemeinsam ist jedoch die fehlende Lebenserfahrung und physische Schwäche der Jugend, weshalb sie häufig Opfer von Beutejägern werden.

Easter border

Die Natur steht ausschliesslich auf der Seite des Stärkeren – aus Selbstschutz. Schwäche wird von ihr mit dem Tod bestraft, es sei denn, sie ist gepaart mit Erfahrung – die man sich jedoch erst nach dem Eischlupf langsam aneignen kann, sofern man mittels einer gewissen angeborenen Intelligenz ihren Nutzen zu erkennen vermag. Individuen, die sich trotzdem so verhalten, als seien sie gerade erst aus dem Ei gekrochen, gibt es allerdings zuhauf – und das ist durchaus gut so, sonst hätten diejenigen, denen die Natur Zähne, Klauen und Jagdinstinkt mitgegeben hat, keine Existenzgrundlage.

Doch auch in den Schwachen existiert eine Kraft, die oft über die brachiale Gewalt der Starken triumphiert: das Leben selbst, es kämpft gegen den Tod und findet oft einen Ausweg, sich zu behaupten, auch gegen das scheinbar unüberwindliche Gesetz der Natur. Und damit sind wir Christen bei der eigentlichen Bedeutung des Osterfestes – dem Sieg des Lebens über den Tod.

Am kommenden Sonntag feiert die Christenheit aller Länder – auch in Brasilien – ihr Osterfest zum Gedenken an die Auferstehung Jesu, der für uns alle den Tod besiegt hat – auch für die Schwachen unter uns. Apropos: Wir Menschen sind die einzigen Lebewesen auf unserem Planeten, die sich eine physische Schwäche erlauben können, ohne dass wir deshalb von der Natur sofort ins Recycling abgeschoben werden – Intelligenz und Erfahrung, je mehr um so besser, können unsere physischen Schwächen nicht nur kompensieren, sie sind für die Umwelt, in der wir heute leben, zweifellos von grösserer Bedeutung als Muskelkraft. Auch sollten wir die anderen Privilegien nicht vergessen, mit denen unsere Spezies ausgezeichnet wurde, um diesen einzigartigen Planeten zu beschützen und zu verwalten. Zum Beispiel unser freier Wille – zu respektieren, zu lieben, zu glauben, zu verzeihen…

Ich denke, dass das Osterfest eine besondere Gelegenheit ist, sich nicht nur am Pellen bunter Hühnereier zu erfreuen und braune oder weisse Schokoladeneier zu lutschen, sondern, angeregt von jener vielfältigen, bunten Eiersymbolik um uns herum, auch mal ein paar Gedanken zu entwickeln, die sich mit dem Wunder des Lebens beschäftigen, und Gott zu danken, dass wir unseren eigenen Eierschalen so unversehrt entwachsen sind.

Feiern Sie ihr Osterfest doch mal im Gedenken an das vielfältige, vielgestaltige Leben unseres Planeten, auf dem Sie zu den Lebewesen gehören dürfen, die mitverantwortlich sind – für das Leben der Andern, der kleinen und grossen, fliegenden, schwimmenden und rennenden Lebewesen dieser unvergleichlichen Natur – die sich immer wieder erneuert, ohne dass wir dazu mehr tun müssen, als sie gewähren zu lassen, in Respekt vor dem sich erneuernden Leben und in Dankbarkeit, dass wir dazugehören. Und dann nehmen Sie sich einfach mal vor, alles was um Sie her “kreucht und fleucht“ als Mitwesen dieser Schöpfung anzuerkennen, die Ihren Respekt und Ihren Schutz verdienen.

Ein Ei ist immer Symbol eines Anfangs – warum nicht auch eines Neubeginns?
Ihnen allen ein frohes Osterfest!