Klimaveränderung kann die Entstehung von Blitzen weltweit um 50% erhöhen

Veröffentlicht am 21. November 2014

ThunderstormEine Studie nordamerikanischer Wissenschaftler, die in der Zeitschrift “Science“ publiziert wurde, macht darauf aufmerksam, dass durch die klimatischen Veränderungen, bis zum Ende dieses Jahrhunderts, die Entstehung von Blitzen um 50% zunehmen wird. Diese Analyse basiert auf Messungen von Niederschlägen und Fliessverhalten der Wolken, durchgeführt an elf verschiedenen Klimamodellen, die nach dem geschätzten Anstieg der Temperaturen bis zum Jahr 2100 entworfen wurden.

Bei Entstehung von Blitzen ist Brasilien führend, mit 57,8 Millionen jährlich.

“Mit der Erwärmung werden die elektrisch geladenen Unwetter zunehmend explosiver“, bestätigte ein Klimatologe von der kalifornischen Universität, in einem Interview mit der France Press, in Berkeley.

“Die Erwärmung verstärkt die Konzentration von Wasserdampf in der Atmosphäre, und wenn man, umgeben von Treibstoff den Starter betätigt, kann das eine Riesenexplosion verursachen“, erklärt er anhand eines Vergleichs.

Frühere Schätzungen hinsichtlich der Einflüsse auf die Blitzfrequenz durch die globale Erwärmung, bedienten sich indirekter Techniken, ohne direkte Verbindung zu den Niederschlägen. Das ergab eine Reihe von Ergebnissen, die zwischen 5% bis 100% mehr Blitze für jeden steigenden Grad Celsius, veranschlagte.

Die gegenwärtige Untersuchung basiert auf der zur Verfügung stehenden Energie, mit der die Luft in die Atmosphäre aufsteigt, kombiniert mit verschiedenen Niederschlagsmengen. Die zur Verfügung stehende potenzielle Energie für die Konvektion (in englisch “Cape“) wird mit Radiosonden gemessen, Instrumente, die an meteorologischen Ballons befestigt sind. “Die Cape ist eine Messung, die angibt, wie potenziell explosiv die Atmosphäre ist“, erklärt der Klimatologe. “Wir glauben, dass die Produktion des Niederschlags und die Cape dazu beitragen können, die Entstehung von Blitzen vorauszusagen“, fährt er fort.

Die Voraussage von Blitzfrequenzen

Nachdem sie Daten des Meteorologischen Instituts der USA eingesehen hatten, entdeckten die Wissenschaftler, dass es möglich ist, 77% der Auswirkungen einer elektrischen Entladung vorauszusagen, wenn man die Niederschlagsmengen und die Cape-Methode kennt.

Als man diese Parameter mit den Klimamodellen kombinierte, stellte man fest, dass jeder Grad Celsius mehr in der globalen Temperaturmessung der Luft, einen Anstieg der Blitzeinschläge um zirka 12% bedeuten kann. Wenn also die globalen Temperaturen bis Ende des Jahrhunderts um vier Grad Celsius ansteigen, bedeutet das eine Zunahme der Blitze um fast 50%.

Mehr Blitze erhöhen das Risiko für die Menschen, die verletzt oder auch getötet werden, wenn ein Blitz sie trifft. Die Blitze können ausserdem einen unschätzbaren Schaden im trockenen Waldbestand anrichten, Flächenbrände entfachen und den Fauna und Florabestand dezimieren.

Brasilien steht an vorderster Stelle bei solchen Brandkatastrophen durch Blitzeinschlag, mit 57,8 Millionen Fällen pro Jahr, gefolgt von der Demokratischen Republik Kongo, mit 43,2 Millionen, dahinter die USA mit 35 Millionen, Australien mit 31,2 Millionen, China mit 28 Millionen und Indien mit 26,9 Millionen Fällen. Diese Daten stammen von der Gruppe für Atmosphärische Elektrizität (Elat), einer Abteilung des INPE (Nationales Institut für Raumforschung).

Gefahr, die vom Himmel kommt

Eine Aufstellung, die nach Daten der “Defesa Civil” des Gesundheitsministeriums sowie verschiedener Zeitungsreportagen angefertigt wurde, gibt an, dass zwischen 1991 und 2010 in Brasilien 2.640 Personen insgesamt durch Blitzschlag zu Tode kamen.

In derselben Zeit – so der “Brasilianische Atlas der Naturkatastrophen“, herausgegeben im Jahr 2012 vom “Universitätszentrum für Studium und Erforschung von Katastrophen (Ceped)“, angeschlossen an die “Universidade Federal de Santa Catarina“ – starben 2.475 Brasilianer als Opfer von Überschwemmungen und Erdrutschen.

Die Anzahl der Toten durch Blitzschlag könnte in Zukunft noch zunehmen, falls sich die Frequenz der Blitze im Land noch erhöhen würde – eine Wahrscheinlichkeit, die besonders durch die wachsende Urbanisierung und die Folgen der globalen Erwärmung gestützt wird.

Mittelgrosse Städte (mit 500.000 Einwohnern) und grosse Metropolen könnten sich zu regelmässigen Zielen der Blitze entwickeln, aufgrund ihrer Wärmeinseln, einem Phänomen, das verantwortlich ist für die spürbare Schwüle, als Resultat der urbanen Verdichtung und Undurchlässigmachung des Bodens. Materialien, wie Asphalt, Beton, Zement und der Exzess an Gebäuden, erschweren die Zirkulation der Luft, und das bewirkt, dass die Hitze sich an bestimmten Stellen konzentriert.

Aufsteigende Blitze

Die Urbanisierung kann ausserdem zum Phänomen der “aufsteigenden Blitze“ führen, elektrische Entladungen, die aus Objekten auf dem Boden in Richtung Himmel aufsteigen. In São Paulo, zum Beispiel, hat man diese Entladungen verschiedene Male auf dem “Pico de Jaraguá“ (einem Berggipfel) und auf der Avenida Paulista (mitten in der Stadt) registriert.

In Brasilien wurden diese aufsteigenden Blitze erstmals im Jahr 2012 identifiziert – sie existieren nur durch die Besetzung von solchen Städten, die einen intensiven Prozess der Vertikalisation durchlaufen haben, mit der Konstruktion von hohen Gebäuden, die noch höher ragen, wenn man auf ihnen Radio- und Fernsehtürme installiert. Dadurch werden die Wolkenkratzer oft mehr als einhundert Meter hoch und verwandeln sich in ideale Auslöser für das Phänomen.

Die Gipfel der Transmissionstürme sind normalerweise aus Metall und mit Blitzableitern versehen, jedoch konzentrieren sie an ihren Spitzen eine hohe, negative elektrische Ladung. Wenn sich eine Gewitterwolke, die mit positiven Teilchen geladen ist, diesen Turmspitzen nähert, kann eine Interaktion erfolgen, welche die negativen elektrischen Partikel der Türme zur Entladung in Richtung Himmel bringt. Ein solcher Blitz von unten kann bis zu zwei Kilometer lang sein, und wenn er die Wolkenbasis erreicht, verformt er sich in zahllose Verästelungen, wie die Zweige oder Wurzeln eines Baumes.

Noch kennt man die Potenz und Spannung solcher Blitze nicht. Aber die Kapazitäten von Blitzen, die vom Himmel zum Erdboden gesandt werden, hat man längst gemessen – sie erreichen den Boden in der Regel mit zirka 100 Millionen Volt. Die Spannung solcher Blitze liegt bei 30.000 Amperen. Damit Sie sich eine praktische Vorstellung von dieser Energie machen können: sie ist 1.000 mal stärker als die, welche bei Ihnen zuhause aus der Steckdose kommt!