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Kakao – eine Tropenfrucht erobert die Welt » Seite 2

Veröffentlicht am 26. April 2014

Der schlimmste Schädling des Kakaos

Vassoura-de-bruxaDie Pflanzenkrankheit “Vassoura-de-bruxa” (Hexenbesen) des Kakaobaumes, verursacht durch den parasitären Pilz Crinipellis perniciosa, infiziert die empfindlichsten Regionen der Pflanze, vorwiegend die neuen Früchte, Knospen und Blütenkissen, und verursacht eine allgemeine Schwächung des Baumes, dessen Produktion deutlich zurückgeht

Gegenwärtig hat sich diese Krankheit zum grössten phytopathologischen Problem der Kakao produzierenden Regionen des amerikanischen Kontinents ausgeweitet, in Brasilien ist die Kakaoproduktion Amazoniens (die Bundesstaaten Pará, Rondônia, Amazonas, Mato Grosso und Acre), sowie die wirtschaftlich bedeutenden Kakaoplantagen des Bundesstaates Bahia, davon betroffen.

1989 tauchte der Schädling erstmals in der bahianischen Kakaoregion um Ilhéus auf und verursachte einen Rückgang der Produktion von 380.000 Tonnen auf 90.000 Tonnen pro Jahr, gegen Ende 1990. Brasilien verschwand von seinem zweiten Platz im Ranking der grössten Kakaoproduzenten der Welt und konnte fortan nicht einmal mehr die Nachfrage im eigenen Land befriedigen, so dass es sogar Kakao importieren musste.

Zwei charakteristische Phasen sind von diesem Pilzparasiten bekannt: die biotrophische Phase (Ausbreitung und Infektion) und die saprotrophische Phase (Absterben und Sporenproduktion). Der biotrophische Zustand, und was ihn in den saprotrophischen Zustand umwandelt, wird von der Wissenschaft noch nicht verstanden.

Was man dagegen längst weiss, ist die Tatsache, dass die Sporen dieses Parasiten vom Wind verbreitet werden und im Wasser landen müssen, um keimen zu können. Folglich keimen sie hauptsächlich während der Regenperiode. Die Kontrolle ist besonders schwer und verlangt eine intensive Abwehrarbeit. Der kritischste Teil der Behandlung – das Beschneiden der befallenen Pflanzenteile – kann nur während der Trockenperiode erfolgen, sonst riskiert man, die Krankheit weiter zu verbreiten. Der Einfachheit halber werden dann meistens die abgeschnittenen Teile auf den Boden fallen gelassen, dadurch verbleibt das Risiko einer Neuinfektion der Bäume im folgenden Jahr. In diesem Fall sollte man den Boden mit einem leichten Ölüberzug besprühen, dadurch verhindert man, dass die Sporen erneut vom Wind verweht werden.

Verschiedene Laboratorien in Brasilien und dem tropischen Ausland arbeiten fieberhaft daran, dem “Hexenbesen“ auf die Sprünge zu kommen. Und besonders Brasilien möchte seine Spitzenstellung auf dem Weltmarkt so bald wie möglich wieder erreichen.

Brasilianischer Kakao ist der teuerste der Welt

ilheus_kakao_DSC4718Die brasilianische Kakaoernte wird normalerweise im Monat April beendet und hatte in der Periode 2011/12 eine Gesamtproduktion von 183.000 Tonnen ergeben, der zweitbeste Ertrag der zurück liegenden sechzehn Jahre – nur die Ernte von 2010/11 war mit mehr als 200.000 Tonnen noch besser. Von der Gesamtproduktion des Landes lieferte der traditionelle Produzent Bahia allein 132 Tonnen. 51.000 Tonnen teilten sich die Bundesstaaten Pará, Espirito Santo, Roraima, Amazonas und Mato Grosso. “Der Bundesstaat, in dem die Produktion in letzter Zeit am meisten zunimmt, ist Pará“, erklärte ein Analyst des Kakao-Marktes.

Brasilien war einmal der grösste Kakaoproduzent der Welt – mit Ernten, die in den 1980er Jahren um die 400.000 Tonnen lagen – und musste dann mitansehen, wie der erwähnte “Hexenbesen“ die Produktion der bahianischen Plantagen zerstörte. Trotzdem gelang es in den letzten fünf Jahren, die brasilianische Produktion wieder zu erhöhen, genau im richtigen Moment, in dem der Konsum – durch Verbesserung der allgemeinen Kaufkraft – ebenfalls zugenommen hat. Damit hat sich das interne Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage eingependelt. Jedoch sind die Preise extrem hoch. “Heute ist der Preis, den der brasilianische Produzent für seinen Kakao verlangt, der höchste der Welt, er übertrifft sogar die Quoten der New Yorker Börse. Aber die Qualität unserer Produktion ist exzellent“, sagt der Analyst. Auf dem internen Markt wird die “Arroba“ von 15 Kilogramm mit R$ 78 (24 Euro) oder eine Tonne Kakao mit US$ 2.600 (788 Euro) gehandelt.

Neueste Forschungen beschäftigen sich mit einer Erhöhung der Produktivität des Kakaobaumes um mehr als 350%. Auslöser ist ein Defizit zwischen Produktion und Konsum, das demnächst weltweit eine Million Tonnen erreichen dürfte, und diese Tatsache beunruhigt die Industrie.

Seit der “Hexenbesen“ zum ersten Mal in den brasilianischen Plantagen auftrat und die Produktion gewaltig beeinträchtigte, sind nun dreiundzwanzig Jahre vergangen. Brasilien verfolgt vor allem das Ziel, bis im Jahr 2017 in seiner Kakaoproduktion wieder autark zu werden. Eine der bedeutendsten Aktionen zum Erreichen dieses Ziels findet in Barro Preto statt, im bahianischen Süden, 447 Kilometer von der Hauptstadt Salvador entfernt. Dabei handelt es sich um eine Partnerschaft zwischen der Landesregierung in Brasília und dem internationalen Lebensmittelfabrikanten Mars.

Mittels Forschungsarbeit, die sich bereits in der Entwicklung befindet, wollen sie die Produktivität der Kakaobäume in der Ilhéus-Region um 361,5% erhöhen – das heisst: von 195 Kilogramm derzeitigem Durchschnitt pro Hektar Fläche, auf stolze 900 Kilogramm.

Die wachsende Nachfrage nach Kakao durch die Schokoladen-Industrie ist der Hauptgrund für eine solche Reaktion, jedoch wird sie auch von dem Wunsch beflügelt, die Wirtschaft und das Aktivitätsprestige der zirka sechzig brasilianischen Kakaoproduzenten wieder herzustellen.

Allein nach der letzten Kakaoernte in Brasilien erforderte die interne Nachfrage einen Import des Produkts von wenigstens 80 Tonnen – nachdem die nationale Produktion rund 250.000 Tonnen ergeben hatte – 65% davon aus Bahia. Auch die Weltproduktion hat inzwischen an Volumen verloren – rund 320 Tonnen – ebenfalls wegen Problemen in den Plantagen der Elfenbeinküste, des grössten Kakaoproduzenten der Welt.

Die neuesten Forschungen haben zum Ziel, bis Mitte des Jahres 2015 eine neue Variante des Kakaos zu identifizieren, die eine wesentlich höhere Produktivität, Resistenz gegen den “Hexenbesen-Pilz“ und auch mehr Geschmack in die aus ihm produzierte Schokolade bringen soll.

Im Jahr 2008 hat der amerikanische Schokoriegelhersteller Mars, zusammen mit dem Computerkonzern IBM, mit der Entschlüsselung des Genoms der drei bisher bekannten Kakaoarten “Criollo – Forastero und Trinitário“ – begonnen und dabei weitere neun unbekannte Arten entdeckt. Die Initiative erlaubt Kreuzungen dieser Varianten, die im Forschungszentrum der Mars-Company, in Barro Preto, getestet werden. Das Ergebnis soll den Kakaobauern zugute kommen und die Nachfrage der Lebensmittelindustrie nachhaltig befriedigen.

“Mit der Identifizierung des Erbgutes kann man den genetischen Aufzeichnungsprozess einer Pflanze, die ehemals 25 Jahre dauerte, heute innerhalb von fünf Jahren bewältigen“, sagte der wissenschaftliche Direktor des MCCS. Eine der Kreuzungen ergab eine Spezies mit Eigenschaften, welche der Schokolade mehr Geschmack geben werden. Andere Varianten zeigten deutliche Resistenz gegen Schädlinge oder zu einem grösseren Produktionsvolumen.

Am 15. September 2010 – viel früher als veranschlagt – gab das Mars-Forschungszentrum bekannt, bereits 92% des Kakao-Genotyps entschlüsselt zu haben. Die Forschungsergebnisse sollen in diesem Fall nicht durch Patente geschützt werden, sondern auf einer Webseite für die Kakaopflanzer frei einsehbar sein, um ihnen Neuzüchtungen, Anbau und Pflege der Pflanzen zu erleichtern.

Ist Schokolade eigentlich gesund oder ungesund?

Was sagen Fachleute über ihren Verzehr? Wie viel kann man davon essen oder sollte man vermeiden? Woher kommt diese manchmal unkontrollierbare Lust auf Schokolade? Macht Schokolade süchtig?

Ideal ist es, sie in “homöopathischen Portionen“ zu geniessen. “Zwischen zwei bis drei quadratischen Stückchen – oder genauer: zwischen 10 bis 15 Gramm pro Tag“, so die Ernährungswissenschaftlerin Anita Sachs.

Wie aber dieser Versuchung, der Lust auf Schokolade, widerstehen? Anita Sachs meint dazu: “Jeden Tag ein wenig Schokolade zu sich nehmen, ist keine Sünde. Die Schokolade ist kein Feind unseres Organismus. Sie enthält Calcium, sie hat Protein, Fett und Zucker, sowie wichtige andere Substanzen und einige Vitamine. Ein Problem ist nur die Menge, wegen der Kalorien. Eine Tafel von 150 Gramm enthält in etwa 800 Kalorien“, erklärt sie.

Haben Sie schon mal daran gedacht, sich Schokolade vom Arzt verschreiben zu lassen – als Teil einer verordneten Diät?
In einem Hospital von Rio de Janeiro hat man genau damit experimentiert und festgestellt, dass die Schokolade einen Beitrag zur Kontrolle des Blutdrucks leisten kann – allerdings nicht als “süsse Medizin“, sondern in Form von Bitterschokolade: Die Untersuchung fand im Hospital der Universität des Bundesstaates Rio de Janeiro statt, mit 25 Patienten, die während einer Woche drei kleine Stücke Bitterschokolade – zirka 75 Gramm – pro Tag verzehrten, die mindestens 70% Kakao in ihrer Zusammensetzung enthielt. Die erste Reaktion auf diesen Versuch war eine Überraschung: Alle präsentierten sie eine Senkung des Blutdrucks – aber nicht nur das.

Bei einer 69 Jahre alten Testperson, wurde eine deutliche Verbesserung des Blutkreislaufs festgestellt, das Ergebnis der Aktion von Flavonoiden, antioxidanter und antiinflamatorischer Substanzen, die in Bitterschokolade besonders reichlich vorhanden sind.

An dieser Stelle eine Warnung:

Für bestimmte Haustiere, wie Hunde, Katzen oder Pferde, kann das in der Schokolade enthaltene Theobromin tödlich sein! Während der Mensch durch sein besonderes Abbausystem von Enzymen den toxischen Effekt dieser Substanz reduziert (übrigens Ratten und Mäuse ebenfalls) und innerhalb von sechs bis acht Stunden abbaut, fehlen diese Enzyme bei einigen Tieren, und das bedeutet, dass sie das Theobromin so langsam abbauen (bei Hunden etwa 17 Stunden) dass es für sie tödlich enden kann. Zum Beispiel kann der Verzehr einer halben Tafel halbbitterer Schokolade für einen kleinen Hund, wie Dackel, Pekinese, Yorkshire etc., den Tod bedeuten. Also besser Ihren Haustieren grundsätzlich keine Schokolade abgeben!

Die Forschung einer italienischen Universität belegt: Schokolade ist gut fürs Gehirn

Während eines Zeitraums von zwei Monaten begleitete die Equipe des Doktors Giovani Battista Desideri, von der Universität Aquila Claudio Ferri, 90 Senioren mit Gesundheitsproblemen, die in drei Gruppen aufgeteilt wurden. Die erste konsumierte 500 Milligramm Kakao-Flavonoide pro Tag. Die zweite Gruppe nur ein einziges Gramm, und die dritte Gruppe bekam nur Placebos – eine neutrale Substanz ohne Inhaltsstoffe.

Für dieses Experiment wurden die natürlichen Inhaltsstoffe des Kakaos zu einem speziell für die Untersuchung konzipierten Getränk gemischt. Die Menge der konsumierten Flavonoide entsprach einer anderthalbfachen, grossen Tafel Bitterschokolade pro Tag. Hätten die Senioren sie in Form von Schokolade-Tafeln gegessen, würden die entsprechenden Kalorien ihr Gewicht vergrössert haben – und Fettleibigkeit annulliert den positiven Effekt der Schokolade.

Nach dem Experiment mussten alle beteiligten Patienten ausführliche Untersuchungen über sich ergehen lassen. Das Innere ihrer Arterien wurde untersucht, um zu erfahren, was der Konsum jener natürlichen Kakaosubstanzen bewirkt hatte. Die 30 mit Placebos behandelten Personen zeigten keine Veränderung (was zu erwarten war), aber die anderen 60 sehr wohl.

“Der systolische Druck verschiedener Personen ist etwas zurück gegangen, etwa um fünf Millimeter, aber das ist ein bedeutsames Ergebnis. Fünf Millimeter in Ländern wie Italien und Brasilien, bedeuten zehntausende Herzinfarkte, Infarkte des zerebralen Systems und der Niereninsuffizienz pro Jahr“, bestätigt ein Professor für Innere Medizin. Und der Chef des Projekts fügt hinzu: “Das bedeutet zwar nicht die Heilung der Alzheimer-Krankheit, aber es kann helfen“.

Der Projektleiter stellte weiter fest, dass sich die Schnelligkeit des Denkens beider Seniorengruppen, die das Kakaogetränk genommen hatten, verbessert hatte. “Mit der Dosis, die wir benutzt haben – die grösser war als wir sie in Form von Schokolade hätten essen können. und innerhalb des kurzen Zeitraums von nur zwei Monaten – haben wir eindeutig eine Verbesserung der Informationsverarbeitung festgestellt, die normalerweise bei einer Person höheren Alters kompromittiert ist“. Mit Informationsverarbeitung meint er Erkennung, Erinnerung, Ratio, Gedanken und sprachliche Artikulierung. Bitterschokolade in korrekten Mengen genossen, kann den Verlust zerebraler Funktionen verhindern oder blockieren – eine Krankheit, die jährlich 6% der Bevölkerung von mehr als sechzig Jahren heimsucht.

Nach Empfehlung der zitierten Fachleute sind fünf bis zehn Gramm Schokolade pro Tag genug, um die Gesundheit von Hirn und Herz zu erhalten und zu verbessern. Das entspricht etwa einem bis zwei quadratischen Stückchen einer Tafel – zirka acht Gramm. Es sollte allerdings eine sehr bittere Schokolade sein – mit mindestens 70% Kakaoanteil!

Dieser Habitus empfiehlt sich schon ab einem Alter zwischen 45 und 50 Jahren – zur Vorbeugung von Herzinfarkt, Gehirnschlag oder Demenz. Was die Studie der Universität Aquila in zwei Monaten erreicht hat, können wir während eines viel grösseren Zeitraums natürlich noch viel besser machen – nur mit einem kleinen Stückchen Schokolade pro Tag.