Die Flucht aus dem Paradies

Veröffentlicht am 8. Dezember 2009

Es kann durchaus sein, dass jemand gegen das Regime von Fidel Castro ist, ohne Demokrat zu sein – aber das Gegenteil ist unmöglich: Wer das kubanische Regime verteidigt ist nicht, und kann sich nicht als Demokrat bezeichnen. Denn was jene Person damit tut, im Schaum der Mystifikation: sie benutzt das ideologische Sieb zur Beschwörung des schmutzigen, den Kubanern vom Tyrannen aufgezwungenen, Totalitarismus.

In diesem Fall handelt es sich nicht um einen einfachen Zwiespalt zwischen Rechten und Linken, bei dem aber ein guter Teil des Bogens zur Demokratie gehört – beide sind sogar natürlich und notwendig in einer Demokratie. Die kubanische Frage dagegen, ist eine Wasserscheide von wesentlich grösserem Tiefgang – eine Trennlinie zwischen Demokratie und Totalitarismus. Und diese Linie erstreckt sich, leider, weit über die Zuckerinsel hinaus – sie produziert zum Beispiel Meinungen unter unserem Volk – und das sollte man nicht vergessen!

Trinidad CarDas kubanische Regime zu verteidigen heisst, im Sinne der Einheitspartei zu argumentieren, der Unterdrückung der öffentlichen Meinung, der Zurückweisung aller humanen Grundrechte, des Polizeistaates, der politischen Gefängnisse, der Revolutions-Tribunale. Es heisst auch, eine rigorose Zensur der Presse zu verteidigen und die Ausbildung zum Kommunisten als in der Konstitution verankerte Verpflichtung anzuerkennen. Es heisst zuzulassen, dass die Privatsphäre des Heims jederzeit vom bewaffneten Arm des Staates invadiert werden kann, und dass jenes vergossene Blut an den “Paredones“ (Wänden) zweifellos von Verrätern des geliebten Regimes stammt, von denen man sich in Abscheu abwendet.

Ausländer können in Kuba Autos und Handys kaufen, sich in jedem Hotel einmieten, sich an den Stränden von Varadero in die Sonne legen – rein ins und raus aus dem Land fliegen, wann immer sie wollen. Während die unglücklichen Kubaner in ihrer Heimat als Bürger zweiter Klasse behandelt werden, Diener eines Staates, der sich die nationalen Einnahmen als Gesamt selbst einverleibt – die Kubaner haben nicht dieselben Rechte wie die Ausländer.

Was bei den Panamerikanischen Spielen in Rio de Janeiro mit jenen hochqualifizierten kubanischen Athleten geschehen ist – überwacht, wie Kriminelle in einem Gefängnis, um eine Massenflucht zu verhindern – war ein kleines Beispiel der totalen Kontrolle, die der kubanische Staat über sein Volk verhängt hat. Diese Situation drückt sich auch in dem Satz aus, den ich in einem der Vororte von Havanna hörte:“Que culpa tengo yo de haver nacido en Cuba“? (Was kann ich dafür, dass ich in Kuba geboren bin?)

Niemand kann was dafür. Das kubanische Volk ist unschuldiges Opfer eines Regimes, von dem es seit einem halben Jahrhundert unterdrückt wird. Dieses Regime hat seine Apostel auch unter uns! Und ich kann es nicht lassen zu betonen, wie elend ich mich fühle in der Gewissheit, dass seine Verteidiger bei uns in der brasilianischen Politik sitzen – unter dem Schutz einer Demokratie, vor deren minimalen Regeln und maximalen Werten sie nicht den mindesten Respekt haben oder sie gar wertschätzen! “Aber die kubanische Erziehung und das Gesundheitswesen sind bestens“! pflegen sie zu bemerken. Ich hab einmal, als ich den Sonnenuntergang im “Malecón Habanero“ bewunderte, ein bisschen mit einem älteren Ehepaar ein paar Worte gewechselt und dabei auch jenes Thema angesprochen. Und da sagte die Oma: “Wir haben die teuerste Erziehung und Gesundheit der Welt, mein Herr, denn seit Jahrzehnten bezahlen wir für sie mit unserem Hunger und mit unserer Freiheit“!

Es ist nicht relevant, wieviele Menschen noch aus diesem angeblichen Paradies fliehen, oder wieviele noch sterben müssen, bevor sich jene Utopie verwirklichen lässt. Auch nicht wichtig, wieviele in seinem Namen sterben, denn in seinem Namen ist alles erlaubt. Zum Beispiel auch zu versichern, dass die Dinge sich im Gegensatz zu der Realität verhalten, die man mit seinen eigenen fünf Sinnen leicht selbst entdecken kann. Gehen Sie mal nach Kuba und sehen Sie selbst, wie man da lügt! Und sie lügen, um Ideen zu verteidigen, die in diversen Ländern von vier Kontinenten, und während eines ganzen Jahrhunderts, bereits ausprobiert wurden – niemand sonst kann einen einzigen Staatsmann präsentieren, niemals haben sie eine Demokratie zustande gebracht, und niemals eine Wirtschaft, von der sie sich selbst ernähren konnten. Selbst ihre Lüge hat keinerlei Fundament!

Die brasilianische Regierung wird Fidel die geflohenen Boxer ausliefern
Zwei Kubaner haben versucht, aus dem kommunistischen Inselparadies zu fliehen und in Brasilien zu bleiben – eingekerkert, haben sie es bereut.

Präsident Lula hat den Brasilianischen Staat in den Dienst der Polit-Polizei Fidel Castros gestellt. Dies ist das Ergebnis der Verhaftung und der angekündigten “Wiedereingliederung in ihre Heimat“ der Boxer Guillermo Rigondeaux (zweifacher Olympia-Champion) und Erislandy Lara (Weltmeister im Halbschwergewicht).

Am 22. Juli verliessen sie die Delegation, mit der sie zu den Panamerikanischen Spielen gekommen waren. Zwei weitere Athleten machten sich ebenfalls dünne. In den letzten 20 Jahren haben zirka 150 kubanische Sportler die Gelegenheit wahrgenommen, über die Mauer des kommunistischen Paradieses zu springen.

Nachdem Rigondeaux und Lara verschwunden waren, hat Fidel Castro einen Artikel diktiert mit dem Titel “Brasilien, Substitut der Vereinigten Staaten“? – und hat die Athleten als “Geschäftemacher“ bezeichnet. Die beiden Boxer (gesponsert von europäischen Agenten) formulierten keinen Asyl-Antrag, und der brasilianische Minister Tarso Genro versicherte, “wenn sie es tun würden (einen Antrag stellen) bekämen sie den entsprechenden Schutz sofort“. Die beiden wurden an Rios Stränden von der Polizei aufgegriffen, zu einem Polizeiposten gebracht, von dort weitergeleitet zur Staatspolizei und dort in Untersuchungshaft genommen. Ab diesem Moment erklärten sie ihre Reue, und dass sie lieber nach Kuba zurück wollten.

Brasilien hat selbst eine Generation von militanten Politikern hervorgebracht, welche sich durch die Protektion anderer Länder vor der Verfolgung der Machthaber ihres Landes retten konnten. João Goulart, José Serra und mehr als Tausend anderer Brasilianer irrten als politisch Verfolgte in der Welt herum, auf der Flucht vor der brasilianischen Militärdiktatur. Die beiden kubanischen Boxer wollten raus aus Kuba, um als freie Profis einer Aktivität zu leben, welche nach der kubanischen Diktatur dem Staat gehört. Jeder von uns versteht, dass es ihr einfaches Menschenrecht ist, dort frei und ungehindert zu leben, wo sie dafür das meiste Geld verdienen.

Zugegeben, sie haben ihren Entschluss geändert. Es springt einem ins Auge, dass dies kein objektiver Entschluss war, als sie sich eingekerkert sahen. Auch die Rechtsanwälte ihrer Agenten zu empfangen, haben sie abgelehnt. Was hätte es gekostet, den beiden eine gewisse Aufenthaltsspanne zu gewähren, während der sie von Organen der zivilen Gesellschaft interviewt worden wären – oder von der “Kommission der Justiz und des Friedens“ des CNBB.

Es ist eine Tatsache, dass der amerikanische CIA und europäische Unternehmer die kubanischen Delegationen umkreisen, um sie zum Überlaufen zu animieren. Auf dieselbe Art und Weise hat sich der Ex-Agent des CIA, Phillip Agee, nach Kuba abgesetzt und lebt jetzt dort mit allem Komfort. Man munkelt, dass Fidel Castro seine Pan-Delegation noch vor der Abschlussfeier zurück beordert hat, weil er eine Massenflucht seiner Athleten fürchtete – es wären 60 gewesen!

Das Argument der Polizei, nachdem Rigondeaux und Lara sich als Ausländer illegal in unserem Land aufgehalten haben, hört sich eher nach einer kommunistischen Propaganda an. Wenn die Kollegen von der Polizei besorgt sein sollten über illegale Emigranten, dann könnten sie ein ganzes Fussballstadion in wenigen Stunden mit denen füllen, die an bestimmten Treffpunkten in Rio und São Paulo einzusammeln wären! Der brasilianische Staatsapparat hat Rigondeaux und Lara im Auftrag der kubanischen Repression verhaftet – der Rest ist dummes Geschwätz!

Kommentar von Felix Maier:
Diese Geschichte der “desertierten“ Kubaner ist meiner Meinung nach nicht besonders deutlich dargestellt. Es gibt nämlich keinerlei Zweifel, dass Fidel Castro da Druck ausgeübt hat, damit der KGB der “Petistas“ (Präsident Lulas Partei) in Aktion trete, die Flüchtigen ausfindig mache, sie festnehme und dem Karibischen Geier ausliefere.

Als man den Italiener Cesare Battisti in Brasilien festnahm – ein Mitglied der linken Terrorgruppe “Rote Brigaden“ – erschien gleich ein Haufen von Ex-Terroristen, wie Fernando Gabeira, die forderten, den vielfachen Mörder nicht an Italien auszuliefern. Wo mag sich Gabeira in diesem Moment aufhalten, dass er immer noch nicht auf der Bildfläche erschienen ist, um sich gegen die “Wiedereingliederung“ der beiden Kubaner einzusetzen?

Für alle wahren brasilianischen Demokraten gibt es keinen Zweifel, dass die Regierung Lula ein Vasall des Karibischen Diktators ist – mit dem er andauernd Komplimente austauscht, und dem er eine hohe Dollarschuld einfach so erlassen hat. Lula hat mit Fidel das “Forum von São Paulo“ gegründet, eine revolutionäre linke Einrichtung, deren Endziel es ist, das Castrosche Regime zu verteidigen und finanziell zu stützen, und unsere Region in eine neue Sowjetische Union zu verwandeln – die “União das Repúblicas Socialistas da América Latina“ (URSAL). Das Land, welches im Moment dem fidelistischen Rahmen am meisten gleicht, ist das Venezuela des Hugo Chaves – ebenfalls Mitglied der neuen Roten Pest.

Ein Präsident, der einer revolutionären Bewegung angehört, deren Modell Kuba ist, und der die Demokratie in unserem Land in Gefahr bringt, wird nur deshalb nicht entmachtet, weil wir in einer Sozialistischen Republik der Banditen leben!