Regenwald-Schutz: „Intakte Wälder sind die beste Vorsorge!“

Veröffentlicht am 12. Januar 2014

Deutschland investiert über die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die Entwicklungsbank KfW 14,3 Millionen Euro in das Projekt “Biodiversität und Auswirkungen des Klimawandels in der Mata Atlântica”. Der Regenwald, der sich entlang der brasilianischen Küste erstreckt, ist eines der artenreichsten Biome der Welt.

Seit April diesen Jahres beschäftigt sich Ingrid Prem intensiv mit dem faszinierenden Ökosystem. Sie ist bei der GIZ Leiterin des Bereiches Nachhaltige Entwicklung und Schutz der tropischen Wälder. Wir vom BrasilienPortal wollten von der Expertin wissen, was sich Deutschland von den Investitionen in den Regenwald verspricht. Im Rahmen eines Workshops im brasilianischen Bundesstaat Paraná stand sie uns bereitwillig Rede und Antwort.

Interview mit Ingrid Prem von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Ingrid Prem ist Leiterin des Bereiches Nachhaltige Entwicklung und Schutz der tropischen Wälder bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit GIZ (Foto: Gabriela Bergmaier Lopes)

Ingrid Prem ist Leiterin des Bereiches Schutz tropischer Wälder bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit GIZ

Hallo Frau Prem, warum ist der Erhalt der Mata Atlântica so wichtig für Deutschland?

Prem: Wir haben eine gemeinsame Verantwortung für globale Herausforderungen und der Klimaschutz ist eine Angelegenheit, die sich nicht an Ländergrenzen hält. Die Mata Atlântica ist einer der fünf Hotspots weltweit, was die Biodiversität betrifft. Gleichzeitig ist sie ein sehr bedeutender Kohlenstoffspeicher und leistet wichtige sogenannte Umweltdienste. Davon abgesehen werden in Brasilien 70 Prozent der Wirtschaftsleistungen entlang des Küstenstreifens erbracht, eben dort, wo sich die Mata Atlântica erstreckt. Das Programm ist somit auch ein Beitrag zur nationalen, ökonomischen und gleichzeitig nachhaltigen Entwicklung Brasiliens.

Wäre es nicht wichtiger, in den Bayerischen Wald oder den Harz zu investieren?

Prem: Das ist keine Frage des Entweder-Oder. Der Harz und der Bayerische Wald sind genauso wichtig, wie es die Mata Atlântica ist. Die Bundesrepublik hat natürlich eine Verantwortung in Deutschland selbst, aber eben auch auf internationaler Ebene. Und die globalen Herausforderungen, was den Klimaschutz und die Biodiversität betrifft, kann ein Staat nicht alleine stemmen. Da muss zusammen gearbeitet werden.

Warum ist die Biodiversität für den Klimaschutz so wichtig?

Prem: Das Klima beeinflusst die Biodiversität. Der Klimawandel führt dazu, dass der Artenreichtung abnimmt. Dem muss man entgegen wirken. Wir wissen, dass mit dem Klimawandel die Rückzugsräume in 50 Jahren nicht mehr die gleichen sein werden. Deshalb müssen wir Lösungen im Bereich des Naturschutzes finden. Intakte Naturwälder sind dabei eine der besten und kostengünstigsten Vorsorgen gegenüber dem Klimawandel. Es ist auf jeden Fall kostengünstiger einen noch halbwegs intakten Mangrovenwald zu schützen und wieder herzustellen, als Dämme für den Uferschutz zu bauen. Die Mangroven bieten einen Uferschutz, sind Brutstätte der Meerestiere und bieten den Menschen eine Einkommensquelle. Forsten wir Wälder auf, schaffen wir auch Kohlenstoffspeicher und tragen somit zu einem stabileren Weltklima bei.

Welche Ausgaben kommen mit dem Programm auf die Bundesrepublik zu?

Prem: Insgesamt sind es 14,3 Millionen Euro, wobei davon 6,5 Millionen Euro in Form von technischer Zusammenarbeit über die GIZ geleistet werden und 7,8 Millionen Euro über die Entwicklungsbank KfW. Von Brasilien gibt es zudem eine Kofinanzierung.

Was erwarten Sie von dem Programm und dem Workshop, der dazu in Paraná (26./27. November) stattgefunden hat?

Prem: Von der Veranstaltung erwarten wir gemeinsame Vereinbarungen darüber, wie was in der Region Lagamar (Anm. der Redaktion: Küstenbereich des Bundesstaates Paraná und des südlichen Küstenabschnittes des Bundesstaates São Paulo) umgesetzt wird. Die Veranstaltung hat gezeigt, dass hier schon unglaublich viel passiert. Wir wollen ja nichts doppelt machen, sondern zusätzlich beitragen. Jetzt werden wir sehen, wo noch etwas fehlt und wie wir sinnvoll beitragen können. Die Veranstaltung war ein erster Schritt eines kontinuierlichen Prozesses. Wir wollen allerdings nicht nur bei Worten bleiben. Anfang nächsten Jahres werden wir wissen, wo was mit wem gemacht wird und wer was beiträgt.

Wird es Erfolgskontrollen geben und wie?

Prem: Erfolgskontrollen gibt es nicht erst nach Abschluss des Projektes, sondern ständig. Der Prozess wird von einem wirkungsorientierten Monitoring begleitet. Dabei werden von Anfang an Leitplanken und Indikatoren gesetzt. Zweimal im Jahr wird überprüft, ob das, was vereinbart wurde auch umgesetzt wird. Am Jahresende wird überprüft, was erreicht wurde und was nicht. Das ist unsere Basis. Dazu kommt noch eine externe Kontrolle der Mittelverwendung. Die Kontrolle ist somit ein stetiger Teil des Prozesses.

Wie wird die Mata Atlântica in zehn Jahren mit Hilfe des Projektes aussehen?

Prem: Wir würden uns wünschen, dass die Anfälligkeit der Menschen, die dort leben, gegenüber den Klimaereignissen, dass sie die Zusammenhänge von Biodiversität und Klima verstehen und dass sie besser vorbereitet sind. Auch sollte das Land-Management, was den Naturschutz und die nachhaltige Nutzung betrifft, besser ablaufen. Die Investitionen sollten auch noch in 20 oder 60 Jahren Bestand haben und wir hoffen, dass viele Menschen ausgebildet werden können, dass ihre Kapazitäten im Hinblick auf die Biodiversität, den Klimawandel und einer nachhaltigen Nutzung gestärkt werden. Natürlich wünschen wir uns auch, dass die degradierten Bereiche der Mata Atlântica wieder aufgeforstet sein werden und sie von den Menschen vor Ort geschützt wird.

Gibt es ähnliche Projekte in anderen Ländern?

Prem: Ähnliche Projekte werden von der Bundesregierung in internationalen Kooperationen, unter anderem mit der Weltbank, in 20 Ländern unterstützt, vor allem in Lateinamerika und in Asien. Es sind relativ neue Projekte, da auch der Zusammenhang zwischen Biodiversität und Klima noch neu ist.