Mit dem “Bioclima” das Weltklima beeinflussen » Seite 2

Veröffentlicht am 9. Februar 2014

Doch nicht nur auf der privaten Ebene setzt das Programm „Bioclima“ an. Bereits in Bearbeitung befindet sich ein Plan zur nachhaltigen Entwicklung der Küste. Geprägt ist diese durch das mit Regenwald bedeckte Küstengebirge und ein Konglomerat von Sandstränden, Mangrovenwäldern, Restingas (Vegetationsgesellschaften auf Dünen) und etlichen Bächen und Flüssen, die sich dort ins Meer ergießen. Es ist ein sensibler Landstreifen, der gleichzeitig einem enormen Siedlungsdruck unterliegt. Gültige Landschafts- oder Bebauungspläne, die eine unkontrollierte Zersiedelung vermeiden könnten, gibt es in den Küstengemeinden bisher indes nicht.

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Mit dem Regionalplan soll nun eingeschritten werden. Er soll eine nachhaltige Entwicklung der Region ermöglichen, gleichzeitig aber die Natur schützen. Festgelegt werden deshalb Bereiche, die für die Ökologie wichtig und deshalb zu schützen sind sowie Bereiche, in denen es eine wirtschaftliche Entwicklung geben kann. Bei dem Plan geht es aber auch darum, den Gemeinden und der Bevölkerung zu zeigen, wie wichtig der Erhalt der Mata Atlântica ist, sagt Antonio Caetano. Als Beispiele führt er den Schutz vor Erosionen an und das touristische Potential der durch den Regenwald geprägten Landschaft. Öffentliche Anhörungen zu dem Plan soll es noch in diesem Jahr geben.

Warum sich Paraná für den Arten- und Klimaschutz so engagiert hat verschiedene Gründe. Einer ist die steigende Zahl von Naturkatastrophen, von denen die Bevölkerung, die Landwirtschaft und letztlich auch die Wirtschaft Paranás immer mehr betroffen ist. Bereits im Jahr 2008 brachte das Landwirtschaftliche Forschungsunternehmen (Embrapa) gemeinsam mit der Universität von Campinas eine Studie zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die brasilianische Landwirtschaft heraus. Danach könnte die Erderwärmung schon im Jahr 2020 Verluste in Höhe von umgerechnet etwa 2,4 Milliarden Euro allein im landwirtschaftlichen Bereich verursachen. Am meisten wäre dabei das Zugpferd der brasilianischen Landwirtschaft, das Soja, betroffen. Hohe Ernteverluste durch Trockenheit, Überschwemmung und andere Naturereignisse werden aber auch für Kaffee, Mais, Reis, Bohnen, Baumwolle und Sonnenblume erwartet.

“Mit dem Programm Bioclima soll versucht werden, das Bild zu ändern. Es dient aber auch dazu, uns auf Katastrophenfälle besser vorzubereiten”, erklärt Caetano. So wurde bereits ein hydrometeorologisches Beobachtungssystem eingerichtet. Mit dessen Hilfe werden nicht nur genauere Vorhersagen über das Ausmaß der zu erwartenden Regenfälle getroffen, sondern auch die Bewohner in sensiblen Gebieten rechtzeitig vorgewarnt.

Das Programm „Bioclima“ dürfte in seiner Form weltweit einzigartig sein. Es basiert auf einem übergreifenden Netzwerk und versucht, alle Bereiche mit einzubeziehen, auch die Wissenschaft. Daten und Studien, die an Universitäten und über Nichtregierungsorganisationen erhoben wurden, sollen dabei ebenso beachtet werden. “Was bisher fehlt, ist eine Zusammenführung all der Daten und Studien”, erklärt Antonio Caetano. An einer Vereinbahrung zur Zusammenarbeit und zentralen Datensammlung werde aber bereits gearbeitet. Besonders an dem Programm ist aber auch, dass es sich über öffentliche und private Fonds selbst finanziert, wie Antonio Caetano betont.

Für den SEMA-Direktor steht fest, dass es an der Zeit ist zu handeln. “Nicht der Planet befindet sich in der Krise, sondern die Menschheit”, sagt er. Schließlich könne die Erde gut ohne Menschen überdauern, umgekehrt aber nicht.