Einkaufen im Supermarkt

Veröffentlicht am 9. April 2014

Der Traum aller berufstätigen Hausfrauen: nach der Arbeit noch im Supermarkt einkaufen… O.k., durchatmen, Einkaufszettel zur Hand; ich drehe die Kurve nach rechts in die Gemüse-und Obstabteilung. Hier wird Gemüse und Obst noch von Hand ausgewählt und erst nachher in Plastikbeuteln verstaut. Der praktische, sauber verpackte Salat ist von vor 3 Tagen, nee, den mag ich dann doch nicht mehr.

AgenciaBrasil191012_MCA4863-SupermercadoHeute ist “Markttag”, da sind die Preise günstiger, also noch Kartoffeln und Zwiebeln, die dürfen in der deutschen Küche nicht fehlen. Tomaten sind trotz allem viel zu teuer und sowieso nicht reif, da nehme ich lieber welche aus der Dose. Das meiste heimische Obst, wie Bananen, Mangos und Papayas ist reif und lecker. Äpfel, Birnen etc. werden z.T. aus Argentinien und anderen Nachbarländern importiert. An Weihnachten gibt es sogar Kirschen zu Wahnsinnspreisen (60 RS das Kilo, ca. 20 Euro). Und es gibt Leute, die sie kaufen! Ich kaufe sie nach Weihnachten für 20 RS das Kilo… einmal im Jahr.

Die Preispolitik brasilianischer Supermärkte ist mir bis heute ein Rätsel und scheint mehr der Börse zu gleichen: die Preise steigen und fallen von einem Tag zum anderen und das hat heutzutage nichts mehr mit Inflation zu tun! Man weiss nie genau, wo was wieviel kostet. Wenn es der Geldbeutel erlaubt, verleitet das zu Hamsterkäufen, die bei einigen Produkten im Angebot dann durch Schilder gebremst werden “Pro Person bitte nicht mehr als 12 Kisten Milch”. Es soll ja jeder was bekommen! Produkte, die importiert werden wie z.B. Tee’s oder Marmeladen/Nutella(-ersatz) etc. gibt es meistens nur, bis die Ladung ausverkauft ist, dann ist erstmal wieder Schluss, bis evtl. die nächste Ladung kommt oder auch nicht.

Und man muss sich genau merken, in welchem Geschäft man sie gefunden hat. Na gut, das ist ja auch fast schon Luxus, jedenfalls für Ottonormalverbraucher. Nein, ich lebe nicht in der DDR, ich lebe und arbeite seit 9 Jahren in Brasilien, genauer gesagt im südöstlich gelegenen Bundesstaat Paraná in einer kleinen Metropole von fast 400.000 Einwohner, Cascavel. Eine Agrarregion, aber die Milch wird jeden Winter teurer, weil die Kühe angeblich im Winter nicht soviel Milch geben. Nur, im nächsten Sommer fallen die Preise dann fast nicht mehr, um im nächsten Winter neue Rekordmarken zu erklimmen. Milchprodukte sind hier in Brasilien sowieso schon immer recht teuer, obwohl der Staat subventioniert.

Und auch Grundnahrungsmittel werden es zunehmend, obwohl Präsidentin Dilma Rousseff Anfang letzten Jahres einen Steuererlass auf dieselben gesetzlich festgelegt hat. Der kommt nur leider beim Endverbraucher nicht an! Irgendwer in der langen Kette derer, die am Handel beteiligt sind, steckt sich diesen Anteil in die eigene Tasche und lässt den Käufer schön dumm weiter die alten, vollen Preise zahlen. Bleibt ja auch nichts anderes übrig, denn essen muss ja jeder! Aufbegehren ist keine brasilianische Stärke, jedenfalls nicht konsequent. Und genau damit rechnen die Läden: wer wenig Zeit hat, kauft halt, was angeboten wird und gibt es auf, nach preiswerteren/besseren Alternativen zu suchen.

Wie praktisch ist es doch in Deutschland, immer ziemlich genau zu wissen, was die Produkte kosten und wo man sie findet. Das erleichtert das Leben ungemein…