Angélica Kviecyznski: „Olympia 2016 bin ich auf dem Höhepunkt!“

Veröffentlicht am 3. April 2014

Sie gilt seit Jahren als erfolgreichste rhythmische Sportgymnastin Brasiliens und hat der Sportart in ihrem Heimatland soviel Popularität verschafft wie vermutlich keine vor ihr: Angélica Kvieczynski. Nach sechs Goldmedaillen bei den Südamerikaspielen 2010 in Medellín in Kolumbien hat die sympathische Sportlerin aus dem Bundesstaat Paraná in diesem Jahr von den Wettkämpfen in Santiago de Chile nochmals drei Gold- und eine Silbermedaille mit nach Hause bringen können. Nun träumt die 22-jährige von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen in zwei Jahren in Rio de Janeiro. Für das BrasilienPortal stand die zielstrebige Athletin nur wenige Tage nach ihrer Rückkehr im Trainingszentrum in Toledo exklusiv nicht nur in Zukunftsfragen Rede und Antwort.

Angélica, vielen Dank, dass du uns hier im Trainingszentrum in Toledo nur wenige Tage nach den Südamerikanischen Spielen 2014 in Chile empfangen hast. Die Keulen hast du nach diesem Wettkampf wohl nicht mehr so gerne…
Nein, ich mag sie sehr. Sie waren sogar das beste Gerät, mit dem ich heute trainiert habe. Aber so etwas kommt vor. Bei jedem Wettkampf können mit dem ein oder anderem Gerät Fehler passieren und dieses Mal war es mit den Keulen. Ich habe nichts gegen dieses Gerät und bin mit dem Wettkampf sehr zufrieden, immerhin bin ich erst vor zwei Monaten am Fuß operiert worden. Deshalb glaube ich, dass das Ergebnis für den Zeitpunkt und die Umstände sehr gut war.

IMG_5547Dann bist du generell zufrieden mit den Ergebnissen?
Ja, ich bin sehr zufrieden. Seit einigen Jahren habe ich das Jahr nicht so gut angefangen wie dieses.

Du hattest dieses Jahr mit Natália Gaudio auch eine starke Konkurrenz!
Ja, sie ist eine weitere brasilianische Athletin die dabei war. Aber wären die Keulen nicht gewesen, glaube ich, hätte ich mit fünf Punkten Vorsprung gewonnen. Die Keulen und der Ball haben die Differenz ausgemacht. Mit ihnen habe ich Fehler gemacht. Es gilt, keine Fehler zu machen, dann kann ich das Jahr über auch gute Ergebnisse haben.

Gibt es eine Rivalität zwischen dir und Natalia?
Nein, Rivalität nicht. Wir sind Team-Kolleginnen. Logisch, beim Wettkampf treten wir gegeneinander an. Aber außerhalb des Gymnastikbereiches, da ist alles normal.

Aufgrund des Fehlers mit den Keulen, hast du der jungen Andressa Jardim zu einer großen Chance verholfen.
Stimmt. Das war sehr gut für ihre Karriere, mit den Keulen bis ins Finale zu kommen. Sie ist sehr jung und hat noch eine große Karriere vor sich, auch deshalb war es gut für sie. Für mich natürlich nicht. Aber ich war deshalb nicht traurig. Im Gegenteil: ich habe mich für sie sehr gefreut.

Was hat sich verändert, seit du deine Karriere in der rhythmischen Sportgymnastik begonnen hast?
Vieles hat sich geändert. Man entwickelt sich stetig weiter. Vorher hat man darum gekämpft, sich den 50 Besten der Welt anzunähern, heute bin ich unter den 30 Besten und in Frankreich habe ich den 23. Rang erreicht. Wir kommen den Weltbesten immer näher. Das ist natürlich gut. Wir müssen allerdings noch viel von Russland, Weißrussland und der Ukraine lernen, der Wiege der rhythmischen Sportgymnastik.

Du hast zuletzt gesagt, 2013 war ein erfolgreiches Jahr. Wird 2014 noch besser?
Ich hoffe, dass es noch besser wird. Ich habe 2014 schon sehr gut angefangen. 2013 hatte ich eine schwierige Operation zu bewältigen. Neun Monate musste ich pausieren. Dieses Jahr war es nur ein Monat. Ich glaube, ich habe den Wiedereinstieg gut geschafft. Ich habe abgenommen, ein bisschen fehlt zwar noch, aber es läuft alles ganz gut.

Mit jedem Erfolg oder Titel wachsen die Erwartungen der Fans, der Sponsoren, der Trainerin. Wie gehst du mit diesem Druck um?
In letzter Zeit versuche ich, mich weniger unter Druck zu setzen. Da war ich schon schlimmer. Ich habe mich vorher stark unter Druck gesetzt, hatte viel Angst, mich sehr reingesteigert. Das hatte mich ganz verrückt gemacht. Jetzt versuche ich, mein Privatleben von meinem Training zu trennen und das zeigt gute Resultate, da viel Druck nur störend wirkt.

Deine Trainerin, Anita Klemann, ist sehr streng und manchmal sogar sehr aufbrausend.
Manchmal ist das auch notwendig, weil wir ein gutes Ergebnis benötigen. Deshalb brauchen wir auch eine Routine mit viel täglichem Training und müssen alles richtig machen. Sie muss da streng sein. Sie ist auch ziemlich zornig. Aber ich glaube, das ist manchmal einfach notwendig.

Auch wenn Tränen bei den Sportlerinnen fliessen?
Ach, das ist normal. An manchen Tagen fühlt man sich nicht so gut. Das kommt vor. An manchen Tagen habe ich auch Schmerzen. Das sind dann etwas schwierigere Tage.

Mit so viel Popularität, tausenden Fans auf Facebook und deiner Leidenschaft für Selfies – leidet dein Privatleben da nicht darunter?
Ich versuche, von meinem Privatleben nicht so viel preiszugeben, auch deshalb, weil ich schon schlechte Erfahrungen gemacht habe. Ich schaffe es nicht, allen Leuten zu antworten und oft verstehen die Leute nicht, dass ich acht, zehn Stunden im Trainingszentrum verbringe, dann eine Stunde Zeit habe, um zu essen, zu duschen und zur Hochschule zu fahren. Mein Leben ist sehr hektisch. Als ich mein Privatleben (Anm. der Redaktion: im Facebook) ein wenig geöffnet hatte, gab es viele Beschwerden, weil ich es nicht geschafft habe, allen zu antworten. Jetzt halte ich mich mehr zurück, was mein Privatleben betrifft und gebe nicht so viel preis.