PAN-Spiele 1963

Veröffentlicht am 26. November 2009
pan63 SÃO PAULO
20. April bis 05. Mai

Athleten Gesamt: 1.665
Brasilianische Athleten: 385

Zahl der teilnehmenden Länder: 22
Holländische Antillen, Argentinien, Bahamas, Barbados, Brasilien, Kanada, Chile, Cuba, El Salvador, Ecuador, USA, Guatemala, Guyana, Jamaika, Mexiko, Panama, Peru, Porto Rico, Trinidad und Tobago, Uruguay und Venezuela.
Sport-Disziplinen: 19
Leichtathletik, Basketball, Baseball, Boxen, Radsport, Fechten, Wassersport (Schwimmen, Kunstspringen, Synchron-Schwimmen, Wasserball), Fussball, Bodenturnen, Reitsport, Judo, Gewichtheben, Ringen, Moderner Fünfkampf, Rudern, Tennis, Schiessen, Segeln und Volleyball.

MEDAILLENSPIEGEL

RANG GLD SLV BRZ GESAMT
usa1° USA 106 56 37 199
brasilien2° Brasilien 14 20 18 52
canada3° Kanada 11 27 26 64
argentinien4° Argentinien 8 15 16 29
kuba5° Kuba 4 6 4 14

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Mit 385 Athleten für sämtliche Disziplinen zeigten die Brasilianer ihre beste Performance bei den “Jogos Pan-Americanos” ihrer Geschichte – São Paulo war als Austragungsort ausgesucht worden. Obwohl sie den ersten Platz der USA nicht gefährdeten, zeigte der Medaillen-Spiegel die Brasilianer auf dem zweiten Platz in der Gesamtwertung – mit 14 goldenen, 20 silbernen und 18 Bronzemedaillen. Die herausragende Figur in der brasilianischen Delegation war die schon hinlänglich bekannte Tennisspielerin Maria Esther Bueno, die im Einzel Gold und im Doppel Silber gewann – an der Seite von Maureen Schwartz. Auch die brasilianischen Fussballer waren gut drauf – zum ersten Mal errangen sie die Goldmedaille: sie beendeten ihr Turnier unbesiegt, mit vier Siegen und einem Unentschieden, inklusive einem Torregen von 10:0 gegen die USA! Im Team waren auch zwei junge Männer, die sich später als Champions der Fussball-Weltmeisterschaft in Mexiko (1970) hervortaten: Carlos Alberto Torres und Jairzinho.

Das Basket-Team der Männer dagegen, liess zu wünschen übrig: die Brasilianer hatten im gleichen Jahr einen Weltmeistertitel gewonnen und würden ausserdem im folgenden Jahr noch eine olympische Bronzemedaille erringen – aber es gelang ihnen nicht, sich beim “PAN“ an die Spitze zu stellen – sie bekamen “nur“ Silber und die Amerikaner Gold.

Nach acht Jahren ohne Veränderungen, öffnete sich das Programm der “Jogos Americanos“ für eine neue Modalität: Judo. Es war ein eher bescheidenes Debüt: nur drei Länder (Brasilien, USA und Urguay) nahmen daran teil, mit insgesamt 11 Athleten – der Wettkampf wurde innerhalb eines einzigen Tages ausgetragen. Brasilien gewann die Goldmedaille im Mittelgewicht, mit Lhofei Shiozawa. Zum ersten Mal nach vier Veranstaltungen des “PAN“ war der Sieger im Dreisprung kein Brasilianer (Adhemar Ferreira da Silva war in São Paulo nicht dabei). Der US-Amerikaner William Sharpe gewann die Goldene mit einer Weite von 15,15 Metern. Das Finale in der Leichtathletik, besonders im 200-Meter-Lauf, war hart umkämpft. Drei Läufer kreuzten die Ziellinie mit der gleichen Zeit: 21sek2. Erst das Zielfoto definierte den Sieg des Venezuelaners Rafael Sandrea, der die Goldmedaille erhielt – der US-Amerikaner Ollan Cassell die silberne und der zweite Venezuelaner Arquimedes Herrera die bronzene.

Beim Gewichtheben stellte José Antonio Flores von den Antillen den Weltrekord ein – in der Kategorie bis 90 kg – er stemmte 162,5 kg. Trotzdem bekam er nur die Silbermedaille, denn die Goldene wurde zu jener Zeit nur an denjenigen vergeben, der die beste Leistung in allen Kategorien erbrachte – die Goldene bekam der US-Amerikaner Bill F. March.

Die einzige Neukonstruktion für diese Veranstaltung war die “Vila Pan-Americana“, in der alle beteiligten Athleten untergebracht waren. Sie war in Rekordzeit errichtet worden – heute gehört sie zur Universitätsstadt der Uni von São Paulo. Die Sporteinrichtungen wurden durch ein Gymnasium und einen Velodrom in Ibirapuera (Stadtpark von São Paulo) ergänzt, eine Autorennbahn in Interlagos, Erweiterungen der Fussball-Clubs “Palmeiras“ und “Paulistano“, der Stadien “Pinheiros“ und “Pacaembu“, des Jockey-Clubs, der Pferderennbahn von Santo Amaro und einiger anderer Sportstätten der Grossstadt São Paulo. Die relativ geringen Investitionen und die überdurchschnittliche Geschwindigkeit dieser Anlagenbereitstellung hinterliessen einen sehr positiven Eindruck beim “Comitê Olímpico Brasileiro“ (COB). Die Veranstaltung selbst endete mit einem Riesengewinn, den das COB in den Ankauf seines ersten eigenen Verwaltungs-Gebäudes in Rio de Janeiro investierte.

Jos_Telles_da_Conceio_1963Die Eröffnungs-Zeremonie der “IV. Jogos Pan-Americanos“ begann in Brasília und die Verabschiedung der Teilnehmer endete im Stadion Pacaembu in São Paulo – 40.000 Zuschauer waren zugegen. Die olympische Flamme wurde in Brasiliens neuer Hauptstadt von einer Gruppe “Carajá-Indianer“ entzündet, welche dafür die traditionelle Methode ihres Stammes anwandten, untermalt von der Musik “Canto do Pagé“ (Gesang des Schamanen), einer Komposition von Heitor Villa Lobos. Von Brasília wurde das Feuer über Goiânia, Uberlândia, Uberaba, Ribeirão Preto und Limeira nach São Paulo getragen, um im Pacaembu-Stadion dem Radsportler José Telles da Conceição übergeben zu werden. Unter einer Salve der Artillerie und einem Schwarm von weissen Tauben hisste man die pan-amerikanische und die olympische Fahne. Amaury Passos, Weltmeister innerhalb der brasilianischen Basket-Mannschaft von 1959 in Chile, deklamierte den “Schwur des Athleten“, und zum Schluss erklang für alle Anwesenden die brasilianische Nationalhymne.

Vielleicht sollte man noch folgendes anfügen: Die “Jogos Pan-Americanos“ von 1963 wurden von zwei Städten beworben – die Stadt São Paulo gewann mit 18 gegen 5 Stimmen den Zuspruch gegen Winnipeg in Kanada. Das Ergebnis lag, wenige Tage vor Beginn der “Jogos Pan-Americanos“ von Chicago, beim „VII Congresso Esportivo Pan-Americano“ vor.