Auch die Einführung des Golfspiels in Brasilien – ähnlich wie beim Fussball – geschah auf eine kuriose Art und Weise: Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewannen englische und schottische Ingenieure, die mit dem Bau der Eisenbahn zwischen Santos und Jundiaí beschäftigt waren, Benediktiner-Mönche für die Idee, ihnen einen Teil des Terrains der São-Bento-Kirche abzutreten, um darauf den ersten Golfplatz des Landes anzulegen – einem Terrain, welches sich zwischen der “Estação da Luz” (Luz-Bahnhof) und dem Rio Tieté erstreckt.
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Die Ausbreitung der Stadt in Richtung auf denselben Fluss führte zur Verlegung des Platzes im Jahr 1910 – an einen Ort in der Nähe der Kreuzung Avenida Paulista mit der Avenida Brigadeiro Luiz Antônio – einem Gebiet, das heute noch als “ Morro dos Ingleses” bekannt ist, eine Bezeichnung, welche von jenen Engländern herrührt, die damals an dieser Stelle ihren Golf gespielt haben. Man gründete den “São Paulo Country Club”, dessen erstes internes Golf-Turnier von J.M.Stuart 1903 gewonnen wurde. Dann, nach einer erneuten Verlegung des Platzes in den Stadtteil Jabaquara, konnten sich die Club-Mitglieder endlich auf einem Terrain der “ Light” (Elektrizitäts-Kompanie), im Stadtteil Santo Amaro, definitiv niederlassen: unter dem neuen Namen “ São Paulo Golf Club” (1915). Noch im gleichen Jahr wurden zwei weitere Golfplätze gegründet – der “ Santana do Livramento Golf Club” im Bundesstaat Rio Grande do Sul, und ein anderer in São Vicente, an der Küste São Paulos, auf einem Terrain, welches einem gewissen Henrique Lisboa Wright zur Begleichung einer Schuld übergeben worden war – er verwandelte es in ein Feld mit neun Löchern. Wright war der Grossvater von Jesse Rinehart Jr., der Jahre später einer der Gründer und der erste Präsident der “Confederação Brasileira de Golfe” wurde.
Im Lauf der 20er Jahre wird in Rio de Janeiro der “Gávea Golf & Country Club” geboren – eingeschlossen zwischen dem Meer und den Bergen – einer der schönsten Golfplätze der Welt! In den 30er Jahren folgt der “Itanhangá Golf Club”, dessen gegenwärtiger Parcours nicht im entferntesten mehr an den flachen und einfach zu bewältigenden Platz von damals erinnert, den man anlegte, um dem Präsidenten Vargas entgegenzukommen, der mit seinem schwachen Spiel auf dem schwierigen Platz der Gávea nicht zum Zuge kam. In derselben Epoche wurden auch der “Porto Alegre Country Club” (Rio Grande do Sul) und der “ Graciosa Country Club” (Paraná) angelegt. 1939 trat ein Junge aus Santana de Livramento (RS) auf die Bildfläche des neuen Sports, dessen Taten die Geschichte des brasilianischen Golfsports für immer prägten: Mário Gonzalez.
Die Organisation
1957 tagten Vertreter des “Royal & Ancient Golf Club of Saint Andrews” (der als Wege des Golfsports angesehen wird) und der “United States Golf Association” in Washington, um gemeinsam das erste weltweite Golfturnier der Teams zu organisieren. Brasilien wurde als Teilnehmer ebenfalls eingeladen – als sein Sprecher fungierte der illustre Seymour G. Marvin, der damals als einziger Brasilianer Mitglied des “Saint Andrews” war.
Um die Teilnahme Brasiliens abzusichern, gründete Seymour – zusammen mit Oswaldo Aranha Filho und Carlos Borges – noch im selben Jahr in Rio de Janeiro die ABG (Associação Brasileira de Golfe). Borges übernahm die Präsidentschaft und Seymour wurde erster Vize.
Brasilien war dabei, als die “World Amateur Team Championship” in Saint Andrews, in Schottland, veranstaltet wurden, mit einer Equipe, die aus Humberto de Almeida, Raul Borges, Sylvio Pinto Freire Jr. und João Barbosa Correa bestand, geleitet von Seymour G. Marvin, der einen Parallel-Wettbewerb für Delegierte und Kapitäne gewann. Bis heute ist Brasilien – ausser den EUA – das einzige Land, welches an allen Weltmeisterschaften teilgenommen hat.
1960 wurde die ABG nach São Paulo verlegt, weil sich in diesem Bundesstaat die meisten brasilianischen Golfplätze befinden. Zu jener Zeit wurde die ABG vom Präsidenten Júlio da Cruz Lima angeführt, der sich um die Organisation der einzelnen Teams kümmerte, welche das Land vertraten – und der es schaffte, ohne Intervention von Seiten der Zollbehörde Schläger und Bälle zu importieren und auf die einzelnen Clubs zu verteilen.
Nach Júlio da Cruz Lima stand Seymour G. Marvin der ABG als Präsident vor – gefolgt von Jesse Rinehart Jr. der eine wichtige Rolle in der Umwandlung der ABG (1969) in die heutige CBG (Confederação Brasileira de Golfe) spielte. Die CBG nahm dann die Föderationen von São Paulo, Rio Grande do Sul und Rio de Janeiro in sich auf.
Jesse war bis zum Jahr 1979 Präsident der CBG – gefolgt von Luiz Nardy, Hélio Andrade, Luiz Arthur Caselli Guimarães, Waldir Ribeiro de Lima, D. Eudes de Orleans e Bragança, Luiz Arthur Caselli Guimarães Filho, Pedro Cominese und Álvaro Almeida, dem gegenwärtigen Präsidenten. Der brasilianische Golf wuchs weiter – zum Beispiel mit der “Federação Pernambucana de Golfe” (Bundesstaat Pernambuco), die sich ebenfalls in die CBG integrierte.
Heute hat Brasilien zirka 25.000 Golfer und macht gerade eine Erweiterung dieses Sports durch, dank der Entwicklung neuer Projekte und Marketing-Aktionen, die darauf abzielen, den Golf im gesamten Land populärer zu machen.
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