WM Spielort São Paulo

Veröffentlicht am 12. März 2010

São Paulos Herausforderung für die WM 2014

Die urbanen Anfahrts- und Mobilitätsprobleme in den Griff zu bekommen, das sind die grössten Herausforderungen der paulistanischen Hauptstadt.
nach obenDas Stadion der Copa

Obwohl auch Vorschläge für den Bau eines neuen Stadions in São Paulo existieren, besonders für die Copa 2014, entspricht das Stadion „Cicero Pompeu de Toledo“ im Stadtteil Morumbi – Eigentum des „São Paulo Futebol Clube“ – am ehesten den Anforderungen für diesen Event, denn es kann leicht 60.000 Zuschauer mit fast allem von der FIFA verlangten Komfort, aufnehmen. Ein Projekt, mit dem das „Morumbi“ jenen Anforderungen komplett angepasst werden soll, ist bereits in Arbeit – und weil in diesem Fall auch ein entsprechendes finanzielles Potential durch entsprechende Sport- und Show-Veranstaltungen gegeben ist, kann es in seinem Gesamt aus privaten Mitteln finanziert werden.

Das Morumbi-Stadion in der brasilianischen Millionenmetropole São Paulo wurde mit sofortiger Wirkung aus dem Projekt zur Realisierung der Fussball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien ausgeschlossen. Dies gab der brasilianische Fussballverband CBF am 16. Juni 2010 in Johannesburg bekannt.
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Die neue Fussball-Arena

Gelb-Rote KarteDas Estádio Itaquerão oder “New Corinthians Stadion” ist die neue Fussball-Arena im Stadtteil Itaquera in São Paulo. Der Traditionsverein Corinthians, welcher seine Heimspiele im Pacaembu-Stadion bestreitet, wird nach der Copa 2014 in der Arena Itaquerão seine Spiele austragen.

In diesem Statium mit einer Kapazität von 65.000 Zuschauern, werden wahrscheinliche auch die Eröffnungsfeier und die erste WM-Begegnung 2014 stattfinden.

Jedoch die grössten Probleme sind ausserhalb des Stadions zu finden: Schwierigkeiten bei der Anfahrt und den Parkmöglichkeiten, welche heutzutage die gesamte Megastadt betreffen. Um den Belangen der Copa zu genügen, sieht das Reformprojekt Morumbi auch den Bau eines Parkhauses mit 4.800 Parkplätzen vor. Weil man aber dafür eine Fläche der öffentlichen Anlagen braucht, wartet man auf die Konzession der Präfektur, die wiederum von einer Ausschreibung abhängt. Eine Alternative wäre die Konstruktion eines Parkhauses neben der neuen Metro-Station im Stadtteil „Vila Sônia“ – sie könnte dann als Übergang fungieren.

São Paulo hat grosse Erfahrung mit der Planung und Verkehrsoperation für Mega-Events – angefangen mit der Organisation der FORMEL 1 – und dieses Modell steht Pate für die Anforderungen der FIFA. Die Herausforderung besteht aus einer Lösung für das Parkproblem – und die nicht nur für die Copa oder andere Events im „Morumbi“, sondern ganz allgemein auch für die gesamte Stadt.

nach obenInfrastruktur für den Tourismus

Man schätzt, dass die Mehrheit der erwarteten 1,6 Millionen Touristen der „Copa 2014“ auch São Paulo besuchen werden – sei es, um sich die Museen anzusehen, seine vielschichtige Gastronomie kennenzulernen oder einfach um von dort aus zu anderen Destinationen des Landes weiter zu reisen. Ausserdem dürften sich annähernd 15.000 Journalisten in der Stadt aufhalten, die während dieser Ereignisse das Zentrum sämtlicher Media-Operationen der Welt sein wird.

Nach Auffassung der Autoritäten sind die 46.000 Appartements der städtischen Hotellerie mehr als genug, um für die Nachfrage während der Copa gerüstet zu sein. Jedoch gibt es auch hier eine Herausforderung: In das Training und die Ausbildung von Bedienungspersonal in Hotels, Bars und Restaurants zu investieren, um sie für den Empfang ausländischer Gäste vorzubereiten.

nach obenUrbane Mobilität

Gelb-Rote KarteSão Paulo verfügt über eine Flotte von annähernd 6 Millionen Fahrzeugen – darunter Autos, LKWs, Omnibusse und Motorräder die buchstäblich die wichtigsten urbanen Korridore zu Stosszeiten überfüllen und lahmlegen.

Die Verbindungen zwischen dem internationalen Airport in Guarulhos und dem bedeutendsten internationalen Hotel-Pool in der Region „Berrini“ führen über die „Avenidas Marginais“, welche permanent überfüllt und verstopft sind, genauso wie der Korridor Nord-Süd, über den man zum nationalen Flughafen „Congonhas“ gelangt.

Der öffentliche Transport kann auf eine immense Struktur von Buslinien zählen, mit mehr als 14.000 Fahrzeugen, ausserdem die Metro und Stadtbahnen, alle untereinander verbunden im Verkehrsverbund EMTU. Aber trotz erst kürzlich von der Staatsregierung vorgenommener Investitionen, sind Bahn- und Metronetz weit davon entfernt, die Bevölkerung der metropolitanen Region São Paulo adäquat bedienen zu können.

Gegenwärtig arbeitet man an einem ambitiösen Programm zur Erweiterung des Metronetzes und der Modernisierung der städtischen Bahnlinien, mit dem Ziel, ein einzigartiges, integriertes Transportnetz zu schaffen, welches denselben hohen Qualitätsstandard der Metro aufweist. VLP- und VLT-Systeme, Fahrradwege und normale Omnibusse sollen das Netz vervollständigen.

An einer anderen Front arbeitet die Landesregierung an der Verwirklichung eines Hochgeschwindigkeits-Bahnnetzes, das São Paulo mit Rio de Janeiro verbinden soll – mit Anschluss an Campinas, wo sich der internationale Flughafen „Viracopos“ befindet – vorbei an der Stadt São José dos Campos, einem bedeutenden technologischen und industriellen Zentrum des Landes. Die Regierung versprach, die entsprechende Ausschreibung noch im Jahr 2009 durchzuführen, unter dem Gesichtspunkt, dass dieses System bereits im Jahr 2014 operieren soll – allerdings stellen einige Techniker diesen frühen Zeitpunkt noch infrage.

Drei Bus-Terminals (Tietê, Jabaquara und Barra Funda), integriert in die Metro, ergänzen die Infrastruktur zur Anfahrt in die Stadt – sie werden von Überlandbussen aus allen Teilen Brasiliens, und auch aus benachbarten Ländern, angefahren. Ein viertes Terminal ist im Stadtteil „Vila Sônia“ geplant, in der Nähe des Stadions „Morumbi“. Diese Konstruktion wird alle Charakteristika eines internationalen Terminals präsentieren, denn hier werden zukünftig die Linien aus dem benachbarten Ausland – Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay – ihre Passagiere aufnehmen und abliefern.

nach obenDie Flughafen-Infrastruktur

Gelb-Rote KarteUm die „Copa 2014“ würdig zu empfangen und sich gleichzeitig als „Weltstadt“ zu konsolidieren, hat sich die paulistanische Hauptstadt einer Modernisierung ihrer Flughafenstruktur verschrieben. Dafür hat die INFRAERO Pläne zur Modernisierung aller drei internationalen Airports entwickelt, welche die Region bedienen.

Die Reformarbeiten des internationalen Congonhas-Flughafens, gelegen in der Südzone der Stadt, wird Investitionen von R$ 165 Millionen verschlingen, die wie folgt verwendet werden sollen: Anbau an die Warteräume des Südflügels, neuer Kontrollturm, Aufarbeitung der Wandpaineele im Patio der Flugzeuge, Reform des Nordflügels und des zentralen Korridors. Der Kontrollturm soll in Kürze fertiggestellt sein.

Der internationale Airport in Guarulhos sieht bis zur Copa die Konstruktion eines dritten Passagier-Terminals vor, desweiteren schnelle Ausgänge und die Erweiterung von Patios und Arealen für die Anmietung von Lufttaxis. Die Reformen werden auf R$ 1,4 Milliarden geschätzt – mit einer voraussichtlichen Übergabe der ersten Arbeitsetappe im Jahr 2011 und dem Abschluss der Reform im Jahr 2014.

Dem internationalen Flughafen „Viracopos“ in Campinas, 100km ausserhalb São Paulos, will die INFRAERO bis zum Jahr 2014 eine zentrale Rolle im brasilianischen Flugverkehrsnetz einräumen. Das Projekt wird mit R$ 2,8 Milliarden beziffert und begreift eine zweite Start- und Landepiste mit ein, die bereits 2013 fertig sein soll, sowie den ersten Teil des neuen Passagier-Terminals, der erst 2015 ganz fertig werden wird.

nach obenHerausforderungen São Paulos für die Copa

Die grösste und bedeutendste Herausforderung für die Stadt betrifft die Probleme der Anfahrt und der Mobilität. São Paulo kann und muss den Moment der Copa nutzen, um Projekte für das Transportsystem zu entwickeln und dafür private Investoren zu finden. Für den Event 2014 heisst die Herausforderung: Den Schnellzug São Paulo-Rio-Campinas fertigzustellen. Aber die bedeutendste Aufgabe für die Copa ist und bleibt die Schaffung eines integrierten Massentransport-Systems in der metropolitanen Region.

Ein zweiter Punkt betrifft den Schritt São Paulos ins „Licht der Weltöffentlichkeit“ – ein Moment, welcher die Stadt in die Reihe internationaler Business-Zentren erhebt, besonders auf den Gebieten Technologie- und Informations-Service, maritime Erdölförderung, Produktion von Bio-Treibstoffen und anderen.

Der „Anhembi-Komplex“ (Ausstellungsgelände) kann als etwas beengt bezeichnet werden, vergleicht man ihn mit den grossen Messen von Mailand, Frankfurt, New York oder Barcelona. Allein um die Internationale FIFA-Konferenz unterzubringen – welche simultan zur Eröffnung der Copa stattfindet – braucht man ein Plenarium für mindestens 5.000 Teilnehmer, und das existiert in São Paulo noch nicht. Aber die Präfektur der Stadt arbeitet bereits an einem Projekt zur Implantierung eines grossen Komplexes in Pirituba, der Nordzone der Stadt – die Fertigstellung dieser Konstruktion bis 2013 gehört ebenfalls zu den bedeutendsten Herausforderungen für die Copa 2014.

Und ein dritter Punkt, der auch eine Aufgabe für nach der Copa sein könnte, betrifft eine Lösung des in die Dekadenz absinkenden Stadtzentrums – ein Problem, dessen Lösung einerseits grosse Investitionen in die Urbanisierung und Landschaftsgestaltung verlangt, andererseits endlich ein rigoroses Vorgehen hinsichtlich vagabundierender Drogensüchtiger und entsprechender sozialer Hilfeleistungen erfordert. Ausserdem sollte man noch die Notwendigkeit einer Verbesserung des konstruierten Ambientes hervorheben, sowie das Problem der Verschmutzung der drei bedeutendsten Flüsse, welche die Stadt durchqueren – hier sind beträchtliche Investitionen für die Sanierung dringend notwendig!

nach obenDer SINAENCO-Event in São Paulo

„Mobilidade Urbana e Infraestrutura para 2014: São Paulo no PAC da Copa“ so nannte sich das Zusammentreffen am 26. August 2009 in São Paulo. Dieses Thema konzentrierte auch die gesamte Debatte des „8. Encontro da Arquitetura e da Engenharia Consultiva de São Paulo“, welches interessierten Spezialisten und Autoritäten Gelegenheit gab, gemeinsam über die Problematik einer „Mobilidade Urbana“ und einer „Infrastrutura para 2014“ nachzudenken – desweiteren standen Themen wie „die Herausforderung der Konstruktion und Modernisierung brasilianischer Stadien“ – und die „Perspektiven von Geschäftsmöglichkeiten für die Sektoren Ingenieurswesen und Architektur“ auf der Tagesordnung.