Fussball Welt

Veröffentlicht am 15. November 2009

ODER WIE SICH DIE WELT DURCH DEN FUSSBALL ERKLÄRT

Brasilien hat Fussball in Haiti gespielt, und das hatte überhaupt nichts mit einer Vorbereitung für eine WM zutun. Wer da auf dem Platz war, gehörte zur Diplomatie. Dazu musste man sich nur mal die Reportage des Fernsehens anschauen: anstelle der FIFA erschien die UNO auf den übertragenen Bildern. Anstatt des Mittelstürmers, war es der Staatspräsident, der die Aufmerksamkeit aller Reporter auf sich zog. Es war nicht das erste und wird auch nicht das letzte Mal sein, dass Fussball und Politik sich vermischen. Und dieses Miteinander ist es, was einige kluge Köpfe auf den grünen Rasen blicken lässt, wo sie ein geradezu perfektes Portrait unserer Gesellschaft entdecken. Der Fussball ist bei unseren politischen Analytikern in Mode.

EM-2012Wenn Sie selbst noch nie daran gedacht haben, dass 22 Spieler auf dem Rasen die Welt bedeuten können, haben Sie wahrscheinlich auch einen Zweifel: warum gerade der Fussball, und nicht etwa das Kino oder die Literatur? “Die Kunst wird stets das imaginäre Produkt einer einzigen Person sein. Der Fussball dagegen ist ein Teil der Gesellschaft, der Wirtschaft, der politischen Struktur. Er ist ein einzigartiger Mikrokosmos“, sagt der amerikanische Journalist Franklin Foer, Autor des Buches “HOW SOCCER EXPLAINS THE WORLD“. Nicht nur einzigartig, sondern ein globales Phänomen. Dies ist der populärste Sport unseres Planeten. Ein Ruhm, der allerdings nur wenige sportliche Gründe hat. “Der Fussball wurde in England geboren, zu einer Zeit, in der die Engländer einem Imperium vorstanden und viele Länder bereisten. Englische Gleisleger brachten den Ball nach Südamerika, englische Ölsucher in den Mittleren Orient“, bestätigt Foer.

Aber man sollte auch die Rolle des Sports nicht missverstehen. Er dient gegenseitigem Verständnis, aber er verändert deswegen nicht gleich die Welt. “Dabei handelt es sich nicht um eine revolutionäre Kraft, in der Lage eine Nation umzukrempeln. Er ist lediglich ein grosser Spiegel, welcher die Gesellschaft reflektiert, in der wir leben“, sagt Simon Kuper, Autor von “FOOTBALL AGAINST THE ENEMY“. Der Ball ist im Spiel: auf den nächsten Zeilen werden Sie vielleicht erkennen, wie der Fussball so einiges zu (er)klären versteht . . . .

nach obenDIE PROTESTIERENDE REFORM

In Schottland, wenn sich dort die Glasgow Rangers und die Celtics gegenüber stehen, setzen sie damit eine Rivalität fort, die schon begann, als der Fussball noch gar nicht existierte. Genauer im 16. Jahrhundert, als die protestantische Reformation über das Land fegte und die Katholiken abschlachtete. Zu Tausenden kamen sie um. Und die, welche überlebten, verbrachten die Zeit damit, ihre Treue zum Papst zu verschweigen, den Traum von der Unabhängigkeit zu nähren und später – ihre Liebe zu den Celtics. Auf der anderen Seite der Stadt vereinten sich die Protestanten mit der englischen Monarchie und gründeten die Rangers – denen bis zum Jahr 1989 kein Katholik beitreten durfte.

Wenn man der Rivalität einen Massstab anlegen könnte, dann wären Rangers und Celtics die absolut grössten Rivalen der Welt. Glasgow ist eine reiche Stadt, kulturell kreativ und politisch liberal. Und trotzdem lassen sich einige ihrer prominentesten Figuren dazu hinreissen, im Stadion ihre Stimmen zu erheben zu Hymnen wie “wir waten bis zu den Knien in eurem Blut“.

Katholiken und Protestanten, die sich gegenseitig an die Kehle gehen, das hört sich nach Nordirland an, werden Sie vielleicht denken. Tatsache ist, dass dort nicht mehr genügend Platz ist für eine solche Art von Lebensgemeinschaft. Das katholische Belfast Celtic verriegelte seine Pforten 1949, nach einer Partie, in der die Schlacht von den Tribünenplätzen bis hinunter zum Spielfeld brandete und auch die Spieler die Hucke voll bekamen – unter Mithilfe der Polizei. Um des lieben Friedens der Nation willen, verzichteten sie auf den Fussball.

nach obenDER YUGOSLAWISCHE KRIEG

Als der Schiedsrichter das Spiel “Dynamo-Zagreb“ gegen den “Roten Stern“ anpfiff, im Jahr 1990, war dies der Anfang und Zünder zu einem blutigen Krieg. An diesem Tag wurde die Union der Republiken zu Grabe getragen. Der Gast “Roter Stern“ kam aus Belgrad, in Serbien, der damaligen jugoslawischen Hauptstadt. Die Dynamo-Spieler waren aus Zagreb, dem separatistischen Kroatien. Und die Fans waren gekommen, um zu protestieren: das Stadion verwandelte sich in einen nationalistischen Dampfkochtopf. Als der explodierte, musste ein Hubschrauber die Spieler des “Roten Sterns“ vom Rasen in Sicherheit bringen. Die Kroaten hatten Berge von Steinen für den Angriff vorbereitet. Die Serben jedoch wichen nicht zurück. Zum ersten Mal seit 50 Jahren erlebte Jugoslawien einen ethnischen Affront – für jene, die sich sowieso für einen bewaffneten Konflikt ausgesprochen hatten, war dies der Tropfen, welcher das republikanische Fass zum Überlaufen brachte.

Fussball und Krieg waren nicht mehr voneinander zu trennen. Und im Mittelpunkt dieser Vereinigung stand nun der “Rote Stern“. Anführer der Fans war ein gewisser Typ mit Namen Arkan, der später auch als einer der grössten serbischen Kriegsverbrecher in dieser Auseinandersetzung bezeichnet worden ist. Arkan rekrutierte besonders gewalttätige Fans als Paramilitärs für Bosnien – unter anderen Prämien versprach er ihnen Besuche der Helden des “Roten Stern“ bei den verletzten Kämpfern. Man schätzt, dass jene Fan-Soldaten zirka 2.000 Personen umgebracht haben – die meisten von ihnen Zivilisten.

nach obenDER IRAN

Es gibt keinen fruchtbareren Boden für die Entwicklung konspirativer Theorien als den Mittleren Orient. Eine davon behauptet, dass die Regierung des Iran seine Fussballmannschaft sabotiere. Es fehlen Beweise für diese These. Aber, dass die muselmanischen Greise dagegen sind, das ist bewiesen. Und sie haben ihre Gründe.

Die Polemik begann, als der Schah Reza Pahlevi aus dem Sport ein Symbol der Moderne machte. Moscheen wurden konfisziert und zu Sportstätten umgebaut. Der Schah selbst war ein fanatischer Anhänger der “Taj“ aus der Hauptstadt Teheran. Seine Gemahlin Farah Diba dagegen stand hinter ihrem Rivalen “Persépolis“. Als die Fundamentalisten 1979 die Macht übernahmen, versuchten sie den Sport zu korrumpieren, indem sie das gesamte Spielfeld mit Outdoors umstellten, welche anti-israelische und anti-amerikanische Propaganda verbreiten sollten. Sie hatten damit keinen Erfolg – der Fussball wurde zum Symbol des Widerstands. “Im Stadion kannst du gegen das Regime krakeelen. Dort ist der einzige Ort der absoluten Freiheit. Opositionistische Vereinigungen werden hier geboren“, sagt Simon Kuper. Junge Leute vereinnahmen die Tribünen, um Reformen zu verlangen. Schlimmer: Athleten wie Beckham, langhaarig, tätowiert und ein Weiberheld, verkaufen einen Lebensstil, der Heranwachsende beeinflusst und Religiöse das Fürchten lehrt. Noch schlimmer: wenn die Landesmannschaft gut spielt, bemächtigt sich die Euphorie des gesamten Landes und bringt sogar die Frauen dazu, ihren Anteil an dem Fest einzufordern, mit Schreien wie “sind wir vielleicht nicht ein Teil dieses Landes“? Das ist nun mal zuviel der Subversion für einen Ayatollah allein!

nach obenDIE KOMMUNISTEN

Wie fast alles in der kommunistischen Welt, so war auch der sowjetische Fussball von der Bürokratie vereinnahmt. Hinter jedem Club stand irgendein Machtgefüge: der CSKA zum Beispiel, gehörte dem Heer, der Dynamo Moskau dem KGB, der Lokomotiva – raten Sie mal – ist doch klar: gehörte den Eisenbahnern. Nur der Spartak Moskau gehörte niemandem. Das heisst, doch, er gehörte einem privaten Verrückten mit Namen Nikolai Starostin, der wegen seiner Kühnheit, ein eigenes Fussballteam zu besitzen, nach Sibirien abgeschoben worden ist.

In der Sowjetunion auf dem Fussballfeld seinem Team zuzujubeln, war ein politischer Akt. Es geschah in den Fussballstadien, während der Partien von Yerevam Ararat oder von Dynamo Tblisi, dass sich Länder wie Armenien und Georgien auf ihre Unabhängigkeit besannen und für sie anfingen zu kämpfen. Starostin hindessen, er hatte sein Team nicht gegründet um Offizieren der Regierung in den Hintern zu kriechen, sondern um die Fans des Fussballs zu begeistern. Und die Massen liebten ihn dafür. Nicht so das Regime. Nachdem Spartak 1938 und 1939 zweifacher Meister geworden waren, fanden sie einen Dreh, welcher den guten Mann für zehn Jahre in ein stalinistisches Gulag verbannte – wo er ironischerweise von den Chefs der Lager umworben wurde, um ihre Fussballteams zu trainieren. Indessen, in der Hauptstadt, begannen sie damit, Starostin aus der Geschichte zu löschen – sein Name und seine Portraits verschwanden aus allen offiziellen Registern. Die klassische Behandlung der Feinde des Kommunismus.

Und in der Deutschen Demokratischen Republik, nich woor, galt “Dynamo Berlin” als der erklärte Liebling der Nation. So, wie ein grosser Teil anderer Clubs mit demselben Namen hinter dem Eisernen Vorhang, war Dynamo Berlin ein Team der Geheimpolizei. Deshalb verwundert es auch niemanden, dass er zehnmal hintereinander Nationalsieger wurde – zwischen 1970 und 1980. “In den kommunistischen Staaten floss sämtliches Geld in die Hauptstadt. Und diese Politik begriff auch den Fussball mit ein”, sagt Simon Kuper. Der Club existierte unter einem Paradox: wahrscheinlich war er gleichzeitig der siegreichste aller Zeiten und der meist gehasste Verein der Welt. Wenn sie nicht gerade Rügen an die Spieler verteilten, trafen sich seine Direktoren mit den Spitzenfunktionären der “Stasi”, wie die brutale ostdeutsche Geheimpolizei genannt wurde.

Und Berliner, die ein Herz für den Fussball hatten, hassten den Dynamo-Club und träumten von einer Begegnung mit ihrer Hertha BSC, dem Team, welches im westdeutschen Sektor der Stadt verblieben war, nachdem die Mauer errichtet war. Im ersten Spiel nach der Wiedervereinigung Deutschlands, erlebte das Hertha-Stadion 59.000 jubelnde Fans in seinen Rängen – bei einem Spiel zweiter Klasse! Da bedankten sich die Organisatoren per Lautsprecher auch bei den Direktoren des Dynamo Berlin für ihre Teilnahme – und das gab Aufruhr in den Tribünen. Beim folgenden Spiel fanden sich dann nicht mehr als 16.000 zahlende Zuschauer ein.

nach obenCOLLOR UND LAZZARONI

Der Trainer Sebastião Lazzaroni und der ehemalige brasilianische Präsident Fernando Collor haben einiges mehr gemeinsam, als nur die Tatsache, beide aus ihrem Amt entfernt worden zu sein. Vielleicht haben Sie’s vergessen, aber Brasilien wurde im World Cup 1990 unter der Verantwortung von Lazzaroni eliminiert. Dem gleichen Jahr, in dem Collor sein Präsidentenamt antrat. Ausser, dass sie Zeitgenossen waren, waren sie auch Ikonen eines Trends, der zum Wechsel des Jahrzehnts unser Land überschwemmte: ein Fieber für Importwaren.

Das war eine Phase, in der wir alles was vom Ausland kam, anbeteten – die Lösung aller unserer Probleme lag, so schien es, im Ausland. Zugegeben, es gab auch eine Reihe triftiger Gründe dafür: Durch den für Importe geschlossenen Markt befand sich unsere nationale Industrie in einer Sackgasse und war kaum noch wettbewerbsfähig. Unsere Nationalmannschaft, die “Seleção”, hatte ihrerseits zwanzig Jahre eines Seiltanzes hinter sich – alles, was uns der Stil “brasilianische Fussballkunst” eingebracht hatte, waren eine Sammlung von World-Cup-Frustrationen.

Collor und Lazzaroni wollten es wissen. Während der Präsident versprach, die Wirtschaft mit ausländischer Technologie zu revolutionieren, wurde unser Trainer von einer europäischen Strategie inspiriert, stellte einen Libero aufs Feld und hielt die “Seleção” an, verhalten in der Defensive zu spielen. “Jene Modernisierung sollte wohl Brasilien in eine Art Deutschland verwandeln”, schreibt Kuper. Und es war wohl gerechtfertigt, dass der Trainer nur Schimpf und Schande in allen Medien kassierte. Deutsche Sparsamkeit ist sicher ein hehres Motiv – aber sich im deutschen Fussball spiegeln zu wollen, also das geht nun doch zu weit!

nach obenHOOLIGANS UND DIE GLOBALISIERUNG

Die älteren Leser werden sich sicher an Chelsea erinnern, als den gewalttätigsten Fanclub der Welt. Seine Anhänger waren die Hooligans der Hooligans – tätowiert, betrunken und streitsüchtig. Für die Jüngeren ist der Chelsea ein moderner Club. Der erste, der 11 Ausländer um den englischen National-Cup spielen liess. Und auch der erste, der einen russischen Erdölmagnaten zum Besitzer hat. “Mehr als jeder andere Club der Welt ist der Chelsea von der Globalisierung verändert worden”, sagt Franklin Foer.

Das Problem ist, dass die alten Hooligans sich in dieser neuen Welt der “Weicheier” verloren fühlen. Ok, sie sind glücklich, wenn ihr Team Titel gewinnt, aber sie protestieren andauernd und haben Sehnsucht nach den “guten alten Zeiten, wo’s noch was zu lachen gab”. Und, Ironie des Schicksals, ihre Sehnsucht ist bereits ein neuer Wirtschaftsfaktor: Rund um das Stadion hat sich eine Reliquien-Industrie etabliert, welche die Tage beschwört, “in denen der englische Fussball noch von Engländern gespielt wurde und die Fans alle gleich waren und die Eintrittskarten billig”. Sie vergessen dabei lediglich, dass ihr Team damals nur in der Zweiten Liga spielte und pleite war. “Die Vergangenheit zu mystifizieren, obwohl man sie besser vergessen sollte, ist typisch für die Globalisierung”, sagt Foer. Das Leben eines dekadenten Hooligans ist sicher nicht einfach: je mehr er betet, umso mehr Globalisierung wird er entdecken.

nach obenMADRID UND BARCELONA

Die Adresse von “Real Madrid”: Avenida Castellana – besser bekannt als die alte “Avenida Generalissimo Franco”. Für die Fans von “Barcelona” endet hier alle Polemik: es gibt keinen Zweifel, dass der “Real” das Team der Macht ist und immer sein wird. So deutlich ist deren Haltung, dass sie ihr Stadion gerade in der Strasse hingestellt haben, die zu Ehren des grössten spanischen Diktators einst angelegt wurde. Und die Konsequenz ist ebenso offensichtlich: Sein bedeutendster Gegner auf dem Fussballfeld, der “Barcelona”, ist das Opfer der Macht, und wird es immer sein.

Madrid ist das Zentrum der Regierung. Barcelona die Hauptstadt der Provinz Katalanien, ein ewiger Rebell, der seine Autonomie beansprucht. Und der Fussball steckt mitten drin in der Diskussion. Unterdrückt durch die Franco-Diktatur, welche den Katalanen den Gebrauch ihrer eigenen Sprache und ihrer “nationalen Symbole” untersagte, machten sie aus ihrem Team “Barcelona” ihre politische Partei. Der Fanatismus von Franco selbst für den “Real Madrid” hat nur noch mehr Öl ins Feuer gegossen.

Der Streit ist eines Athens gegen Sparta würdig. Katalanen sehen sich gerne als Kosmopoliten, Industrielle und Kulturschaffende – aus ihnen gingen Künstler wie Gaudí und Miró hervor. Und sie beschreiben ihre Rivalen als eine Bande von ungebildeten Bauern. Für sie spiegelt sich der Reflex solcher gravierender Unterschiede auf dem Rasen. Der “Real” spielt einen “bürokratischen Fussball” – während der “Barça”, mit Holländern und Brasilianern im Team, einfach “fröhlich spielt”.

nach obenDIE PYGMÄEN UND DAS ENDE DER APARTHEID

Fussball war einst der populärste Sport unter den Schwarzen in Südafrika. Aber, wie auch bei allem andern, was während der Apartheid geschah, zogen die Weissen es vor, einen National-Cup nur unter sich allein auszutragen – nur für Weisse, obwohl sie sich dabei wesentlich ungeschickter anstellten. Auf dem Spielfeld, auf den Tribünen, in den Clubs – überall hatten alle dieselbe Hautfarbe.

Diese monochromatische Präferenz begann sich 1977 zu verändern, als Saul Sacks, der Präsident des weissen Teams “Arcadia Shepherds” sich entschloss, den Schwarzen Vincent Julius als Stürmer seines Teams aufzustellen. Das war eine Überraschung – der Präsident des Vereins erfuhr von diesem Plan erst eine halbe Stunde vor dem Anpfiff. Zwanzig Minuten später betrat Sacks die Umkleideräume: “Dies ist Vincent Julius. Er wird heute als Mittelstürmer spielen”, eröffnete er den verblüfften Spielern. Es schien sich ein toller Skandal anzubahnen. Aber es wurde keiner. Sacks, ohne es sich bewusst zu sein, hatte einer neuen Atmosphäre im Land den Weg mitbereitet. Und er hörte vom Sportminister folgende Worte, die noch vor kurzer Zeit undenkbar gewesen waren: “Vereinen Sie sich mit den Schwarzen, sie sind die Zukunft dieses Landes”.

Es war nicht das einzige Mal, dass der Fussball einen Anfang von Veränderungen in dieser Gesellschaft begründete. In den 80er Jahren, als das Gesetz noch die Bevölkerung wegen ihrer Hautfarbe voneinander trennte, existierte bereits ein gemischtes Fussballteam. Und als die Apartheid zuende ging, wurde die neue Nationalmannschaft, aus Weissen und Schwarzen, zum Vorbild der Einheit des Landes. “Der Fussball wurde zum Symbol eines Südafrika, in dem die gesamte Bevölkerung sich wieder als Einheit sah”, sagt Simon Kuper.

Und nochmal Afrika : Roger Milla, der Mann aus Kamerun, der im Jahr 1990 beim World Cup glänzte (der Partie, in der die Kicker aus Kamerun die Argentinier in jener unvergesslichen Eröffnung besiegten), war eigentlich ein gescheiterter Fussballer, den man nur wegen seiner Freundschaft zum Präsidenten in die Nationalmannschaft gestellt hatte. Nach dem World Cup beendete er seine Fussballkarriere und dämmerte in irgendeinem Beamtenjob dahin. Eine seiner wenigen Initiativen war die Organisation eines Fussball-Turniers zwischen Pygmäen – um “Mittel für das Gesundheitswesen und die Erziehung“ aufzubringen. Als die Pygmäen in der Hauptstadt eintrafen, wurden sie eingesperrt und bekamen kaum etwas zu essen. “Sie spielen besser, wenn sie hungrig sind“, erklärte einer der Verantwortlichen für das Turnier. Einnahmen des Spiels: 50 verkaufte Eintrittskarten. Und das Publikum verbrachte den grössten Teil der Zeit damit, die Pygmäen zu beschimpfen.