Zico – Artur Antunes Coimbra

Veröffentlicht am 15. November 2009

Zico_StartKünstlername: Zico
Kompletter Name: Artur Antunes Coimbra
Geburtsdatum: 03/03/1953
Geboren in: Rio de Janeiro
Position: Mittelfeld

Vereine:
01/1991 bis 12/1994: Kashima Antlers (J)
07/1986 bis 12/1990: Flamengo (RJ)
07/1983 bis 06/1986: Udinese Calcio (I)
01/1972 bis 06/1983: Flamengo (RJ)

WM-Einsätze Seleção:
WM 1986 Mexiko
WM 1982 Spanien
WM 1978 Argentinien

Spiele für die Seleção: 70
Tore für die Seleção: 46

Die Geschichte von Zico beim Sportclub Flamengo begann im Jahr 1967 – in der Schule des Clubs. Zico – mit bürgerlichen Namen Artur Antunes Coimbra – wurde vom Radiosprecher Celso Garcia dort eingeführt, der ihn bei einer Partie „Futsal“ (Salon-Fussball) des River-Clubs entdeckt hatte. Damals schoss das Bürschchen neun Tore beim phänomenalen 14:0 Sieg seiner Mannschaft. Celso schnappte ihn sich gerade noch rechtzeitig, als sich Zico gerade dem Clube América von São Paulo anschliessen wollte, aber Zico’s Leidenschaft für die schwarz-rote Fahne des Flamengo-Clubs behielt die Oberhand. Sein Bruder Edu brachte noch in derselben Woche die Verhandlungen mit der Flamengo-Schule unter Dach und Fach.

Sein erstes Spiel im Maracanã-Stadion fand dann drei Jahre später statt – noch als Auszubildender der Clubschule. Carlinhos, „der Geiger“, wie sie ihn nannten, verabschiedete sich in diesem Spiel von seiner Fussballkarriere zwischen Flamengo x América, einer Begegnung, die 0:0 endete. (Derselbe Carlinhos entwickelte sich später zu einem begabten Talentsucher und Cheftrainer des Clubs). Nach dem erwähnten Spiel schenkte Carlinhos dem Anfänger Zico seine Fussballschuhe, die an den Füssen des legendären Mittelstürmers so viele Schlachten geschlagen hatten.

Für Zico, Sturmspitze des Flamengo-Fussballclubs von Rio de Janeiro, war das Siegen bereits Routine, als Brasilien sich die zweite Weltmeisterschaft in Mexiko holte. Im Jahr 1971 wechselte Zico in die Jugendmannschaft des Clubs und schoss sein erstes Tor vor den Augen der Clubfans, die ihn von da an nicht mehr vergassen. Es war ein Strafstoss – nach einem Unentschieden 1:1 gegen den Lieblingsgegner Botafogo. Seine enorme Kapazität, Verantwortung in den diffizilsten Momenten zu übernehmen, machten aus Zico einen besonderen Athleten. Und, eigenartigerweise, bestimmte ein weiterer Strafstoss den Verlauf seiner Karriere: bei der Weltmeisterschaft 1986, gegen Frankreich, als Zico noch während der Partie einen Strafstoss landete und später die Franzosen das Spiel im wechselseitigen Strafstossschiessen verloren – das war im Viertelfinale.

Die Helden von Zico’s Generation erblickten allesamt rund um den Stadtteil Gavea (Rio de Janeiro) das Licht der Welt: Adílio, Andrade, Júnior, Rondineli und Kompanie – sie waren es, die dem Flamengo-Club zu Ruhm und Ehren verhalfen – zum Beispiel die „Copa Libertadores“ und die Weltmeisterschaft, beide im selben Jahr 1981 – trugen das Gesicht des Clubs und kamen sozusagen aus einer Familie.

Seine eigene Familie gründete Zico mit Sandra, seiner Nachbarin und erster grossen Liebe, die sich als gute Kameradin auch in den dramatischsten Momenten seiner Karriere erwies. Die Früchte seiner Heirat sind drei Söhne: Bruno, Thiago und Júnior. Alle drei interessierten sich für die Welt des Fussballs, und zwei von ihnen sind noch immer dabei. Thiago, der Jüngste, spielt innerhalb der Junior-Equipe des Flamengo-Clubs, und Júnior spielt beim Club Tosu in Japan. Bruno hat inzwischen Gefallen an der Musik gefunden und wird eine CD im Land der aufgehenden Sonnen herausbringen, wo die ganze Familie heute lebt.

A camisa amarelinha que sempre defendi com muito orgulhoWährend Zico im Jahr 1971 sein erstes Tor auf dem Feld des Maracanã-Stadions schoss und zum ersten Mal den Geschmack eines Flamengo-Sieges erleben durfte – und zwar auf dem Spielfeld und nicht auf den Rängen der Zuschauer – musste er dagegen im folgenden Jahr seine erste grosse Enttäuschung einstecken, die er selbst als die grösste seines Lebens bezeichnet: als er bereits in die Reihen der Profis aufgenommen worden war, liess er sich in die Gruppe der Junioren zurück versetzen, weil man ihm versprochen hatte, dass er als Amateur dann bei den Olympischen Spielen in München würde teilnehmen können. Im entscheidenden Moment, der Bekanntgabe der Teilnehmerliste, stand Zico nicht drauf! Der damalige Trainer Antoninho hatte ihn einfach weggelassen. Zico nahm sich das dermassen zu Herzen, dass er damals beinahe seine Karriere aufgegeben hätte – es ist seinen Brüdern zu verdanken, ihn umgestimmt zu haben.

Als er in der Equipe der Profis anfing und die Mannschaft unter seiner tatkräftigen Unterstützung einen Titel nach dem anderen gewann, verflog seine Traurigkeit ziemlich schnell. Zwei nationale Ausscheidungen später war Zico bereits ein Idol – trotz der unvergessenen Niederlage bei der Weltmeisterschaft 1982, als es Italien gelang, eine viel kommentierte „brasilianische Auswahlmannschaft mit dem herrlichsten Fussball aller Zeiten“ im Endspiel zu schlagen. Die Welt honorierte jenen „künstlerischen Fussball Brasiliens“ und es fehlte nicht an Angeboten an Zico, das Land zu verlassen, um irgendwo in der Welt seine Kunst zu zeigen. Das Angebot der Italiener selbst war unwiderstehlich – Zico verabschiedete sich vom Flamengo-Club. Er machte auch in Europa Geschichte: 1983 führte er den bescheidenen Club von Udinese zu überraschenden Erfolgen – begeisterte die Fans und machte den gegnerischen Torhütern die Hölle heiss mit Strafstössen, seiner ganz speziellen Waffe.

Zurück in Brasilien, zwei Jahre später, geschah, was alle befürchteten: Infolge des hinterlistigen Angriffs eines Spielers von Bangu, mit Namen Márcio Nunes, sank Zico auf den Rasen mit zersplitterter Kniescheibe – chirurgische Eingriffe und entsprechende Physiotherapien wurden von da an seine stetigen Begleiter einer Karriere, die ihren Höhepunkt bereits überschritten hatte. Trotzdem war Zico bei der Weltmeisterschaft 1986 unter grossen Opfern dabei.

In seinem Club Flamengo glänzte er allerdings noch einige Zeit und, obwohl nicht mehr in seiner gewohnten Form, war er der Held bei der Eroberung des nationalen Titels gegen Internacional, auf dem Rasen des Maracanã. Und Carlinhos, derselbe von dem er 17 Jahre zuvor die Fussballschuhe bekommen hatte, war ebenfalls anwesend, als Trainer der Flamengo-Mannschaft. Die Zuschauer auf den Rängen erkannten den ungeheuren Einsatz von Zico in diesem Endspiel und formierten sich zu einem Chor: „Hei, hei, hei . . . o Zico é nosso rei“ (Zico ist unser König). Und man forderte ihn nach dem Spiel auf, aus den Mannschaftsräumen aufs Spielfeld zurück zu kehren, um sich für die Zuneigung des Publikums zu bedanken.

Zico1Der Moment des Abdankens war nahe. Im stark konkurrierenden und oft gewalttätigen brasilianischen Fussball war kein Platz mehr für den kleinen, eher etwas zarten Techniker, der aber noch an der Eroberung der „Taca Guanabara“ von 1989 und 1990 beteiligt war – einem lokalen Wettkampf zwischen den Clubs von Rio. Er wird Präsident des neuen „Rio de Janeiro Futebol Clube“ und setzt einen lang gehegten Traum in die Realität um: Er gründet ein Trainings-Zentrum mit einer Struktur zur Heranbildung von Fussballstars. Gelegen im Stadtteil Barra da Tijuca, auf einer Fläche von 40’000 Quadratmetern, wurde das „Centro de Futebol Zico“ eingeweiht.

Im Jahr 1991 unterzeichnet Zico einen Drei-Jahres-Vertrag mit dem Verein Kashima Antlers in Japan – er soll helfen, den Fussballsport im Land der aufgehenden Sonne zu entwickeln. Und die drei Jahre verlängern sich – heute nennen sie Zico nur noch „Jico San“. Seine Familie ist in beiden Ländern heimisch und unser Held kauderwelscht bereits ein bisschen Japanisch. Seine Arbeit dort geht weiter– und er ist überzeugt, dass er die japanische Auswahlmannschaft auf ein professionelles Niveau bringen wird, um die erwarteten Früchte in der Zukunft zu ernten.

Am 17. Juli 2002 unterzeichnete Zico in Tokio einen Vier-Jahres-Vertrag als neuer Nationaltrainer Japans und tritt damit die Nachfolge des Franzosen Philippe Troussier an. Zico, der kein Japanisch spricht, konnte den hohen Erwartungen der japanischen Öffentlichkeit fürs erste gerecht werden, so z. B mit mehreren Kantersiegen in der asiatischen Qualifikation für die Fussball-Weltmeisterschaft 2006 in Deuschland. An der WM selber lief es gar nicht für Japan und schied frühzeitig aus.

Nach der WM 2006 heuerte Zico als Trainer bei Fenerbahçe Istanbul an, und wurde in der Saison 2006/07 mit Fenerbahçe Meister. Im drauffolgenden Jahr erreichte Fenerbahçe das Viertelfinale der Champions League. Nach gescheiterten Verhandlungen mit der Vereinsführung verliess Zico anfangs Juni 2008 den Club. Von Januar bis September war er Trainer bei ZSKA Moskau und seit anfangs Oktober trainiert er das Team von Olympiakos Piräus.