Ricardo Oliveira

Veröffentlicht am 16. November 2009

ricardo_oliveiraKünstlername: Ricardo Oliveira
Kompletter Name: Ricardo Oliveira
Geburtsdatum: 06/05/1980
Geburtsort: São Paulo (SP)
Position: Sturm
Link: Fehlanzeige

Vereine:
2014: Al-Wasl
2011 bis 2014: Al Jazeera, Arab Emirats
04/2010: FC São Paulo
17/07/2009 bis 03/2010: Al Jazeera, Arab Emirats
30/01/2009 bis 16/07/2009: Betis Seville
14/07/2007 bis 29/01/2009: Sarragossa
31/08/2006 bis 13/07/2007: AC Mailand
08/2006 bis 30/08/2006: Betis Seville
13/04/2006 bis 08/2006: São Paulo FC (SP)
23/07/2004 bis 06/04/2006: Betis Seville
30/07/2003 bis 23/07/2004: FC Valencia
2003 bis 28/07/2003: Santos FC (SP)
2001 bis 2002: Portuguesa (SP)

WM-Einsätze Seleção:
Fehlanzeige

Unabhängig davon, ob er das eine oder andere Spiel mit seinem Club gewinnt oder nicht, der Angreifer Ricardo Oliveira kann sich immer als Sieger sehen. In seiner Karriere und in seinem Leben! Geboren in São Paulo am 06. Mai 1980, Waisenkind mit acht Jahren, lebte er in der Peripherie der Stadt im Stadtteil Carandiru. Mit 5 Brüdern, einer armen Familie, war Ricardo einige Male kurz davor, sich vom Fussball abzuwenden, vor allem in den 3 Jahren, die er bei den Corinthians spielte und nicht wirklich anerkannt wurde, nicht wirklich weiterkam. Mit 18 Jahren, als er sah, dass er sich in seiner Karriere als Fussballer wirklich auf der Stelle bewegte, hörte er ganz zu spielen auf und begann normal zu arbeiten, um seine Familie zu unterstützen. “Ich war Maurergehilfe, wusch Autos, arbeitete um zum Lebensunterhalt der Familie beizusteuern. Ich hatte den Test bei den Corinthians bestanden, aber spielte für ganze drei Jahre nicht, das schaffte ich erst im Jahre 1999, als Anwärter. Das war eine sehr schwere Zeit für mich, ich kam zu einem Punkt, an dem ich nicht mehr daran glaubte, meinen Traum verwirklichen zu können: Fussballer zu werden – als Angreifer.“

Das harte Leben des Ricardo Oliveira ist Teil einer Vergangenheit, die der Angreifer gerne erzählt und erwähnt. Er glaubt daran, dass er als Beispiel für viele Jungs, die mit dem Fussball spielen begonnen haben, dienen kann – oder aber für andere Spieler, die wie er, oft in Teams oder in die brasilianische Nationalmannschaft berufen werden, aber wenig Chance haben zu spielen. 10 Mal war er in den Jahren 2004/2005 schon in den Kader berufen, spielte aber nur eine einzige Partie, ein Freundschaftsspiel in Hong Kong und dann ein weiteres Spiel gegen Uruguay. “Im Fussball gibt es genügend Platz für alle! Auch hier in der Seleção, die wirklich voller Craques und guten Spielern ist und wo die Konkurrenz sehr gross ist. Man muss nur warten können und wissen, wann der richtige Zeitpunkt da ist. Jeder bekommt seine Chance, die irgendwann einmal kommt.“ sagt er ganz zuversichtlich.

ricardo_oliveira2Er wusste das und erspielte sich nach und nach seinen Platz in der brasilianischen Auswahl. Das erste Mal kam er zu Zeiten Zagallos auf den Platz, für eben jenes Freundschaftsspiel, das auch das letzte Spiel des berühmten Trainers in seiner Karriere sein sollte. Bald hatte er mehr als 170 Minuten auf dem Spielfeld und schoss in 5 Spielen 4 Tore – zwei davon beim 7:1 gegen Hong Kong – genau in diesem Spiel eroberte er sich auch die Bewunderung und Aufmerksamkeit von Parreira für seinen Fussball. “Aus diesem Grunde sage ich, dass es im Fussball für alle genügend Platz gibt und es schlägt für jeden die richtige Stunde. In jenem Spiel standen weder Ronaldo noch Adriano zur Verfügung und so kam ich zum Einsatz. Ich glaube ich habe meine Chance gut genutzt“ ist er überzeugt. Und er bewährte sich wirklich, so sehr, dass Parreira ihn immer mehr in Betracht zog und ihn schliesslich im Team aufnahm. Adriano verletzte sich in der Vergangenheit und konnte so einige Spiele der Qualifikation für die WM nicht wahrnehmen, gegen Peru und Uruguay. Gegen die Peruaner wählte der Trainer die erfolgreiche Formation von Hong Kong mit Juninho Pernambucano im Mittelfeld. Gegen Uruguay wollte Parreira dann nicht mehr länger warten und setzte den Angreifer wieder ein: “Nicht nur dass er bei jedem seiner Einsätze im Team sehr gut spielte, Ricardo macht auch gerade eine wichtige Phase und grossen Moment durch. Ich dachte an die Variation mit zwei Angreifern im Sturm und wählte ihn deshalb. Er betritt den Platz mit dem vollen Vertrauen der technischen Kommission“.

Oliveira war auch bereit, diese Herausforderung und Chance zu ergreifen, die er “gold wert“ nannte. Er erzählte mit der ihm eigenen Bescheidenheit und Ernsthaftigkeit, dass er über die Nominierung zu diesem Zeitpunkt sehr überrascht war, weil er nicht wirklich daran glaubte, spielen zu können. “Mitten im Training am Dienstag rief mich Parreira zu sich und sagte mir, dass ich gegen Uruguay spielen würde – ich war sehr glücklich!“ Ricardo Oliveira spielte diese Partie sehr gut und wurde nicht umsonst auch beim Konföderationen Cup in Deutschland 2005 immer wieder eingesetzt, meist als Auswechselspieler für die Spitzen Adriano, Robinho oder Ronaldo.

Im Jahre 2004 zahlte Real Bétis aus Spanien 4 Millionen Euro für den jungen Paulista und der Transfer zahlte sich für den Club mit Sicherheit aus. Er war nach dem Kameruner Eto’o mit nur 4 Toren weniger auf dem 3. Platz der Torjäger Spaniens, Bétis zeitweise auf dem 3. Platz der spanischen Liga in jener Saison und im Halbfinal des spanischen Pokals. “Ich fühle mich sehr wohl in Bétis. Es ist gerade eine sehr gute Phase für mich, ich schiesse Tore und in den nächsten Partien bis zum Ende der Saison können wir noch einiges verreissen.“ So Oliveira vor knapp 5 Jahren.

Zu dieser Zeit sprach er auch offen über sein Privatleben – so glücklich wie noch nie in der Arbeit, sprich dem Fussball, lief es auch privat bestens für ihn. Er ist mit Débora verheiratet, hat einen Sohn namens Anthony, und liebte sein Leben in Sevilla, einer Stadt, die er im Sturm eroberte – die Fans liebeten ihn! Noch ein Grund sich glücklich umzublicken auf eine Vergangenheit, die ihn als Sieger hervorgehen liess. “Aus genau diesem Grund schätze ich den Fussball so sehr. Er gab mir alles, er gab und gibt mir ein würdiges Leben“ – so der bescheiden Spieler, der sich seines Glückes bewusst ist.

Im April 2006 wurde Oliveira an den brasilianischen São Paulo FC ausgeliehen, er befindet sich in der letzten Runde eines verbitterten Kampfes gegen die Zeit und hofft, bald wieder als Profi ein Spiel bestreiten zu können. Nach einem Kreuzbandriss im Oktober 2005, dem ersten grossen Rückschlag in seiner professionellen Karriere, erholte er sich die letzten Monate in Brasilien von seiner Verletzung. Beim Spiel gegen Chelsea hatte er sich diese schwere Verletzung zugezogen, stand aber bereits nach 2 Wochen wieder auf dem Platz für leichtes Balltraining. Natürlich geht es primär um die vollständige Genesung, so dass er wieder einsatzfähig ist, aber er wollte sein grosses Ziel nicht aus den Augen verlieren, die WM 2006, und setzte deshalb alles daran, sobald wie möglich wieder auf dem Platz zu stehen – auch evtl. nicht ganz genesen.

Er wollte wieder unbedingt in den Kader der brasilianischen Mannschaft! Sein damaliger Trainer jedoch widersetzte sich den Wünschen des Spielers auf einen Spieleinsatz, weil er primär die Gesundheit im Kopf hatte und erst bei 100% Sicherheit wieder seinen Spieler ranlassen wollte: „Ich lasse ihn erst spielen, wenn er zu 100 Prozent fit ist. Ich stehe in engem Kontakt mit den Leuten, die sich um seine Genesung kümmern. So weiss ich genau, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist“.

Die einzige Hoffnung die Oliveira hatte war, dass Parreira ihn sehr gut kannte und von seiner Spielweise angetan war, was aber nicht eintraf. Der Wunsch, der in jedem Spieler vorhanden ist – beim grössten Sportereignis mit dabei zu sein – und das auch noch beim hoch favorisierten Team! der Brasilianer – ging für Oliveira 2006 nicht in Erfüllung. Wie auch die Titelverteidigung des 5-fachen Weltmeisters wie wir wissen.

In seiner zweiten Saison bei Betis Seville kam er aufgrund seiner Verletzungen gearde einmal auf 9 Einsätze und wurde im April 2006 an den FC São Paulo ausgeliehen, um sich in seiner Heimat zu erholen. Er spielte für São Paulo beim Copa Libertadores 2006, hatte aber nur einen Leihvertrag bis 10. August 2006 und musste so wieder zu Betis zurückkehren. Da das entscheidende Spiel um den Copa-Sieg aufgrund einer Terminänderung erst am 16. August stattfand versuchte Oliveira einen Aufschub zu erreichen. Die Spanier lehnten dies aber unverständlicherweise ab und Oliveira verpasste sein wohl grösstes Spiel seiner Karriere.

Nach seiner Rückkehr zu Betis kam es zum erwarteten Konflikt mit Manuel Ruiz de Lopera, dem Klubpräsidenten Betis. Die Streitigkeiten endeten am 31. August 2006, als Oliveira beim AC Mailand einen Fünf-Jahres-Vertrag unterschrieb und für eine Ablösesumme von 15 Millionen € nach Italien wechselte.

Seine Odyssee ging in der Saison 2007/08 weiter, Oliveira wird für ein Jahr an Real Saragossa ausgeliehen. Saragossa sicherte sich eine Kaufoption, um wie es hiess, Oliveira langfristig zu binden. 2008 stieg Saragossa in die 2. Liga ab, machte zwar Gebrauch von der Kaufoption, eine längere Bindung des Spielers an den Verein ist aber kein realistisches Ziel mehr. Saragossa spekuliert nun auf einen raschen und gewinnbringenden Weiterverkauf Oliveiras. Und die Rechnung ging auf für Real Saragossa: für geschätzte 15 Millionen Euro Ablöse (5 Millionen Euro mehr, als Real bezahlte) unterschrieb Oliveira einen Vertrag in Dubai bei Al Jazira Club.

Es wurde ein kurzes Gastspiel im Wüstenstaat und nach gerade einmal einem Jahr wechselte Oliveira in seine brasilianische Heimat zum FC São Paulo, wo er 2006 schon einmal kurz ausgeliehen wurde.

Ein Gedanke, den er gerne an seine Fans und junge Fussballer weitergeben möchte: “Es gibt eine Sache, die ich auf dem Herzen habe und gerne allen sagen möchte: ein Mann ist dann ein echter richtiger Mann, wenn er für seine Ideen und Wünsche leben und sterben würde. Wer kein Ziel in seinem Leben hat, keinen Lebenssinn, nicht irgendetwas was für ihn wichtig ist zu tun… so wird diese Person durch das Leben und die Welt gehen, ohne bemerkt zu werden. Ich hatte meinen Traum und habe ihn gelebt, lebe ihn. Das ist das was ich jedem sage: Versuche es! Du musst es wenigstens versuchen! Wenn du ein Fussballspieler werden willst – dann go for it“.