Mineiro

Veröffentlicht am 16. November 2009

mineiroKünstlername: Mineiro
Kompletter Name: Carlos Luciano Da Silva
Geburtsdatum: 02/08/1975
Geburtsort: Porto Alegre (RS)
Position: Mittelfeld
Link: Fehlanzeige

Vereine:
2012: Karriereende
2011: TuS Koblenz
12/08/2009 bis 2010: Schalke 04
21/09/2008 bis 11/08/2009: FC Chelsea
31/01/2007 bis 07/07/2008: Herta Berlin
01/2005 bis 03/01/2007: São Paulo FC (SP)
2003 bis 12/2004: São Caetano-SP
1998 bis 2002: Ponte Preta (SP)
1997: Guarani (SP)
1997: Rio Branco (SP)

WM-Einsätze Seleção:
WM 2006 Deutschland

Ohne Zweifel, Talent und Geschick ist fundamentale Anforderung im Fussball, aber manchmal gehört auch ein bisschen Glück dazu. Als Trainer Carlos Alberto Parreira die erste Nominierung am 15.Mai 2006 in Rio de Janeiro bekannt gab – alle Spieler namentlich in den Kader für die FIFA-WM 2006 in Deutschland rief, da fiel der Name vom Mittelfeldspieler Mineiro nicht. Aber der Fussball ist auch immer wie eine Wundertüte voller Überraschungen, 15 Tage später wurde der quirlige Spieler mit dem Spitznamen Mineiro nachnominiert, als Ersatz für Edmilson, der sich leider beim Training der Seleção verletzte und für die WM ausscheiden muss.

mineiro2Der 35-jährige Carlos Luciano da Silva, der bis im Januar 2007 beim FC São Paulo spielte, war nun endlich auf dem Gipfel seiner Karriere angelangt, so schien es zumindest. Er wurde in Porto Alegre, im Süden Brasiliens geboren und eigentlich ist er Gaúcho. Seinen Spitznamen “Mineiro“, der normalerweise auf den Bundesstaat Minas Gerais hinweisen könnte, hat er nicht aufgrund seiner Herkunft erhalten – offensichtlich – sondern, weil er Cláudio Mineiro, dem Halb-Links- Aussen Spieler der 70er und 80er Jahre bei Corinthians und Inter spielend ähnelt. Mineiro begann in den Amateurmannschaften bei Internacional, seine Profikarriere jedoch begann er bei Rio Branco im Bundesstaat São Paulo, nach kurzen Spielperioden bei Ponte Preta und São Caetano. Er spielte in seiner ersten Zeit fast ausschliesslich in Clubs in diesem Bundesstaat und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum er auch wirklich nur dort bekannt war. Fast bis zu seinem 29. Lebensjahr hin oder bis zu seinem 9. Jahr als Profifussballer hörte man fast nichts von dem ruhigen Spieler. 2005 allerdings, begann er für die berühmte Mannschaft von Tricolor, dem FC São Paulo zu spielen und alles änderte sich schlagartig. Sein Ruhm verbreitete sich zunehmendes und vor allem durch die Interclub Meisterschaft der FIFA 2005 in Japan, als Mineiro das einzige Tor im Finale gegen Gegner Liverpool für sein Team schoss. Durch dieses Tor machte er sich unsterblich und Tricolor zum Turniersieger – dem dritten weltlichen Titel für den Verein.

Von da an sah er sich selbst als Held im eigenen Land gefeiert, dem Land des Fussballes, des Sambas und der Sonne. Bis dahin war Mineiro gerade einmal vier Mal ins brasilianische Nationalteam nominiert worden. Das erste Mal spielte er für die Kanariengelben im Jahre 2000 gegen Kolumbien – ein Qualifikationsspiel für die WM 2002 in Asien. Er war zwar im Kader, betrat aber nicht das Spielfeld. Im Jahre darauf, 2001 steigerte er sich dann um ganze 14 Minuten spielend für die Nationalmannschaft – auch in den Quali- Spielen gegen Peru. Danach geriet er für die wechselnden Trainer der Seleção in Vergessenheit, zumindest hat es den Anschein. Erst nach seinem Wechsel im Jahr 2005 von São Caetano nach São Paulo FC erinnerte sich Parreira wieder an den guten, geduldigen, konstant spielenden Mittelfeldler. Er durfte beim Spiel gegen Uruguay im März mit dabei sein, diesmal schon die Qualifikationsspiele für die WM 2006 in Deutschland und bereits im April war er wieder mit von der Partie – einem Freundschaftsspiel gegen Guatemala, das gleichzeitig das Abschiedsspiel von Romário in der Seleção war – er spielte die ganzen 90 Minuten durch.

Im Trainings- und Vorbereitungslager der Brasilianer für die Copa 2006 in Weggis in der Schweiz, kam Mineiro nach dem kurzfristigen Nachruf verspätet an. Er wurde mit Freuden von seinen Kollegen begrüsst und begann sogleich mit dem Training und in den offensichtlich auslaufenden Wettbewerb um die Startelf. Der Spieler wurde ausserdem mit Festen und Zurufen der vielen tausenden Fans beim Training begrüsst, alle schrien sobald er sich ins Spiel brachte und die Zuschauerränge tobten. Endlich wieder ein Spieler, der auch aus den Heimmannschaften in Brasilien im Nationalteam steht! Neben Ricardinho ist er der einzige Spieler, die Torwarte ausgeschlossen.

mineiro1In einem seiner ersten Interviews in der Nationalmannschaft zeigte er sich sehr optimistisch: “Ich hätte nie geglaubt, dass ich im Fussball je soweit kommen würde. Ich bin sehr glücklich über diese neue Wende in meinem Leben – es werden sich sicherlich weitere Dinge daraus ergeben werden.“ Auf die Frage hin, dass er eigentlich nur als Reserve in letzter Minute ins Team gerufen wurde antwortete er: “Ich bin auf dem Höhepunkt meiner Karriere. Das ist hier eine vollkommen neue Situation für mich und man muss einfach immer parat stehen im Fall der Fälle.“

Im Falle Tricolor ist es interessant folgendes aufzuzeigen: Wer war der grosse Craque im Team? Für die Fans mit Sicherheit Lugano oder der Tore schiessende Torwart Rogério Ceni – für die Kameras diverser Fernsehsender ist es Ricardo Oliveira oder der junge Thiago, die zwei ehemaligen Stürmer. Aber innerhalb des Vereins war man sich einig darüber wer der grosse Star im Team ist! “Mineiro“.

Er war derjenige im Team, der den Unterschied machte. Ein Team das aus 11 Spielern bestehend würde, die alle so viel einbringen würden wie er, könnte auf der Welt alles erreichen“, so die Worte von niemand geringeren als Rogério Ceni, bestärkt durch Lugano und Muricy Ramalho. Auch wenn er noch so unscheinbar ist und kaum auffällt, der Mittelfeldspieler ist der Motor des Teams, mit regelmässig sehr guten Aktionen, einer Grausamkeit für Gegner, Situation zu dominieren, und einer Schnelligkeit, die jeden hinten anstehen lässt bzw. langsam aussehen lässt – und zum Abschluss einer Fähigkeit, tolle gezielte Flanken in den Sturm zu schiessen. Auf der Seite von Josué, (dem jetzigen Wolfsburger) formte Mineiro ein Traumduo für neun von zehn Trainern und machte die gegnerischen Fans regelmässig eifersüchtig. “Das sind zwei ganz besonders markierende Spieler – unersetzbar! Es ist wirklich sehr schwer, gegen sie zu spielen“, erzählte Roger von Corinthians.

Im Januar 2007 wechselte Mineiro zu Hertha BSC. Bei seinem Debüt im Februar 2007 erzielte er in der Nachspielzeit den 2:1-Siegtreffer gegen den Hamburger SV. Leider konnte er sich bei den Berlinern nicht durchsetzen. Das änderte sich auch nicht unter dem neuen Trainer Lucien Favre. Mineiras Bilanz: 36 Bundesligaspiele mit zwei Toren. Sein Vertrag wurde wohl auch aus diesem Grund nicht verlängert. Der 24-fache brasilianische Nationalspieler musste sich einen neuen Club suchen, den er in der Premier League beim FC Chelsea, als Ersatz für Mickael Essien fand. Der Wechsel bescherte ihm jedoch nur ein Kurzeinsatz bei den „Blues“.

Im August 2009 gab der FC Schalke 04 die Verpflichtung Mineiros bekannt. Er erhält einen Ein-Jahres-Vertrag bei den „Knappen“.

Mineiro absolvierte Ende August 2011 ein Probetraining beim TuS Koblenz und wurde für den Rest der Saison 2011/12 verpflichtet.

Auf Ende 2012 widmet sich MIneiro nun hauptberuflich voll auf seine neue Berateragentur, die er weiter ausbauen will.