Juan Silveira dos Santos

Veröffentlicht am 16. November 2009

juanKünstlername: Juan
Kompletter Name: Juan Silveira dos Santos
Geburtsdatum: 01/02/1979
Geburtsort: Rio de Janeiro (RJ)
Position: Abwehr
Link: Fehlanzeige

Vereine:
07/2012: Sport Club Internacional (RS)
21/06/2007 bis 06/2012: AS Roma
2002 bis 20/06/2007: Bayer Leverkusen
1996 bis 2002: Flamengo (RJ)

WM-Einsätze Seleção:
WM 2010 Südafrika
WM 2006 Deutschland

Brasilien hat viel Geschichte, viel Fussballkult auf dem Platz, Tradition im Sturm und Mittelfeld, aber die Verteidigung! Die war noch nie wirklich traditionsträchtig bei den Brasilianern. Es scheint die Zeit gekommen, da sich dies grundlegend ändert. Juan Silveira dos Santos, oder ganz einfach Juan, ist einer dieser neuen Verteidiger, die sich zu den besten Verteidigern der Brasilianer in der Geschichte herauskristallisieren. Er gehört zu denjenigen, die nach viel zu langer Zeit endlich auch den Respekt und die Bewunderung der brasilianischen Fans auf sich ziehen können – Verteidiger hatten es von jeher in Brasilien sehr schwer, immer kritisiert, wenn im Gespräch, dann aufgrund von Fehlern oder schlechtem Einsatz, vergessen am Ende des Feldes und im Schatten der glorreichen Stürmer, die immer im Zentrum der Aufmerksamkeit standen.

Es mag auch an der “unbrasilianischen“ Spielweise der Verteidigungsposition an sich liegen, dass die brasilianischen Verteidiger nicht so im Interesse der allgemeinen Öffentlichkeit stehen und vor allem nicht so beliebt sind. In der Verteidigung ist mehr Kampf und eine härtere Spielweise, die nicht ganz so elegant und spielerisch wirkt, angesagt – das gefällt dem brasilianischen Fan einfach nicht. Undankbar von den Fans behandelt wurde zunächst auch Juan, aber er versuchte immer darüber zu stehen, mit guten Aktionen, ruhigen Gemüt, offenen, ansprechenden Charakter und kontinuierlich guter Leistung. Und siehe da, es scheint sich wirklich etwas zu ändern – aufgrund von ihm und seiner Mitstreiter heute. An der Seite von weiteren herausragenden Verteidigern wie Lúcio und Roque Junior erkämpfte er sich auch in Brasilien Respekt und Achtung. In Europa hat er dies schon lange. Doch zunächst zum Beginn der Karriere dieses vielseitigen Verteidigers.

Juan Silveira dos Santos wurde am 01.Februar 1979 in Rio de Janeiro geboren. Als echter Carioca war es wohl das grösste beim Traditionsverein Flamengo bereits mit 10 Jahren in den Jugendmannschaften des Club zu spielen. Juan nutzte seine Chance und innerhalb weniger Jahre machte er Karriere – sowohl innerhalb des Clubs als auch bei der Nationalmannschaft. Bereits bei der FIFA U-17-Weltmeisterschaft 1997 vertrat er sein Land und wurde Vizeweltmeister. Ab 1996 spielte Juan bei den Profis von Flamengo und im Trikot des Clubs von Gávea gewann er gleich dreimal hintereinander die Stadtmeisterschaft von Rio de Janeiro. Er darf sich stolz zum Team “Tricampeonato carioca 1999, 2000, 2001“ zählen.

Der Copa Mercosul wurde auch noch im Jahre 1999 geholt. Sein grosses Idol war schon immer, und gerade wegen Flamengo, die Legende Aldair, und er eiferte fleissig nach – war er immerhin schon mit 17 Jahren als Profi unterwegs und vom Anfang an im Kader der Brasilianer: U-17, U-20, U-21. 2001 dann sein erstes Spiel in der Seleção 2001 – ein guter Einstieg, doch leider reichte es nicht, im Jahre 2002 mit zur Weltmeisterschaft nach Asien zu fahren. Kurz danach wurde er wieder ins Team gerufen und mit der Zeit erspielte sich Juan seinen Stammplatz. 2004 dann Copa América in Peru – ohne die grossen Stars der Mannschaft war Brasilien im Finale auf ein Unentschieden mit Argentinien gekommen. Beim Elfmeterschiessen ging der letzten Schuss zur Entscheidung an Juan – der Titel lag ihm auf den Füssen und mit kühler Raffinesse erzielte Juan mit sicherem Schuss das Tor zum Sieg. In diesem Moment verhalf Juan sowohl Brasilien zu einem weiteren grossen Titel, aber er verhalf vor allem sich selbst zu wohl einem der bedeutendsten Momente seiner Karriere: “Das war der wichtigste Moment meiner Karriere und wichtig auch, um mir meinen Platz im Kader zu sichern“.

JuanKeine Zweifel mehr hat Parreira beim Einsatz von Juan und genau für dieses Vertrauen wollte sich Juan bei der WM 2006 in Deutschland mit vollem Einsatz erkenntlich erweisen. Im Jahre 2004 war Juan bereits zwei Jahre bei Bayer Leverkusen, nach 6 Jahren bei Flamengo wurde es trotz der grossen Liebe zum Club Zeit für einen Wechsel. Juan ist Flamengista von ganzem Herzen, aber die Probleme des Clubs wie Desorganisation, verspätete Gehaltszahlungen und Streitereien ermüden mit der Zeit. So wurde er für 3,2 Millionen USD an Bayer Leverkusen verkauft, wo Juan zum Beginn von seinem Landsmann Lúcio in der Verteidigung unter die Fittiche genommen wurde, dies erleichterte ihm natürlich auch den Einstieg wesentlich. Bayer hat schon immer eine Schwäche für brasilianische Spieler gehabt und als Lúcio wegging, kam daraufhin Roque Junior (2004) – das brasilianische Bollwerk bei Bayer war perfekt.

Nach einer verpatzten ersten Saison mit dem Club 2002, der Abstieg in die 2. Bundesliga konnte gerade noch so verhindert werden, folgte in der Saison 2003/2004 dann schon der erste grosse Erfolg für den Club: der 3. Platz hinter Werder Bremen und Bayern München in der 1. Bundesliga – Qualifikation der UEFA Champions League! Juan erspielte sich seinen Platz im Team von Bayer Leverkusen, wenn er auch von einigen Kritikern als zeitweise “phlegmatisch“ in einigen Partien genannt wurde, so wird von der Mehrheit der Fans und im Club gerade seine andere und doch effektive Spielweise geachtet. Juan gilt als perfekter Innenverteidiger, ausgestattet mit einer auf dieser Position seltenen Gabe. Wer ihm im Kampf um den Ball das Nachsehen geben will, sollte wissen, auf wen und was er sich da einlässt. Bayers Nr. 4 vereinigte eine ungewöhnliche Kombination höchst unterschiedlicher Talente. Er passt definitiv nicht in die deutsche Schule der Verteidigung, in das klassische Verständnis des Parts eines Innenverteidigers. Und wenn er auch für die Brasilianer vielleicht nicht brasilianisch spielt – hier in Deutschland sieht man nach wie vor den Brasilianer spielen und das sieht so aus: schnell, spielerische Eleganz, trickreich und durch seine Grösse von 1,82m auch im Luftraum von immenser Bedeutung. Technisch ohne jeden Abstrich, taktisch ständig auf der Höhe des Geschehens, verfügt er über eine bemerkenswerte Sprungkraft die ihm absolute Lufthoheit garantiert und bei Standardsituationen ist er von grosser Gefahr im gegnerischen Strafraum – für die Gegner!

juan1Eher nicht brasilianisch könnte man seine Arbeitsweise sehen – ganz und gar europäisch wohl eher: unglaublich diszipliniert, hielt sich an alles, was der Trainer sagte und knurrte nicht, ist ruhig und bescheiden. Bei einem Verteidiger hat dies zur Folge, dass er erstaunlich wenige Fouls begeht und gelbe bzw. rote Karten sind ihm fast gänzlich fremd- ein durchaus positiver Effekt! So spricht Rafinha, rechts- aussen bei Schalke 04, über Juan und dies zeigt alles: “Juan ist ein Spieler, der unglaublich respektiert wurde in Deutschland. Nicht nur dass er so bekannt ist, er ist einer der bescheidensten Brasilianer. Vor jedem Spiel sprach er mit seinen Landsleuten des gegnerischen Teams, plauscht, spornt an und gibt Ratschläge und Tipps. Er ist beliebt und weiss das, aber er möchte auch immer den anderen Spielern Wärme und Ruhe geben, die neu und unerfahren sind. So war es auch mit mir.“ Juan ist verheiratet und spricht gutes Deutsch.

“Die neue Generation der brasilianischen Craques“ – wie der Titel eines Artikels der englischen Fussballzeitschrift “Four Four Two“ hiess, wurde der ehemalige Verteidiger von Bayer Leverkusen immer wieder positiv erwähnt. “Wohl nicht damit zufrieden, immer nur gute Stürmer und Tormaschinen zu produzieren, fängt Brasilien jetzt auch noch an, exzellente Verteidiger hervorzubringen. Gott helfe dem Rest der Welt…“ so ein Abschnitt des Artikels – und der spricht unter anderem auf Juan an.

Nach 5-Jahren in den Diensten Leverkusens, gab am 21. Juni 2007 der AS Rom die Verpflichtung des Brasilianers Juan Silveira dos Santos für 6,3 Millionen Euro bekannt. Juan ist mit einem Vierjahresvertrag an den italienischen Klub gebunden. Auch Carlos Dunga zählt an der Copa 2010 erneut auf die Erfahrung des Verteidigers der AS Roma.

Nach zehn Jahren in Europa, gab Juan im Juli 2012 den Wechsel nach Brasilien zum SC Internacional bekannt. Beim Stadtclub aus Porto Alegre hat er einen Zweijahresvertrag mit Option auf ein weiteres Jahr unterzeichnet.