Grafite – Edinaldo Batista Libânio

Veröffentlicht am 18. Mai 2010

grafite1Künstlername: Grafite
Kompletter Name: Edinaldo Batista Líbano
Geburtsdatum: 02/04/1979
Geburtsort: Jundiaí (SP)
Grösse: 1,89 m
Position: Angriff
Link: Fehlanzeige

Vereine:
01/07/2011: Al-Ahli (Dubai)
31/08/2007: VfL Wolfsburg
26/01/2006 bis 30/08/2007: Le Mans
15/12/2003 bis 25/01/2006: FC São Paulo (SP)
2003 bis 14/12/2003: Goiás (GO)
2003: LG Anyang (Süd Korea)
2002:Grêmio (RS)
2001: Santa Cruz (PE)
2001: Ferroviária (SP)
1999 bis 2001: Matonense (SP)

WM-Einsätze Seleção:
WM 2010 Südafrika

Zweimal in seinem Leben hat Edinaldo Batista Libâno das berühmte kanariengelbe Trikot der brasilianischen Fussball-Nationalmannschaft getragen und wird direkt in den Kader der Seleção für die Fussball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika berufen. Und keinen geringeren als Adriano hatte er in diesem Moment aus dem Aufgebot geworfen. Es klingt nach einem Märchen, welches Grafite, so der “Künstlername“ des hochgewachsenen Stürmers, im Mai 2010 durchlebt.

In Wirklichkeit war es jedoch ein harter und steiniger Weg, den der Junge aus einfachen Verhältnissen bestreiten musste. Geboren am 02. April 1979 und aufgewachsen irgendwo im Hinterland des Bundesstaates São Paulo verbrachte er seine Zeit zunächst entweder mit Fussballspielen oder dem Verkauf von Mülltüten, in dem er von Haus zu Haus ging.

1999, der stark religiöse Grafite war inzwischen 20 Jahre alt, wurden seine Gebete endlich erhöht und er bekam einen Profivertrag bei der Sociedade Esportiva Matonense in Matão, einer Kleinstadt noch weiter im Hinterland als sein Geburtsort Jundiaí. Matonense spielte immerhin in der ersten Liga um die Staatsmeisterschaft, so dass hier sogar Aufstiegsmöglichkeiten für den Jungprofi bestanden. Doch für Grafite ging es zunächst bergab. Er wechselte 2001 zunächst zu Ferroviária de Araraquara und kickte bei dem Provinzverein mehrere Monate in der 4. Liga.

Nächste Station war der brasilianische Erstligist Santa Cruz FC in Pernambuco im Nordosten des Landes. Hier erzielte er in 22 Spielen zwar 5 Tore, den Abstieg des Traditionsvereins aus Recife konnte er jedoch nicht verhindern. Immerhin war er nun endgültig in der höchsten brasilianischen Spielklasse angekommen, denn der berühmte Klub Grêmio Porto Alegre interessierte sich für den Torjäger und legte sogar 1 Million Reais (ca. 400.000 Euro) auf den Tisch.

Ganz im Süden Brasiliens war ihm jedoch kein Glück beschert. Aufgrund einer Knieverletzung fiel er mehrere Monate aus und auch bei seinen wenigen Einsätzen für Grêmio konnte er nicht überzeugen. Schnell wurde er wieder an Santa Cruz zurück verliehen und spielte dadurch zunächst wieder in der Série B.

Anfang 2003 wurde dann an den südkoreanischen Verein Anyang LG Cheetahs weitergereicht. Doch auch dieses Gastspiel sollte nicht von langer Dauer sein. Im Sommer kehrte er nach neun torlosen Spielen nach Brasilien zurück und schloss sich dem Erstligisten Goiás EC an. Hier hatte er endlich den dringend nötigen Erfolg und wurde mit 12 Treffern am Ende der Saison zum besten Stürmer der Liga gewählt.

Nach der hervorragenden Saison im Mittelwesten Brasilien war es nun Zeit, nochmals den Versuch zu wagen, bei den ganz grossen Teams der brasilianischen Liga Fuss zu fassen. 2004 verpflichtet ihn der FC São Paulo mit dem er direkt die Staatsmeisterschaft und somit seinen ersten Titel gewann. In den zwei Jahren in der Millionenmetropole kam er 44-mal zum Einsatz und schon 17 Tore.

Nun wurde der brasilianische Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira auf ihn aufmerksam und nominierte ihn für den 27. April 2005 für ein Freundschaftsspiel gegen Guatemala. Beim 3:0-Erfolg der Seleção wurde er in der 38. Minute eingewechselt und erzielte dann auch gleich sein erstes und bislang einziges Tor im kanariengelben Trikot.

Im Jahr 2006, nachdem er mit dem FC São Paulo die Copa Libertadores und die Vereinsweltmeisterschaft gewonnen hatte, wechselte er nach Frankreich zu Le Mans. Auch hier zeigte der energische Stürmer seine Klasse und erzielte in 51 Spielen 17 Tore.

Am 31. August 2007 wechselte er für 5,6 Millionen Euro schliesslich in die Bundesliga zum VfL Wolfsburg, wo er noch heute unter Vertrag steht. Seinen ursprünglichen Vierjahresvertrag hat er nachdem Gewinn des Meistertitels in der Saison 2008/2009 bis zum 31. Juni 2012 verlängert. Im vergangenen Jahr durfte er damit nicht nur die Meisterschale in den Händen halten, er wurde auch Torschützenkönig, zum Fussballer des Jahres gewählt und sein Hackentrick-Tor bei einem Ligaspiel gegen Bayern München wurde das Tor des Jahres 2009.

Doch den Erfolg der brasilianischen Fussball-Nationalmannschaft beim Konföderationen-Pokal in Südafrika musste er als Zuschauer verfolgen. Erst im März 2010 nominierte Dunga den Bundesligaprofi in den Kader der Seleção für ein Freundschaftsspiel gegen Irland und wechselte ihn während der zweiten Halbzeit ein. Grafite nutzte diese einmalige Gelegenheit und bereitete mit einem Hackentrick die Vorlage für den 2:0 Endstand durch Robinho vor.

Laut der im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Südafrika vom brasilianischen Fussballverband CBF herausgegebenen Statistik wurde Grafite dreimal nominiert und kam in zwei Spielen insgesamt 78 Minuten zum Einsatz. Dabei hat er ein Tor geschossen und ein weiteres vorbereitet. Genug für Dunga ihn zu nominieren und damit auch bei Grafite für eine grosse Überraschung zu sorgen. “Das ist einfach unglaublich, ich bin überglücklich. Es ist einer der emotionalsten Momente meines Lebens“ erklärte der Stürmer nach der Bekanntgabe des Kaders.

Dunga erklärte die überraschende Nominierung des Wolfsburgers lediglich mit einem Satz: “Manche Spieler brauchen eben nur fünf Minuten, um zu zeigen, dass sie zur Nationalmannschaft gehören.“

Mit dem VfL Wolfsburg wurde Grafite 2009 deutscher Meister und mit 28 Toren holte er sich die Torjägerkanone. Im April 2009 zeigte Grafite ein geniales Hackentor gegen die Bayern, was die Zuschauer mit dem schönsten Treffer des Jahres belohnten und er wurde auch zum “Fussballer des Jahres“ gekürt. Nach dem Abgang seines Trainers und Förderers Felix Magath wurde es ruhig um ihn und er fand nicht mehr zu seiner Fitness und Torgefährlichkeit zurück. Trotz Rückkehr des Erfolgstrainers Grafites Zeit ist abgelaufen. Grafite zieht es nach vier Jahren in Wolfsburg in die Wüste zum Club Al-Ahli, wie Spieler und Club am 18. Juni 2009 offiziell bestätigten.