Cicinho João de Cezare

Veröffentlicht am 16. November 2009

cicinhoKünstlername: Cicinho
Kompletter Name: Cícero João de Cezare
Geburtsdatum: 24/06/1980
Geburtsort: Pradópolis (SP)
Position: Aussenverteidiger
Website: Fehlanzeige

Vereine:
2013: Sivasspor (Türkei)
2012: Sportclub Recife
2011: FC Villarreal (Leihe AS Rom)
2010: São Paulo (Leihe AS Rom
22/08/2007 bis 2012: AS Rom
23/12/2005 bis 21/08/2007: Real Madrid
2003 bis 22/12/2005: São Paulo FC (SP)
2002 bis 2003: Atlético (MG)
2001 bis 2002: Botafogo (SP)
2001: Atlético (MG)
2000: Botafogo (SP)

WM-Einsätze Seleção:
WM 2006 Deutschland

Das Jahr 2005 wird für immer im Gedächtnis des jungen Cicero João de Cezare verankert bleiben. Dieser junge Mann wurde am 24.Juni 1980 in Pradópolis nahe São Paulo geboren und ist gerade in der Fussballwelt eher unter seinem Spitznamen Cicinho bekannt. Der rechte Aussenverteidiger wurde als der Nachfolger des grossen Cafu bezeichnet, seine bisherige Laufbahn bestätigt dies….

Cicinhos fussballerische eigentliche Karriere begann 2001 in Minas Gerais bei Atlético Mineiro. Eine kurze Zeit spielte Cicinho auch in Rio de Janeiro, bei Botafogo – einem der vier Traditionsvereine Rios, bevor dann der grosse Durchbruch nach nur wenigen Jahren gelang und er 2004 einen Vertrag bei São Paulo FC bekam. Einer seiner grössten Erfolge in seiner noch jungen Karriere feierte er dort – 2005, bei seinem wohl wichtigsten Jahr. São Paulo gewann mit ihm die Copa Libertadores de América – zum ersten Mal in der Geschichte war das Finale von zwei brasilianischen Vereinen ausgetragen worden. Kurz darauf folgte auch noch der Gewinn der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Toyota Cup in Japan!

Auch in der Nationalmannschaft spielte er nach einer eigentlich sehr kurzen Karriere von 4 Jahren bereits Anfang dieses so wichtigen Jahres – Carlos Alberto Parreira setzte den jungen Spieler beim Spiel gegen Guatemala im April 2005 auf seiner Position rechte Aussenverteidigung ein. Bereits zwei Monate später gewann Cicinho mit der brasilianischen Seleção den FIFA-Konföderationen-Pokal in Deutschland – er war eine würdige Vertretung für den verletzten Kapitän der Brasilianer – Cafu.

Eine spektakuläre Entwicklung weist dieser junge Bursche bis dato auf – aber das ist eigentlich erst der Beginn seiner grossen Karriere. Nach all den vielen Titeln im Jahre 2005 war es eine logische Konsequenz, dass die grossen Angebote aus Europa nicht auf sich warten liessen. Bereits Mitte des Jahres gingen die grossen Verhandlungen los. Cicinho war aber auch schon immer ein Spieler, der für sich einstand und auch seinen Preis einzufordern wusste. In der langen Verhandlungsphase mit wohl einem der mächtigsten Clubs Europas, Real Madrid, liess er immer ganz klar durchblicken, dass er nur, und die Betonung auf “nur“, nach Madrid wechseln würde, wenn er dort auch wirklich spielen könnte. Im Falle, die Madrilenen überlegen sich, ihn in seiner ersten Phase in Europa etwa an einen anderen zweitrangigen Clubs auszuleihen, zöge er es vor, bei São Paulo zu bleiben und nicht nach Madrid zu gehen.

Ende 2005 wurden diese Verhandlungen gerade in der spanischen Presse aufs genaueste verfolgt und die konsequente Haltung des jungen Spielers imponierte. Cicinhos schlichte und durchaus verständliche Sichtweise kam immer wieder klar zum Ausdruck: 2006, das Jahr der Weltmeisterschaft, stehe bevor und er könne sich nicht damit zufrieden geben, in einem zweitklassigen Verein die doch so wichtigen letzten Monate vor der WM zu spielen. Er benötige für eine optimale Vorbereitung auf die Spiele der Nationalmannschaft die Herausforderung und auch das Spielniveau, das er bei Madrid oder eben bei São Paulo vorfinde.

Er setzte sich durch und wechselte zum Ende des Jahres 2005 in die spanische Hauptstadt um bei keinem geringeren Verein als Real Madrid neben seinen Landsleuten Ronaldo, Robinho, Roberto Carlos und Julio Baptista zu spielen. Da er in São Paulo noch einen Vertrag bis 2008 hatte, wurden für seine vorzeitige Auflösung eine Ablösesumme von umgerechnet 9,8 Millionen Euro festgeschrieben – mit einem italienischen Pass ausgestattet, das heisst er ist kein Nicht-Uefa-Ausländer, wurde er in Madrid dann herzlich empfangen.

“Mein Leben hat sich sehr geändert. Doch ich versuche, dem allem ganz natürlich, mit Intelligenz und Verantwortungsgefühl bei meinen Entscheidungen zu begegnen“ erklärte der damals 25-jährige in einem veröffentlichten Gespräch. “Es geschehen im Augenblick viele sehr schöne Dinge, aber all das ist ja auch der Lohn für harte Arbeit. Das ist doch das, wonach jeder Spieler strebt.“ Volle Konzentration und Einsatz ist bei seiner Arbeit im neuen Club gefragt, er wird des Öfteren jetzt auch im Mittelfeld eingesetzt und zählt sehr häufig zur Startelf des brasilianischen Rekordmeisters. Er sieht seine Arbeit aber auch als optimale Vorbereitung für die FIFA WM 2006 in Deutschland, die ja auch immer näher rückt. Cicinho weiss um seine Position in der brasilianischen Nationalmannschaft und das eventuelle Erbe, das er eingehen wird – die Nachfolge Cafus. Er sieht keinen Grund, sich mit Cafu zu vergleichen, sehr unterschiedliche Spielweisen lassen dies zum einen nicht zu, zum anderen würde er es nicht wagen, sich mit einer der ganz grossen spielenden Legenden in Brasilien auf eine Stufe zu stellen.

cicinho1Er arbeitet hart daran, sein Stellvertreter sein zu können und niemanden enttäuschen zu müssen. Seine Stärken liegen in seiner ausgefeilten guten Technik, Pressing und auch im nahen Zweikampf. Cicinho hatte beim Konföderationen-Cup die grosse Chance, den verletzten Cafu zu vertreten und nach Spielturnierende war er mit sich und seinem ersten Auftritt bei der Seleção durchaus zufrieden. Sehr gute Leistungen, ein gutes Einleben ins Team und der finale Titelgewinn unterstreichen dies. Cicinho war von der guten Ausgangslage Brasiliens für die Weltmeisterschaft überzeugt, eine starke Angriffskette, aber auch mit die stärkste Verteidigung mit Lucio, Roque Junior, Cafu und Roberto Carlos sollten eine gute Platzierung bei der WM 2006 garantieren. Cicinho und seine brasilianischen Teamkollegen schieden wie hinlänglich bekannt, schon in den Viertelfinals aus.

2007 feierten die Madrilenen den Gewinn der spanischen Meisterschaft und Cicinho entschloss sich für einen Wechsel in den Süden, zur AS Roma zog. Der AS Rom konnte ihn nach zähen Verhandlungen für 9 Millionen Euro verpflichten, nachdem der italienische Hauptstadtverein über ein Jahr um Cicinho buhlte. Es gelang Konkurrenten wie Liverpool, Sevilla oder Chelsea auszustechen. Sollte der AS Rom im Zeitraum von 2009 bis 2012 an der Champions League teilnehmen, so bezahlt er pro Teilnahme die Geldsumme von einer Million Euro an Real Madrid. Diese Bezahlung ist maximal zwei Mal vorzunehmen, die Ablösesumme kann sich somit bis auf maximal 11 Millionen Euro erhöhen. Auf Anfangs 2012 wechselte Cicinho in seine Heimat zum Sportclub Recife.

Im Jahre 2004, genauer gesagt in der Woche vom 18. bis 24. Oktober begleitete ein Team von Journalisten den jungen Cicinho bei seinem damaligen Club FC São Paulo für ein paar Tage bei seinem ganz normalen Training, seinem Leben im Club. In dieser Woche standen zwei meisterschaftsentscheidende Spiele auf dem Spielplan und so fielen auch eher alltägliche Dinge wie ein Bummel durch das Shopping Center oder ruhige Stunden und Freizeit geringer aus. Cicinho lebte zu dieser Zeit auf dem Trainingscamp mit anderen jungen Spielern, er ist ein ruhiger, besonnener Typ, der viel trainiert, hart arbeitet, früh schlafen geht und keinen Rummel mag.

Hier ein interessanter Einblick in das Leben eines jungen Profifussballers bei einem der besten Vereine Brasiliens:

Montag, 18.Oktober – 10.00Uhr
Der Rechtsaussenspieler Cicinho wacht im Trainingszentrum von São Paulo auf. Cicinho kommt gebürtig aus dem Hinterland des Bundesstaates, lebt aber seit Vertragsbeginn auf dem Trainingsgelände des FC São Paulo. Heute kann er mal wieder ausschlafen, da alle Spieler nach dem Spiel am Vortag einen halben Tag freibekommen haben – wie übrigens jedesmal nach dem Spiel. Einen überragenden Sieg über Atlético Mineiro mit 5:0 hatte man am Vorabend erspielt.
15.30Uhr: Während die Reserve des Teams mit dem Ball trainiert, drücken die Sieger des Spieles die Gewichte beim Muskeltraining – wohlgemerkt keine zu schweren Gewichte, da die Muskulatur nur aufrechterhalten, aber nicht ausgebaut werden soll. Der halbe Arbeitstag endet mit einem entspannenden Bad im Swimmingpool gegen 18.00Uhr abends.

Dienstag, 19.Oktober
Um 9.00Uhr früh ist vom Trainer Leão ein Techniktraining angesetzt. Während eineinhalb Stunden passen und schiessen sich die Spieler die Bälle zu. Cicinho als Aussenspieler feilt und arbeitet an seinen steilen Pässen und Flanken.
12.00 Uhr: Mittagessen, das sich auf dem Trainingsgelände als nicht sehr abwechslungsreich herausstellt – dafür umso reichhaltiger und typisch brasilianisch: Reis, Feijão – also schwarze Bohnen, Nudeln, Geflügel, Salat und Rindfleisch. Cicinho schmeckt´s.

14Uhr: Die Spieler sollen sich gedanklich mit dem nächsten Spiel, das am nächsten Abend ansteht, auseinandersetzen, deshalb kein physisches Training, Ruhe für den Körper und Freizeit um sich zu sammeln. Alle 32 Spieler bleiben heute nacht auf dem Gelände, auch die, die normalerweise nach Hause fahren zu ihren Familien. Cicinho teilt sein Zimmer mit dem Mittelfeldspieler Vélber. Früh geht man schlafen, bis dahin wird entspannt, man spielt Karten oder Billard oder schaut fern.

Mittwoch, 20. Oktober – 11.30Uhr
Man hat eigentlich Freizeit, aber die Mahlzeiten haben feste Uhrzeiten: Frühstück bis 10.00Uhr, Mittagessen um 12.00Uhr und um 19.00Uhr Abendessen. Cicinho schläft lange und verpasst das Frühstück: “Wenige Spieler wachen am Spieltag früh auf, nur um zu essen“, erzählt er.

16.30 Uhr: Da am Abend ein Spiel ansteht, ist für den Tag kein Training angesetzt, weder in der Früh noch nachmittags. Um die Zeit totzuschlagen und das Warten zu verkürzen setzt sich Cicinho an den Computer, surft im Internet und chattet im Messenger mit seinen Freunden oder Fans. Natürlich schaut er auch ab und zu auf seiner Fan-Website vorbei.

21.40 Uhr: Ein Pokalspiel “Sul-América“ steht auf dem Spielplan – gegen Santos spielt der Club von Cicinho unentschieden 1:1. Nach dem Spiel geht es mit dem Clubbus wieder zum Trainingsgelände. Derjenige, der ausserhalb wohnt, fährt von dort mit seinem Privatwagen weiter nach Hause. Cicinho ist ein eher ruhiger Typ und auch wenn man nach so einem Spiel doch noch fit und wach und evtl. aufgekratzt ist – er geht direkt ins Bett, was bei einem so spät angesetzten Spiel eh schon weit nach Mitternacht ist.

Donnerstag, 21.Oktober
Nach schönem Ausschlafen treffen sich die Spieler zum Mittagessen und gehen zur Abwechslung in ein nah gelegenes Restaurant.
14 Uhr: Cicinho schaut nach dem Essen im Presseclub vorbei, um die Schlagzeilen und Berichte des Spieles zu lesen. Das Telefon läutet und er hebt ab. Ein zorniger Fan ist in der Leitung: “Hallo, ich möchte eine Kritik ausüben. Rogério (Ceni, Torwart von São Paulo) redet zu viel und spielt zu wenig!“ “Nein, so ist das nicht, Partner“ antwortet geduldig Cicinho, “Rogério ist ein guter Torwart, er gibt sein Bestes. Beim nächsten Spiel, das garantier ich dir, werden wir gewinnen“. Der Fan legt schliesslich auf – ohne zu wissen mit wem er eigentlich am Telefon sprach!!

15.30 Uhr: Leichtes Muskeltraining ist angesagt – dann Entspannung im Pool – der Tag unterscheidet sich nicht wirklich vom Montag.

21.00 Uhr: Cicinho ist evangelisch und liest gern in der Bibel, bevor er ins Bett geht. Durch seinen Glauben hat sich auch sein Musikgeschmack besonders entwickelt. Seine CDs sind fast alle aus dem Bereich des Gospel, einige der Musikrichtung Sertanejos finden sich auch darunter.
22.30 Uhr Ein leichter Snack, den letzten des Tages auf dem Trainingsgelände gibt es zu später Stunde und Cicinho holt sich noch ein paar Kleinigkeiten aufs Zimmer.

Freitag, 22.Oktober – 09.00Uhr
Gleich in der früh beginnt das erste gemeinsame Training der Woche. Bevor es an den Ball geht, wird 30 Minuten gedehnt, gestreckt und aufgewärmt unter den Augen von Carlinhos Neves, der für die körperliche Verfassung der Spieler verantwortlich ist.
09.30Uhr: Ein Trainingsspiel ist angesetzt und alle Spieler stimmen sich in Gedanken wie auf ein richtiges Spiel ein. Der Angreifer César Sampaio ist voller Elan und Einsatz und bei einem harten Zweikampf bleibt Cicinho am Boden liegen. Kurze Behandlung, dann kann er mit einem blauen Flecken am Schienbein aber auch schon wieder weiterspielen.

10.15Uhr: Cicinho erhält aufgrund von guten Spielzügen und Einsatz das Lob des Trainers – so was spornt an!

12.00Uhr: Nach dem Spiel können Interviews an die wartenden Journalisten gegeben werden, Zeitung, Radio und TV sind vertreten, nur nicht zu lange reden, das Mittagessen wartet schliesslich und der Hunger ist gross. Danach wird verlautet dass das Training für den Nachmittag ausfällt.

14.00 Uhr: Eigentlich hätte Cicinho Lust, ins Einkaufszentrum zu fahren, aber der Trubel und die vielen Fans, die ihn auf der Strasse erkennen, wären ihm heute wohl eher zu viel. Er liebt seine Fans und hat mit ihnen viel Kontakt, aber gerne würde er auch einfach mal in Ruhe durch die Geschäfte bummeln…. das ist aber nicht mehr so einfach.

19.00 Uhr: Abends finden sich ein paar Spieler, die wie Cicinho auf dem Camp leben, zum DVD schauen zusammen. Meistens trifft der Angreifer Grafite die Auswahl des Filmes, da er sich am besten mit den neuesten Filmen aus Hollywood auskennt – die anderen akzeptieren gerne.

Samstag, 23.Oktober – 09.00Uhr
Gemeinsames Training für ca. 1 ½ Stunden.
14.00 Uhr: Konzentration und körperliche Entspannung vor dem nächsten anstehenden Spiel. Billard ist Cicinho lieber als das Computerfussballspiel von der FIFA – “der Spieler mit meinem Namen weiss nur, wie das laufen geht, mehr nicht“ – reklamiert er.
22.00 Uhr: Alle Telefone sind aus und jeder geht ins Bett.

Sonntag, 24.Oktober – 12.00Uhr
Ein leichtes Mittagessen ist angesagt.
14.00Uhr: Abfahrt zum Stadion Morumbi. In der Umkleide hält Leão ca. 30 Minuten eine Rede, um die Taktik, technischen Raffinessen des Gegners etc. zu erläutern. Er erklärt den einzelnen Spielern seine Taktik und was er von ihnen sehen will. 16.00 Uhr: Im grossen gefüllten Stadion gewinnt São Paulo gegen Santos 1:0. Cicinho fiel nicht sonderlich auf im Spielverlauf, aber verteidigte gut. Nach dem Spiel werden alle entlassen – erst Montagnachmittag müssen sich alle Spieler wieder im Trainingscamp einfinden – eine weitere Woche wie diese wird folgen.