Adriano Leite Ribeiro

Veröffentlicht am 16. November 2009

adrianoKünstlername: Adriano
Kompletter Name: Adriano Leite Ribeiro
Geburtsdatum: 17/02/1982
Geburtsort: Rio de Janeiro (RJ)
Position: Sturm
Link: Website

Vereine:
2014: Atlético Paranaense (PR)
2012: CR Flamengo (RJ)
04/2011 bis 2012: SC Corinthians (SP)
2010 bis 03/2011: AS Rom
06/05/2009 bis 2010: Flamengo (RJ)
21/07/2008-29/04/2009: Inter Mailand
19/12/2007 bis 20/07/2008: São Paulo FC (SP)
21/01/2004 bis 18/12/2007: Inter Mailand
01/07/2002 bis 20/01/2004: Parma
05/01/2002 bis 30/06/ 2002: Fiorentina
01/07/2001 bis 04/01/2002: Inter Mailand
1999 bis 30/06/2001: Flamengo (RJ)

WM-Einsätze Seleção:
WM 2006 Deutschland

Adriano Leite Ribeiro – bekannter unter seinem Künstlernamen Adriano – wurde für viele als der beste Spieler Brasiliens im Sturm seit Ronaldo genannt und für manch einen war sein Auftauchen wohl die grosse Erleichterung nach dem Ausscheiden Romarios im Sturm Brasiliens: Adriano vereint körperliche Stärke, Schnelligkeit, Ballfertigkeiten und Schusskraft zu einer gefährlichen und torstarken Spitze und nicht umsonst war er Torschützenkönig bei der Copa America 2004 und bester Spieler und Torschützenkönig beim Confed-Cup 2005 in Deutschland.

Dann folgte das Schicksalsjahr 2006 – welches ein schwarzes Kapitel im Leben Adrianos schrieb – im Jahr, als sein Vater Almir Leite Ribeiro stirbt. Nachdem er seine Stammplätze bei Inter und in der Seleção verlor, verfiel er in tiefe Depressionen und verfiel dem Alkohol.

Adriano Leite Ribeiro wurde am 17. Februar 1982 in Rio de Janeiro geboren. Er wuchs in der Favela Vila Cruzeiro in Penha auf, einer der gewalttätigsten Orte der Stadt, der nach der Ermordung des Journalisten Tom Lopes vor einigen Jahren gross in den Schlagzeilen war. Mit sieben Jahren war Adriano bereits auf den Gassen und kleinen Spielfeldern innerhalb der Gemeinschaft für seine ausserordentliche Grösse bekannt und dafür, dass er ständig dem Ball hinterherspringen wollte. Dona Rosilda, seine Mutter, brachte den Jungen alsbald zur Schule von Flamengo – dem Lieblingsclub der Familie. Zunächst spielte er Futsal, mit zehn durfte er dann bereits auf den Rasen. Die gleiche Epoche im jungen Leben Adrianos die quasi den Weg zur grossen Fussballkarriere ebnete, war durchzeichnet mit einem grossen familiären Schock: zunächst wurde Adriano auf den Strassen von Vila Cruzeiro Zeuge der Ermordung eines jungen Mannes durch Schüsse während eines Bandenstreits. Im Alter von zehn Jahren wird sein Vater von einer verlorenen Kugel während eines Schusswechsels in der Favela im Kopf getroffen: „Es war während eines Geburtstagsfestes. Ich war zehn Jahre alt. Ein Polizist stritt sich mit einem Nachbarn und verliess das Haus schon um sich schiessend. Zwei Schüsse trafen meinen Nachbarn in der Brust und die dritte Kugel meinen Vater im Kopf. Die Kugel setzte sich in seinem Schädel fest. Wir hatten kein Geld für eine Operation, um die Kugel zu entfernen, während all dieser Jahre hatte er Zuckungen und litt unter enormen Schmerzen. Jetzt habe ich das Geld für den Eingriff, der sehr schwer und nicht ohne Komplikationen ist. Nur will er sich nicht operieren lassen, weil er Angst hat“, so erzählte der Stürmer. Viele seiner Freunde aus der Kindheit fielen den Drogenkämpfen und der harten Realität in der Favela zum Opfer, einige starben gar mit der Waffe in der eigenen Hand. „Wenn ich in die Favela komme, möchten alle mit mir sprechen, wollen wissen, wie das Leben ist, dort in Italien. Es tut mir sehr weh, zu sehen, dass sie ein so kurzes Leben haben und von dort nicht fliehen können.“

Anfang 2006 verstarb Adrianos Vater an den Folgen der Schussverletzung und seitdem widmet er alle seine Treffer dem geliebten Papa.

adriano1Aber Vila Cruzeiro hinterlässt auch glückliche Erinnerungen bei Adriano; schliesslich war es dort auf dem Platz „Ordem e Progresso“, auf dem er seine ersten Fussballschüsse setzte. Seine Mutter Dona Rosilda erzählt: „Um unseren Sohn auf dem rechten Pfad zu halten, zeigten wir ihm, wie wichtig es ist, ehrlich zu sein, förderten seine Studien und beschäftigten ihn mit Fussball“. Damals hatte er den Spitznamen PIPOCA – Popkorn auf Deutsch. „Wir spielten damals alle gerade Fussball, plötzlich schrie meine Grossmutter mitten im Spiel vom Spielfeldrand aus mit der Pfanne in der Hand „Adriano, komm Popkorn essen“ – der Spitzname blieb“ erinnert er sich.

Aus einer bescheidenen Familie mit wenig Vermögen kommend war Adriano von der Hilfe aller im Haus abhängig, die sich für ihn aufopferten, damit er weiterhin bei Flamengo spielen konnte. Natürlich war dies alles nicht ganz einfach. Er musste zwei Busse von Vila Cruzeiro zum frühen Training bei Flamengo in Gavea nehmen. Sein Vater Almir war Office-Boy, seine Mutter Rosilda in der Wartung einer Kleiderfabrik. Seine Grossmutter mütterlicherseits, Dona Vanda, half die Busfahrten zu finanzieren, indem sie süsse Leckereien von Haustuer zu Haustuer verkaufte, Churrasquinho auf der Strasse und als Extraarbeit noch putzen ging. Alles um die Mitgliedschaft bei Flamengo und die Gebühren für das Training und Fussballschule bezahlen zu können.

Gross und stark war Adriano und immer der Verteidiger in den frühen Jahren der Grundausbildung. Zunächst Links- Verteidiger, dann linke Flanke. Dies ging so, bis er 15 Jahre alt war, bis der Lehrer Carlos Alberto, der sein Trainer im Jugendteam von Flamengo war, das grosse Talent fürs Tore schiessen bei dem jungen Mann witterte. Auch als er noch hinten spielte, fiel Adriano immer wieder mit seinen rasanten Vorstössen gegen das gegnerische Tor auf. Gerade im Luftraum war er für seine Gegenspieler sehr gefährlich. Also liess Carlos Alberto Adriano mehr im Angriff spielen, als Libero, dann im Sturm. Die Wette zeigte schon bald Resultate: der junge Spieler begann sich bei den Jugend- und Studentenmeisterschaften hervorzuheben, und zwei Jahre später, im Jahre 1999 wurde Adriano bereits in der Jugend-Nationalmannschaft Brasiliens aufgestellt. Diese spielte in diesem Jahre bei der U 17 Weltmeisterschaft in Neuseeland unter Trainer Carlos César Ramos, dem Trainer der Jugendmannschaft von Flamengo. Zunächst war Adriano als Ersatzspieler für Souza gedacht und in der ersten Phase der WM brachte er es gerade mal auf 5 Spielminuten beim 0:0 gegen Deutschland im letzten Gruppenspiel der Gruppe B. Danach jedoch begann er seinen Raum zu erobern und spielte bis zum Halbfinale gegen Ghana und sogar Finale gegen Australien – Brasilien gewann 8:7 im Elfmeterschiessen. Er blieb zwar ohne Tore, aber seine Präsenz auf dem Platz war von entscheidender Bedeutung, er trug viel zum Sieg bei. Hier begannen sich die grossen Träume eines Jungen aus der Favela zum ersten Mal zu realisieren: Spieler von Flamengo und dem Nationalteam zu werden und seiner Familie ein besseres Leben geben zu koennen.

Flamengo – ewige Leidenschaft!! Neben seiner grossen Leidenschaft für das schwarz-rote Team von Flamengo begann Adriano im Jahre 1999 in der Jugendmannschaft zu spielen. Mit viel Einsatz und Begeisterung spielend wurde er kurz danach ins Team vom Flamengo gerufen, wo er allerdings nur eine kurze Zeit spielte. Trainer Paulo César Carpegianni war von der guten Beweglichkeit und Stärke Adrianos vor allem im Luftraum beeindruckt und schrieb sich in die Rio-São Paulo Meisterschaften zu Beginn der Saison ein. Seit Kindertagen hatten sich viele Dinge im Leben von Adriano geändert – inklusive sein Spitzname: mittlerweile wurde er Scooby Doo oder Scooby unter engeren Freunden genannt, ein Name, den er von dem Torwart Júlio César bekam, da es Ähnlichkeiten gäbe zwischen ihm und den Cartoon. Die beiden sind immer noch sehr gute Freunde. In der Theorie gab es viele Stürmer zu jener Zeit im Club – neben Reinaldo und Leandro Machado waren ausserdem im Januar noch die beiden Spieler Catê und Tuta verpflichtet worden. Seine erste Partie im Profi-Team von Flamengo spielte Adriano am 2. Februar 2000, die Schlussminuten gegen Botafogo mit dem Resultat 2:2. Aber nur vier Tage später konkretisierten sich Adrianos Wünsche mehr und mehr: im Spiel gegen São Paulo in Morumbi während des Rio-São Paulo Pokals spielte er ab der zweiten Halbzeit für Maurinho. Flamengo benötigte verzweifelt einen Sieg, um sich seine Chancen für die Halbfinal-Qualifizierung zu erhalten. Und Adriano hatte eine Sternstunde – nicht einmal fünf Minuten auf dem Platz schoss er sein erstes Tor und half bei der Vorbereitung von drei weiteren! Von da an wirkte Adriano mehr denn je im Sinne des Clubs. Unter der Leitung von Zagallo schoss er sieben Tore in 18 Partien, davon in 14 als Stammspieler, eines davon in der wohl besten Vorstellung der Mannschaft gegen Vasco beim 4:0 – und eines in den Mercosul Pokalspielen.

adriano2Unter anderem wurde Adriano in die brasilianische Auswahl U 20 zur Sul-Americano Meisterschaft in Ecuador gerufen. Er galt als eine der Attraktionen der Meisterschaft und enttäuschte nicht: er war neben Ewerthon, seinem Kollegen im Sturm, einer der grossen Torjäger des Turniers und darüber hinaus die grosse Hilfe für Brasilien, den Titel zu sichern und somit auch die Qualifikation für die WM in Argentinien. Nach Flamengo kehrte er als Stammspieler im Sturm zurück, aber aufgrund der Fülle an Stürmern blieb Adriano in der Folgezeit unter Zagallo eher auf der Bank und schoss nur zwei Tore. Vielleicht lag es an seiner Jugend, mangelnden Erfahrung, an seinem brecherischen Stil und seinem zu grossen Willen, dass er nicht erfolgreich zum Abschluss kam. Er war nicht gerade beliebt bei den Fans aufgrund seiner Zusammenstösse mit den Gegnern und Auspfiffe im vollen Maracana wurden immer häufiger – zusammen mit Spitznamen wie Bonde (der Zug) und Aussprüchen wie „stellt ihn zum Verkauf“. All dies konnte Adriano nicht gut verarbeiten und nahm es schwer auf – nicht selten weinte er nach den Spielen. 2001 nahm die Vereinsführung schliesslich die Forderungen der Fans auf und verkaufte Adriano nach Inter Mailand. Er kehrte gerade von der U 20 WM Anfang Juli zurück und bereitete sich auf die Brasilien Meisterschaften vor, als die Bombe platzte: er und Reinaldo wurden als Tauscheinheit für die Rückkehr von Vampeta eingesetzt, dessen föderativen Rechte bei Inter Mailand (40%) und Paris Saint-Germain (60%) lagen und den Präsidenten von Flamengo Edmundo dos Santos Silva interessierten. Als Adriano von dem Geschäft erfuhr, blieb er sprachlos und wusste nicht wirklich, wie er wohl so weit entfernt von seiner Familie leben sollte.

Und doch – so schnell gab er sich nicht geschlagen. Seit Jahren von seinem Lieblingsclub entfernt versteckt Adriano nicht eine gewisse Traurigkeit, wenn er über die Ereignisse und Konditionen spricht, die seinen Austritt in die Wege leiteten – die Ungeduld der Fans allem voran. „Ich wollte immer beweisen, dass ich für Flamengo von Nutzen sein kann. Ich bin dem Club nach wie vor sehr dankbar. Leider jedoch mochten mich die Fans nicht, sie stellten mir nach und hatten keine Geduld mit mir. Ich bin aus dem Club mit diesem Frust ausgestiegen – aber eines Tages werde ich zurückkehren“ versicherte Adriano einmal einem Freund.

Sein Leben in Italien: er setzte über den Atlantik um für Inter Mailand zu spielen, einer der grossen Traditionsclubs Europas! Nach einem Monat voller Verhandlungen wurde am 6. August 2000 der Transfer von Adriano von Edmundo dos Santos Silva abgeschlossen. Flamengo blieb mit 75% von Vampeta und dafür wechselte Adriano zum italienischen Club. Reinaldo ging für 5 Millionen USD nach Paris Saint Germain, wobei 55% dieses Wertes als Zahlung für den im vorigen Jahr gewechselten Edilson nach wie vor galten. Und so änderte sich von einem Tag auf den anderen Tag die komplette Welt zweier junger brasilianischer Talente des Fussballes – überraschend und erstaunlich von Anfang an!

Adriano spielte bereits eine Woche später im Trikot von Inter am 14. August 2001 beim Santiago Bernabeu Pokal – kein geringerer Gegner als Real Madrid. In der ca 80. Minute betrat er das Spielfeld und neun Minuten später schoss er das gewinnenden Tor zum 2:1 für Inter – der erste Sieg in Spanien des Clubs! Er begann sich langsam aber sicher seinen Platz im italienischen Fussball zu erspielen – aber wie im wirklichen Leben wieder einmal war nichts wirklich einfach. In den ersten Monaten kämpfte Adriano vor allem mit der Konkurrenz im eigenen Team, er hatte Probleme mit der Kälte, der Sprache und dem guten Willen des argentinischen Trainers Hector Cuper. „Ich weinte jedes Mal, wenn ich ganz allein in einem italienischen Hotel sass“ erzählt er. Aber nach und nach gewöhnte er sich auch Dank Hilfe vieler anderer brasilianischer Kollegen wie Ronaldo, der damals noch bei Inter spielte, in Europa gut ein. Zwischen August 2001 und Januar 2002 spielte Adriano gerade einmal 14 Spiele für Inter und schoss ein Tor. Schliesslich wurde an den Nachbarclub Fiorentina ausgeliehen, der bereits mitten im fussballerischen Abstiegskampf und Drama des Clubs steckte. Adriano half so gut er konnte: 15 Spiele in der italienische Liga für eines der schwächsten Teams des Wettkampfes schoss er sechs Tore, konnte aber den Abstieg in die zweite Liga nicht mehr verhindern. Während dieser Periode kehrte er in die Nationalmannschaft zurück – U 21 mittlerweile und wurde in Frankreich Meister von Toulon.

2002/03 sah Adriano seine grosse Chance, zu Inter zurückzukehren – gerade weil sein Freund Ronaldo auch an Real Madrid verkauft worden war – jedoch kam er wieder auf den Verhandlungstisch. Inter verkaufte 50% an Parma für 8 Millionen USD. Ironischer weise war es gerade Parma, gegen das Adriano damals im September 2001 am besten aufspielte.

In der folgenden Saison verteidigte Adriano Parma – diese Zeit war fundamental für seine technische Weiterentwicklung, taktisch wie physisch! Er brillierte auf dem Feld, aber auch ausserhalb wuchs er hier zum Erwachsenen heran, der auch die Spielregeln des europäischen Fussballes ausserhalb des Platzes kennen und verstehen lernte. Neben seinem rumänischen Mitspieler Adrian Mutu wurde mit zum meist gefürchtetsten Spieler auf dem Platz und am Ende hatte er 15 Tore in 28 Spiele geschossen – einer der besten Stürmer des Wettkampfes und Stern von Parma. Und wieder war es die finanzielle Situation des Clubs, der die Karriere Adrianos weiter bestimmte. Der Club wurde durch die allseits bekannten Skandale von einem der grössten Geldgeber des Clubs, Parmalat, heftig geschüttelt und zusammen mit gesundheitlichen Problemen Adrianos war diese Zeit eine nicht sehr einfache für ihn. Nachdem er bereits acht Tore in der laufenden Saison erzielt hatte, erlebte er eine weitere Überraschung: Inter, das ihn für zwei Saisonzeiten quasi links liegen gelassen hatte, machte Parma ein Angebot, das der Club nicht ausschlagen konnte: für weniger als 50% der Rechte und 1 ½ Jahre zuvor für 8 Millionen USD verkauft, bot Inter dem Club Parma nun 19 Millionen USD für Adriano!! Seine Rückkehr wurde vom allzu mächtigen Massimo Moratti von Inter persönlich in die Hand genommen, der die Krise bei Parma geschickt ausnutzte. Im Dezember sagte dieser: „Ich konzentriere mich gerade darauf, Adriano zurück zu holen. Er ist nun das zweite Jahr in Parma und macht sich sehr gut. Wir wollen ihn wieder in Mailand spielen sehen“. Und so geschah es: Adriano kehrte nach Mailand zurück. Er schoss auch dort wieder Tore: neun in 16 Spielen der Liga, drei in zwei italienischen Pokalspielen. Von diesen zwölf Toren zwischen Januar und Juni waren zwei für die Mailänder besonders wichtig und fundamental: beim hart erkämpften 3:2 Sieg gegen Empoli in der letzten Spielrunde – ein Resultat das Inter auf den 4. Platz der Liga stellte und einen Platz in der europäischen Champions-League sichert.

Nach wie vor spielt Adriano für Inter Mailand – sein Vertrag wurde vorzeitig bis 2010 verlängert. Der 23-jährige Brasilianer wurde auch mit einem 65 Millionen USD–Wechsel nach Chelsea in Verbindung gebracht, aber vorerst ist seine Zukunft bei Inter Mailand gefestigt worden.

Eines steht noch aus zu erwähnen: der Traum eines jeden brasilianischen Fussballspielers: Teil der wohl beliebtesten Fussballmannschaft der Welt zu werden: die Nationalmannschaft Brasiliens! Wie bereits erwähnt begann er seine Karriere in der Nationalmannschaft bei der U17 im Jahre 1999, und wurde dort Weltmeister in Neuseeland.

Vila Cruzeiro, 30.10.2000: Adriano schläft zu Hause, bevor er zu einem weiteren Training für Flamengo aufbricht. Plötzlich spricht es sich wie ein Lauffeuer im ganzen Viertel rum und seine Mutter weckt ihn mit einer guten (wenn nicht gar unglaublichen) Neuigkeit auf: der Stürmer von Flamengo wurde von Emerson Leão für das Ausscheidungsspiel Brasilien gegen Kolumbien in 15 Tagen nominiert. Noch ziemlich verschlafen und im Glauben, dass es sich um einen Scherz handelt, brummt er wirsch: „Lass mich schlafen. Das ist nicht der richtige Moment für blöde Witze.“ Tja, er wusste nicht, dass es sich nicht um einen Scherz handelte. Die Nominierungen von Leão beinhalteten zwei neue Namen: der Läufer Mineiro und Adriano und um sich gegen Kritiker und Fragen zu stellen, sprach er über den Stürmer: „Er ist gross, stark, mit einem grossen Potential und Präsenz in der Luft und Linksfüssler. Seit Serginho Chulapa habe ich keine Spieler von dieser Linie mehr gesehen. Mit ihm habe ich die Möglichkeit, die Taktik und das Schema des Teams zu ändern. Er ist der Spieler der Zukunft!

Für Adriano ging sein grösster Traum in Erfüllung – seine erste Chance bei der brasilianischen Nationalmannschaft und die Möglichkeit mit Romario, seinem grossen Idol, zu trainieren. Noch überraschter war er allerdings, als er direkt auf der Auswechselbank landete und mit der Nummer 18 auf dem Rücken ging er in der 78. Minute auf den Platz – Auswechslung von França. Am 15. November 2000 war das – genau ein Jahr nachdem er im Jugendteam von Flamengo angefangen hatte – und er machte seine ersten Erfahrungen im brasilianischen Trikot. 2001 wurde er mit der U 20 Sul Americano Meister und auch in der Weltmeisterschaft U 20 schoss er sechs Tore – darüber hinaus wurde er zum besten Stammspieler gewählt – bis zum Viertelfinale, wo Brasilien dann aber gegen Ghana verlor. Unter Carlos Alberto Parreira erst im Jahre 2003 wurde Adriano wieder ins Nationalteam gewählt und spielte gegen China, Portugal und Mexiko. Während dieser Spiele festigte er seinen Einsatz im Team. Am 11. Juni 2003 schoss er sein erstes Tor gegen Nigeria und dann im Konfederationen-Cup in Frankreich zwei Tore. 2004 war er nicht bei den vor-olympischen Spiele dabei, er erholte sich von einer Verletzung, doch gleich danach war er bei jedem Spiel dabei, meist auf der Reservebank.

adriano3Erst beim Copa America änderte sich die Geschichte Adrianos in der Nationalmannschaft. Mangelnde Präsenz der grossen Spieler des Teams – so blieb die Verantwortung in seinen Füssen und denen von Luis Fabiano. Der Hauptfokus der Öffentlichkeit konzentrierte sich auf den Stürmer von São Paulo. Adriano hatte Anlaufschwierigkeiten im ersten Spiel und wurde ausgewechselt. Luis Fabiano machte das Siegestor. Aber vom nächsten Spiel ab war es Adriano, der die Tore schoss. Gegen Costa Rica waren es drei Tore, zwei im Viertelfinale gegen Mexiko und zwei erlösende Tore in der Endrunde: gegen Uruguay im Halbfinalspiel und im Spiel um Platz drei gegen Argentinien, als Platin quasi schon sicher an die Argentinier vergeben war. Er wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt! Die Partie gegen Argentinien war historisch: gegen Erzfeind Argentinien, ein wunderschönes Tor, in den letzten Sekunden – er war in aller Munde!

Im Jahre 2004 erhielt Adriano noch einen Titel, den des besten ausländischen Spielers Italiens des Jahres und Ende des Jahres auch noch die Prämie der Berufsgenossenschaft der Journalisten von Lombardy Sport als bester Spieler des Jahres.

Der Konfederationen-Cup 2005 in Deutschland war ein weiterer Meilenstein Adrianos – bester Turnierspieler, herausragender Torjäger und Weltklasse Stürmer. Kann man sich auf viele Adriano Tore an der Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 freuen? Nein, Adriano schoss 2 Tore und Brasilien schied glanzlos in den Viertelfinals aus.

Das Jahr 2006 schreibt ein schwarzes Kapitel in seinem Leben, als sein Vater Almir Leite Ribeiro stirbt. Nachdem er seine Stammplätze bei Inter und in der Seleção verlor, verfiel er in tiefe Depressionen und wandte sich dem Alkohol zu. Daraufhin nahm er zu und wurde schliesslich ausgegrenzt. Sein damaliger Trainer Roberto Mancini schenkte ihm nicht genügend Aufmerksamkeit, sodass Adriano in der Winterpause 2007 an São Paulo ausgeliehen wurde. In der Heimat sollte er sich wieder finden.

Die Fans des FC São Paulo waren regelrecht begeistert von der “magischen Nummer 10“. Schon im ersten Spiel gegen Guaratingueta schoss er die beiden Tore für São Paulo zum 2:1-Sieg. Adriano erzielte 17 Tore in 28 Spielen. Im Sommer 2008 kehrte er wieder zu Inter Mailand zurück. Trainer Mancini wurde kurz vor seine Rückkehr durch den Portugiesen José Mourinho ersetzt worden, welcher Adriano früher für den FC Chelsea gewinnen wollte.

Dunga der aktuelle Trainer der Seleção (er kam nach der Weltmeisterschaft 2006 für Carlos Alberto Parreira) setzte Adriano am 06. Februar 2007 im Spiel gegen Portugal wieder ein. Für die Spiele vom 12. und am 15. Oktober 2008 gegen Venezuela und Kolumbien wurde er dank konstant guter Leistung seit langer Zeit wieder in die Nationalmannschaft berufen.

Der frühe Abschied nach dem WM-Qualifikationsspiel Brasiliens gegen Peru (3:0) am 1. April 2009 erklärte der Stürmer eine vorzeitige Auszeit zu nehmen, da er den Spass am Spiel verloren habe. Der bis Juni 2010 datierte Vertrag mit Inter Mailand wurde am 22. April 2009 aufgelöst. Laut eigener Aussage möchte Adriano “am liebsten nicht mehr zurück nach Italien“. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2006 stand Adriano vor allem wegen seines exzessiven Lebensstils in der Öffentlichkeit.

Der Stürmerstar will seine Spieler- und Nationalspielerkarriere aber nicht beenden. „Darüber habe ich nachgedacht, aber ich brauche nur etwas Abstand vom Fussball, um über mein Leben nachzudenken“, erklärte der 47-malige Nationalspieler, der in den nächsten „ein, zwei, drei Monaten in Brasilien in Frieden leben möchte, bis die Begeisterung wieder zurückkommt“.

Und die Begeisterung kam wieder zurück: seit dem 06. Mai 2009 spielt er wieder für sein geliebtes Flamengo, wo er zu seiner alten Spielfreude zurückfand. Weiterhin hatte er aber Private- Alkohol- und Drogenproblemen, auch wurden ihm Verbindungen zur brasilianischen Mafia nachgesagt.

So kam die Bekanntgabe seines Wechsels anfangs Juni 2010 zur AS Rom für ihn gerade richtig, um aus diesem Umfeld zu entkommen. Bei der AS Roma unterzeichnete er einen Vertrag bis Juni 2013.

Trotz Gewichtsreduktion und hartem Training war er weit von seiner Bestform entfernt und kam deshalb nur zu seltenen Spieleinsätzen. Durch seine erneuten Fehltritte ausserhalb des Spielfeldes und einer verspäteten Rückreise aus seinem Urlaub löste Rom seinen Vertrag frühzeitg auf Mitte März 2011 auf.

Danach kehrte Adriano in seine Heimat zum SC Corinthians Paulista zurück. Er unterschrieb einen Vertrag bis Mitte 2012. Im März 2012 wurde der laufende Vertrag im beiderseitigen Einvernehmen auf den Juli aufgelöst.