Tijuca Nationalpark

Veröffentlicht am 3. Januar 2010

Gründungsdatum: Juli 1961
Fläche: 3.950 Hektar
Ökosystem: Atlantischer Regenwald
Relief: Bergig, mit steilen Felsen und Höhen zwischen 80 und 1.021 Metern.
Aktivitäten: Wanderungen, Klettertouren, Rappel, fotografisches Trekking und Umwelterziehung.
Ort: Stadt Rio de Janeiro im Bundesstaat Rio de Janeiro

Tangará  (Chiroxiphia caudata)  -  Swallow-tailed Manakin
GENTE QUE NÃO MERGULHA NO MAR - BARRA DA TIJUCA -  SUNSET IN RIO #CLAUDIOperambulando
Raiou, resplandeceu, iluminou - Amanhecer no Rio de Janeiro - Cirrus duplicatus
PÃO DE AÇÚCAR - RIO DE JANEIRO
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Rio de Janeiro Downtow de verdade      #CLAUDIOperambulando
Mosteiro de São Bento - Igreja MontSerrate - Rio de Janeiro
foto do Mosteiro de São Bento do Rio de Janeiro - Igreja de Nossa Senhora de Monserrate
Cristo Redentor
Igreja de Nossa Senhora de Monserrate - Mosteiro de São Bento - Em reforma - Rio de Janeiro
Parque Nacional da Tijuca
Megaceryle torquata
Chiroxiphia caudata
Chiroxiphia caudata
Chiroxiphia caudata
Chiroxiphia caudata
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Der Wald “Floresta da Tijuca“ umschliesst Rio de Janeiro wie ein immergrüner Gürtel und repräsentiert den grössten Stadtwald der Welt an Fläche – seine ökologische Bedeutung hat die UNESCO als “Biological Preserve“ 1991 anerkannt.

Google Map

Der Nationalpark – er setzt sich zusammen aus dem Floresta da Tijuca, dem Pedra da Gávea (Felsen), dem Pedra Bonita (Felsen), den Paineiras (Felsenkette) und dem Corcovado (Christus-Berg) – ist zweifellos eine Oase inmitten des Stadtgebiets. Er wurde gegründet um eine Parzelle des Atlantischen Regenwaldes innerhalb eines metropolitanen Areals, sowie die zahlreichen Quellen, welche die Bevölkerung rund herum mit Wasser versorgen zu bewahren. Ausserdem sollen die gefährdeten Tierarten – vor allem Vögel und seltene Säugetiere – in ihm ein Rückzugsgebiet haben.

Die Idee dieses Schutzgebietes kam bereits 1861 auf, als der damalige Kaiser Dom Pedro II. anordnete, diese Region zu enteignen und aufzuforsten. Seit dieser Zeit diente dieser Akt als Beispiel, wie man eine vom Menschen degradierte Fläche wieder in ein natürliches Habitat zurück verwandeln kann. Heute hat sich dieses Schutzgebiet für viele Cariocas (Einwohner Rios) als Freizeitanlage und zur sportlichen Betätigung entwickelt – sie sind die besonderen Nutzniesser seiner Gründung – aber es ist längst auch eine Attraktion für nationale und internationale Touristen geworden – mehr als 1,5 Millionen besuchen den Park jedes Jahr!

nach obenAus der Geschichte

Bevor die Portugiesen sich 1565 der Region bemächtigten, präsentierten sich die Ufer der Baia da Guanabara (Rios Meeresbucht) mit Bergen, die von so dichtem Urwald bedeckt waren, dass sich selbst die Tupinambá-Indianer, die Eingeborenen dieser Region, nicht hinein wagten, denn sie glaubten, dass der Wald von bösen Geistern bewohnt wäre. Mit der Gründung der Stadt Rio de Janeiro begann man sich nach Holz für die Bauten und als Brennstoff umzusehen. Die Täler wurden von den Jesuiten der “Companhia de Jesus“ besiedelt, welche zu Beginn des 17. Jahrhunderts eine planmässige Besetzung durch den Orden betrieb und die Landwirtschaft ankurbelte. Anfangs entstanden die Zuckermühlen mit der Ausbreitung der Zuckerrohrfelder. Im Jahr 1763 kamen die Kaffeepflanzen aus Belém do Pará dazu, welche die gesamte Küste und Umgebung bedeckten und eine allgemeine Abholzung verursachten. Durch das Fällen der Bäume, welche die Quellen geschützt hatten, begann die Wasserversorgung zu versiegen und die gesamte Region drohte zu einer Wüste zu verkommen. Da Begriff der Kaiser die Not der Stunde und schritt ein, indem er die Enteignung und Wiederaufforstung anordnete.

Seit dem Jahr 1862, im Verlauf von 13 Jahren, wurden zirka 80.000 Stecklinge gesetzt – damit machte man den Anfang zur Erholung der Natur. Später, bis gegen Ende der Kaiserzeit im Jahr 1889, pflanzte man weitere 30.000 Ableger – dies war das erste Aufforstungsprojekt mit nativen Spezies in Lateinamerika. Im Juli 1961 wurde dann der “Nationalpark von Rio de Janeiro“ gegründet, auf einer Fläche von 3.200 Hektar. Weil man ihn allerdings mit zwei anderen Nationalparks im Bundesstaat verwechseln konnte – dem von Itatiaia und dem in der Serra dos Órgãos – änderte man seinen Namen 1967 in “Parque Nacional da Tijuca“ (ein indianischer Name, der Sumpf, Lehmkuhle, bedeutet). Im Juli 2004 erweiterte die Ministerin für Umwelt, Marina Silva, die Parkfläche auf 3.950 Hektar. Dadurch wurden der “Parque Lage“ und eine Fläche genannt “Conjunto Pretos Forros/Covanca“ der Schutzzone einverleibt.

Obwohl der Park von der IBAMA in Zusammenarbeit mit der Präfektur von Rio de Janeiro kontrolliert wird, leidet das Gebiet unter der allgemeinen Luftverschmutzung und der unkontrollierten urbanen Expansion. Gegenwärtig leben im Umfeld des Parks Kommunen, mit denen man Umwelterziehungsprogramme entwickelt, um zu versuchen, dass ein Teil des am meisten gefährdeten Bioms des Landes vor weiterem Schaden bewahrt werden kann – der Atlantische Regenwald.

nach obenDie Landschaft

Der “Maciço da Tijuca“ ist Teil eines isolierten Blocks der Serra do Mar und präsentiert ein bergiges Relief, er umfasst die Serras von Três Rios, Carioca und Pedra da Gávia – mit Höhen zwischen 80m, im hinteren Teil des Botanischen Gartens, bis 1.021m auf dem Gipfel des Pico da Tijuca, dem Kulminationspunkt von Rio de Janeiro. Die Basis des Bodens ist kristallin, was der Landschaft zwischen Tälern und Bergen im Lauf der Zeit eine aussergewöhnliche Schönheit beschert hat. In diesem Sinn aussergewöhnlich sind das “Vale dos Macacaos“, die “Mesa do Imperador“, “Alto de Boa Vista“ und vor allem der “Pedra da Gávea“ – ein gigantischer Felsen in Form eines riesigen Tisches.

nach obenDie Flora

Sie besteht aus der Vegetation des Atlantischen Regenwaldes in Neukomposition, präsentiert eine Serie von besonderen Charakteristika, sowohl in seiner floristischen Komposition als auch in seiner fito-soziologischen Struktur. Die verschiedenen Baumarten präsentieren einen hohen Grad an Endemismus – um die 50%. Besonders hervorzuheben sind die Braúnas (Ocotea spectabilis), Canelas (Cinnamomum zeylanicum), Quaresmeiras (Tibouchina granulosa), Angicos (Anadenanthera peregrina), Jequitibas (Cariniana estrellensis), Palmitos (Chamaerops humilis), Pau-Brasil (Caesalpinia echinata) und viele andere, die in der Regel von Moosen und Flechten bedeckt sind. Auch die eingeführten tropischen Arten, die sich dem Klima inzwischen angepasst haben, sind erwähnenswert, wie Dracenas (Dracaena draco), Mangueiras (Mangifera indica), Jabuticabeiras (Myrciaria cauliflora), Bambu (Bambus), die Jambeiros (Zyzygium malaccense) und viele andere.

nach obenDie Fauna

Seit der Kolonisation Brasiliens wird die Existenz der Fauna im Umkreis der Stadt Rio de Janeiro ständig bedroht. Schon seit langem sind ehemals häufige Säugetierarten, wie Onça-pintada (Jaguar), Anta (Tapirus terrestris – Tapir), Queixada (Tayassu pecari – Pekari), Bugio (Alouatta guariba – Brauner Brüllaffe) oder Mono-carvoeiro (Brachyteles arachnoides – Spinnenaffen), in diesem Park nicht mehr zu finden. Überlebt haben kleinere Exemplare, wie Cutia (Dasyprocta aguti – Aguti), Cachorro-do-mato (Speothos venaticus – Waldhund), Guaxinim (Procyon lotor – Waschbär), Macaco-prego (Cebus apella – Kapuzineraffe) und Sagui-estrela (Callithrix jacchus – Weissbüschelaffe). Unter den Vögeln finden sich Beija-flores (Kolibris), Gaviões (Adler), Sabiás (Drosseln) und Tucanos (Tukanos). Reptilien wie Cobra-cipó (Chironius laevicollis), (Micrurus corallinus) und die Jararáca (Bothrops jararaca) haben ebenfalls überlebt.

nach obenDas Klima

Wegen der besonderen Lage des “Maciço da Tijuca“ erfährt der Nationalpark von Tijuca häufige Niederschläge ohne Trockenperiode im Winter. Oberhalb von 500m ist es bereits angenehm kühl und in höheren Lagen liegen die Temperaturen bis zu 8 Grad unter denen in der Stadt. Die jährlichen Niederschläge bewegen sich um die 2.000mm – zwischen November und April.

nach obenSehenswürdigkeiten

Der Park verfügt über eine gute Infrastruktur für Besucher, mit beschilderten Wegen und Pfaden, auf denen man die bedeutendsten touristischen Attraktionen leicht finden kann. Der Corcovado ist eine der meist besuchten, in einem Areal, das “Floresta da Tijuca“ genannt wird – hier gibt es viele Wege für Wanderungen. Man erreicht ihn auch per Fahrrad, Motorrad, Auto oder Omnibus.

Corcovado
Er präsentiert eins der bedeutendsten Symbole der Stadt Rio de Janeiro und Brasiliens: die monumentale Statue des “erlösenden Christus“ – seine Konstruktion wurde 1926 begonnen und 1931 vollendet. Er ist 33m hoch und 28m breit – von den Fingerspitzen des einen ausgebreiteten Arms zum andern), er besteht aus Spannbeton und ist mit Mosaiksteinchen verkleidet. Er befindet sich auf einer Höhe von 705m. Vom “Parque Lage“ aus kann man ihn auf einem Pfad von 1,5 Stunden Wanderung auch zu Fuss erreichen. Für die Abenteurer gibt es eine ganze Reihe von Erkletterungsmöglichkeiten.

Andaraí Maior
Einer der sehenswertesten Aussichtspunkte auf 861 Metern Höhe. Seine Hänge waren einst bedeckt von Kaffeesträuchern – heute präsentiert sich der Berg aufgeforstet, mit einer riesigen Felswand und einer weiteren Attraktion: die “Gruta Maior“ (Grotte, Höhle).

Der Bico do Papagaio
Mit einer Höhe von 989m – besitzt verschiedene Felswände, zwei Pfade führen auf seinen Gipfel. Beide beginnen am “Largo Bom Retiro“ und teilen sich später. Am besten nimmt man den einen für den Hinweg und den andern zurück. Dies ist eine Wanderung für gut konditionierte Teilnehmer – sehr steil teilweise! Dauer in etwa 2 Stunden. Von oben hat man eine wunderbare Sicht auf den Südteil der Stadt Rio.

Capela Mayrink
Diese Kapelle liegt ebenfalls innerhalb des Florestra da Tijuca – sie stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und wurde komplett restauriert – mit einem neuen Glockengeläut. Innen befinden sich ein paar bemalte Paneele von Cândido Portinari. Jeweils am letzten Sonntag eines Monats wird um 12 Uhr mittags hier eine Messe zelebriert.

Cascatinha Taunay
Der Wasserfall hat diesen Namen nach dem französischen Maler Nicolau Taunay, dem das Haus vor dem Wasserfall gehört. Es befindet sich rechter Hand, gleich hinter dem Eingang zum Park.

Jardim dos Manacás
Dies war der Lieblingsplatz der Kaiserin Donna Leopoldina, wo sie Tee mit ihren Hofdamen getrunken hat. Er besteht aus einem Garten, der von “Manacás“ umstanden ist, einer Art “Quaresmeiras“ (Baumart), an der Seite des Wallace-Brunnens, der 1872 in Frankreich hergestellt wurde.

Mesa do Imperador
Einer der bevorzugten Plätze Dom Pedros I. für seine Mittagessen ausserhalb des Palastes. Er liegt auf dem Weg zur “Vista Chinesa“ und erlaubt einen herrlichen Ausblick auf den Atlantischen Regenwald an der Parkgrenze.

Mirante Bela Vista
Im Gegensatz zu den meisten Aussichtsplattformen hat man von dort keinen Blick aufs Meer, sondern kann den rückwärtigen Teil der Serra da Carioca einsehen, den Rio Maracanã und den Rio Trapicheiro.

Mirante Dona Marta
Dieser Aussichtspunkt erhielt seinen Namen zu Ehren der Mutter des General-Vikars von Rio de Janeiro und antikem Besitzer der “Quinta São Clemente“. Er befindet sich an der “Estrada das Paineiras, auf 362m Höhe, mit einer wundervollen Aussicht auf die Baia de Guanabara.

Parque Lage
Eine der zuletzt in den Nationalpark integrierten Flächen, welche der Familie Rodrigo de Freitas über mehr als 200 Jahre lang gehörte – sie befindet sich in der Nähe der Lagune gleichen Namens. 1965 unter Denkmalschutz gestellt, enthält dieser ehemalige Familienpark gepflegte Wald- und Gartenareale, ausserdem eine Schule für Visuelle Kunst, die in der antiken Villa Henrique Lage untergebracht ist.

Pedra Bonita
Dieser Felsen besitzt eine Startrampe für Drachenflieger und ein paar Kletterpfade. Um zum Gipfel zu gelangen – auf 696m Höhe – kann man von der “Estrada de Canoas“ aus auch per Auto fahren.

Pedra da Gávea
Dieser Felsen mit 842m Höhe war einst Referenz für portugiesische Seefahrer seit dem 16. Jahrhundert – er bekam seinen Namen wegen seiner Ähnlichkeit mit einem Mastkorb der antiken Karavellen. Viele Legenden ranken sich um ihn – heute ist er Treffpunkt der Adepten radikaler Sportarten. Um zu seinem Gipfel zu gelangen, gibt es drei verschiedene Pfade durch Atlantischen Regenwald. Von oben enthüllt sich dem Besucher ein spektakulärer Ausblick auf Rio de Janeiro.

Pico da Tijuca
Der höchste Gipfel des Parks, mit 1.021 Metern. Kurios sind die in den Felsen gehauenen Treppenstufen und das Geländer, welches mit Eisenringen am Fels befestigt ist – diese Erleichterungen für den Wanderer wurden auf Anregung des Königs Albert von Belgien im Jahr 1928 angebracht, als dieser Rio de Janeiro besuchte. Um auf den Gipfel zu gelangen, muss man einen beschwerlichen Aufstieg von etwa 1,5 Stunden auf sich nehmen – der allerdings von einer herrlichen Aussicht auf die Landschaft ringsum kompensiert wird!

Vista Chinesa
Ihr Name ehrt die Chinesen, welche den Tee-Anbau nach Brasilien brachten, Anfang des 19. Jahrhunderts. Der kleine Rundbau in orientalischem Stil wurde in den 30er Jahren errichtet und befindet sich an der Strasse gleichen Namens innerhalb des “Floresta da Tijuca“.

nach obenEmpfehlungen für Besucher:

  • Im Park gibt es mehr als 200 Wege und Pfade – aber nur 14 davon sind als «ökologisch» registriert.
  • In den letzten Jahren gab es verschiedene Male Fälle, in denen sich ganze Gruppen im Wald verirrt haben – deshalb ist es zu empfehlen, einen erfahrenen lokalen Guide mitzunehmen, sowie sämtliche Utensilien für eine problemlose Wanderung!
  • Im Sommer erlaubt das längere Tageslicht eine bessere Sicht der Landschaft, und die Hitze verstärkt die Suche nach einem Wasserfall – und machen Sie sich auf plötzliche, starke Regenfälle gefasst!
  • Obwohl die herrliche Landschaftsszenerie den Besucher zum Klettern einlädt, sollte dieser sich in guter physischer Kondition befinden, um die steilen Trails bezwingen zu können!
  • Die Temperatur in den Höhenlagen des Parks ist sehr viel niedriger als in der Stadt. Deshalb nehmen Sie eine Jacke oder Anorak mit, um nicht von der Kälte überrascht zu werden!
  • Nehmen Sie einen Rucksack mit Trockennahrung mit: Integralbrot, weisser Käse, Rosinen oder Trockenfrüchte, Schokolade, Nüsse, Kekse und Rohzucker sind leichte Nahrungsmittel, die Energie geben.
  • Denken Sie auch daran, dass exzessiver Lärm die Tiere verscheucht und andere Gruppen beeinträchtigt, die Ruhe suchen!
  • Und vergessen Sie nicht: Der Park ist in seinem Gesamt ein Schutzgebiet, deshalb sammeln Sie bitte allen von Ihnen produzierten Abfall wieder ein und nehmen Sie ihn mit zurück!!