Sete Cidades Nationalpark

Veröffentlicht am 5. Januar 2010

Gründungsdatum: 1961
Fläche: 6.331 Hektar
Ökosystem: Cerrado und Caatinga
Relief: Sedimentäres Becken
Ort: Bundesstaat Piauí – Orte Piracuruca und Brasileira

Eine Reihe von Geschichten und Legenden umgeben dieses riesige Agglomerat von Felsformationen, die aussehen wie Reste einer versteinerten Stadt. Wenn man das Mysterium entschlüsseln will, welches sich hinter jenen enigmatischen Felsen im Norden des Bundesstaates Piauí verbirgt, muss man sich zirka 400 Millionen Jahre zurück begeben. Während dieser Periode setzten intensive Winde, Regen und glühende Hitze den Felsen zu, formten aus ihnen fantastische Monumente unter freiem Himmel – in ganz unterschiedlichen Formen und Grössen, die aussehen, wie von künstlerischer Menschenhand gemeisselt, geschliffen und gedrechselt. Erste Aufzeichnungen des Ortes stammen aus dem Jahr 1886, als das Instituto Histórico e Geográfico Brasileiro von der damaligen Provinz Piauí konkrete Informationen über die “versteinerten Städte“ anforderte.

Google Map

Der Nationalpark wurde im Juni 1961 gegründet, er beschützt eine Fläche von 6.331 Hektar mit zwei unterschiedlichen Ökosystemen – der Caatinga und des Cerrado. Diese Region von Piauí präsentiert zwei verschiedene Jahreszeiten – die Regen- und die Trockenzeit. Sie sind es, die die Farben definieren, die Töne der Landschaft von dem dieses Gebiet umgeben ist. Während der Regenperiode bieten Wasserfälle, wie die des “Riachão” ein sehenswertes Spektakel, mit kleinen und grossen Fällen und ihren Becken, in denen man Körper und Geist erfrischen kann. Während der Trockenperiode dagegen, lösen sie sich auf – das Wasser verdampft und versickert im Sand – und grosse, trockene Felswände reflektieren die erbarmungslose Trockenheit der Caatinga.

Obwohl das Gebiet immer noch unter Wilddieben leidet, sind seit der Gründung des Parks zahlreiche Arten, die fast ausgestorben waren, in der Cerrado-Landschaft wieder heimisch geworden – besonders die Vogelwelt hat in ihrerem Bestand stark zugenommen. In den frühen Morgenstunden geben die gefiederten Bewohner ein unvergessliches Konzert – Canários (Serinus canaria – Kanarengirlitz), Bem-te-vis (Pitangus sulphuratus – Schwefeltyrann) und Gralhas (Cyanocorax caeruleus – Azurblaurabe) sind inzwischen wieder sehr zahlreich und demonstrieren, dass sie sich jetzt hier sicher fühlen.

nach obenGeometrische Formen

Sie beherrschen die Felszeichnungen, die man an den Felsen der “Sete Cidades” vorfindet – wiederholte Symbole nähren die Annahme, dass die einstigen Bewohner über eine Art Kalender verfügten und die Zeit ihres Aufenthalts zu kontrollieren verstanden. Gerade Linien, Kurven, estelare Körper, runde Sonnen, scheinen die Annahme eines direkten Einflusses der Sonne auf den Alltag dieser primitiven Völker zu bestätigen. Die Malereien sind in rot (Eisenoxyd) und gelb (Pflanzenöl) gehalten – Beweise für ihre Datierung fehlen noch – man schätzt, dass diese Menschen den Norden von Piauí vor zirka 5.000-10.000 Jahren passierten. Es gibt, darüber hinaus, auch Anzeichen für spätere Niederlassungen der Carijó- und Tabajara-Indianer, die in diesem Gebiet eine Heimat fanden.

Man kann den Park auf verschiedene Art und Weise kennenlernen – die beste ist eine Wanderung zusammen mit einem lokalen Führer, so kann man etwas von der Geschichte der Gegend erfahren, ihre Legenden kennenlernen und die Naturgewalten erleben. Per Fahrrad ist ebenfalls eine mögliche Alternative – die Infrastruktur des Parks ist recht gut und man wird stets Fahrräder und Guides zusammen antreffen, und bei den Sehenswürdigkeiten gibt es immer auch Abstellplätze für die Drahtesel. Vergessen Sie nicht, dass die Sonne von Piauí sehr stark brennt, deshalb denken Sie an Sonnenschutz, Hut und viel Mineralwasser! Wer die Bequemlichkeit vorzieht, kann auch per Auto fahren und einen Guide mitnehmen. Nach einer ausgiebigen Besichtigung ist ein erfrischendes Bad im “Olho d’água dos milagres” eine gute Idee – einem Brunnen mit beständigem Wasser, der einen bis auf die Seele erfrischt.

Man sollte vielleicht noch anfügen, dass dieser Park einer der wenigen in Brasilien ist, der über eine gute Infrastruktur für den Empfang von brasilianischen und ausländischen Besuchern verfügt: Hotels für die Übernachtung, gut markierte Wanderwege, Restaurants und erfahrene Guides.

nach obenSteinerne Stadt

Die Felsengruppen, die wie Ruinen ehemaliger Städte aussehen, sind in verschiedene Zonen aufgeteilt – jede dieser Zonen scheint eine “Stadt” für sich zu sein – insgesamt sieben. Die interessantesten Felsformationen befinden sich in der dritten und der vierten Zone, aber jede von ihnen hat zweifellos ihre besonderen Attraktionen.

Mit ein bisschen Vorstellungsvermögen kann man in den verschiedenen Felsenformen interessante Objekte und Figuren erkennen, wie zum Beispiel den Kopf Don Pedros II. – die Schildkrötedie Drei Könige – und viele andere.

Natürlich ist es nicht wichtig, ob Sie den Namen und Bezeichnungen der einzelnen Felsskulpturen zustimmen – einige sind tatsächlich etwas schwierig nachzuempfinden – was wirklich zählt, ist die Grandiosität dieses Ortes und ihr historischer Wert. Ob Sie nun wandern, radeln oder zwischen den Felsen herumklettern wollen, vielleicht den Park auch nur mit dem Auto befahren – suchen Sie es sich aus! Auf jeden Fall wird Sie dieses Erlebnis nachhaltig beeindrucken!

nach obenEmpfehlungen für Besucher:

  • Keine Zigarettenkippen auf den Boden oder ins Gras werfen, um keine Brände zu verursachen!
  • Keinerlei Abfall im Innern des Parks zurücklassen!
  • Keine Pflanzen, Blumen oder Früchte sammeln!
  • Die Markierungen und Hinweise beachten!
  • Sich auf den angegebenen Pfaden und Wegen halten!
  • Den Park so verlassen, wie Sie ihn angetroffen haben – damit Ihre Nachkommen das Privileg haben, ihn genauso kennen und schätzen zu lernen, wie Sie!