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Ilha Grande Nationalpark

Gründungsdatum: September 1997
Fläche: 78.800 Hektar
Ökosystem: Atlantischer Regenwald
Relief: Flussebene
Aktivitäten: Wanderungen, Bootsausflüge, Birdwatching, fotografisches Trekking und Umwelterziehung.
Ort: Bundesstaat Paraná – Munizipien von Altônia, Guaíra, São Jorge do Patrocínio, Vila Alta und Icaraíma – und im
Bundesstaat Mato Grosso do Sul die Munizipien von Mundo Novo, Eldorado, Naviraí und Itaquiraí.

Ein Komplex von 300 Inseln und Inselchen bilden eines der grössten Fluss-Achipels des Landes – im einzigen nicht gestauten Abschnitt des oberen Rio Paraná. Der Nationalpark von Ilha Grande wird periodisch von Überschwemmungen heimgesucht, seine Vegetation besteht hauptsächlich aus Atlantischem Regenwald in den Überschwemmungszonen und anderen Feuchtgebieten, hat aber auch Übergangszonen aufzuweisen und präsentiert insgesamt eine üppige Biodiversifikation.
Google Map
Die so genannte “Ilha Grande“ (Grosse Insel), mit einer Nord-Süd-Länge von 120km und einer variablen Breite zwischen 2,5km und 6km, befindet sich an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Paraná und Mato Grosso do Sul – oberhalb des Wasserkraftwerks von Itaipu.

Der Park umfasst den Korridor der Biodiversifikation des Flusses Paraná, zusammen mit geschützten Naturlandschaften Brasiliens, Argentiniens und von Paraguay – insgesamt mehr als 1,5 Millionen Hektar. Das Gebiet erstreckt sich vom Wasserkraftwerk “Porto Rrimavera“, an der Grenze São Paulo / Mato Grosso do Sul / Paraná bis zum Stausee des Wasserkraftwerks Itaipu. Der Park ist nicht nur ein Wald-Korridor, der einer reichen terrestrischen Fauna als Habitat dient, sondern auch ein Korridor für die aquatischen Ökosysteme.

nach obenAus der Geschichte

Ursprünglich wurde die Region von den Guarani- und den Xetá-Indianern bewohnt – letztere gelten als ausgestorben. Die ersten Weissen, welche diese Gegend erreichten, waren Spanier, sie kamen die Flüsse des Prata-Beckens herauf. Im 16. Jahrhundert errichteten spanische Jesuiten zahlreiche Missionen im Innern des Kontinents. Von da an bekam die Region den Namen “Las Missiones del Gayra“. Als dann die Bandeirantes aus São Paulo in die Gegend vorstiessen – noch gegen Ende desselben Jahrhunderts – flohen viele Indianer gen Süden zu den “Sieben Völkern“ der Missionen in Rio Grande do Sul. Später kam dann die zweite Besetzung von brasilianischer Seite mit der Ausbreitung der Kaffee-Plantagen – das Gebiet zwischen den Flüssen Paraná, Paranapanema und Piquiri, wo sich die Ilha Grande befindet, wurde zuletzt besetzt. Ab 1960 ging dann das Weltmarktinteresse an brasilianischem Kaffee zurück, und das Gebiet wurde für die gemischte Landwirtschaft genutzt.

Durch die Konstruktionen diverser Staumauern und –seen zur Erzeugung hydro-elektrischer Energie, wurde der Rio Paraná praktisch in seiner Gesamtlänge kompromittiert – lediglich einen Abschnitt mit vielen Inseln und Inselchen wurde davon nicht betroffen, und der diente zahllosen Tier- und Pflanzenarten als Rückzugsgebiet.

Im Jahr 1993 gab es eine aussergewöhnlich grosse Überschwemmung, von der verschiedene Rinderfarmen dieses Gebietes betroffen waren, was die stattliche Akquise dieser Ländereien zur Schaffung eines Nationalparks erleichterte – er wurde im September 1997 offiziell gegründet.

nach obenDie Landschaft

Ihre gegenwärtige Beschaffenheit erreichte sie vor zirka 1.500 Jahren – während ausgedehnter Regenperioden bildeten sich die Lagunen und das Kanalsystem, mit dem diese untereinander verbunden sind. Das flache Relief ist das Ergebnis eines sedimentären Ablagerungsprozesses, welcher die Überschwemmungsebene des Rio Paraná vor etwa 7.500 bis 8.000 Jahren geformt hat – ein einzigartiges Ambiente, einmalig auf unserem Planeten.

Das ausgedehnte Bewässerungsnetz, welches zur Bildung des Itaipu-Stausees beiträgt, erfasst ausser dem Rio Paraná, noch die Flüsse Rio Piquiri und Rio Ivaí, sowie die Bäche Veado, Itaúna, Paracaí und São João.

nach obenDie Flora

Die Einheit versteht sich als ein Gebiet des Übergangs zwischen stationärem Wald. Cerrado und Überschwemmungszone. Sie präsentiert überflutete Böden, auf denen sich Ingás (aus der Familie Fabaceae) und Guanandis (Calophyllum brasiliense Cambess) ausgebreitet haben. Auf den trockeneren Terrains herrschen Almécegas (Protium heptaphyllum) vor. Auf den natürlichen Dämmen findet sich eine dichtere Pflanzendecke, mit Bäumen bis zu 25m Höhe, wie zum Beispiel dem Pau-d´alho (Gallesia integrifolia oder Gallesia gorazema), der Figueira Branca (Ficus Gomelleira) und dem Pateiro (Couepia uiti.).

Auf den periodisch überschwemmten Terrains, und um die Lagunen herum, haben sich kleine Büsche ausgebreitet, Kräuter und Wasserpflanzen, wie zum Beispiel die Aguapés und die Alfaces-d’água (Pistia stratiotes – Muschelblume). Es gibt noch weitere Arten im Bereich des Nationalparks, wie zum Beispiel Angico-vermelho (Anadenanthera colubrina), Jequitibá (Cariniana estrellensis), Peroba-rosa (Aspidosperma peroba) und Tarumã (Vitex montevidensis).

nach obenDie Fauna

Der Park beschützt verschieden endemische Spezies und auch solche, die vom Aussterben bedroht sind. Unter der terrestrischen Fauna finden sich unter anderem auch der Cervo-do-pantanal (Blastocerus dichotomus), Jacaré-do-papo-amarelo (Caiman latirostris), Onça-pintada (Panthera onca), Anta (Tapirus bairdii), Tamanduá-bandeira (Myrmecophaga tridactyla) und Capivara (Hydrochoerus hydrochoeris).

Weil es sich in diesem Fall um einen Archipel handelt, ist die Vogelwelt von besonderer Bedeutung. Mit relativer Sicherheit kann man hier Garças (Ardea alba, Egretta alba), Jaburu (Jabiru mycteria), Mutum (Crax blumenbachii) und Colhereiro (Ajaia ajaja Ajaia ajaja) beobachten. Aus der aquatischen Fauna sind Pintado Jaú, Dourado und Pacu besonders erwähnenswert.

nach obenDas Klima

Eine gemässigte Zone, mit jährlichen Durchschnittstemperaturen zwischen 18 und 24° C. Der wärmste Monat ist der Januar – der Winter ist mild. Die trockensten Monate liegen zwischen April und August – die regenreichsten zwischen Oktober und Januar. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt 1.600mm.

nach obenSehenswürdigkeiten

Die Ilha das Gaivotas
Diese Insel besitzt ausgedehnte Strände, die von Möwen überflogen und von Capivaras als Ruheplatz benutzt werden. Eins der meist besuchten Gebiete im Park – hin kommt man von Guaíra aus per Boot.

Die Ilha Grande
Wie schon ihr Name sagt, ist diese Insel die grösste des Archipels, mit annähernd 110km Länge, und sie präsentiert Abschnitte mit geschütztem Wald, in dem man Guanandis (Calophyllum brasiliense Cambess), Cafés-do-mato (Cordia ecalyculata) und Tarumãs (Vitex montevidensis) beobachten kann. Auf die Insel kann man von Norden aus ab Porto Figueira oder von Süden ab Guaira, gelangen.

Die Ilha Cartão de Visita
Die Insel besitzt einen schönen Strand mit weissem Sand, gigantische Feigenbäume und einen Pfad durch den Wald. Sie ist ein begnadeter Platz um Schwärme von weissen und rosafarbenen Reihern zu beobachten, aber auch Papageien und andere seltene Vögel. Die Insel liegt im Munizip von Vila Alta, man erreicht sie von Porto Figueira aus. Ausserdem lohnt es sich, eine Bootsfahrt zwischen den Inseln zu unternehmen, um die archäologischen Fundstätten zu besuchen.

Prainha do Paracaí
Ein Strand mit weissem Sand und guten Bademöglichkeiten, Naturbeobachtungen und einem unvergesslichen Sonnenuntergang. Er liegt im Munizip von São Jorge do Patrocínio und besitzt eine rustikale Infrastruktur für Picknicks.

Lagoa Saraiva
Mit 20km Länge und vielen Wasserpflanzen – die bedeutendste natürliche Lagune des gesamten Archipels von Ilha Grande. Das saubere Wasser von dunkler Farbe erreicht eine Tiefe von 12 Metern, und an seinen Ufern kann man diverse Vogelarten beobachten, ausserdem Capivaras, Jacarés-de-papo-amarelo und andere Tiere. Man kommt hin von Guaíra aus – während des Ausflugs erlebt man verschiedene blühende Wasserpflanzen.

Lagoa Xambrê
Ein wunderbarer Ort für Picknicks und Wassersport. Zufahrt via Altônia – allerdings braucht man eine Genehmigung der lokalen Präfektur zu diesem Besuch!

nach obenEmpfehlungen für Besucher:

  • Der Park bietet keine Infrastruktur für Besucher.
  • Die beste Art, ihn kennenzulernen, ist per Boot. Man kann Ausflüge per Kanu oder Motorboot vereinbaren, mit Stopps an Stränden und auf Inseln.
  • Es empfiehlt sich, einen Guide anzuheuern, der die Region gut kennt und von der IBAMA akkreditiert ist – um sich nicht während der Ausflüge zu verirren – man braucht schon ein bisschen Abenteuergeist!
  • Sammeln Sie keinerlei Pflanzen und jagen Sie keine Tiere!
  • Während Sie fotografieren oder die Natur geniessen, sind Sie bitte rücksichtsvoll, um keine Tiere zu stören oder zu belästigen!
  • Denken Sie daran: Der Park ist in seinem Ganzen ein Schutzgebiet – deshalb bringen Sie bitte sämtlichen Müll wieder mit zurück!
 
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