Flamengo

Veröffentlicht am 12. November 2010

Flamengo ist ein Stadtteil der Südzone von Rio de Janeiro, begrenzt vom Strand und vom Park gleichen Namens. Seine Grenzen sind die Stadtteile Botafogo, Laranjeiras, Glória und Catete. Flamengo ist ein ausgesprochenes Wohngebiet der Mittel- und der Oberklasse, mit einigen äusserst luxuriösen Appartements die Sicht auf die Avenida vor dem Meer bieten (Praia do Flamengo und Avenida Rui Barbosa).

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERADer Kommerz und der Dienstleistungssektor sind besonders nach dem Anschluss der Metrô in diesem Bereich stark gewachsen und haben den “Largo do Machado“ und sein Umfeld zu einem Sub-Geschäftszentrum gemacht. Nach Auskunft der Bewohner gehört es zu den Qualitäten dieses Stadtteils, dass man des Nachts in relativer Sicherheit über die Strassen flanieren kann. Obwohl der Stadtteil mit der “Favela do Morro Azul“ in widersprüchlichem Verhältnis steht, deren Bewohner unter der gesellschaftlichen Ausgrenzung leiden.

Flamengo, Largo do Machado und Catete heissen die Stationen der Metro-Linie 1, von denen aus man den Stadtteil erleben kann. Seine bedeutendsten Strassen sind: Rua Senador Vergueiro und die Rua Marquês de Abrantes, ausser der schon erwähnten Schnellstrasse des “Aterro do Flamengo“ zwischen Südzone und Zentrum der Stadt.

Einige der bemerkenswertesten Punkte des Stadtteils sind: Oi Futuro, Arte Sesc, Castelinho do Flamengo, Museu da República und der Parque do Flamengo.

Name

Der Name des Stadtteils entstand zu Ehren des flämischen (flamengo) Seefahrers Olivier van Noort, der eigentlich holländischer Staatsangehöriger war und unter seinem Spitznamen “Le Blond“ (der Blonde) bekannt wurde – er kam im 17. Jahrhundert nach Rio de Janeiro an Bord seines Schiffes vom Typ “Urca“. Daher die drei Namen von bekannten Stadtteilen der Südzone Rio de Janeiros. Allerdings gibt es für den Namen “Flamengo“ auch andere Theorien, mit denen sich der Historiker Brasil Gérson in seinem Werk “História das Ruas do Rio“ auseinandersetzt.

Eine davon bezieht sich auf die Zeit der holländischen Invasion in Brasilien. Der Name stamme von der Bezeichnung für die Gefangenen – die man “Flamengos“ nannte – sie waren von Pernambuco in diesen Stadtteil Rios verbracht worden und wohnten in dieser Region zwischen 1600 und 1699.

Die zweite Theorie bezieht sich auf die Tatsache, dass es einmal in Rio de Janeiro viele Flamingos gegeben hat, die man aus dem Gebiet des Mittelmeers hierher brachte, um die schönen Vögel hier anzusiedeln. Sie vermehrten sich gut und es gab so viele von ihnen, dass ein deutscher Offizier der ausländischen Truppen des ersten Kaiserreichs C. Schlichthurst, in seinen Memoiren “So ist Rio de Janeiro“ schrieb: “ . . . und die Flamingos fliegen umher in der Pracht ihrer glänzenden Farben und viele Schmetterlinge von nie zuvor gesehener Grösse . . . “.
Vor seinem gegenwärtigen Namen hat der Stadtteil “Flamengo“ allerdings noch einige andere gehabt.

Historisches

Der Stadtteil Flamengo, welcher ehemals als Nobelstadtteil galt, in dem die Regierung ansässig war, fiel durch jene, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorgenommenen Veränderungen in die urbane Dekadenz. Aus Angst vor der Kriminalität errichteten die Bürger hohe Mauern und Eisengitter zwischen Bürgersteig und Gebäuden, wodurch letztere sowohl ihre architektonische Schönheit als auch ihren Marktwert einbüssten.

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Inzwischen kann man eine Revitalisierung in bestimmten Arealen von Flamengo beobachten. Die Präfektur hat drei bedeutende Eingriffe in diesem Stadtgebiet vorgenommen: die “Praia do Flamengo“ (Flamango-Strand) – mit dem grössten Erfolg – die Rua Marquês de Brantes (Strasse) und die Rua do Catete (Strasse) – ausserdem innerhalb des Programms “Bairrinho“ wurden in der Favela des “Morro Azul“ verschiedene öffentliche Einrichtungen verbessert und einige Strassen ebenfalls. Um den Platz “José de Alencar“ herum hat man mittels verschiedener privater Investitionen die gesamte Infrastruktur verbessern können – infolge dessen ist hier inzwischen auch nachts mehr Bewegung entstanden. Einige antike Etablissements, wie zum Beispiel das “Café Lamas“ und die “Churrascaria Majorica“ haben von der neuen Infrastruktur ebenfalls profitiert.

Architektur

Flamengo ist ein historisch bedeutsamer Stadtteil, dessen architektonisches Erbe man erst ab der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zu erhalten und zu schützen begann. Die ersten dieser historischen Gebäude präsentieren einen deutlichen Einfluss der französischen Architektur, obwohl sie sich in einem Zustand der Degradierung und Entwertung befinden, einstmals gebaut für eine Bevölkerung mit hohem Einkommen. Die Gebäude aus jüngerer Zeit, die de facto inzwischen dominieren, wurden mit kleinen bis mittelgrossen Appartements für Bürger der Mittelklasse konzipiert. Die vordere Front in Richtung des Strandes ist allerdings weiterhin ein Privileg der Oberklasse.

Noch existieren auch ein paar Überbleibsel ganz alter Gebäude, welche die Immobilienspekulation überlebt haben. Einige Beispiele: Das Kolleg “Amaro Cavalcanti“ des Architekten Francisco Joaquim Béthencourt da Silva in neo-klassischem Stil, die Kirche “Matriz de Nossa Senhora da Glória“, das Gebäude der IAB (lieferte einst Strom für die Strassenbahnen), das “Castelinho do Flamengo“ (Schlösschen) des Architekten Gino Copede (ein eklethisches Gebäude mit italienischem Einfluss).

Sport

Der Stadtteil ist die Wiege des Ruderclubs “Clube de Regatas do Flamengo“.
Adresse: Praia do Flamengo, 66.