Garopaba und die “Praia do Rosa”

Veröffentlicht am 28. März 2014

Wenn im bahianischen “Trancoso”, das heutzutage nur noch wenig Ähnlichkeit mit dem Hippie-Paradies hat, das es einst in den 1980er Jahren gewesen ist, die elektronische Musik, die synthetischen Drogen, die Geschäfte mit Markenartikeln und die Preise der Speisenkarten die Welt verändert haben, so haben “Garopaba“ und der Nachbarstrand “Praia do Rosa“, zwei weitere mystische Strandparadiese an der Küste von Santa Catarina, sich ihr Flair aus der Pionierzeit noch weitgehend erhalten. Einhundert Kilometer südlich der Hauptstadt Florianópolis, auf dem Kontinent gelegen, sind die bevorzugten Destinationen für Surfer aus dem ganzen Land.

Humpback Whale

Die “Gaúchos“ aus dem Nachbarstaat Rio Grande do Sul lieben Garopaba, aber auch die Paulistas, Cariocas, Paranaenses und sogar die Argentinier. Viele Surfer haben sich dort fest niedergelassen und zur Entwicklung dieser Destination beigetragen, jedoch nicht in der sonst üblichen chaotischen Art der Brasilianer. Eine gewisse ambientale Rücksichtnahme scheint diesen Einwanderern bereits in der Vergangenheit zu Eigen gewesen sein, denn sie haben ihre Behausungen von Anfang an der sie umgebenden Natur angepasst. Allerdings wird es jetzt wahrscheinlich auch hier einen unschönen Eingriff in die Natur geben, durch die offizielle Baugenehmigung aus dem Jahr 2011 für Häuser mit mehr als zwei Stockwerken.

Deshalb gab es Proteste, wie zum Beispiel den des bekanntesten Surf-Pioniers von Garopaba, dem Unternehmer und Arzt “Morongo“, Besitzer der Marken-Beachwear “Mormaii“. “Ich kann nicht mehr ruhig schlafen, solange dieses Projekt der Politiker und Landspekulanten nicht endgültig abgeblasen ist“, bemerkt er entrüstet. Der Tourismus-Sekretär von Garopaba äussert sich dazu wie folgt: “Da liegt ein Missverständnis vor. Das Projekt gilt nur für spezielle Vorhaben, wie den Bau einer Universität und Einheiten des Hospitals“.

Garopaba und Rosa mit ihren herrlichen Stränden (drei davon – “Ferrugem, Silveira“ und “Luz“ bekamen vom “Guia Brasil 2013“ vier Sterne zugesprochen), sind ebenfalls nicht immun gegen einen enormen Touristenstrom an Silvester. Am Rosa-Strand findet das Fest “Virada Mágica“ (Magische Jahreswende) statt – für 5.000 Personen, jetzt zum fünften Mal – mit einem Aufgebot, das dem Fest in “Jurerê“ kaum nachsteht. Die Sängerin Nadia Ali, Popstar zwischen Malta-Goa-Miami und Partnerin von Stars der Elektronik, wie dem Produzenten und DJ Armin van Buren, unter anderen, präsentiert sich auf einer Bühne, die auf dem Rasen der Pousada “Fazenda Verde do Rosa“ montiert ist – mit Preisen, die sich bis zu 429 R$ (165 Euro) bewegen – inklusive Open Bar. Demokratischer ist das Fest in Garopaba – am Strand im Zentrum, der “Praia Central“, Show und Feuerwerk sind gratis.

Trotz seiner relativ kleinen Fläche hat der Strand “Praia do Rosa“ es geschafft, sich zu einem touristischen “Cluster“ zu entwickeln, wie die Experten das nennen. Es gibt dort Dutzende von charmanten Pousadas und zwei Restaurants, die ebenfalls vom “Guia Brasil 2013“ mit Sternen geehrt wurden: der “Tigre Asiático“ und das “Lua Marinha“. Ersteres ist ein thailändisches Restaurant, das täglich geöffnet ist, auch ausserhalb der Saison, und ein köstliches “Pad Thai“ serviert. An Silvester gibt es ein Spezialmenü mit zwei Hauptgängen (normalerweise Ente und Meeresfrüchte), sowie zwei Desserts. Die 150 R$ pro Person berechtigen ausserdem zu einer Flasche Schaumwein pro Paar.

Der “Tiger“ wird geführt von Márcia, die im thailändischen Chiang Mai 1999 einen Gastronomie-Kursus absolviert hat und seither immer wieder Thailand bereist. “Ich kann nur nicht so viel Pfeffer in meiner Küche verwenden, wie in Thailand üblich, sonst kommt niemand mehr in mein Restaurant“, sagt sie. Das “Lua Marinha“, vor der “Lagoa de Ibiraquera“, ist spezialisiert auf frischen Fisch. Nicht nur – es gibt dort auch überraschende Kombinationen, wie zum Beispiel Tintenfisch mit Pilzen und als Beigabe Apfelrisotto.

Am Strand “Praia do Rosa“ gab es vor den Sterne-Restaurants bereits die Pousadas. Und die sind bekannt durch ihren Komfort: Verandas mit Hydromassage, Frühstück bis kurz vor dem Mittagessen, und ein weiterer Trumpf: ihre Rücksichtnahme auf die Umwelt. Bei vielen sieht man, dass es ihnen wichtiger ist, ein Stück Wald zu erhalten, anstatt auf dieser Fläche einen weiteren Bungalow zu errichten. “Neco“, Besitzer der “Fazenda Verde“, gegründet 1985, ist einer dieser Ökologen der ersten Stunde. Auf seinem Besitz hat er mehr getan als nur zu erhalten – er hat aufgeforstet: “Früher war das Terrain der Pousada bedeckt von einer Maniokplantage. Heute sind die Areale mit Blick aufs Meer von mehr Atlantischem Regenwald bedeckt als vor dreissig Jahren“.

Quinta do Bucanero

Die beiden besten Pousadas vom “Rosa-Strand“, nach Beurteilung des Guia Brasil, die “Quinta do Bucanero“ und die “Solar Mirador“, bieten eine genügende Anzahl von positiven Eigenschaften, um ihnen das Siegel “erhaltend“ des Guide zu verleihen. Die erste benutzt elektrische Haushaltsgeräte mit zertifiziertem niedrigen Energieverbrauch und erwärmt das Wasser mit Solarenergie. Ausserdem unterstützt sie seit 2004 das Projekt “Paint a Future“, welches Kunstwerke aus Zeichnungen von Kindern der Region entwickelt. Die “Solar Mirador“ hat die Originalstruktur des Terrains unverändert beibehalten: Felsen bilden die Dekoration der Pousada-Umgebung und die Suiten sind auf Säulen angelegt, um den Lauf des Regenwassers nicht zu behindern. Verschiedene andere Unternehmer, organisiert im so genannten “Núcleo de Turismo da Praia do Rosa“, setzen kollektive Kampagnen in die Praxis um, wie zum Beispiel die Säuberung des Strandes und der Strassen. Auch die Gäste werden von ihnen zur Mitarbeit aufgefordert – es wird von ihnen ein Beitrag von 2 R$ erhoben, der für diese Aktionen verwendet wird.

Demnächst, wenn endlich die ewigen Bauarbeiten zur Verdoppelung der Strasse BR-101 (Florianópolis-Porto Alegre) beendet sein werden, erwartet man auch eine Vervielfachung der Besucher in Garopaba und Praia do Rosa. Denn ausser den bereits erwähnten Vorzügen gibt es dort noch eine ganz besondere Attraktion für Naturliebhaber: Die Beobachtung von Walen – im Jargon des Ökotourismus als “Whale-watching“ bekannt und beliebt.

Humpback WhaleDie Beobachtungs-Saison der Glattwale in Santa Catarina beginnt offiziell am 19. Juli und erstreckt sich bis in den Monat November. Angelockt durch das warme Wasser, mit durchschnittlichen Temperaturen zwischen 16 und 22 Grad Celsius, suchen die Wale jedes Jahr die Küste vor dem Rosa-Strand auf, um dort ihre Jungen zu gebären und – nur zirka dreissig Meter vom Ufer entfernt. Und jedes Jahr wächst die Zahl der Besucher, die sich an dem Schauspiel ergötzen, das ihnen diese Giganten des Meeres mit ihren übermütigen Luftsprüngen bieten. “Sie säugen und umsorgen ihre Jungen und bleiben solange bis die Jungwale an Fettschicht und Stärke soweit zugelegt haben, dass sie den Rückweg in die Gewässer der Antarktis bewältigen können“, erklärt der Tourismus-Sekretär von Santa Catarina.

Der Strand “Praia do Rosa“ wurde zur “Preservação Ambiental “APA)“ – einem ambientalen Schutzgebiet für Wale erklärt, mit 156.100 Hektar, und ist ein besonders privilegierter Ort zur Beobachtung der Spezies. In anderen Ländern, wie Argentinien oder Kanada, kann man Wale nur in einer grossen Entfernung von der Küste aus beobachten. “Man sieht sie an einem grossen Abschnitt unserer Küste – von Florianópolis bis hinunter zur Grenze mit Rio Grande do Sul – aber die “Praia do Rosa“, in Imbituba, hat die beste Infrastruktur zu ihrer Beobachtung“, ergänzt der Sekretär.

Man kann die Wale zwar auch von den Pousadas aus mit Ferngläsern beobachten, jedoch sind es die organisierten Ausflüge per Motorboot, die den Besuchern das ganze phantastische Spektakel der Giganten offenbaren. Während einer solchen Tour begeistern die Tiere ihre Zuschauer mit ihrem liebenswerten Verhalten, wenn sie ihre Jungen säugen und mit ihnen spielen, dabei ihre Brust- und die gewaltige Schwanzflosse präsentieren, und sich manchmal sogar mit dem ganzen Körper aus dem Wasser katapultieren. Das Interesse am “Whale watching“ ist in den letzten Jahren gewaltig gestiegen. Im Jahr 2004 waren es lediglich 335 Touristen, die eine Beobachtung per Boot gebucht haben – im Jahr 2008 war diese Zahl bereits auf 1.259 gestiegen, was einem Zuwachs von 275% in nur vier Jahren entspricht.

So ein Ausflug per Boot dauert in der Regel einundeinhalb Stunden – die Gruppe muss mindestens aus sechs Personen bestehen. Das kostet R$ 140 (zirka 55 Euro) pro Person an Samstagen und Sonntagen – an Werktagen, zwischen Montag und Freitag ist es billiger, R$ 90 (zirka 35 Euro) pro Person. Die Boote der lokalen Agentur “Turismo Sol e Mar“ sind extra für die Walbeobachtung konstruiert, und die Gruppe wird von einem Biologen begleitet.

Die Idee des “Whale-watching” wurde in Garopaba mit aller erdenklichen Infrastruktur in die Tat umgesetzt. Der Pionier war ein Ausländer, ein Argentinier.