48 Stunden in Florianópolis

Veröffentlicht am 5. April 2014

Ein Wochenende in Florianópolis angefüllt mit Traumstränden, radikalen Sportaktivitäten, Gastronomie und Geschichte.

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Es ist unmöglich, den Reizen von Florianópolis zu widerstehen – oder einfach “Floripa“! Allein seine Strände, Lagunen, Dünen und Berge sind die Reise wert. Jedoch bietet die Hauptstadt Santa Catarinas über ihre Naturschönheiten hinaus noch interessante historische Reminiszenzen und eine gastronomische Vielfalt, die sich sehen lassen kann. Ihre Bewohner, die „Inselzwerge“, sind sympathischer Zeitgenossen mit einem eigenwilligen Akzent, den sie von den Einwanderern aus den Azoren geerbt haben.

Nicht von ungefähr lockt Floripa so viele Touristen aus Brasilien, und auch ausserhalb seiner Grenzen, auf seine Insel. Die “Hermanos“ aus Argentinien, Uruguay und Chile bevölkern Floripa in grossen Kontingenten während des Sommers. Viele von ihnen sind auch dort eingezogen, schliesslich hat sich seine “beste Lebensqualität Brasiliens“ längst über seine Grenzen hinaus herumgesprochen.

48 Stunden in Florianópolis sind recht wenig, um die vielen Attraktionen der Insel zu entdecken. Aber ganz sicher wird diese Kostprobe dazu führen, sich bei einem nächsten Besuch mehr Zeit für einen längeren Aufenthalt auf dieser charmanten Insel zu nehmen.

1. Tag:

Wie schon gesagt, an Stränden fehlt es nicht in Floripa: 43 verteilen sich rund um die Insel – wobei man die kleineren erst gar nicht mitgezählt hat, die versteckt und namenlos auf ihre Entdeckung warten. Mit so vielen Optionen ist es schon mal schwierig, einen einzigen auszusuchen. Also schlagen wir vor, Sie verbringen diesen Morgen, um die “Praia Mole“ kennenzulernen, den beliebtesten aller Strände. Seine hohen Wellen ziehen die Surfer an wie ein Magnet, und den Berg rechter Hand benutzen die Drachenflieger als Startrampe. Nichts schöner als ein Frühstück mit Blick aufs Meer. Also begeben Sie sich am besten zum charmanten Strand-Kiosk “Big Blue Club“, wo man herrliche Säfte und Sandwiches bekommt. Und der Strand hat noch einen weiteren Vorteil: Auf dem weichen Sandstreifen entwickelt sich stets ein starkes “Clima de paquera“ (Flirt-Klima).

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Unmittelbar neben der “Praia Mole“ ein weiterer Strand, die “Praia Joaquina“, ebenfalls ein berühmter “Point“ der Surfer – internationale Wettkämpfe werden dort ausgetragen. Sollte jedoch das Meer nicht nach ihrem Geschmack sein, dann riskieren Sie doch mal einen Versuch beim „Sandboarding“, dem Surfen im Sand: Auf einer Art Skibrett stehend, gleitet man die Sanddünen hinab und spürt den Wind im Gesicht. Sollten Sie jedoch etwas weniger Radikales bevorzugen, können Sie auch für die Dünen ein etwas breiteres Brett für den “Esquibunda“ (Assboarding) benutzen. Verschiedene Kioske am Strand verleihen die entsprechenden Bretter.

Ganz in der Nähe befindet sich die “Lagoa da Conceição“. Das Wasser dieser grössten Lagune der Insel ist mit bunten Tupfen übersät – den Segeln der Wind- und Kitesurfer. Hier kann man auch einen Schnellkurs mit Instruktoren absolvieren, um ein paar Grundbegriffe zu lernen. Machen Sie einen Spaziergang über die “Avenida das Rendeiras“, die sich um die Lagune schlängelt, besetzt mit Geschäften, in denen man Artikel aus der traditionellen Klöppelspitze ansehen kann. Nutzen Sie die Gunst der Stunde, um ein paar handgefertigte Handtücher oder Kleider zu erstehen.

menschen-fischer-muscheln_3979An der Lagune konzentrieren sich auch gute Restaurants, wie zum Beispiel “O Braba Negra“. Zum Mittagessen sollten Sie nicht versäumen, die berühmte “Sequência de Camarrão“ zu probieren, die zu einer Touristen-Attraktion geworden ist.

Und was halten Sie davon, einer Ballade am helllichten Tag beizuwohnen? Der Strand “Praia de Jureré Internacional“ vereint “Beach Lounges“ mit dem exklusiven Flair von Ibiza und Punta del Este. Die Feste, berieselt mit Schaumwein und elektronischer Musik sind perfekt für einen heiteren Nachmittag am Meeresstrand. Das “Café de la Musique“ bietet eine internationale Speisenkarte und komfortable Liegestühle im Sand. Und im “El Divino“ geben sich internationale DJs die Ehre am Plattenwechsler, während das Publikum tanzt oder auf dem Holzdeck flirtet.

Nach dem Sonnenbad am Strand haben Sie hoffentlich noch genug Reserven, um das Nachtleben in Floripa kennenzulernen. Wer tanzen möchte, kann sich auf der Piste mit dem elektronischen Sound, hier in Jururê selbst, vergnügen. Der Komplex “Music Park“ beherbergt drei grosse “Dancing Halls“: “Pacha, Posh“ und “Stage“. Wollen Sie jedoch lieber den Abend in einer Bar mit Appetithäppchen und Bier verbringen, dann begeben Sie sich ins Stadtzentrum, wo das “Botequim Floripa“ oder die “Cervajaria Original“ genau Ihrem Wunsch entsprechen.

2. Tag

kultur-fischmarkt-floripa-box32_4017Lassen Sie den zweiten Tag für die Entdeckung des Historischen Zentrums. Ein grosser Teil der antiken Gebäude in neoklassischem Stil wurde bereits restauriert. Wählen Sie als Ausgangspunkt den Platz “Praça 15 de Novembro“, dem Datum der Stadtgründung. Unmöglich, den riesigen, jahrhundertealten Feigenbaum nicht zu bemerken, mit gewaltigen Ästen, die sich über den Platz ausstrecken. Die Bewohner garantieren, dass eine mehrmalige Umrundung des Baumes Glück und eine Heirat einbringt.

Machen Sie einen Pit-Stopp im charmanten “Café Cultura“, das in einem denkmalgeschützten Gebäude untergebracht ist. Trinken Sie ein Tässchen des köstlichen Kaffees, der den Namen des Hauses trägt, zusammen mit einer Waffel aus roten Früchten.

Zurück auf der Strasse, besichtigen Sie die “Catedral Metropolitana“, errichtet 1773, auf dem höchsten Punkt der “Vila de Nossa Senhora do Desterro“, wie Florianópolis damals hiess. Das Gebäude erfährt gerade eine intensive Restaurierung, aber sehen Sie sich die bereits wiederhergerichteten Kirchenfenster und die Altäre an.

Wenige Schritte weiter befindet sich das “Casa da Alfândega“, das Zollgebäude von 1876. Innen werden Sie kleine Verkaufsstände entdecken, die typisches, lokales Kunsthandwerk anbieten – mit Artikeln aus Keramik, Holz und Stroh. Hier können Sie sich ein paar Souvenirs mitnehmen, wie zum Beispiel den bunten “Boi de Mamão“. Dieser kleine Ochse aus Keramik, ein Erbe der Siedler aus den Azoren, gehört zur lokalen Folklore.

Es lohnt sich, das “Museu Victor Meirelles“ kennenzulernen, eingerichtet in dem sympathischen Häuschen, in dem einst dieser bekannte Maler aus Santa Catarina gewohnt hat. Die Sammlung enthält Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen, wie das berühmte Werk “Degolação de São João Batista” (Enthauptung von Johannes dem Täufer), aus dem Jahr 1855.

Anschliessend weiter zum “Mercado Público“, dem öffentlichen Markt, wo man an den Ständen, unter anderem, grosse Crevetten und typische Süssigkeiten der Region findet. Unsere Empfehlung gilt der “Box 32“, bekannt wegen einer gefüllten Pastete mit unglaublichen 100 Gramm Shrimps! Probieren Sie auch mal eine Portion frischer Austern, deren grösster Produzent Floripa ist. Und es wäre geradezu eine Sünde, fortzugehen ohne ein “Bolinho de Bacalhau“ (Stockfisch-Bällchen) zusammen mit dem traditionellen “Cachmel“ (einem Cachaça mit Honig) gekostet zu haben!

Von dort machen Sie eine kleine Spazierfahrt zur “Praia do Campeche“, trotz der Entfernung von 20 km, einem der dem Zentrum am nächsten gelegenen Strände. Er ist ebenso beliebt wie “Jurerê“ und “Mole“, aber seine Natur ist rustikaler, mit starkem Wind und bewegtem Meer – ideal für Surfer und Kitesurfer. Sein ausgedehnter Sandstreifen diente einst als Start- und Landepiste der französischen Luftpost. Einer ihrer Angestellten, der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry, pflegte in diesem Gebiet abzusteigen. Und die antiken Bewohner erzählen, dass er dem Strand den Namen Campeche gegeben hat: “Campo de Pesca“ – oder in Französisch “Champ du Pêche“ (Fisch-Feld). Sicher ist, dass sein weltberühmtes Buch, “Der Kleine Prinz“, heute der zentralen Avenida des Strandbades ihren Namen gegeben hat.

städte-floripa-ponte hercílio luz_4119Um sich von Floripa zu verabschieden, gehen Sie mal zur historischen Brücke “Hercílio Luz“. Sie wurde einst als erste Verbindung der Insel mit dem kontinentalen Teil des Bundessstaates Santa Catarina gebaut. Die enorme Struktur in 75 Metern Höhe ist das Postkartenmotiv Nummer Eins der Stadt. Die Brücke ist derzeit immer noch gesperrt wegen einer (ewigen) Restaurierung, wird aber immer wieder als Fotomotiv, besonders während des Sonnenuntergangs, aufgesucht. Und in der Nacht gibt ihr die Beleuchtung ebenfalls ein besonderes Flair für interessante Fotos.

Besagte Brücke “Hercílio Luz“, eingeweiht 1926, hat sich inzwischen zum Protagonisten unzähliger Witze und humoristischer Episoden entwickelt. Der Prozess ihrer “Revitalisierung“, mit dem sie endlich wieder für den Verkehr von Autos und Passanten zwischen Insel und Kontinent fit gemacht werden soll, hat Verspätung – grosse Verspätung. Nach neuen Studien und Versprechungen hat man ein Datum für die Vollendung der Restauration definiert: 2012. Und das hat man dann wieder auf Ende 2014 verschoben. Die Verschiebung kommentierte ein Ingenieur der Restaurierung so: “…weil man bemerkt hat, dass diese Arbeit sehr komplex ist“! Heute restauriert eine Konstruktionsfirma die Basis der Brücke, während ihr oberer Teil einer nächsten Restaurierungsphase vorbehalten bleibt. Wenn es auch noch unmöglich ist, sie zu überqueren, kann man sie doch aus der Nähe besichtigen. Dazu muss man nur bis zum Ende der “Rua Adolfo Konder“, im Zentrum, laufen, wo ein kleiner Platz an die Brückenstruktur angrenzt.

Nun, sind Sie ein wenig auf den Geschmack gekommen, was diese Inselhauptstadt Ihnen alles zu bieten hat? Dann kommen Sie doch mal wieder mit ein bisschen mehr Zeit! Die Insel und der Bundessstaat Santa Catarina sind bestimmt einen ganzen Urlaub wert!