Ärzte warnen vor Risiken für schwache Herzen bei entscheidenden WM-Partien der unterstützenden Nationalmannschaft

Veröffentlicht am 21. Juni 2014 unter WM 2014 News

rotes Herz mit Pflaster und EKG, weißer HintergrundÄrzte warnen, an Tagen mit Entscheidungsspielen zum Beispiel der brasilianischen “Seleção“, am kommenden Montag (23.06.) gegen Kamerun, steigt die Zahl der Personen, die wegen eines Herzproblems in die Notaufnahme eingeliefert werden, um 28% – so eine Studie des “Instituto Dante Pazzanese“, unter der Leitung des Kardiologen Nabil Ghoreyeb, in São Paulo. Die Anspannung, die Nervosität, die Begeisterung oder der Ärger über das Resultat eines Spiels können am Herzen schwere Probleme auslösen, besonders bei jenen, die bereits diesbezüglich in Behandlung sind.

“Je schlechter z.B. die brasilianische Seleção spielt, um so grösser die Anzahl der Behandlungen“, bestätigt der Herzspezialist Ghorayeb, der die erste Untersuchung dieser Art koordinierte, die in sechs Hospitälern während der WM 2010 in Südafrika durchgeführt wurde. Inzwischen hat der Arzt das Untersuchungsprogramm auf neun Erste-Hilfe-Stationen in verschiedenen Städten der WM in Brasilien erweitert. “Wir wollen 6.000 Patienten während der WM-Periode erreichen“.

Die Nervosität bei einem Entscheidungsspiel kann eine Reihe von Problemen auslösen, wie zum Beispiel: hohen Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Angina pectoris, Herzklopfen, Ohnmacht, Schwindelgefühl und sogar Herzinfarkt und Herzstillstand. “Ein Patient, der bei einem Fussballspiel unter der Anspannung leidet, löst Hormone, wie das Adrenalin, das den Blutdruck steigen lässt und eine akute Stresssituation verursachen kann“, erklärt ein Professor der Kardiologie an der Uniklinik von São Paulo.

Dies ist der typische Patient, der von der Studie erfasst werden soll, die das Institut Dante Pazzanese durchführt. “Wer uns bei dieser Untersuchung interessiert sind diejenigen, die am Vorabend des Spiels, am Spieltag oder am Tag danach in der Erste-Hilfe-Station vorsprechen – mit leichten bis schweren Problemen. Und dann wollen wir wissen, ob diese Übelkeit durch das Spiel verursacht worden ist oder weil der Patient sich zum Beispiel mit Frau und Kindern gestritten hat“, erklärt der Arzt.

Die Untersuchung vom Jahr 2010 konstatierte sogar einen Todesfall infolge des WM-Resultats. “Ein portugiesischer Fan starb an dem Tag, als die Mannschaft aus Portugal ausschied. Weil es sich um einen mysteriösen Todesfall zu handeln schien, wollten wir den Grund herausfinden,“ erzählt der Arzt, und bezieht sich auf die Eliminierung der Portugiesen im Achtelfinale, nach der Niederlage gegen Spanien, dem zukünftigen Weltmeister, mit 0:1.

Eine andere Untersuchung der Universität von São Paulo (USP), mit Daten von vier WMs (1998, 2002, 2006 und 2010), ergab eine Zunahme an Einlieferungen von 16% im “Sistema Único de Saúde (SUS)“ wegen Herzproblemen während des Turniers. Aus der Studie von “Dante Pazzanese“ geht hervor, dass Fussballspiele mit dem Risiko eines Ausscheidens aus dem Turnier, die problematischsten für Herzschwache sind.

“An dem Tag, als Brasilien von Holland geschlagen wurde (bei der letzten WM in Südafrika), gab es eine signifikante Zunahme an Herzbehandlungen durch unsere Ärzte. Bei anderen Spielen kann man keine signifikante Zunahme solcher Patienten beobachten“, sagt Ghoreyeb.

Wer also eine gewisse Prädisposition für Herzprobleme hat, dem geben die Herzspezialisten ein paar Tipps, um zu verhindern, dass er am Ende des Tages in einem Krankenhaus landet. “Sehen Sie sich das Spiel in Begleitung an. Es ist nicht gut, dabei allein zu sein, für den Fall dass Se ärztliche Hilfe brauchen“! Und Ghoreyeb warnt ausserdem vor dem Risiko des Konsums von Alkohol und so genannten Energy-Drinks. “Wenn man eine Prädisposition für Herzkrankheiten hat, sollte man Getränke mit hohem Alkoholgehalt grundsätzlich meiden – und nicht mehr als 700 ml an Bier trinken, was einer vertretbaren Menge entspricht“.

Für den Spezialisten, von der UNIFESP, ist es in bestimmten schweren Fällen sogar besser, ein Spiel der Kanariengelben (oder seiner Lieblingsmannschaft) überhaupt nicht anzuschauen. Je nach Verfassung der Mannschaft des Trainers Luiz Felipe Scolari, kann es sogar gesünder sein, während der Spielzeit lieber ins Kino zu gehen und sich in der Einsamkeit einen Film anzusehen. “Wenn eine Person mit schwachem Herz sich leicht aufzuregen pflegt, dann ist es besser, das Spiel nicht anzuschauen. Aber bei einer WM in Brasilien wird man ja bereits durch den Lärm von der Strasse in Aufregung versetzt“, fügt der Arzt hinzu.

Ein weiteres, häufiges Problem während der WM-Periode, besonders unter den Fussball-Fanatikern, sind die exzessiven, ausgedehnten Feiern, welche eine notwendige Ruhepause von sieben bis acht Stunden täglich gefährlich verringern.

“Unser Schlaf tut dem Körper wohl wegen seiner Regelmässigkeit. Wenn man diese Regelmässigkeit stört oder unterbricht, wird man dafür bezahlen müssen“, bestätigt der Spezialist für Schlafmedizin und Arzt am “renommierten “Hospital Sírio-Libanês“ in São Paulo. “Ich habe Argentinier gesehen, die am Strand schlafen, in Rio de Janeiro, oder im Auto. Sie verlieren an Schlafquantität und –qualität“.

Der Spezialist macht auf eine Reihe von Gesundheitsproblemen aufmerksam, die sich in jenem WM-Fanatiker entwickeln können, der bis tief in die Nacht vor dem Fernseher hockt, um sämtliche Spiele und auch die anschliessenden Talk-Shows nicht zu verpassen. “Wenn er das so weiter treibt, senkt er seine physische Immunität bedenklich ab und läuft Gefahr, sich eine Grippe und andere Erkältungskrankheiten einzufangen“, erzählt der Arzt.

Längere Perioden ohne regulären Schlaf erhöhen das Risiko der Fettleibigkeit, fördern die Entstehung von Diabetes, Krebs und Schlaganfall. Während der WM wenig zu schlafen, schadet der Konzentrationsfähigkeit. “Das Individuum kann sich nicht konzentrieren, schlechte Erinnerung, und die Irritationsgefahr steigt. Autofahren wird gefährlich. Fussball, ein Spiel, das eigentlich Freude bringen und unterhalten soll, kann zum Problem werden. Die Lebensqualität sinkt gewaltig“, erklärt der Spezialist.

Der Alkoholmissbrauch, in der WM-Periode sehr häufig, ist ein weiterer Faktor, der dazu beiträgt, dass man schlecht schläft. “Einige Personen sagen, dass der Alkohol ihnen Entspannung bringt, aber die Struktur des Schlafes verschlechtert sich. Der Mensch kann von Atemstillstand (Apnoe) betroffen werden. Mit anderen Worten: der Alkohol mindert die Schlafqualität – er schadet dem Körper“, erklärt er weiter. “Gegen Abend ist es besser, die Sinne abzukühlen, zu vermeiden, bis in die späte Nacht fernzusehen und nur noch wenig zu essen und zu trinken. Jedwede Aufregung mindert die Qualität des Schlafes“.