Grösstes Strassenfest von Rio de Janeiro das “Alzirão” feiert den ersten WM-Sieg

Veröffentlicht am 13. Juni 2014 unter WM 2014 News

Ein paar Minuten lang breitete sich Stille aus in der Strasse Conde de Bomfim, an der Ecke der Strasse Alzira Brandão, im Stadtteil Tijuca von Rio de Janeiro – das Eigentor von Marcelo liess die Fans erstarren. Als aber Neymar den Ball ins Netz beförderte und Brasilien schliesslich das Team aus Kroatien mit 3:1 besiegte, da gab es kein Halten mehr – beim “Alzirão“, dem grössten Strassenfest von Rio de Janeiro. Die Menschen feierten den ersten entscheidenden und glücklichen Schritt ihrer “Seleção“ bei dieser WM 2014 mit fast 30.000 begeisterten Teilnehmern.

alzirao

“Ufaaa – das war anstrengend, aber dann hat alles doch noch geklappt. Wie gut, dass wir gewonnen haben, denn sonst wäre unser Fest noch gekippt’, sagte der 55-jährige Vladimir. Er erschien im Kostüm des “Chacrinha“ (ehemaliger TV-Moderator) in den Farben Brasiliens. Und er freute sich über den glücklichen Umstand, die WM fast neben seinem Haus erleben zu können. “Ich wohne gleich hier drüben neben dem Stadion – diese WM ist etwas Besonderes für uns. Das Volk ist ausgelassen und fröhlich, es wäre furchtbar, wenn der “Alzirão“ nicht durch einen Sieg abgerundet würde“.

Die Perkussion der Samba-Schule “Unidos da Tijuca“, zweifacher Champion des Rio-Karnevals, animierte die Gäste während der WM-Partie. Danach gehörte die Bühne der Gruppe “Bom Gosto“, die von dem Sambista Luiz Ayrão – Autor der Komposition “Meu Canarinho“ (mein Kanarienvogel), die die “Seleção“ während der WM 1982 in Bewegung gehalten hat. In diesem Jahr hat er “Garoto da Camisa Amarela“ (Junge mit dem gelben Trikot) komponiert – zu Ehren von Neymar.

Der “Alzirão“ findet während allen WM-Partien der Kanariengelben statt – er beginnt stets um 15:00 Uhr und endet um 22:00 Uhr. Das Fest nahm seinen Anfang 1978, als Bewohner der Gegend einen Fernsehapparat in die Mitte ihrer Strasse postierten und daneben einen Churrasco-Grill aufbauten. Das Fest breitete sich aus, und die Organisatoren können inzwischen auf zirka 30.000 Teilnehmer pro Tag zählen. Und alle hoffen, dass das Fest auch beim grossen Finale stattfinden möge!

“Diese WM ist etwas ganz Spezielles für uns. Unser Fest findet in unmittelbarer Nähe des Maracanã-Stadions statt, wo das Endspiel angepfiffen wird. Unsere “Seleção“ wird nur hier spielen, wenn sie die letzte Phase erreicht – alles, was wir tun können ist, die Daumen halten. Sogar die FIFA weiss, dass wir dieses Strassenfest anlässlich einer WM ins Leben gerufen haben – und wir wollen es bis zum Ende durchführen“, sagt der Präsident des verantwortlichen Festkomitees, Ricardo.

Dieses Mal hat die Organisation die grösste Leinwand der Festgeschichte installiert – 24 Quadratmeter. Die Dekoration besteht aus 16.000 geschmückten Metern mit gelben und grünen Bändchen. 2010 besuchte sogar Neymar ihr Fest, heute Brasiliens grösste Hoffnung zur Eroberung des “Hexa“.

Der “Alzirão” hat ein familiäres Ambiente, von dem Menschen aller Altersgruppen angelockt werden. Auch der kleine Junge, Felipe (10), der mit einem Freund einen Ball herumkickt, wo immer sie ein bisschen Platz dafür finden, oder Josias (55), der seinen, mit den brasilianischen Farben bemalten, VW-Käfer mittten im Festgelände abstellt. Er hat bereits bei der letzten WM vor vier Jahren ein ähnliches Auto mit einer südafrikanischen Thematik dekoriert. Jetzt hat er eine verlängerte Version des VW-Käfers gekauft.

“Im Jahr 2010 habe ich den “Fuscazela“ montiert – in Anlehnung an die südafrikanische “Vuvuzela“ der WM. Jetzt nenne ich den VW “Fuscazine“, weil er wegen seiner verlängerten Aussenansicht einer Limosine gleicht“, sagt Vital, der RS 7.000 (2.300 Euro) ausgegeben hat, um das Fahrzeug zu kaufen und mit den Farben Brasiliens zu bemalen.

Die Investition hat er jedoch schon wieder raus durch Teilnahme an Festen und Events. “Die Leute rufen mich an, um das Auto in ihre Feste zu integrieren. Das WM-Klima hat sie erfasst. Ich war mir sicher, dass die WM stattfinden würde. Wir sind ein extrovertiertes Volk, wir hätten uns niemals einen solchen herrlichen Event bei uns zuhause entgehen lassen“!