Brasilien vor der WM: Kampf gegen Dengue-Fieber und Angst vor Schweizer Touristen

Veröffentlicht am 16. April 2014 unter WM 2014 News

Will man als Tourist zur Fußballweltmeisterschaft in diesem Sommer nach Brasilien reisen, dann muss man auch vor dem Dengue-Fieber gewarnt sein. Die Verantwortlichen im WM-Gastgeberland haben nun einen ganz besonderen Plan entwickelt, die tückische Krankheit einzudämmen.

Bereits seit Jahren kämpfen Behörden und Forscher gegen die Krankheit gegen die es keine Impfung gibt. Nun wurden Mücken in einem Labor mit einem tödlichen Gen infiziert und freigelassen. Es überträgt sich auf die nachfolgende Generation und soll so die Population eindämmen. Die männlichen Exemplare der Tigermücke sollen in der freien Natur wilde Weibchen befruchten. Die darauffolgenden Generationen sterben, bevor sie sich überhaupt vermehren können. In ersten Feldversuchen sei die Population um bis zu 90 Prozent zurückgegangen, so die Forscher.

Kritik kommt von Umweltschützern. „Wenn irgendetwas schief geht, kann man die Mücken nicht mehr einfangen“, versuchte Helen Wallace von der Umweltschutzorganisation GeneWatch zu sensibilisieren.

Dieser Schritt ist der nächste nach vielen erfolglosen aus den vergangenen Jahren. So waren auch Larvengifte in Wassertanks und Gewässern nicht zielführend, da die Tigermücke vor allem in Städten brütet. Hier bewohnt sie liebend gern Pfützen, halbleere Flaschen oder andere mit Wasser befüllte Behältnisse.

Aber auch Moskitonetze sind nur bedingt hilfreich, da die Mücken auch tagsüber gern stechen. Im vergangenen Jahr wurden 1,4 Millionen Fälle gemeldet, 2009 auch in Florida. Zuvor gab es auch schon Sichtungen der Mücken in Europa. In warmen Sommern sind sie vermutlich von Touristen eingeschleppt worden.

man with red spots on face and bodyEine andere Problematik gibt es für die Brasilianer dieses Mal aus Europa. So befürchten Experten, dass vor allem Schweizer WM-Reisende Masern in das Land des Gastgebers einschleppen könnten. „Die Schweiz steht im internationalen Vergleich sehr schlecht da“, sagte Thomas Burgener, Präsident der Kommission Schweiz ohne Masern, dem Nachrichtenportal 20Minuten.

Demnach seien im vergangenen Jahr noch rund 180 Fälle gemeldet worden, in Brasilien gilt die Krankheit hingegen als ausgerottet. Die Ängste der Brasilianer also nicht unbegründet und es wäre auch keine Premiere. Nach Angaben des Bundesamt für Gesundheit (BAG) infizierten Schweizer Touristen zwischen 2009 und 2011 Menschen in 17 Ländern weltweit. „Es wäre für die Schweiz eine Schande, wenn ausgerechnet unsere Fans Masern nach Brasilien exportieren“, sagte Burgener weiter: „Es reicht eine Person, und das Virus kann sich sehr schnell verbreiten.“ Laut des Experten sei es auch „ethisch unverantwortlich“ dem von anderen zahlreichen Problemen gebeuteltem Land auch noch die Masern zu bescheren.

Vor allem in vollen Stadien bestehe laut Daniel Koch, Leiter der Abteilung für Übertragbare Krankheiten beim BAG, eine erhöhte Gefahr: „Es könnte zu einem größeren Ausbruch kommen.“

Um das zu verhindern planen die Experten eine großangelegte Aufklärungskampagne. „Lieber viele Punkte an der WM, statt rote Punkte am Körper“, beschreibt Burgener. Aber auch die Schweizer Nationalspieler werden überprüft. Alle Impfausweise würden kontrolliert werden, ebenso sei Burgener bereits mit diversen Reiseveranstaltern in Kontakt, die ganze WM-Pakete anbieten.

Insgesamt sind weltweit 158.000 Todesfälle wegen Masern bekannt. In Europa verläuft die Krankheit aufgrund der ausreichenden ärztlichen Versorgung selten tödlich. In anderen Teilen der Welt treten Komplikationen wie Lungenentzündungen auf.