Brasilien: Romário fordert Rücktritt des Fussballverbandschef

Veröffentlicht am 3. April 2013 unter WM 2014 News

CBF-Marin_José CruzABrDer frühere Stürmerstar und heutige brasilianische Parlamentsabgeordnete Romário hat schwere Vorwürfe gegen Fussball-Verbandschef José María Marín erhoben und den Rücktritt des umstrittenen Funktionärs gefordert.

Er wirft dem 80-Jährigen vor, für den Tod des Journalisten Vladimir Herzog mitverantwortlich zu sein. Er wurde während der Militärdiktatur im Jahr 1975 solange gefoltert, bis er starb.

Romário überreichte dazu dem brasilianischen Verband CBF eine Petition mit fast 55.000 Unterschriften. Marín hatte 1975 als Abgeordneter der Regierungspartei kurz vor der Verhaftung Herzogs im Parlament Massnahmen gegen oppositionelle Tendenzen bei dessen Fernsehsender unterstützt.

CBF-Chef Marín, der auch das lokale Organisations-Komitee der WM 2014 leitet und somit massgeblich für das Grossereignis in 14 Monaten verantwortlich ist, wies die Anschuldigungen zurück. Es handele sich um eine auf Lügen basierenden “Destabilisierungs-Kampagne“, teilte er auf der Webseite der CBF mit.

Unter den Unterzeichnern der Petition sei auch der Musiker Chico Buarque de Hollanda, erklärte der Sohn des getöteten Journalisten, Ivo Herzog, der Zeitung “Folha de São Paulo“. Marín werde von der Wahrheitskommission vorgeladen, die Menschenrechtsverletzungen während der Diktatur (1964-1985) untersucht. Erst vor einem Monat hatte Ivo Herzog eine Richtigstellung der Sterbeurkunde seines Vaters erwirkt, in der belegt wird, dass er an Folterungen durch die Militärs gestorben ist.

Marín leitet den brasilianischen Verband seit März 2012. Zuvor war er Stellvertreter von Ricardo Teixera. Der ehemalige Schwiegersohn des früheren Weltverbandspräsidenten João Havelange war offiziell aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Seine Demission erfolgte im Zuge der Ermittlungen um den Korruptionsskandal der FIFA und der ehemaligen Vermarktungsfirma ISL.

Von der FIFA gibt es keine öffentliche Stellungnahme zur Person Marín. Hinter den Kulissen ist man aber nicht glücklich über den offenbar rüden und unprofessionellen Führungsstil des Funktionärs, heisst es aus Weltverbandskreisen.

Geradezu als Petitesse im Vergleich zum Todesfall Herzog nehmen sich Vorwürfe gegen Marín aus, die kürzlich im Internet und durch Soziale Netzwerke verbreitet wurden. Bei der Siegerehrung eines lokalen Jugendpokalspiel 2012 liess er eine Siegermedaille in seiner Tasche verschwinden. Zudem soll er bei der Stromabrechnung einer Immobilie getrickst haben, heisst es. Ersteres soll Marín gestanden und als “Witz“ abgetan haben.