Wird das Maracanã-Stadion verkauft?

Veröffentlicht am 19. September 2012 unter WM 2014 News

Wechselt eines der berühmtesten Fussballstadien der Welt bald den Besitzer und geht in private Hände? Das Maracanã-Stadion (Estádio do Maracanã), im gleichnamigen Stadtteil Rio de Janeiros gelegen, weckt die Interessen der Menschen, nicht nur der Fans, nun auch privater Unternehmer.

Bei einer öffentlichen Anhörung hätte in der letzten Woche dieses sehr umstrittene Thema behandelt werden sollen, doch das Treffen wurde kurzfristig und ohne jegliche Angabe von Gründen abgesagt.

“Das Maracanã gehört uns”

Vista aérea do Maracanã e MaracanazinhoAm gleichen Tag protestierten auch Mitglieder der Kampagne “Das Maracanã gehört uns” (“O Maraca é nosso”), um die Ablehnung eines möglichen Verkaufs zum Ausdruck zu bringen. Ihr Demonstrationszug reichte bis vor das Parlamentsgebäude Rio de Janeiros, wo die Anhörung hätte stattfinden sollen. Diese war erst auf Druck der Kampagne eingerufen wurden. Die Gegner rechnen nun damit, dass es vor der Kommunalwahl am 7. Oktober keinen neuen Termin mehr geben wird. So riskiert die Politik keine Wahlniederlagen und hat auch danach noch genug Zeit, die Privatisierung zu ermöglichen. Im Oktober muss der Vorgang jedoch ausgeschrieben werden. Für die Fussball-Fans in Rio de Janeiro stellt die Kommerzialisierung eine Entweihung des für sie nahezu heiligen Grunds dar. Sie kämpfen für den Erhalt von Stehplätzen und den Besuch auch ärmerer Menschen im Stadion.

Das Maracanã ist eines der grössten Stadien der Welt. Das wohl berühmteste Spiel in der zu Beginn bis zu 220.000 Menschen fassenden Arena fand am 16. Juli 1950 im Rahmen der WM 1950 statt. Das de-facto-Finale zwischen Brasilien und Uruguay, damals spielte man den Weltmeister noch in einer Finalrunde aus, lockte knapp 200.000 Menschen in das Endspielstadion. Alle erwarteten einen Sieg der Gastgeber, doch wenige Minuten vor Schluss erzielte Alcides Edgardo Ghiggia, damals einer der besten Ausserstürmer der Welt das 1:2 für die Gäste.

“Nur drei Menschen haben mit einer einzigen Bewegung das Maracanã zum Schweigen gebracht: Sinatra, der Papst und ich.“

Die Partie ging als “Maracanaço“ in die Geschichtsbücher der Welt ein. Nach dem Spiel sassen die Brasilianer noch Stunden im Stadion, er herrschte eine Totenstille. Später fanden Reinigungskräfte sogar vier Leichen. Drei Fans sind an einem Herzinfarkt gestorben und einer hat sich von der Tribüne in den Tod gestürzt. Die Partie brachte in Uruguay einen Helden hervor und in Brasilien suchten sie einen Schuldigen.

Der Siegtorschütze und Held Uruguays, Ghiggia sollte später einmal sagen: “Nur drei Menschen haben mit einer einzigen Bewegung das Maracanã zum Schweigen gebracht: Sinatra, der Papst und ich.“ So wie er bis heute als Held gefeiert wurde und in den Köpfen der Brasilianer ist, zu Beginn des Jahrtausends wurde er von einer jungen Zollbeamtin erkannt, wobei er sagte, es sei doch schon ewig her und sie antwortete: “Aber in Brasilien spüren wir diesen Moment noch heute!“, so wurde der damalige Keeper der Seleçao für den Gegentreffer verantwortlich gemacht. Kurz vor seinem Tod im Jahr 2000 sagte er in einem Interview: “Die höchste Strafe in Brasilien sind 30 Jahre Haft. Aber ich büsse nun schon 50 Jahre für etwas, das ich nicht einmal begangen habe.“

Umbau für 330 Millionen Euro
Zurzeit wird das Stadion zu einer Multifunktionsarena ausgebaut. So werden die aktuellen Betreiber den Anforderungen des Weltfussballverbandes FIFA (Fédération Internationale de Football Association) gerecht, die sie im Zuge der Fussball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien an das Stadion gestellt hatten. In der neuen Arena sollen Restaurants, Geschäfte und Museen zum Besuch und Verweilen einladen. Bereits in wenigen Monaten, im Februar 2013, soll das Maracanã unter neuer, privater Federführung eröffnen.

Für den Kauf des Stadions gibt es mehrere Interessenten, darunter ein deutschstämmiger Unternehmer und die beiden grossen Fussballvereine Rio de Janeiros, Flamengo und Fluminense. Die Umbauarbeiten sollen bereits zu Zweidritteln abgeschlossen sein. Die Kosten betragen rund 330 Millionen Euro.

Fabian Biastoch für BrasilienPortal
© Foto: Michael Rulêf