Fussball-WM 2014 findet in Brasilien statt

Zürich, 31. Oktober 2007

Wie erwartet hat Brasilien den Zuschlag als Gastgeberland für die Fussball-Weltmeisterschaft 2014 erhalten. Als gegen 12.36 Uhr Ortszeit Rio de Janeiro Fifa-Präsident Joseph Blatter die einstimmige Entscheidung des Exekutivkomitees bekannt gab, jubelten Tausende von Fans in Brasilien vor den Fernsehbildschirmen.

“A Copa do Mundo é nossa“ – “País de futebol“ titelten die grossen brasilianischen Nachrichtenportale das Ereignis, welches für die Fans noch in so weiter Ferne liegt und trotzdem auf die Organisatoren in rasender Eile zukommt. Denn es gibt viel zu tun in der Fussballnation Brasilien. Nicht ein Stadion befindet sich derzeit in WM-tauglichen Zustand, es muss renoviert, umgebaut und neu errichtet werden. Über eine Milliarde Euro sollen dabei von privaten Investoren aufgebracht werden, weiteres Geld wird aus dem Steuersäckel in die Infrastruktur fliessen.
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“Es ist ein Grund für eine grosse Party, aber auch eine grosse Aufgabe, die wir nach Hause tragen“ erklärte Brasiliens Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva, der extra für die Zeremonie ins schweizerische Zürich geflogen kann. Im Beisein von Nationaltrainer Carlos Dunga, Gouverneuren verschiedener Bundesstaaten, Nationalspielern und Künstlern erklärte   das Staatsoberhaupt, was das runde Leder für sein Land bedeutet: “Fussball ist nicht nur ein Sport für uns, es ist mehr: eine nationale Leidenschaft.“

“Die WM 2014 macht einen brasilianischen Traum wahr“ – so titelte Brasiliens grösstes Sportportal in einer ersten Schlagzeile das Ereignis. Unzählige Sonderseiten sind urplötzlich online, jedes kleinste Detail der Zeremonie ist irgendwo als Videoschnipsel verfügbar. Brasilien macht sich nach 57 Jahren bereit für eine weitere Weltmeisterschaft im eigenen Land. Aber noch liegen 7 lange Jahre vor den ungeduldigen Fans und Spielern.

Denn  bis zum Anstoss werden dann ganz 64 Jahre vergangen sein. Und auch nach dieser langen Zeit ist die schmachvolle Final-Niederlage im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro gegen Uruguay im Jahre 1950 nicht vergessen. Sie gilt als grösste Katastrophe in der Geschichte des brasilianischen Fussballs. Und nun will ein ganzes Land Revanche.

“Von heute ab werden wir uns auf eine der schönsten Weltmeisterschaften aller Zeiten vorbereiten“ erklärte Lula in Anspielung auf die einleitenden Worte des Fifa-Präsidenten. Blatter hatte zuvor in seiner Rede mahnende Worte gewählt, denn “Brasilien bekommt nicht nur das Recht, sondern auch die Verantwortung zur Ausrichtung“.

Es wird also viel passieren in den kommenden Jahren in Brasilien. Einige Dinge werden nun schneller vorangehen als geplant. Begleiterscheinungen, wenn man die Welt zu Gast haben will. Auch Nationaltrainer Dunga zeigte sich überzeugt von der Progressivität seines Heimatlandes: “Die WM wird Brasilien von Grund auf verändern. Man muss normalerweise 15 bis 20 Jahre auf kleinere Verbesserungen warten. Die WM wird alles beschleunigen. Bei der Infrastruktur, der Sicherheit, dem Hotelwesen, den Flughäfen, in allen Bereiche, in denen wir Verbesserungen brauchen, wird es nun sehr schnelle Verbesserungen geben.“

Gewonnen hat bereits jetzt schon der Fussball. 18 Stadien stehen derzeit noch zur Auswahl, 12 Spielstätten werden von der Fifa Ende 2008 festgelegt. Folgende Städte haben sich beworben: Belém (Pará), Belo Horizonte (Minas Gerais), Brasília (Hauptstadtdistrikt), Campo Grande (Mato Grosso do Sul), Cuiabá (Mato Grosso), Curitiba (Paraná), Florianópolis (Santa Catarina), Fortaleza (Ceará), Goiânia (Goiás), Maceió (Alagoas), Manaus (Amazonas), Natal (Rio Grande do Norte), Porto Alegre (Rio Grande do Sul), Recife (Pernambuco), Rio Branco (Acre), Rio de Janeiro (Rio de Janeiro), Salvador (Bahia) und São Paulo (São Paulo).

Doch alle werden davon profitieren. In Maceió, Natal, Recife und Salvador werden auf jeden Fall vier neuen Stadien gebaut, in den anderen Städten die Arenen für die WM auf Vordermann gebracht. Investitionen, die es sonst nie oder vielleicht erst in vielen Jahren gegeben hätte. Hinzu kommen gewaltige Infrastrukturmassnahmen, neue Krankenhäuser, Schulen. Die Weltmeisterschaft realisiert nicht nur einen brasilianischen Traum, sie verändert das ganze Land in ökonomischer und sozialer Hinsicht.

Doch nicht alle teilen diesen brasilianischen Optimismus. Besonders in der 1. Welt sorgt man sich um die Sicherheit, um zunehmende Gewalt, fehlende Infrastruktur, mangelnde Organisation. Nur wenige scheinen diesem riesigen Land tatsächlich zuzutrauen, eine WM erfolgreich zu stemmen. Einen Hinweis auf die friedlichen, erfolgreich abgehaltenen und nahezu perfekt organisierten pan-amerikanischen Spiele in diesem Jahr in Rio de Janeiro sucht man vergeblich in Berichten und Kommentaren europäischer Medien. Vielmehr ist von “dornigen Wegen“ und “Sorgenfalten“ zu lesen.

Doch glücklicherweise lassen sich die Brasilianer das Feiern nicht so schnell vermiesen. Riesige grün-gelbe Trikots wurden an der Christusstatue in Rio de Janeiro am Felsen herabgelassen, in der Hauptstadt Brasília sind Statuen wichtiger Persönlichkeiten mit einem Fussballtrikot bekleidet und in zahlreichen Städten feierten die Menschen und zogen mit Fahnen durch die Strassen.

“Die WM wird unsere Teamarbeit zur Schau stellen, wird das Land vereinen und aus Brasilien ein immer besseres Land machen“ erklärte der brasilianische Bestseller-Autor Paulo Coelho am Rande der Präsentation in Zürich. Und trifft damit genau den Nerv einer ganzen Nation voller Stolz.

Dietmar Lang für BrasilienPortal
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