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Vuvuzelas: Glücksbringer oder Teufelshorn?

Der Konföderationen-Pokal in Südafrika gilt als Generalprobe für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. Die Mini-WM ist somit ein Live-Test in Sachen Organisation und Tauglichkeit von Stadien, Verkehrswegen, Personal und Beschilderung. Und mittlerweile auch in Sachen Zuschauer und Festrituale. Südafrika versteht im Stadion ein farbenfrohes Fest zu veranstalten – ein lautes Fest ist ebenfalls.
Die Vuvuzela ist derzeit in aller Munde. Weltweit kennt man dieses Blasinstrument, denn so ganz neu ist es nun wirklich auch wieder nicht. Nur kommt es in anderen Ländern eben seltener zum Einsatz. Doch ob in Johannesburg, Pretoria oder Bloemfontein – die Plastiktröte kommt derzeit bei jedem Spiel tausendfach zu Einsatz und bildet das beständige Hintergrundrauschen einer jeden Übertragung aus dem derzeitigen Fussballuniversum.

Doch nicht nur TV-Zuschauer machten in Kommentaren und Foren ihrem Ärger über den “Bienenschwarm im Stadion“ mit “Tinnitus -Gefahr“ Luft, selbst beim Weltfussballverband FIFA wurden mittlerweile Beschwerden eingereicht. Doch dessen Präsident Joseph Blatter sieht keinerlei Grund für ein Verbot. "Vuvuzelas, Trommeln und Gesänge sind Teil der afrikanischen Fussballkultur. Das ist Teil ihrer Art zu feiern und Teil ihrer Kultur, also lasst sie die Vuvuzela spielen" wird Blatter auf der FIFA-Webseite zitiert.

Über die erlaubte Geräuschkulisse im Fussballstadion streiten sich also die Geister, besser gesagt Journalisten, Fans und Spieler. Wobei die meisten Beschwerden von den TV-Stationen kamen, die arge Probleme hatten, den Dauerton vernünftig aus ihren Übertragungen herauszufiltern, damit ihre Reporter vor Ort auch noch im heimischen Wohnzimmer zu hören waren.

Aber auch Spieler meldeten sich zu Wort. Der brasilianische Stürmer Robinho erklärte nach dem 3:0 gegen die USA, dass es zweifelsfrei schon stören würde. “Besser wäre ein Samba“ erklärte der Torschützenkönig der vergangenen Copa Ámerica. Und sein Kollege Luís Fabiano setzte noch einen drauf. “Es ist sehr schlecht, ich konnte auf dem Feld nichts hören. Es stört massiv“ erklärte die Nr. 9 im Team gegenüber brasilianischen Medien.

Damit scheint die Plastik-Trompete, die in früheren Zeiten aus Kuduhörnern hergestellt wurde und heute auf den einfachen Märkten für rund 1 Euro zu bekommen ist, nur die Fans zu beglücken. Je schlechter das Spiel, desto lustiger der Zeitvertreib oder so ähnlich. In der südafrikanischen Liga hingegen hat die Vuvuzela seine ganz eigene Bedeutung und dient keinesfalls zur Stimmungsmache. “Der Affe wird durch viel Krach erlegt" heisst ein altes afrikanisches Sprichwort. Und da muss es in den Stadien am Kap der guten Hoffnung möglichst laut zugehen – natürlich nur, um den Gegner zu erschrecken.

Das dies mit Vuvuzelas geschieht, ist allerdings noch gar nicht so lange her, so dass man den “Tröten-Terror“, wie manche den gewaltigen Lärm beschreiben, doch als Popkultur betrachten darf. Erst 2001 wurde mit in Südafrika mit der Massenproduktion begonnen, nachdem man sich Ende der 90er Jahr auf dieses Instrument zurückbesonnen hatte. Nelson Mandela fiel zudem nichts Besseres ein, als die Plastiktrompete mit in die Schweiz zu nehmen, als sich die FIFA am 15. Mai 2004 für sein Land als Ausrichter der
WM 2010 entschied.

Erstmalig in einem Stadion gesichtet wurde sie angeblich bei der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland. In Brasilien hatte die Vuvuzela ihre Blütezeit bereits in den 80er Jahren. Noch heute ist die Cornetão, wie sie im grössten Land Südamerikas genannt wird, für wenig Geld in verschiedenen Fan- und Partyshops zu finden. Und in den Stadien ist sie natürlich auch anzutreffen, wenn gleich nicht so massiv wie derzeit in Südafrika. Unser Bild zeigt übrigens einen Fan von Montes Claros im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais.

Für Reporter und Spieler ist die Vuvuzela also ein Teufelshorn. Für die südafrikanischen Fans ein echter Glücksbringer. “Als wir begonnen haben, die Vuvuzela zu spielen, gab es so viel Traurigkeit in unserem Land. Doch sie hat uns wieder mit Freude erfüllt" erklärt ein Fan auf der FIFA-Homepage die Wichtigkeit des Instruments. Das Getröte habe die Menschen in die Stadien geholt und Jubeln lassen. Dadurch hätten sie wenigsten für einige Stunden ihre Probleme vergessen können.

Und was nun beim Confed-Cup begann, dürfte sich auch bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr fortsetzen. Die Generalprobe der Vuvuzela ist geglückt, die Produktion läuft auf Hochtouren. Auch in Deutschland will nun ein Unternehmer dick ins Geschäft mit den Plastiktröten einsteigen. Die Gegner des rund 1 Meter langen Lärmbelästigers blicken derweil mit Sorge auf 2010. Geht die Qual dann wirklich weiter?

Aber vielleicht wird die FIFA doch noch eine Regelung einführen. Im Vorfeld hatten die Funktionäre bereits über ein generelles Verbot nachgedacht, allerdings wegen der Gefahr, das Instrument könnte als Schlagwaffe missbraucht werden. Doch einem Protest des südafrikanischen Verbandes gab man schliesslich nach. Nun hat sich zwar FIFA-Präsident Blatter abermals für einen Verbleib des Kultinstrumentes ausgesprochen, es sieht gut aus für die Dauerbeschallung der Spiele.

Wer sich mit dem vermeintlichen Übel inzwischen abgefunden hat, blickt hoffnungsvoll in die Zukunft. Vier Jahre später, so ist man sich dieser Tage im fernen Europa in den Nachrichtenredaktionen sicher, wäre dann bei der WM in Brasilien der Samba im Stadion präsent. Hier bleibt nur der Hinweis, dass in Brasilien in den wenigsten Ecken des Landes der Samba tatsächlich so populär ist, als dass er es ins Stadion schaffen könnte. Und er ist vor allem eine leise Angelegenheit und gar nicht so leicht zu spielen. Da bleiben die Fans dann doch lieber bei den normalen Trommeln und Fangesängen – und vielleicht bei den Vuvuzelas, die bei der WM davor
doch so tierisch gut ankamen.

Dietmar Lang für BrasilienPortal
 

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