Brasilianische Judoka nach verbotenem Wurf disqualifiziert

Veröffentlicht am 30. Juli 2012 unter Olympia News 2012

London, 30. Juli 2012 Die brasilianischen Medaillenhoffnung Rafaela Silva ist am Montag (30.) beim olympischen Judoturnier aufgrund eines mittlerweile verbotenen Wurfs disqualifiziert worden. Die 20-jährige aus einem Armenviertel in Rio de Janeiro erlitt daraufhin einen Zusammenbruch.

Intensive Vorbereitung, hartes Training und dann das frühe Ausscheiden aufgrund eines Fehlers: die amtierende Vize-Weltmeisterin Rafaela Silva muss bereits nach ihrem zweiten Kampf in der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm die Heimreise antreten. Nach Ansicht der Punktrichter hatte Silva im Kampf gegen die Ungarin Hedvig Karakas einen „kata-otoshi“ angewandt. Dieser Wurf durch eine spezielle Beingreiftechnik ist jedoch seit dem Jahr 2010 verboten. Der Weltverband wollte damit seinerzeit das traditionelle Judo fördern, welches immer stärker in den Freistil oder griechisch-römischen Stil abdriftete. Obwohl der Punkt während des Kampfes zunächst gegeben wurde und Silva klar in Führung lag, erfolgte nach einer Videoanalyse die Disqualifikation.

Dabei hatte der Wettkampf mehr als optimistisch begonnen. Bereits in der ersten Runde ging sie gegen die Deutsche Miryam Roper als klare Siegerin vom Platz, in einem anderem Kampf war zeitgleich ihre stärkste Konkurrentin Telma Monteiro aus Portugal ausgeschieden. Auch wenn der Weg bis zu den Medaillenrängen noch weit war, bei Athletin und Trainerin herrschte Zuversicht. Die Disqualifikation stürzte beide dann jedoch ins nicht nur sprichwörtliche Tal der Tränen. Silva erlitt einen Zusammenbruch, auf den Weg in die Katakomben weinte sie hemmungslos und musste sogar gestützt werden. Ob es tatsächlich ein klarer Regelverstoss war, wird wohl immer umstritten bleiben. Das Urteil der Punktrichter bleibt jedoch Realität. Und dies schien die aus Rios Armenviertel Cidade de Deus stammende Athletin zu verbittern.

Mehr als unsportlich machte sie Stunden später aus dem Mannschaftsquartier ihrem Ärger Luft. Ziel von üblen Beschimpfungen waren Mitglieder der Internetplattform Twitter. Diese hatten in Tweets deutliche Kritik an der Sportlerin geübt, Silva reagiert darauf mehr als barsch. Dies schaukelte die Emotionen auf ihrer Zeitleiste immer höher. Mittlerweile hat die 20-jährige ihren Account geschlossen.

Die Einsicht ist jedoch mittlerweile gekommen, der Fehler eingestanden: „Ich spürte, sie würde nach unten gehen und nahm dabei meine Hand zur Hilfe. Wenn ich die Hand nehme, ist es mein Fehler. Unglücklicherweise habe ich diesen Fehler gemacht. Jetzt muss ich den Kopf frei bekommen und an 2016 denken. Ich bin sehr traurig, denn ich habe viel trainiert. Dies sind meine ersten Olympischen Spiele, ich werde dies als Erfahrung betrachten“ so Silva gegenüber brasilianischen Journalisten, bevor sie vor laufenden Kameras neuerlich in Tränen ausbrach.