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Geiselnahme von Mutter mit 3 Kindern unblutig beendet

Campinas, 27. April 2007

Nach über 56 Stunden ist in Brasilien eine Geiselnahme von einer Frau und ihren drei kleinen Kindern in Campinas im Bundesstaat São Paulo unblutig zu Ende gegangen. Die Polizei stürmte am Donnerstagabend den Tatort und nahm den Täter fest. Es war die längste Geiselnahme in der Geschichte des Bundesstaates.

Eine Chronologie der Ereignisse in deutscher Sprache – exklusiv auf BrasilienPortal.

Dienstag, 12 Uhr: Zwei Räuber überfallen ein Geschäft und rauben ein Videospiel. Die alarmierte Polizei stellt die Verdächtigen, welche daraufhin das Feuer eröffnen. Es kommt zu einem Schusswechsel. Die Täter fliehen in unterschiedliche Richtungen. Ein Mann kann unerkannt entkommen, der andere stürmt in ein Wohnhaus. Dort nimmt er die 29-jährige Mara Souza und deren drei Kinder (4, 6 und 9 Jahre) als Geisel und verschanzt sich. Er trägt eine halbautomatische Waffe bei sich.

Dienstag, 16 Uhr: Der Kriminelle lässt Murilo, den jüngsten Sohn von Mara Souza frei. Im Gegenzug erhält er von der Polizei eine schusssichere Weste. Gegen 17:40 Uhr kommt der Ehemann und Vater der Kinder an den Ort des Geschehens.

Dienstag, 21 Uhr: Die Polizei hat mittlerweile mehr als 80 Beamte vor Ort. Mit dem Geiselnehmer wird über Essen im Austausch gegen eine Geisel verhandelt. Immer wieder bricht der Kriminelle den Kontakt ab.

Mittwoch, 5 Uhr: Die Nacht verstreicht ergebnislos. Der Geiselnehmer, welcher seitens der Polizei ein 26-jähriger Gewalttäter namens Felipe sein soll, will nun nicht mehr mit den Verhandlungsführern der Spezialeinheit sprechen.

Mittwoch, 10 Uhr: Der Kriminelle stellt erneut den Kontakt zur Polizei vor Ort her. Dabei nutzt das zur Verfügung gestellte Funkgerät. Er verlangt ein Fluchtfahrzeug, die Forderung wird abgelehnt.

Mittwoch, 13 Uhr: Die Grossmutter der Kinder, die im Haus gegenüber wohnt, bricht zusammen und muss medizinisch behandelt werden. Mutter und Kindern geht es nach Polizeiangaben gut. Der Name des Täters soll nicht Felipe, sondern Ivanildo lauten.

Mittwoch, 21 Uhr: Das Haus liegt im Dunkeln. Strom und Wasser wurden inzwischen abgestellt. Die Polizei erklärt, dass bis auf vom Täter verlangte Zigaretten keine weiteren Forderungen gestellt wurden. Auch Streichhölzer wurden nicht übergeben. Die Polizei hat Angst, dass der Täter sich mit der im Haus befindlichen Gasflasche in die Luft sprengt.

Donnerstag, 1 Uhr: Der Geiselnehmer hat sich nicht wie verabredet gemeldet. Alle Verhandlungen sind unterbrochen. Die Polizei hofft, dass die Geiselnahme aufgrund der Übermüdung des Täters bald zu Ende ist. Sie dauert mittlerweile 36 Stunden.

Donnerstag, 5 Uhr: Der Täter fordert von der Polizei 2 Feuerlöscher an. Die Beamten des Spezialkommandos versuchen ihn zu überreden, dafür die beiden Kinder freizulassen. Er stimmt zuerst zu, erfüllt dann jedoch nach der Übergabe sein Versprechen nicht. Was er mit den Feuerlöschern macht, ist unklar.

Donnerstag, 13 Uhr: Die Cousine der Freundin des Geiselnehmers kommt zum Tatort. Die 27-jährige versucht ihn zum Aufgeben zu überreden. Der Täter traut den Vermittlern der Polizei nicht. Erneut fordert er ein Fluchtfahrzeug.

Donnerstag, 18 Uhr: Die Polizei hat endlich Gewissheit über den Täter und veröffentlicht weitere Informationen. Er wurde nun endgültig als Gleison Flávio de Salles, 23 Jahre, aus Recife identifiziert. Er ist aus einem Gefängnis in der Region ausgebrochen und wird verdächtigt, einen Mord und drei Mordversuche begangen zu haben. Laut Polizeiaussagen ist er drogensüchtig und hat in dem Laden ein Videospiel geraubt, um sich Crack zu verschaffen.

Donnerstag, 19 Uhr: Der 9-jährige Vitor wird vom Geiselnehmer freigelassen. Die Polizei sieht das als Zeichen einer baldigen Aufgabe des Kriminellen. Es „kann jeden Moment geschehen“ wird ein Polizeisprecher zitiert.

Donnerstag, 19.45 Uhr: Gleison gibt einen Schuss in Richtung Haustür ab. Daraufhin stürmt die Polizei das Gebäude und befreit Mara Souza und ihren 6-jährigen Sohn Thiago. Der Geiselnehmer versteckt sich im hinteren Teil des Hauses unter einem Bett. Er ist unbewaffnet und wird festgenommen.

Donnerstag, 19.55 Uhr: Mutter und Sohn verlassen nach 56 Stunden in der Gewalt des Verbrechers das Haus und werden ins Krankenhaus gebracht. Der Ehemann und die beiden anderen Kinder begleiten sie. Rund eine Stunde später führt das Einsatzkommando Gleison aus dem Haus. Er trägt nur eine Unterhose.

Donnerstag, 21 Uhr: Nach ersten Aussagen der Opfer erkennen Psychologen massive Anzeichen des Stockholm-Syndroms. Besonders Thiago erklärt immer wieder: „Er ist nicht böse, er ist kein schlechter Mensch“.

Dietmar Lang für BrasilienPortal

 

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